Mittwoch, 14. Oktober 2015

Trashfilmabend of the Dead V6 (Arthausu Edition) - Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Khalil: Bevor es zum dritten Film des Abends ging, gab es aus zwei echten Trashperlen noch die ersten 10 Minuten zu sehen. Beide hätten es verdient, im regulären Programm zu laufen, aber da der Abend schon gesetzt war, gab es eben das anstelle der üblichen Trailershow.




Ein herrlich politisch inkorrekter Amateurstreifen, der mit einer wirklich feinen Musikauswahl, Klischees aus jeder Ecke und nicht vorhandenem Budget glänzt. Dazu hat er in meiner Heimat Baden-Württemberg auch noch einen echten Kultstatus inne. Und im Gegensatz zu vielen Amateurproduktionen, die sich gerne zu ernst nehmen, besitzt er auch noch einen echten Unterhaltungswert, auch wenn der Film an sich deutlich zu lange ist.


Spezialkommando Feuervogel 

habe ich erst vor kurzem durch eine Aufführung im Werkstattkino durch den geheimnisvollen Filmclub Buio Omega entdecken können. Der Agentenstreifen mit einem Bruce Lee Double und einem James Bond Verschnitt Marke "wieso ist der überhaupt dabei???" ist allerdings eine Trashgranate vor dem Herren. Die ersten 15 Minuten punkten schon mit tennisspielenden Nackedeis sowie einen Stierkampf gegen einen sehr verhungert aussehenden Stier der besonderen Art - wo ist jedenfalls PETA, wenn man sie braucht?

Andreas: Da ich von den zwei Filmen nur die ersten 10 Minuten mitbekommen hab, spar ich mir mal jeden Kommentar dazu. Dei Mudder sei Gsicht kam leider trotz DVD-Veröffentlichung in kümmerlicher VHS-Kopie-Optik daher, was dem wohl schlechtem Quellmaterial geschuldet ist. Schade, weil das was man sehen konnte, war zwar dämlich, aber irgendwo unterhaltsam. Den attestierten Kultcharakter konnte ich indes nicht nachvollziehen, aber dazu hätte man den Film wahrscheinlich damals sehen müssen. Also damals nach dem Krieg. Ihr wisst schon.

Wer mag kann den ganzen Film auch auf Youtube schauen. Die Bildqualität ist auf DVD auch nicht besser. 

Gehen wir lieber weiter zum nächsten Film.

hab ich ja schon ganz frech in der Einleitung mit Hilfe eines billigen Wortspiels angeteasert. Und ich tu mich ehrlich gesagt schwer damit, den Film so halbwegs vernünftig zu besprechen.

Das fängt schon damit an, dass es kein wirklicher Trash ist. Der Film ist nicht per se schlecht, hat mich aber persönlich im gewählten Rahmen des Abends nicht wirklich angesprochen. Ganz im Gegenteil zu anderen, die den Film schon kannten und ihn entsprechend zu würdigen wussten.  Mich hat er dagegen eher ratlos zurückgelassen und ich fand ihn beim schauen auch dezent anstrengend. Das möchte ich aber, wie schon erwähnt, eher auf den gewählten Rahmen des Programms zurückführen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Film auf japanisch mit deutschen Untertiteln daherkommt. Zu einer Zeit, zu der der Alkohol bereits die ersten Sinne beeinträchtigt, eine schwierige Sache. Dann arbeitet der Film sehr stark über Symbolik, der auch nicht immer einfach zu folgen ist. Sehr gut dagegen die verwendete Tricktechnik, die - die Entstehungszeitraum des Films berücksichtigend - tatsächlich beeindruckend gelang.

Was wir der Handlung so halbwegs entnehmen konnten war eine Tante, die auf die Rückkehr ihres Manns wartet und währenddessen unverheiratete Frauen auffrisst. Blöd für die Mädchengruppe, die bei der Tante ihrer Freundin eigentlich eine unbeschwerte Zeit während der Sommerferien verbringen möchte. Danach wird’s blutig. Jedes der Mädchen wird tricktechnisch schön gemacht um die Ecke gebracht und da ist auch immer wieder diese Katze, die sich wie ein roter Faden durch den Film zieht.

Fazit: Die Katze war’s (© Robert)

Khalil: Nach den beiden Anteaserungen wurde es jetzt Zeit für ein echtes Schwergewicht, denn dass sich an Hausu die Geister scheiden werden, das war mir von vorneherein klar. Zudem ist Hausu tatsächlich ganz großes Kino und sicher nicht das, was man gemeinhin unter Trash versteht, sondern dürfte eher ins Arthouse Kino passen. Aber seine wirklich unfassbare Bildsprache, die irgendwo zwischen Groteske und surrealen Bildern ist, sorgt meines Erachtens für einiges an Unterhaltungswert.

Im Grunde ist Hausu eine klassische Geistergeschichte. Eine Schulklasse aus kreischenden japanischen Mädchen in Schuluniform macht Ferien in einem Haus und wird dabei auf äußerst kreative Weise eine nach der anderen um die Ecke gebracht. That‘s it. Das „wie“ ist aber das Besondere, selten werden Menschen so kreativ dahin gemeuchelt. Sei es, indem sie in einem Teppich versinken oder ein Klavier sie frisst. Grandios.

Wie auch die komplette Umsetzung des Films: Schnitttechniken aller Art, Doppelmontagen, wilde Bildcollagen, die in keinem Kontext auf den ersten Blick Sinn machen, Bilder, die sich irgendwo zwischen Postkartenidylle, Hyronimus Bosch sowie einem besonders abgedrehten Anime bewegen. Dazu kommt noch ein Soundtrack, der sich sprichwörtlich in die Synapsen brennt - nicht ohne Grund wird Hausu gerne als verrücktester Film aller Zeiten unter Cineasten abgefeiert und ich kann mich dem nur anschließen. Ganz großes, wenn auch nur schwer zu fassendes Kino, welches man auf jeden Fall mal gesehen haben sollte.

Wagt man sich an den Film, lässt es den Betrachter viele Lachattacken und und noch mehr große Fragezeichen und WTF Momente durchleben. Meinem Publikum scheint er jedenfalls zu weiten Teilen gefallen zu haben.

Also, absoluter Anschaubefehl, zumal es einen guten deutschen DVD Release gibt. Ich würde allerdings jederzeit die Fassung von Criterion vorziehen, die einen Kurzfilm des Regisseurs sowie einen sehr lesenswerten Essay über den Film mit an Bord hat.

Nach Ende vom dritten Film war bei einigen Filmliebhabern Aufbruchstimmung angesagt, aus gesundheitlichen Gründen war dies leider auch bei mir der Fall, aber zumindest habe ich den Jungs und der Dame noch den geplanten Abschluss eingelegt, der ebenfalls für Unterhaltung gesorgt haben dürfte.

aus dem Jahr 1982 ist der Beweis dafür, dass auch ein ordentliches Budget sowie eine Riege etwas talentierterer Schauspieler einen Film nicht davor retten können, in die Untiefen des Trashs abzustürzen. Dafür sorgt schon die Handlung, die sich gar nicht erst lange mit Erklärungen aufhält und irgendwie sehr an diverse Hintergrundgeschichten von Actionspielzeug ala G.I.  Joe erinnert.

Eine geheime Weltarmee aus aller Herren Ländern, angeführt von Mr. "Daumen hoch und Dauergrinsen an" Barry Bostwick als "Dallas", der schon „Riffraff“ in der Rocky Horror Picture Show geben durfte. Dem ein oder anderen ist er sicher auch als der Bürgermeister aus Chaos City bekannt - sein Spätwerk, wenn man so will.

Und natürlich führt die bestens ausgerüstete Weltarmee einen Kampf gegen böse Kommunisten(wir haben ja die Achtziger, gegen wen sonst soll das wohl angehen?) aus einem fiktiven Staat. Die Basis ist tatsächlich sehenswert und die Jungs mit den goldenen Uniformen haben auch ein paar nette Spielzeuge in Form von Motorrädern mit Raketen, Buggys etc. Gut, man könnte sich fragen, was ein paar Buggys gegen eine Panzerdivision ausrichten sollen, die zudem noch von einem alten Kumpel des Hauptprotagonisten angeführt werden, aber mei, nehmen wir es mal nicht so genau. Außerdem - die Guten haben sogar fliegende Motorräder!
Was den Streifen trotz echter Längen allerdings trashtauglich macht, ist wieder einmal die sehr launige Synchro. Sicher, auch das Original war von vornherein als Actionkomödie angelegt, die deutsche, wirklich sehr kreative Umsetzung wischt aber mit dem Original den Boden.
Beispiele gefällig?

„Ich bin von Megaforce, mein Name ist Dallas. – Dallas? Wie diese grässliche Fernsehserie?“
"Der Mann hat mehr akademische Grade als ein glühendes Thermometer!"
 „Sibirien ist noch zu gut für dich, ich werde dich nach Ostdeutschland schicken!“

Nehmt das, OV-Nazis!

Gepaart mit dem 80er Spielzeuglook, der launigen Synthiemusik und den doch passablen Effekten trotz Längen ein würdiger Abschlussfilm für den Abend. Das hoffe ich jedenfalls, persönlich war ich leider nicht mehr anwesend.

Und wer jetzt nach einer DVD Ausschau hält, den muss ich leider enttäuschen - im deutschen Gefilden ist der Film nur als Bootleg erhältlich, auch hier heißt es mal wieder warten und hoffen (auf Amazon kann man den Film vorbestellen. Als Termin wird Ende November angegeben. Anm. v. Andreas). Wie auch immer, damit endete dann der offizielle Teil der Nummer 6 und wie immer auch einen großen Dank an das Publikum, den Gastgeber, der wirklich einem tollen Job gemacht hat. Man kann davon ausgehen, dass es auch eine siebte Auflage geben wird, für das kommende Jahr habe ich da Einiges geplant, lasst euch einfach mal überraschen.

Andreas:  Zu Megaforce hab ich hier schon mal was geschrieben (was ich immer noch unterschreiben würde), deswegen spar ich mir hier ausschweifende Arien darüber. Nur der Hinweis, dass die späte Stunde ihren Tribut forderte, was Teilnehmerzahl und Aufmerksamkeit anging. Aber selbst in kleiner Runde konnten der berühmte „Daumengruß“ und die Fönfrisur des Hauptdarstellers noch überzeugen.

Fazit: Daumen geküsst und hoch!

Den Film gibt's komplett auf Youtube, einbetten wurde aber deaktiviert. Zum schauen geht's hier lang.

Ganz exklusiv hab ich dann mit Bomber noch

geschaut. So exklusiv, dass mir zwischendurch die Augenlider zugefallen sind. So exklusiv, dass sich selbst der Gastgeber mittendrin aufs Ohr gehauen hat und so exklusiv, dass ich selbst immer wieder weggenickt bin. Zwischendurch hab ich eine Sekte gesehen, die Harley David’s Sohn verehrt, irgendwas mit einem blauen Kristall (TADAAA) und ein Playmate, das versucht zu schauspielern. Und ein paar Knallchargen, die in ihren Rollen rum eiern. Oh, und an sich tolle Raumschiffmodelle gibt’s auch. Die wirken bei dem Film aber wie Perlen vor die Säue. Den Film würd ich gern zu früherer Stunde in größerer Runde nochmal sehen.


Fazit: Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für ein Playmate

Wer des Englischen mächtig ist, schaut hier rein: 



Trashfilmabend of the Dead V6 (Arthausu Edition) - Teil 1

Wo beginnt Trash und wo endet Kunst? Oder kann ein Film Trash und gleichzeitig Kunst sein? Nur zwei Fragen, denen wir uns in der aktuellen Reinkarnation unserer gemütlichen Zusammenkunft stellen mussten. Aber dazu später mehr.

Trashfilmabendinventar
Gute und sehr gute Filme gaben sich die Klinke in die Hand und vom Crowdpleaser bis zu für die gesellige Runde nicht ganz so passendem „Arthausu“ war alles vorhanden, was das Cineastenherz bluten oder frohlocken lässt. Wie auch die letzten Male wird Khalil, bekannt aus dem Celluleute-Podcast, ein paar launige und vor allem informative Gastkommentare beitragen. Und dann übergeb ich auch doch gleich das Wort.

Khalil: Tja, wie doch die Zeit verfliegt - vor drei Jahren hab ich den Münchner Trashfilmabend ins Leben gerufen und jetzt sind wir schon bei Nummer 6 angelangt. Wow, wer hätte gedacht, dass aus einer kleinen drei Mannrunde inzwischen ein Event werden kann, an dem sogar Gäste aus der Schweiz oder Südtirol sich blicken lassen?

Wie auch immer, aus organisatorischen Gründen gab es dieses Mal einen Ortswechsel, der ehrenwerte Markus, nennen wir ihn Bomber, hat sich spontan dazu bereit erklärt, in sein ehrenwertes und ruhiges Haus zu laden. Goffen wir mal, dass der Herr die Tage nicht die Kündigung seiner Wohnung bekommt, denn wie immer war Dank etwas Alkohol (sogar Grog für die unter uns Kränklichen wurde zubereitet) Gejohle und Gegröle vorprogrammiert.

Doch der Ortswechsel war nicht die einzige Neuigkeit, zum ersten Mal hat sich eine Dame in die Höhle der Trashfilmliebhaber gewagt und auch bei der Filmauswahl bin ich andere Wege gegangen - keine Trailershow und kein italienischer Endzeitstreifen. Aber keine Sorge, für italienische Verhältnisse wurde auf anderem Wege gesorgt.

Natürlich geht kein Trashabend ohne einen zünftigen Endzeitstreifen, dieses Mal allerdings nicht aus dem italienischen Genrekino, sondern aus DER Filmschmiede der 80er, der Cannon Group, denen wir schon Meisterwerke wie "Ein Mann sieht rot 3" oder "American Ninja" zu verdanken haben - allen Interessierten über dieses wirklich bemerkenswerte Studio sei hier noch der Podcast vom Entertainment Blog ans Herz gelegt, bei dem ich zu dem Thema Gast sein durfte.

Fairerweise muss man vorab sagen, dass Cannon durchaus sehr gute Filme produziert haben, 

dürfte allerdings nicht dazu zählen, auch wenn sich der Film selbst nicht ernst nimmt, mit Humor ist es allerdings so eine Sache, dafür braucht es Talent, und das hatten weder Darsteller noch der Regisseur. Aber keine Sorge, gelacht wurde dennoch, was eher am unfreiwilligen Humor sowie einer sehr launigen Synchro lag.

Zur Handlung - ja, wieder einmal sind die Bomben gefallen, alles am Arsch und die Welt wurde woggo .

Die Gesellschaft ist 900 Jahre nach dem Knall in zwei Klassen gespalten - den Frauls, die herrschende Klasse hoch zu Ross und schicken Fönalldreiwettertaftdiefrisursitzt-Betonfrisur, die über die bedauernswerten Männer herrschen, die in Machos und Besamer aufgeteilt werden.

Nicht alle Männer sind mit der Position zufrieden, so kommt es wie es kommen muss...

Im Grunde macht America 3000 einiges richtig - ein schönes 80er Flair dank Fönfrisuren der Damen und Powermetal aus dem Ghettoblaster, ein Setting, welches durchaus ein paar Dollar gekostet haben könnte, ja sogar ein zotteliges Monster kommt vor, was auch immer es wohl darstellen möchte - doch leider ist da immer noch die Sache mit dem Talent und die ist, wie bereits erwähnt - Fehlanzeige bei allen Beteiligten.

Dass der Film unter Trashgesichtspunkten dennoch funktioniert, das liegt meines Erachtens an der großartigen Synchro sowie den Wortspielereien, die es auch im Original gab. Die sorgten für einige Schenkelklopfer.

Für die "etwas" sexistische Handlung (man darf raten, durch was die Anführerin der Frauls zum Umdenken kommt)  gibt sich der Streifen außerordentlich zahm, trotz feschen Leder/MadMax/Schulterplatten des Bösen Looks ist nicht einmal eine barbusige Dame zu sehen, auch vom Gewaltgrad her bleibt es auf dem Niveau eines Kabeleins/RTL 2 Filmes an einem Sonntag Mittag. Da sind wir jedenfalls von den italienischen Pendants meilenweit entfernt, was man allerdings auch am Setting merkt, welches deutlich abwechslungsreicher und aufwändiger sind als die uns bekannten italienischen Industriegebietskulissen.

Leider gibt es den Film bisher nur als amerikanische DVD, man kann hoffen, dass sich irgendwann mal ein Label erbarmt, und ihn mit seiner launigen deutschen Synchro veröffentlicht, bis dahin bleibt einem wohl nichts übrig, als mal auf eine erneute Ausstrahlung bei den Privaten zu hoffen - jedenfalls, wenn auch das Budget höher war als gewohnt, kein schlechter Einstieg in den Abend.

Andreas: Ein amerikanischer Endzeitfilm, angesiedelt in der verstrahlten Endzeitödnis des untergangenen Amerikas einer nicht näher definierten Zukunft.

Die Ausgangslage ist einfach: Ganz Amerika wurde von Atombomben zerstört. Ganz Amerika? Nein, eine kleine Schar Menschen, streng getrennt nach Geschlechtern, kämpft um ihr Überleben und ihre Macht über das andere Geschlecht.

Die Frauen (genannt Frauls oder so ähnlich) sind in dieser Zeit die dominante Spezies. Die Männer wiederum trennen sich in Besamer (gut, der Name ist recht eindeutig), Machos (wilde ungekämmte Kreaturen) und Spielzeuge, deren Daseinszweck sich vom Besamer nicht allzu groß zu unterscheiden scheint.

So läuft das dahin, bis der ausdruckslose Held der Geschichte das nicht länger hinnehmen will. Zusammen mit ein paar der anderen Besamer flieht er aus der Gewalt der Frauen und mit dem Fund eines Buchstabierbuchs für Erstklässler ändert sich sein Leben rapide. Plötzlich können er und die anderen Besamer lesen, was in ihnen den Wunsch weckt, auch die anderen geknechteten Männer aus der Macht der Amazonen zu befreien.

An der Stelle breche ich mal ab und gehe näher auf den Film ein. Dass die meisten Darsteller nicht den Funken Talent haben, nun darüber kann man hinwegsehen. Dass der Film von Haus aus nicht wirklich ernst gemeint war, und trotzdem auf ganzer Linie versagt, darüber kann man vielleicht auch noch hinwegsehen. Nicht hinwegsehen kann man über die Betonfrisuren der Amazonen. Das komplette Weibsvolk wirkt wie aus einem 80er Posermetal-Video entsprungen, wozu häufig auch die eingespielte Musik passen würde.

Überraschend aufwändig fand ich aber die Kulissen. Anders als in diversen italienischen Heulern erinnern hier nicht 90 % der Kulissen an verfallene Industrieruinen oder die ewig gleichen Abwasserkanäle. Da steckt tatsächlich etwas Aufwand und Liebe zum Detail drin. Mehr, als man vom Rest des Films ausgehend erwarten konnte.

Die Handlung ist verworren und meistens unlogisch, das Rollenbild ist erschreckend altmodisch, die Schauspieler wirken nicht selten wie Pappaufsteller und die Frisuren, nun, die kann man nicht oft genug als schrecklich bezeichnen.

Fazit: Großartiger Einstieg und gelungener Crowdpleaser

Hui: Den Film gibt's komplett auf Youtube (mit englischem OT): 

Khalil: Und mit fortschreitendem Alkoholkonsum konnte man dann auch die Trashschraube hochdrehen, was beim zweiten Film des Abends definitiv der Fall war. Kein ernster Trashfilmliebhaber kommt an den Untiefen des türkischen 70er Kinos vorbei, welchem die Umschreibung "ein Kessel Buntes" nicht einmal im Ansatz gerecht wird. Vom blumigen Familiendrama über klassische Genremixturen aus dem Bereich Horror/Abenteuer/Sf/Historienkinos bis hin zur echten Exploitation ist alles dabei. Und jeder davon ist garantiert grottenschlecht bis ins Mark. :)

Mit
Wie tödlich sind 1000 Döner?
war zudem ein Vertreter am Start, der noch zwei besondere Extras hatte - zum einen war als Mitproduzent und Regisseur ein gewisser Herr Hofbauer mit am Start, der bereits mit "Karate, Küsse blonde Katzen" einen echten Clash of the Cultures produziert hatte. Dieses Mal gab es eine wilde Mischung aus italienischem Abenteuerfilm und türkischem Kino, best of both worlds sozusagen. Dazu noch mein persönliches Highlight: der Hauptdarsteller. Der Großmeister des türkischen Kinos, Cüneyt Arkin - eine wilde Mischung aus Pierre Briece, Elvis und Indiana Jones. Und noch mehr.

Viel viel mehr, wenn man seine Filmographie betrachtet, die 270 Filme als Darsteller umfasst. Ach, Regisseur war er auch noch. und Drehbuchautor. Außerdem Meister einer Kampfkunst, die irgendwo zwischen Bud Spencer, Bruce Lee und einem zugedröhnten Ochsenfrosch angesiedelt ist - so schön springen und fliegen kann jedenfalls keiner. Stilsicher mit stahlblauen Augen und einem ausdruckslosem Gesicht, dem er nur sehr limitiert Gefühlsregungen entlocken kann. Meine Herren, was für ein Typ!

Handlungstechnisch nur das Notwendigste. Denn dieser zu folgen war trotz simpler Story für den geneigten Zuschauer nicht ganz so einfach - wilder Schnitte, unzusammenhängender und sich wiederholender Szenen sei Dank.

Der böse Fürst Mustafa herrscht mit eiserner Hand und einem geheimnisvollem weißem Pulver aus China, mit dem er seine Gefolgsleute gefügig macht, über sein Reich - bis der geheimnisvolle RÄCHER Kara Murat mit ihm und gegen seine Gesellen den Kampf aufnimmt...
Ja, man sieht dem Film durchaus an, dass er etwas mehr als die üblichen türkischen Produktionen gekostet hat - aber viel kann es nicht gewesen sein. Selbst vor Weihnachtsdekoration wurde nicht halt gemacht, um die Bude des Herrschers etwas aufzupimpen oder es ist in die äußerst kreativen Kopfbedeckungen der Darsteller geflossen. Solche edlen Turbane wie in den ersten 20 Minuten bekommt man nicht einmal an einem Folkloreabend in einem türkischen All Inclusive Hotel zu sehen.

Dazu obenauf noch ein paar äußerst lustlose Nackttänze einer Hauptdarstellerin, Männer mit sehr Schnurbärten, Ali Baba sowie dem türkischen Pedant des "Beißers", einem DER Bösewichte aus James Bond. Sowie eben der eingangs erwähnte Cüneyt Arkin, dessen wahre Talente bei den unzähligen Kampfszenen zur Geltung kommen. Einer der Anwesen (Das war ich! Anm. von Andreas) will einen gewissen Einfluss des italienischen Kinos ala Bud Spencer erkannt haben, allerdings, wer Turkish Star Wars kennt, der weiß - der Mann kämpft immer so.
Und erschreckenderweise scheint er sich dabei sehr ernst zu nehmen - wie der Film tatsächlich sich selbst auch. Denn auch wenn man es kaum glaubt - das war eine absolut ernstgemeinte Produktion.

Auch wenn der Film handlungstechnisch leider ein paar Längen hat, für einen Einstieg in die wunderbare Welt des türkischen Kinos sowie für einen launigen Trashabend auf jeden Fall eine klare Empfehlung, zumal es einem offiziellen deutschen Release gibt, was aus diversen Gründen bei den wenigsten Vertretern aus der Türkei der Fall ist.

Andreas: Um auch mal Exoten eine Chance zu geben, hat der Lord für uns ein besonderes Schmankerl organisiert. Kara  Murat – Der Rächer Anatoliens ist eine türkisch/italienische Koproduktion mit dem türkischen Superstar Cüneyt Arkin.

Die Handlung ist nicht so einfach in Worte zu fassen. Grundsätzlich geht es um einen bösen Fürst, der sich samt Tochter vom Khan lossagt. Um seinen Forderungen nach Selbstbestimmung Nachdruck zu verleihen, entführt er die Botschafter des Khans und schickt eine Attentäterin, um den Khan zu warnen. Der überlebt den Anschlag, der aber ohnehin nicht seinem Leben galt, und schickt daraufhin Kara Murat, die Einmannkampfarmeemaschine, um dem Fürst den Marsch zu blasen.

Der Fürst bekommt davon Wind und schickt wiederum seine Schergen, um Lothar, den Cousin/Bruder/Schwager/Weißichnichtmehr von Kara Murat entführen, und seine Frau töten zu lassen.

Im Mittelteil passiert jetzt so einiges, was nicht immer Sinn ergibt. Auf jeden Fall kämpft Kara Murat abwechselnd gegen und für die Tochter des Fürst, gegen Ali Baba und seine 14 Räuber (mehr sinds nicht!), dann gegen und für den Fürst, dann noch gegen eine Gruppe Chinesen und am Ende zusammen mit Lothar erst gegen die Tochter, die sich mittlerweile gegen ihren Vater gewandt hat, dann gegen den Vater, dann gegen die Tochter und am Ende explodiert die Burg des Verräters.

Da verwundert es nicht, dass einige Anwesende der Handlung nicht mehr so recht zu folgen wussten und selbst dem aufmerksamen Zuschauer entging die eine oder andere Motivation für den plötzlichen Sinneswandel des Helden.

Die Machart des Films wechselt immer wieder von der wahrscheinlich ernst gemeinten Rahmenhandlung zu slapstickartigen Kämpfen, denen die italienische Expertise deutlich anzumerken ist (und daran halte ich fest!). Die Kulissen sind nicht selten billige Spanplatten und Gips-Konstruktionen, die immerhin bunt bemalt wurden. Schlimm oft der Übergang von Innen- zu Außenkulisse, die viel zu selten zusammenpassen. Und dann sind da noch die Kostüme. Vor allem die Kopfbedeckungen, die abwechselnd ausschauen wie aufgetürmte Klopapierrollen oder zusammengefaltete Kissen. Zudem finden sich in dem Film so ziemlich alle Stereotypen, deren Verwendung westlichen Filmemachern nicht zu Unrecht vorgeworfen werden würde. Dazu kommt noch eine Bildqualität, die von Super 8 zu immerhin fast-DVD-Niveau pendelt.

Immerhin hab ich gelernt, dass Schießpulver erst explodiert, wenn es wahlweise eine Treppe hinab geworfen wird, oder man einen Stock aufs Fass schmeißt. Muss man wissen.

Fazit: Kara Murat ist für wahr der Rächer Anatoliens am westlichen Kino

Noch ein Hui: Auch Kara Murat hat es auf Youtube geschafft und spricht dort sogar Deutsch: 



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Dienstag, 19. Mai 2015

B-Film Basterds Nürnberg 2015 - Teil 2

Andreas: Tag zwei beginnt mit einer handfesten Überraschung. Der Geist Ed Woods schlägt erbarmungslos zu, und verhindert eine Aufführung von

The Sinister Urge


Ratlosigkeit beim Doc
mit einer laut Cover Regionfree DVD, die sich dann anschließend auf lokalen Endgeräten nicht wiedergeben lässt. Die Zuschauer nehmen’s mit Humor, dem Veranstalter ist es sichtlich etwas peinlich und die Zwischenrufe zwecks Erstattung des Eintritts sind zum Glück nicht ganz ernst gemeint. Auch der zweite Take in Form einer eilig herbei geschafften PS3 schafft keine Abhilfe, weil die zwar US-Spiele, aber keine US-DVDs abspielt. Um den Ablauf nicht weiter zu gefährden, wird der Film kurzerhand ans Ende des Programms geschoben, wo die Wiedergabe im dritten Take dann doch noch erfolgreich war. Wenn auch weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Auf Youtube kann man den Film in der launigen MST3K-Version nachholen: 


Aber gut, das war jetzt kein Beinbruch. 

Jaka der Rebell


ist nämlich auch ein guter Einstieg für den Samstag. Ein ganz hervorragender sogar. 

Der Holländer
Ganz grob geht es in dem Film um den islamistischen Terroristen Jaka, der sich gegen die europäische Schutzmacht in Indonesien auflehnt, und schließlich einen Bürgerkrieg vom Zaun bricht. Ok, im Film spricht man natürlich nicht von Terrorismus und die holländische Schutzmacht wird auch eher als fieser Unterdrücker präsentiert. Alles eine Frage der Perspektive.




Jaka - Der Planlose

Der indonesische Film war in seiner Heimat wohl ein großer Erfolg, so dass noch diverse Nachfolger produziert wurden, die es zumindest nicht nach Deutschland geschafft haben. Schade eigentlich, weil bereits der erste Teil Unterhaltung auf hohem Niveau präsentiert.

Neben spektakulären Kampfszenen dürfen wir uns auch an Kämpfern mit übernatürlichen Fähigkeiten ergötzen, die je nach Szene mehr oder weniger mächtig sind. Da ist zum Beispiel der erste ernst zu nehmende Gegner Jakas, der zwar Kugelbeschuss stand hält, vor einem Bambusstab dann aber kapituliert, was überaus blutig in Szene gesetzt wird.

Jaka - Der Blinde
Überhaupt geizt man nicht mit blutigen Spezialeffekten, die ihren Höhepunkt in der Szene finden, in der der Held mit einem Bajonett geblendet wird. Buargh.

Natürlich geht es auch hier nicht ganz ohne Budget bedingte Kompromisse. So werden zum Beispiel die meisten Europäer von Personen mit mehr oder weniger deutlichen asiatischen Gesichtszügen verkörpert, die Goreeffekte verfehlen das eine oder andere Mal ihre Wirkung und die deutsche Synchro ist nicht sooo toll. Aber für letzteres können die Macher freilich nichts.

Jaka - Das Hausschwein
Etwas eigentümlich erscheint der Film aufgrund des eingangs geschilderten Szenarios. Natürlich ist Jaka kein Terrorist, sondern der tapfere Rebell, der mit Allahs Hilfe die holländischen Besatzer vertreibt. So wird häufiger sein Glaube referenziert, mit dem gemeinsamen Gebet vor der Schlacht macht man sich Mut und sein Glaube verleiht ihm die überirdische Macht, den übernatürlichen von den Toten zurückgekehrten Kämpfer zu besiegen, der für seine Verwandlung in ein Schwein verantwortlich war (fragt nicht).  So oder so ist das ein schönes Beispiel dafür, dass alles relativ ist, auch unsere Sicht der politischen Ereignisse. Vermutlich würde man heute diesen Film international auch anders vermarkten, als dies Anfang der 80er Jahre noch möglich war. Aber ich will da jetzt auch nicht zu viel hinein interpretieren. Solang es gegen Holländer geht, ist es doch klar, wer der Gute und wer der Böse ist.

Jaka - Die Augen-OP
Xander: Jaka – Der Rebell ist einer dieser großen, unbekannten Filme, die mit einer epischen Geschichte, unglaublichen Splattereinlagen und einer großen Portion Melodram aufwarten. Unschuldiges Kino, das in Blut watet und keine Hemmungen hat, den Held weinend und Körper zerteilend zu zeigen.

Ein bisschen wie Bollywood ohne das Singen. Zwischendurch werden dem Helden die Augen ausgestochen, was in Fulci-Manier im Großformat realisiert ist, dann wird er wie in einem DEFA-Film in ein Schwein verwandelt, um wie im Märchen von der hübschen Prinzessin gerettet zu werden.

Der Film ist herrlich naiv und zugleich rührend bemüht, eine bewegende Geschichte zu erzählen. Vielleicht mal was für das Weihnachtsprogramm bei Al-Dschasira.

Die Lehrfilme sind ein guter Gag. Allerdings begeistern am ehesten die Ausstattung und die „Kostüme“. Inhaltlich und schauspielerisch erinnert das alles zu sehr an die berüchtigten Kinderläden der siebziger Jahre. Rüdiger Hoffmann hat diesen pseudopsychologischen Sprachduktus schon ausgiebig parodiert, sodass das Original fast wie eine Farce wirkt. Kann man gucken, war für mich aber zu Deutsch in der Ausführung. Nett, aber zahnlos und ein bisschen hatte ich das Gefühl, da haben sich ein paar Industriefilmer an öffentlichen Geldern gesund gestoßen. Das nächste Mal wünsche ich mir exotische Urlaubsfilme aus den Siebzigern.

Andreas: Die Kurzfilme entstammten allesamt dem Lehrfilm-Genre und blieben zumindest bei mir etwas hinter den Erwartungen zurück. Natürlich sind das vom Zeitgeist geschwängerte Filmdokumente, die gerade immer dann anachronistisch wirken, wenn das damals gängige Familienbild thematisiert  wird, aber sonst nicht groß durch Peinlichkeiten auffallen. Trotzdem ein interessanter Blick rund 40 Jahre in die Vergangenheit. Schätz ich jetzt mal.
Vergangenheit ist ein schönes Stichwort (und der Satz ein ganz mieser Übergang, aber ich bin mir für nichts zu schade): Die Hammer Studios waren auch Vergangenheit, bzw. haben Anfang der 70er Jahre den Anschluss verpasst. Dracula, Frankenstein, gotischer Überbau und gestelzte Dialoge wollte kein Mensch mehr sehen, mit Texas Chainsaw Massacre wurde eine neue Art des Horrors etabliert, dem die Hammer Studios nicht folgen konnten oder wollten. Um trotzdem irgendwie dem Zeitgeist zu entsprechen, wurde eine Kooperation mit den Shaw Brothers eingegangen, die gerade dabei waren, das Genre des Kampfsportfilms umzukrempeln. Trivia am Rande: die Shaw Brothers haben auch einst mit Ernst Hofbauer kooperiert, woraus der wunderbare Titel Karate, Küsse, Blonde Katzen entstanden ist, zu dem ich hier schon mal etwas geschrieben habe.

Aber zurück zu den Hammer Studios. Aus dieser Kooperation sollte

Die Sieben Goldenen Vampire


Großmoff, äh, Vampirjäger van Helsing
entstehen, der Dracula, chinesische Vampire und Kampfkunstaction mischt. Die Hammer Studios schicken unter anderem den Horrorfilm-Veteran Peter Cushing ins Rennen, der hier seine Rolle als Dr. van Helsing wieder aufnimmt, die er bereits 1958 in Dracula ausüben durfte. Für mich bleibt er trotzdem auf immer und ewig mit der Rolle des Großmoff Tarkin verbunden, aber sei’s drum.

Nun, auch wenn sich der Film an der Figur des Draculas und van Helsing bedient, geht er doch komplett eigene Wege. So wird die Handlung nach dem kurzen Einstieg auch gleich ins China des 19. Jahrhunderts verlegt, wo van Helsing Vorträge an einer Universität über Vampirismus hält. Die dortigen Studenten zweifeln an seinen Worten, und verlassen unter Gelächter den Saal. Nur einer bleibt zurück, der sich als Bewohner eins Orts entpuppt, der von den Vampiren terrorisiert wird.

Er überredet Van Helsing, ihm mit seinem Sohn und einer Gönnerin, die die Reise finanziert, zu folgen, und verspricht ihm im Gegenzug Schutz vor missliebigen Chinesen, die der Sohn bei einem Abendessen vergrault hat. Den Schutz übernimmt er zusammen mit seinen Brüdern und einer Schwester, die allesamt in der Kunst des Nahkampfs und jeweils einer eigenen Waffe geschult sind.

Der gelbe Teufel!
Schon bald kommt es zum ersten Zusammentreffen mit den Söldnern des Chinesen, was klar zu Gunsten der Reisegruppe geht. Das nächste Zusammentreffen erfolgt dann mit einem Kommando der Vampire, aus der die Gruppe zwar als Sieger, aber geschwächt hervorgeht. Langsam kommen sich auch die Protagonisten näher. Im Sinne der Vereinigung von Ost und West, liebäugelt van Helsings Sohn mit der Schwester der chinesischen Großfamilie, während der Bruder sich an die blonde Gönnerin heranmacht. Die restlichen Brüder bleiben mehr oder weniger Komparsen, die nur hin und wieder ihre Kampfskills demonstrieren dürfen.

Der weiße Teufel!
Als man schließlich die bereits stark dezimierte Stadt erreicht, werden sofort Verteidigungsanlagen errichtet und der finale Angriff der Vampire erwartet. Nach einer verlustreichen Schlacht dringen die letzten Überlebenden in den Unterschlupf der Monster vor, wo sich dann van Helsing die Wurzel allen Übels entblößt (was nur halb so schweinisch gemeint ist, wie es vielleicht klingt): Dracula.

Ach, ich mach’s ab jetzt kurz: für mich hat dieser Stilcrossover nur bedingt funktioniert. Wo bei Karate, Küsse, Blonde Katzen ein unterhaltsamer Film bei rumgekommen ist, ist Sieben Goldene Vampire weder so richtig Fisch noch Fleisch. Zwischen all den herumwirbelnden und Karate (oder was auch immer) kämpfenden Chinesen wirken Peter Cushing und sein Filmsohn wie Relikte einer vergangen Zeit. Steif und unbeweglich bewegen sie sich durch die Kämpfe, in denen sie wie durch ein Wunder stets verschont bleiben. Jetzt ist es natürlich schon so, dass ein Peter Cushing allein durch seine Anwesenheit Flair versprüht (Großmoff Tarkin!!!), was hier aber in gewisser Weise verpufft.

Die Handkantenaction ist solide produziert, die Kämpfe sind variantenreich und entsprechen so ziemlich dem Stand ihrer Zeit, würd ich jetzt mal behaupten.

Die Vampire dagegen lassen irgendwie sämtliche Bedrohlichkeit vermissen; das könnte auch eine Banditenbande sein. Nur einmal hat es direkte Konsequenzen, dass die Gruppe eben von Vampiren und nicht gemeinen Wald- und Wiesenbanditen angegriffen wird, was dann auch für etwas Dramatik sorgt und die unbedingte Opferungsbereitschaft der Gruppe demonstriert.
Trotzdem war ich am Ende von dem Film doch eher etwas enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir von der Kooperation mehr versprochen.

Aber das Highlight des Tages stand ja noch aus.

Der Hort des Bösen!
Xander: Das erste Majormovie des Festivals war dann Die sieben goldenen Vampire. Zu diesem Film muss man sagen, dass er lange einen hervorragenden Ruf genoss und unter Horrorfans immer wieder empfohlen wurde. Mitte der Achtziger erzählten mir noch die großen Nachbarjungs ehrfürchtig von den „goldenen Vampiren“, die sie gleich gucken würden. Die Hammerproduktion gibt sich Mühe, auf den Zeitgeist aufzuspringen, allerdings wurde in der Ankündigung richtig erklärt, dass Texas Chainsaw Massacre solche Filme einfach alt aussehen lassen musste. Am ehesten erschließt er sich wohl im Kontext der anderen Dracula-Filme. Leider funktioniert die Action anstelle des Horrors nicht so wirklich. Wurde mit dem Film nie wirklich warm und auch jetzt gelang es mir nicht. Aber das Wiedersehen mit Peter Cushing macht Spaß!

Auch den Film gibt's komplett auf Youtube (Englisch): 



Der Kampfgigant


Der Kampfgigant!
Andreas: Speziell Xander war schon ganz hibbelig, zählt der Film doch zu seinen Alltime-Faves. Und allein die Aussicht auf einen italienischen Rambo-Ripp off hat auch mir ein feuchtes Höschen spendiert. Dazu noch der sehr vielversprechende Titel. Der Film hatte mit einer großen Erwartungshaltung zu kämpfen.

Im Original heißt der Film übrigens „Double Target“, und drückt damit die Handlung des Films nicht halb so gut aus, wie der deutsche Titel. Weil um recht viel mehr, als um den Kampfgiganten geht’s in dem Film nicht. Der Rest der Handlung ist nur ein Alibi für Explosionen, Feuergefechte, Explosionen, billige Dialoge und noch mehr Explosionen. So gesehen wär nur noch der Titel „Der Explosionsgigant“ passender.

Aber wie gesagt, sowas wie eine Handlung gibt es auch.

Der Kampfgigant!
Mehrere US-Stützpunkte und –Niederlassungen werden Opfer von Terrorangriffen. Die USA ist machtlos und weiß, dass nur einer helfen kann: Bob Ross, verkörpert vom göttlichen Miles O’Keeffe.

Bob ist Vietnamveteran und hat, wie es ein guter Vietnamveteran halt so macht, eine Vietnamesin geschwängert. Zehn Jahre nach dem Krieg will er seinen Sohn endlich mal sehen und spricht im vietnamesischen Konsulat vor. Dort eröffnet man ihm, dass seine Frau im Umerziehungslager verstorben ist und er seinen Sohn nicht sehen darf. Weil halt. Das findet er gar nicht so toll, weshalb der anwesende KGB-Agent sicher ist, dass er einen US-Spion vor sich hat. Das naheliegendste in so einem Fall ist natürlich, den US-Spion vor Ort in einem unabhängigen Land festzusetzen und zu verhören. Das wiederum findet der Kampfgigant nicht so witzig und flüchtet aus dem Konsulat, verfolgt von einer Horde Vietnamesen, die kein Problem damit haben, in einem autonomen Staat offen mit automatischen Gewehren rumzulaufen. Wahrscheinlich will uns der Film damit sagen, dass alle asiatischen Länder Feinde der Freiheit sind, und die deswegen sowas tolerieren. Wahrscheinlich.

Bumm!
Rumms!
Nun, kurz bevor er sich selbst rettet, wird er von einem Hubschrauber des CIA (oder irgendeinem anderen amerikanischen Nachrichtendienst) gerettet und in das Land der Freiheit zurück gebracht. Dort offeriert man ihm einen Deal: Die Terroristen haben ein Trainingscamp in Vietnam. Wenn er dorthin vordringt und die Pläne der Terroristen durchkreuzt, darf er auf dem Rückweg seinen Sohn mitnehmen. Die Sache hat allerdings den Haken, dass der dafür zuständige US-Senator gleich von Anfang kategorisch ausschließt, Bob wieder in die Heimat zurück zu holen. Ist aber egal, die Aussicht seinen Sohn zu sehen, ist Motivation genug. Mit Hilfe einer Ausrüstung, die behauptet Millionen Dollar wert ist, wird er ins Feindesland geschickt.

Bumms!
Der erste Kontakt mit seinem Sohn verläuft unterkühlt. Trotzdem macht er sich auf die Suche nach dem Terrorcamp. Unterwegs treffen sie auf einen LKW mit sowjetischen Soldaten, was sogleich mit einem „Terroristen!“ quittiert wird. Daher weht also der Wind. Die fiesen Sowjets stecken also hinter den Terroranschlägen. Naja, Mitte der 80er – wer sonst? Nun, der LKW wird gekapert, die Uniformen gewechselt und schon erhält man freien Zugang zum Lager der Terrorussen (jaja, doofes Wortspiel). Schnell findet man, was man sucht und mit Hilfe eines kleinen Fotoapparats werden die Beweise abgelichtet. Dummerweise sind die Jungs im Lager mittlerweile dahinter gekommen, dass die zwei vielleicht doch keine Terrorussen sind und so erwartet sie bereits ein Empfangskomitee vor dem Gebäude. Wie gut, dass ein Motorrad mit Beiwagen bereit steht. Zusammen mit einem MG werden sie zu einem unüberwindbaren Gegner für die Besatzung des Lagers, so dass sie sich ungehindert den Weg freischießen und schließlich durch ein offenes Nebentor in einem Gewässer untertauchen können. Und das mein ich sprichwörtlich. Die Verfolger, die offensichtlich nicht schwimmen können, brechen dann auch folgerichtig die Verfolgung ab.

Rumms Bumms!
Was dann folgt, ist eigentlich nur eine Reihe von Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen, in der man neue Verbündete findet und auch ganz schnell wieder verliert.
Das Hauptproblem für die Akteure ist, dass der US-Senator seine Drohung wahr macht und Bob den Rücktransport verweigert. Auch vor dem Hintergrund, dass die USA die Beweise eigentlich gar nicht will. Weil man den Sowjets nicht an den Karren fahren will. Bob hat man aber trotzdem losgeschickt. Weil halt. Aber weil Bob der Kampfgigant ist, hält ihn das natürlich nicht auf. Und so schafft er es am Ende einen Helikopter zu kapern, mit dem er seinen Sohn und eine weitere Überlebende in die Staaten zurückfliegt.

Der Kampfgigant!
 Naja, was soll ich sagen? Gebäude explodieren im Sekundentakt, die Panzerfaust des Helden spuckt die Sprenggranaten schneller aus, als ein Maschinengewehr und wenn er das Ding mal liegen lassen muss, bleibt ihm immer noch der Granatwerfer unter seinem M16, das mit einer ähnlichen Frequenz explosiven Tod und Verderben über seine Feinde bringt.


Kann so ein Film schlecht sein? Eben. Deswegen ganz klar mein Film des diesjährigen Festivals und mit Platz 4 im Gesamtranking auch hoch angesehen in der Gunst der restlichen Zuschauer.

Der Kampfgigant!
Xander: Das absolute Highlight war dann der Kampfgigant. Diesen Film kenne ich gut, denn ich erstand vor 15 Jahren eine Videotheken-VHS mit hervorragendem Bild. Er ist ein verfilmter Vietnamcomic: Explosionen, Verfolgungsjagden, markige Sprüche und die allgegenwärtige grüne Hölle machen ihn zu einem Highlight des Achtziger-Jahre Trashkinos. Das kann man ohne Ironie sagen. Der Kampfgigant ist nie langweilig, sondern immer wieder überraschend unterhaltsam und mit genügend Explosionen vollgestopft, um noch drei weitere Vietnamfilme zu drehen. Das Publikum verstand den Film auch genauso und die Begeisterung war überall zu hören. So muss das Festival sein!


Andreas: Da passt es ja ganz gut, dass der offiziell letzte Film des Tages,

Libido Mania  


dem Kampfgiganten den Sieg nicht mehr streitig machen konnte. Vom Publikum zum schlechtesten Film des Festivals gewählt, kann ich das Urteil leider nur unterschreiben.
Prinzipiell ist es das Anliegen des Films, mit einem pseudo-wissenschaftlichen Überbau über sexuelle Perversionen zu informieren. Da der Film von Bruno Mattei stammt, dürfte klar sein, dass es sicher nicht Sinn war, eine ernst gemeinte Dokumentation zum Thema abzuliefern. Viel mehr ist es der Aufhänger, um schockierende Bilder rund um Tabuthemen zu präsentieren, die mittlerweile größtenteils vom Angebot eines durchschnittlichen XXX-Portals überboten werden.

Einzig Zoophilie, Fäkalsex und Nekrophilie haben in Mainstreamportalen noch nicht so Einzug gehalten, wobei speziell Fäkalien seit 2 Girls 1 Cup ja auch in aller Munde (HA!) sind. Zu dem Thema kann ich auch die Filmreihe „Friss Scheiße du Sau“ empfehlen, was dem Wort „Fäkalhumor“ eine ganz neue Bedeutung verleiht. Aber genug der Kalauer.

Rechtzeitig zum Ende aufgewacht!
Leider ist der Film eine strunzlangweilige Angelegenheit. Gut, der Nekrophilie-Teil war wirklich eklig, und der abgeschnittene Penis, wenn auch klar als Fake erkennbar, ging etwas in die Leisten, aber sonst gibt’s halt wirklich nix zu sehen, was man nicht auch mit einer Minute Google-Suche im Web finden würde. Der Rest wird mit Leuten in weißen Kitteln gefüllt, die was Kluges Dokumentarisches erzählen dürfen, um dem ganzen vor irgendwelchen Zensurbehörden eine Daseinsberechtigung zu erteilen. Dazu kommen die langatmigen Softsex-Aufnahmen, die den geneigten Pornokonsumenten von heute auch eher langweilen. Sollte der Film darüber hinaus eine Daseinsberechtigung haben, dann muss ich den Teil leider verschlafen haben. So wie ein anderer Teil des Publikums, der ebenfalls der Kombination aus abgestandener Luft und Langeweile zum Opfer fiel.

Weil wir dann auch schön Bettschwere hatten, fiel der letzte Film des Abends, die nachgeholte Vorstellung von The Sinister Urge für uns dann auch aus.  Fünf Tapfere haben der Legende nach durchgehalten.

Sonntagmittag ging’s dann auch schon wieder zurück in die Heimat, weshalb ich über die Sonntag gezeigten Filme leider nichts mehr erzählen kann.

Xander: Viel versprochen hatte ich mir von Libido Mania. Habe ich doch einen geheimen Platz in meinem Herzen für obskure Filme. Leider bot der Film nicht authentische Aufnahmen aus den Siebzigern, sondern nur schmuddeligen Studiotrash inklusive Fäkalien, Genitalien und Särgen. Nun ja, immerhin hatte ich eine Erkenntnis: Das, was man 1979 in dem Film sah, hat heute auch eine sehr erfolgreiche Entsprechung und zeigt, dass das geschmacklose, leicht schwachsinnige Unterhaltung immer ein Publikum findet.

Libido Mania heißt heute MyDirtyHobby.Com. Bin gespannt, ob man sich diese Clips auch in dreißig Jahren ansieht …

Fazit: Das Festival wird immer besser. Die Auswahl ist zu achtzig Prozent gelungen. Es wird sicher weiterwachsen. Ändern würde ich den Samstagabendkracher um ca. 23 Uhr. Da sollte ein Film vom Kaliber „Der Kampfgigant“ her. Dann steht einem wahren Fest nichts mehr im Wege!

Andreas: Als Fazit bleibt mir die Feststellung, dass es auch dieses Jahr wieder ein Mordsspaß war, auch wenn gefühlt etwas zurückhaltender kommentiert wurde. Da hat wohl Christian Kesslers Appell noch Nachwirkungen gezeigt. Ich zumindest freue mich schon auf nächstes Jahr und kann’s kaum erwarten, welche Schätze uns da erwarten.

Die Veranstalter blicken ebenfalls erfreut auf die Veranstaltung zurück und können mit rund 600 Besuchern über alle Vorführungen hinweg einen Besucherrekord vermelden.

Markus „DocAcula“ Nowak hat mir dankenswerterweise noch ein paar Zeilen geschrieben, die ich hier mit seiner freundlichen Genehmigung als Schlusswort einfügen möchte:

„Hauptsächlich freuen wir uns natürlich,  dass alles letztendlich einigermaßen glatt abgelaufen ist. Die kleine Katastrophe mit "The Sinister Urge" mal ausgenommen, die hat natürlich etwas unnötigen Stress verursacht. Zum Glück hatten wir aber keine Probleme mit den 35-mm-Kopien, was immer ein kleines Risiko ist, weil man halt auch nicht immer weiß, wie gut die in Schuss sind. Das hat aber diesmal wirklich gut funktioniert.

Ansonsten natürlich der Christian-Keßler-Auftritt - das war, abgesehen vom Besuch der Buio-Omega-Leute vor zwei Jahren, was aber natürlich was anderes war - unser erster richtiger "Livegast". Ich wusste vorher nicht, wie das im Rahmen des Festivals ankommen würde, aber sein Vortrag war super besucht und machte, glaub ich, auch allen wirklich viel Spaß. Was mich natürlich wieder ein wenig anreizt, zukünftig ab und an mal ein solches Experiment zu wagen. :)

Und maßgeblich letztendlich der Publikumszuspruch - der zeigt mir, dass das offene Konzept, also eben nicht spezifisch ein Genre-Festival zu machen oder sich auf bestimmte Epochen oder Herkunftsländer zu konzentrieren, wie es der Hofbauer-Kongress und Terza Visione machen, seinen Platz hat und seine Fans findet.“