Mittwoch, 4. August 2010

Scharlatane!

Es gibt da diese Frau. Amelia Kinkade. Sie ist Schauspielerin und behauptet von sich, mental mit Tieren kommunizieren zu können.

In einem bestimmten Fall fragt sie z.B. einen fremden Hund telepatisch was sein Lieblingsspielzeug sei, und der antwortet in etwa 'ich setze mir oft meinen rotweiß gestreiften Hut auf'. Die Besitzerin bestätigt dann, dass die Hündin tatsächlich eine solche Mütze hat, die sie gerne trägt.

Wenn ich sowas lese, geht mir der Hut hoch und ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Bullshit wär für diese Scharlatanerie noch untertrieben.

Warum ich mich übrigens so über die Frau aufrege ist einfach deshalb, weil ich ebenfalls über die Gabe verfüge mit Tieren zu sprechen und mir alle meine Hundefreunde eben noch versichert haben, dass ein Hund, der nur ein Fünkchen Stolz in sich trägt, nie, aber auch NIE einen rotweißen Hut tragen würde. Außer einem Dackel vielleicht. Gut, vielleicht war's ja auch ein Dackel. Aber selbst bei denen ist das eher ungewöhnlich.

Das mit den Tieren ist eh so eine Geschichte. Lange Jahre war ich davon überzeugt, ein psychisches Problem zu haben, bis ich eines Tages erkannte, dass mir nicht mein Geist einen Streich spielt, sondern die Natur. Plötzlich erkannte ich in den Stimmen einen Sinn und begriff die Tatsache, dass ich die ganzen Jahre, all die Jahre die Gabe hatte, mit Tieren zu kommunizieren.

Seinen Anfang nahm es mit unserem Hausmeerschweinchen. Bislang tat ich sein Fiepen immer damit ab, dass er Hunger hatte. Doch eines Tages traf es mich wie ein Blitz. Beim fiepen schossen mir Gedanken durch den Kopf und ich merkte, dass dieses bislang unscheinbare Tier mit mir kommunizieren wollte. Die anfangs noch wirren Gedanken wurden zusehends strukturierter und ich erkannte einen Sinn darin. 


 
Als ich den Sinn erkannte, fiepte ich zurück und erntete den gewünschten Effekt. Wieder begann unser Meerschweinchen mit mir zu kommunizieren und teilte mir seine Sorgen und Nöte mit. So dauerte es nicht lange und ich begriff, dass er wohl Hunger hatte. Mein Gott, darum das Fiepen! Ich war erstaunt. Auch meine Frau war darüber erstaunt, als ich ihr meine Beobachtungen mitteilte. Noch erstaunter war sie allerdings, als das Meerschweinchen tatsächlich anfing, das überreichte Futter zu verspeisen.

Dieses Spiel wiederholten wir die folgenden Tage jeden Morgen und ich wurde sicherer darin, die Stimmen zu ordnen und dem Fiepen einen Sinn zu geben.

Nach und nach taten sich für mich neue Welten auf.

Schon bald konnte ich auch die Gedanken unseres Nachbarhunds empfangen. Schnell war mir klar, dass sein ständiges Bellen von einer tiefen Angst her rührte und einer mangelnden Erziehung des Herrchens. Nach stundenlangen Diskussionen mit dem Hund wurde mir alsbald klar, dass er sich davon auch nicht abbringen lassen würde. Doch wie weh tat es mir von diesem Tag an, den armen Hund bellen zu hören, immer mit der Gewissheit, welche Ängste dieses arme Geschöpf Gottes gerade zu durchleiden hatte.

Eines Tages ging ich dazu über, ihm in den Stunden seiner Angst beizustehen. Mit klagendem Bellen antwortete ich seinen Hilferufen und erntete schnell die ersten Erfolge. Sobald ich anfing, auf seine Hilfeschreie zu antworten, verstummten diese nach nur wenigen Minuten, und Stille kehrte wieder ein. Stille, in denen ich und meine Familie wieder zum Schlaf zurückfinden konnten.

Nach und nach bemerkte ich, dass meine Familie meiner neuen Begabung wenig Vertrauen und vor allem wenig Liebe entgegenbrachte. Meine Frau ging gar dazu über, meine nächtlichen Antworten auf eine einsame, verängstigte Seele als störend abzutun. Wie sie sich dabei fühlte, wollte sie wissen. Darauf antwortete ich, wie sich wohl der arme Hund dabei fühlte, interessiere sie wohl nicht.

Meine Frau war sich scheinbar der Dimensionen meiner neuen Fähigkeiten kaum bewusst und so endete unsere Beziehung. Sie endete schneller, als sie begonnen hatte und sie verliess mich, mit meinem Sohn.

Der Richter hatte ebenfalls kein Verständnis für meine Situation und verbot mir, meinen Sohn weiter zu sehen. Ein schwerer Schlag für mich, aber kein Grund, aufzuhören. So feilte ich an meinen Fähigkeiten und begann schon bald zu erkennen, dass ich für höheres gebohren wurde. Ich war das Bindeglied zwischen Mensch und Tier, ich war der Messias, der ausgeschickt wurde, die Menschheit zu warnen. Zu warnen, dass wir uns diesen Planeten mit Lebewesen teilen, die von uns geknechtet und unterdrückt werden, die bisher keine Stimme hatten, sich gegen ihre Peiniger zu erheben.

Diese Stimme war ich.

Ich ging hinaus zu den Tieren, zu den Tieren und zu den Menschen und begann, die Menschen über ihr Tun aufzuklären. Sie darüber aufzuklären, was sie den Tieren und dieser Welt mir ihrem Handeln antaten. Doch ich erntete nur Gelächter. Gelächter und verachtende Blicke. Weil sie blind waren. Blind und taub den wunderbaren Geschöpfen unserer Natur gegenüber.

Aber ich gebe nicht auf. Ich kämpfe weiter für meine tierischen Freunde und dafür brauche ich Unterstützung. 


 

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