Freitag, 24. Dezember 2010

Kapitel 1 - Update

Wie schon angekündigt, geht's a bisserl anders weiter. Irgendwie fällt mir auch grad auf, dass ich noch keinen Titel für meine Geschichte hab. Irgendwas mit "Dead" oder "Living Dead" wär nicht schlecht, um im Genrekanon zu bleiben.

Vorausstellen möchte ich noch, dass ich von Polizeiarbeit oder Begrifflichkeiten keinen Plan hab. Also zumindest nichts, was über Filmwissen hinausgeht. Ansonsten hab ich mich über Wikipedia und die Polizeiseiten zumindest ansatzweise versucht, Fakten zu sammeln. So gibt's z. B. im Münchner Südosten tatsächlich eine Kaserne der Bereitschaftspolizei. Wer mehr weiß, darf mich gern korrigieren, oder ergänzen. Ansonsten viel Spass mit dem ersten Kapitel.


Der Einsatzbefehl kam überraschend. Paul Bährer hatte gerade Urlaub, als er von einem Kollegen über die Notfallalarmliste zum Dienst gerufen wurde. Sein Befehl lautete, sich schnellstens an seinem Standort zu melden und sich dort zur Verfügung zu halten.
 
Mehr Informationen wurden nicht weitergegeben und mehr waren auch nicht nötig. Nachdem Paul seinen Anruf erledigt hatte, zog er seine Dienstuniform über und begab sich zu seinem Standort im Münchner Südosten.

Dort angekommen wurden die Einsatzhundertschaften versammelt und durch den Leiter der Führungsgruppe instruiert: „Dies ist keine Übung. Deutschlandweit wurden alle verfügbaren Bereitschaftspolizisten in den Dienst zurückbeordert. Die Welt steht momentan vor einer großen Herausforderung und wir müssen unseren Teil dazu leisten, dieser Herausforderung Stand zu halten. Alle hier gegebenen Informationen unterliegen der strengsten Geheimhaltung.“

Irgendwo wird ein Diaprojektor eingeschaltet und eine Karte Asiens erscheint auf der hinter dem Sprecher hängenden Leinwand. Er nimmt einen Schluck Wasser und dreht sich zur Karte um.

„Vor vier Monaten wurde der Ausbruch einer neuen Grippe in Asien gemeldet. Bisherigen Untersuchungen zufolge, führt eine Infektion in 100 Prozent aller Fälle zum Tod des Patienten.“ Die Aussage lässt ein Murmeln durch die Menge gehen. Der Sprecher dreht sich wieder den Hundertschaften zu und wartet einen Moment, bevor er fortfährt.

„Um keine Panik zu schüren, wurden der Presse diese Information bis dato nicht zugespielt,. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit will der Bundestag noch heute den inneren Notstand erklären, um uns für die Eindämmung der Seuche den nötigen rechtlichen Rückhalt zu erteilen. Aus diesem Grunde werden auch Anstrengungen unternommen, die Kommunikation der Bürger soweit einzuschränken, wie es für diese Aktion sinnvoll erscheint.“

Erneut wurde der Redner von den versammelten Hundertschaften unterbrochen. Statt Gemurmel waren jetzt Zwischenrufe zu vernehmen und auch Paul war sich nicht sicher, wie die Polizei zur Eindämmung einer Seuche beitragen könne.
Seuchen werden nicht polizeilich kontrolliert. Es ist kein Vergehen, krank zu sein. Der Redner fuhr trotz der Unruhe im Zuschauerraum weiter fort:

„Dies alles ist nötig, weil wir es hier nicht mit einer normalen Seuche zu tun haben. Wie bereits erwähnt, ist diese Seuche zu 100 Prozent tödlich und führt unausweichlich zum Tod des Patienten. Konventionelle Behandlungsmethoden sind zwecklos, die Infektion lässt sich weder hinauszögern, noch in irgendeiner Form behandeln. Eine Übertragung geschieht durch Körperflüssigkeiten. Eine Übertragung durch die Luft konnte bisher nicht bestätigt werden.“

Paul war verwundert. Verwundert darüber, dass in der Presse noch nichts darüber berichtet wurde. Verwundert darüber, dass eine Seuche, die nur über Körperflüssigkeiten übertragen werden kann, eine solche Gefahr darstellen kann, dass der Einsatz von Notstandsgesetzen erwogen wird.

„Bevor ich fortfahre, möchte ich ihnen ein Video zeigen, dass von Beamten der ECDC in einem Krankenhaus in China aufgenommen wurde. Bitte Film ab.“

Auf der Leinwand verschwand das Bild Asiens und machte einem mit Handkamera gedrehtem Film Platz, dass einen bandagierten Patienten auf einem Krankenhausbett zeigt. Der Patient zeigt schwache Lebenszeichen, was durch ein Herzfrequenzmessgerät optisch und akustisch nochmal unterstützt wird. Der Patient ist mit Gurten an das Bett fixiert und plötzlich setzt das Messgerät aus. Die Ausschläge weichen einer durchgehenden Linie, der zuvor passend zum Ausschlag einsetzende Piepston verkommt jetzt zu einem Pfeifton, bis eine ins Bild greifende Hand den Ton an dem Gerät ausmacht. Eine dramatische Szene. Einige der Anwesenden Beamten schauen sichtlich irritiert, andere wirken leicht angeekelt und niemand weiß, was man ihnen damit zu sagen versucht. Aus dem Off des Films ertönt eine Stimme.

„Wie lange noch?“

„Zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Angesicht der Verletzungen würde ich davon ausgehen, dass unser Proband nicht sehr lange brauchen wird.“

„Was ist passiert?“

„Seine eigene Familie. Er wollte…“

Die Stimme setzt kurz aus, bevor er weitersprach.

„Er wollte seinen Sohn pflegen. Er wollte, ihn nicht den Soldaten überlassen und verheimlichte seine Infektion. Er brachte ihn nach Hause und legte ihn ins Bett. Danach ging er zur Arbeit, liess seine Familie mit dem Sohn allein. Als… Als es passierte, hat der Sohn die eigene Mutter und die Großeltern infiziert. Der Mann war auf dem Feld und wurde bei seiner Rückkehr von seiner Familie bereits empfangen. Aber anders, als er sich das vorgestellt hatte.“

Wieder setzte die Stimme aus und blieb diesmal stumm. Dafür setzte eine andere Stimme ein:

„Dann haben ihn die Soldaten gefunden?“

Die Kamera wackelte leicht. Der Gefragte hatte wahrscheinlich mit einer Kopfbewegung geantwortet, denn man hörte keine Stimme mehr. Auch nicht, als der Mann plötzlich die Augen aufschlug und sein Körper begann, sich unter den Gurten anzuspannen. Ein kehliger Laut entkam seinem Rachen und liess das Blut der versammelten Mannschaft zu Eis gefrieren.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Prolog Teil 3

Am nächsten Morgen werde ich vom Wecker dem Schlaf entrissen. Ich setze mich auf und beginne mein Morgenritual. Toilette, Zähne putzen, Dusche, anziehen. Anschließend begleite ich meine Frau und meinen Sohn zum Auto, verabschiede mich von ihnen und gehe zum Bahnhof. Dort erwartet mich eine Überraschung. Auch unser Provinzbahnhof wird jetzt polizeilich überwacht. Im Gegensatz zu München erwarten mich hier keine schwer bewaffneten Einsatzkräfte, stattdessen ist die lokale Provinzpolizei in normaler Dienstkleidung vor Ort. Ich spüre wieder dieses Gefühl.

Heute sind noch weniger Leute als gestern am Bahnhof. Scheinbar steigen mehr und mehr Leute aufs Auto um oder vermeiden gleich ganz jede unnötige Fahrt. Ich hab mir auch schon überlegt, kurzfristig Urlaub zu nehmen, fühle mich aber angesichts der schwindenden Fahrgäste wieder sicherer. Ein lohnendes Terrorziel schaut anders aus, denk ich mir und setze die Kopfhörer auf. Noch während Tom Angelripper „Their tormented souls will never rest“ in bester Thrashmanier ins Mikro schreit ist mein Netbook hochgefahren und ich überprüfe wieder die Nachrichtenseiten.

„Remember the fallen“

Auf den Nachrichtenseiten entdecke ich nur neue Katastrophenmeldungen zur neuen Grippe. Erste Fälle in Europa, auch in Deutschland, wurden bestätigt. Bislang gebe es aber noch keine Tote zu beklagen. Natürlich nicht, denk ich mir. Ich schau wieder ins Forum, mal schauen, ob’s neue Kommentare gibt und bin überrascht. Ein Polizist meldet sich dort anonym zu Wort. Er berichtet, dass es eine neue Dienstorder gibt. Er berichtet, dass alle Urlaube gestrichen wurden. Weiter berichtet er, dass es wohl Ernst wird. Es gehe aber nicht um Terrorismus, das sei nur vorgeschoben. Er würde später mehr schreiben.

War es das? Und wenn ja, was war es? Den Kommentaren zu seinem Post war nicht viel zu entnehmen. Einige fingen an ihn zu beschuldigen, ein anderer User, der ihn wohl persönlich kannte, garantierte dagegen für seine Integrität und Vertrauenswürdigkeit. Da die Frage nach den Hintergründen bereits gestellt war, habe ich nicht weiter nachgefragt und mir vorgenommen, den Thread weiter zu beobachten und auf weitere Antworten des Users gehofft.  Am Hauptbahnhof verließ ich den Waggon und war erstaunt darüber, wie wenig Personen am Hauptbahnhof unterwegs waren. Die Polizeipräsenz dagegen erschien wie am Vortag. Aus den Augenwinkeln konnte ich erkennen, dass eine weitere Person abgeführt wurde. Noch bevor ich Details erkennen konnte, verschwand die Gruppe um die Ecke und ich machte mich daran, in die Arbeit zu kommen.

Auf Arbeit schaute ich sofort ins Forum. Nach kurzer Suche konnte ich meinen Thread nicht mehr finden. Beim Versuch, einen Admin anzuschreiben, musste ich feststellen, dass auch mein Account deaktiviert war. Lesen konnte ich noch, kommentieren oder neue Themen eröffnen dagegen nicht. Ich sah, dass vereinzelte Nachfragen anderer User nach dem Thread ebenfalls rasch gelöscht wurden. Auch gelöscht wurden alle YouTube-Videos, in denen tote Menschen zu sehen waren. Neue kamen dazu und waren schneller gelöscht, als man sie anschauen konnte.

Auf den Nachrichtenseiten wurde zwischenzeitlich berichtet, dass jetzt auch Deutschland ihre Flughäfen für Reisende aus asiatischen Ländern sperrt. Des Weiteren wurden überraschend europaweit die Einreisebestimmungen verschärft. Einreisende müssen ab sofort ein gesundheitliches Gutachten vorlegen, oder vorübergehend in Quarantäne verbringen. Ist das immer noch blinder Aktionismus, oder ist die Neue Grippe doch gefährlicher als gedacht?

Ende des Prologs. 

Im nächsten Kapitel wird das Geschehen aus einer anderen Sichtweise und einem anderen Charakter dargestellt, inklusive Schreibstilwechsel.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Prolog Teil 2

Während  des Meetings drehen sich meine Gedanken um den Mann im Zug. Ich überhöre eine an mich gerichtete Frage und bin den fragenden Blicken meiner Kollegen ausgesetzt. Ich schaue in die Runde und ernte einen vorwurfsvollen Gesichtsausdruck meiner Chefin. Die Frage wird wiederholt und leicht stockend nehme ich den Faden wieder auf und beteilige mich wieder an der Diskussion. Der Mann geht mir nicht aus dem Kopf.
Zurück am Arbeitsplatz, nutze ich den Großteil meiner mir zur Verfügung stehenden Zeit, um im Internet zu recherchieren. Ich versuche Informationen über den Vorfall am Hauptbahnhof zu erlangen und scheitere. Meine Suche nach ähnlichen Beobachtungen bleibt ebenfalls erfolglos und als ich meine Frage in einem Forum poste ernte ich nur die üblichen „Scheiß Bullen nt“ oder „Typisch Bayern, höhöhö“-Antworten. Schwarmintelligenz wurde das Internet einst genannt. Schwarm ja, Intelligenz noch ausstehend. Ich liebe das Internet.
Wieder lande ich auf Nachrichtenseiten. Ich suche nach Hinweisen auf mögliche Giftgasanschläge. Hatte der Mann eventuell einen Container mit Giftgas bei sich? Wären dann die Beamten so ruhig geblieben? Bei Sprengstoff doch aber eigentlich auch nicht, oder? Mir gehen die Gedanken durch den Kopf und mache etwas früher Schluss. Ich will nach Hause, zu meiner Familie. Ich fühle mich plötzlich nicht mehr wohl und dränge darauf, nach Hause zu kommen. Zurück am Hauptbahnhof das gleiche Bild. Geschlossene Eingänge und schwer bewaffnete Polizisten, die die offenen Eingänge kontrollieren und Hunde, die Gepäckstücke und Reisende beschnüffeln. Wieder dieses Gefühl des Unwohlseins, ein leichtes Frösteln, ein kurzes aufblitzen von Panik, das sogleich wieder verschwindet, als ich die Menschentraube verlassen habe.
Am Bahnsteig steht schon mein Zug, davor wieder Polizisten. Ich frage mich, ob es die gleichen von heute morgen sind, ob ich sie fragen soll, ob sie wissen, warum der Mann abgeführt wurde, bzw. ob er zwischenzeitlich schon wieder auf freiem Fuss ist. Ich entscheide mich wieder dagegen und gehe zum Zug. Ich will nach Hause. Fünf Minuten vor Abfahrt ist das Abteil noch nicht mal zur Hälfte gefüllt. Im Zug herrscht gespenstisches Schweigen. Ich erkenne einen Mitreisenden von heute Morgen wieder und schaue zu ihm. Er dagegen beachtet mich nicht und starrt nur aus dem Fenster. Ich setze wieder meine Kopfhörer auf und Bruce Dickinson singt gerade „You watch the world exploding every single night“ als der Zug losfährt. Es setzt gerade die Dämmerung ein, als der Zug den Bahnhof verlässt und ich stelle erfreut fest, dass der Regen aufgehört hat.
„Your time will come, your time will come“.
Im Kreise meiner Familie angekommen fühle ich mich besser, aber meine Frau ist überrascht, dass ich früh dran bin. Ich vertröste sie auf später und während sie das Abendbrot richtet, versuche ich erneut über das Internet Informationen zu sammeln. Mein Forumspost hat nach den ersten Antworten inzwischen weitere Antworten generiert. Inzwischen ist das ganze Spektrum von „Das war sicher ein Außerirdischer“ bis „Der wusste etwas!“ abgedeckt. Mit sinnvollen Antworten rechne ich nicht mehr und dehne meine Suche auf andere Foren aus. Ich versuch’s in den Kommentaren der Nachrichtenseiten und gehe dort unbeachtet unter. Kein Mensch interessiert sich für meine Beobachtung und ich komm langsam zur Überzeugung, dass es sich wohl um einen kleinen Drogenkonsumenten gehandelt hat, der von der bayrischen Ordnungsmacht festgesetzt wurde.  Ergibt sicher ein super Resümee: Polizeieinsatz 10.000.000 Euro und als Erfolg lässt sich ein Drogenkonsument vorweisen.
Beim Abendessen erzähle ich meiner Frau von meinem Tag. Sie ist der Überzeugung, dass es der Typ schon verdient haben wird und versteht gar nicht, warum mich das so aufregt. Ich gebe mich überzeugt, schlafe die folgende Nacht aber nur sehr unruhig und träume davon, wie sich der Mann in unserem Abteil in die Luft sprengt. Ich werde aus dem Fenster geschleudert und lande in einem Rinnstein. Wasser fließt über mich und bunte Herbstblätter werden rund um mich vom Wasser herum gewirbelt. Ich fühle nichts und plötzlich bricht im Traum der Schmerz über mich herein. Ich schreie. Ich schreie so laut, dass meine Frau und mein Sohn wach werden. Mein Sohn fängt an zu heulen und meine Frau eilt ins Kinderzimmer, um ihn zu beruhigen. Ich sitze im Bett und ich habe ein schlechtes Gewissen.
Nach einigen Minuten kommt meine Frau zurück ins Schlafzimmer und sieht mich vorwurfsvoll an. Ich murmle etwas davon, dass ich einen Alptraum hatte, was ihren vorwurfsvollen Blick abmildert und einem anderen, einem besorgten Gesichtsausdruck weichen lässt. Sie verspricht mir die bösen Gedanken zu vertreiben und beginnt, sich ihres Nachthemds zu entledigen. Sie löscht das Licht und beginnt mich zu küssen. Ich spüre ihren Mund am ganzen Körper - ihren Mund und ihre Zunge.  Mit einem Mal scheinen meine ganzen negativen Gedanken wie fortgeblasen und nach fünfzehn Minuten ergießen sich meine Zweifel in die Scham meiner Frau. Ich fühle mich erleichtert, nehme meine Frau in die Arme und schlafe die restliche Nacht friedlich und traumlos.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Prolog

Um dem Blog hier sowas wie einen Sinn zu geben, veröffentliche ich demnächst nach und nach eine Story, die mir schon länger im Kopf rumspukt.  Ich geh dabei relativ spontan vor und hab mir auch noch keinen rechten Storyverlauf überlegt. Momentan hab ich nur den Prolog im Kopf und schau mal, was draus wird. 

Dass die Texte noch etwas Feintuning bedürfen, ist mir schon klar. Mit dem abgehackten und teilweise naiven Schreibstil versuche ich meinen Charakter zu formen, bzw. diesem eine Identität zu verleihen. 

Also hier die erste Rohfassung des ersten Teils des Prologs. Wer mich kennt, erahnt vielleicht schon, wohin die Reise geht:

Dünne Wasserfäden laufen die Fenster des Zugs herab. Der Herbst kommt über das Land und die Farben des Sommers beginnen zu verblassen. Bunte Blätter säumen den Boden und werden vom Regenwasser fortgetragen. Trostloser hätte mein Start in den Tag kaum sein können. Die Mitreisenden machen die Fahrt nicht gerade interessanter, typische Frühpendler, die nur ihre Ruhe haben wollen. Da wirken die beiden Teenager schon fast wie Fremdkörper. Laut schnatternd meinen sie ihren Kummer um ihre besten Freunde mit ihrer Umwelt teilen zu müssen. Ich drehe meinen MP3-Player etwas lauter und lasse mir von Hatebreed die Umgebungsgeräusche herausfiltern. Zufrieden überschaue ich den restlichen Bereich des Abteils. Seit der Seuchenwarnung ist die Anzahl der Reisenden im öffentlichen Personennahverkehr stark zurückgegangen. Vereinzelt sieht man Leute mit Feinstaubmasken. Lächerlich. Nach Vogelgrippe, Schweinegrippe und tausend anderen Grippen kommt jetzt die „Neue Grippe“. Natürlich wieder aus Asien. Natürlich gibt‘s wieder Millionen Todesopfer und natürlich wird es wieder schlimmer als beim vorigen Mal.
Seit kurzem gibt es auch wieder einen Impfstoff, der natürlich auch wieder nichts bringen wird. Im Internet kursieren Verschwörungstheorien und die WHO wird wieder einmal zum personifizierten Bösen erhoben. Recht so. An der aufgeklärten Bevölkerungsschicht geht die mediale Panikmache vorüber und ich genieße die geringe Auslastung in Zügen und Bussen.
Noch mit dem Gedanken im Kopf nehme ich mein Netbook aus der Tasche und beginne mich auf den gängigen Nachrichtenportalen auf den neusten Stand zu bringen. Chaos in Asien, Die Grippe jetzt in Amerika und Verdacht auf Grippe in Europa. Die USA sperrt ihre Flughäfen für asiatische Reisende, Neuankömmlinge müssen vier Tage in Quarantäne verbringen. Vereinzelte europäische Länder ziehen nach, Deutschland zögert noch, will nicht den internationalen Anschluss verlieren. Wie immer halt.
In den jeweiligen Kommentarspalten zu den Artikeln überbieten sich die Verschwörungstheoretiker bereits mit spannenden Theorien. Besonders interessant finde ich den Hinweis, dass seit der Neuen Grippe das politische Tagesgeschäft kaum mehr beachtet wird. Einige Skandale der jüngeren Vergangenheit scheinen plötzlich dem Vergessen anheim zu fallen. Wie immer halt.
Natürlich waren auch wieder die Spinner vor Ort, die auf asiatische Videos auf diversen Videoportalen verlinken, die angebliche Tote zeigen, die aufrecht durch die Gegend laufen. Dankenswerterweise erhalten diese kaum Aufmerksamkeit und den verdienten Spott.
Als wär das noch nicht genug, wurde anscheinend auch eine neue Terrorwarnung ausgerufen. Islamisten planen wohl schon wieder die totale Zerstörung der westlichen Welt, was von unserer Staatsmacht mit massiver Polizeipräsenz auf Bahn- und Flughäfen beantwortet wird. Mit Hunden will man Sprengstoffe finden. Viel Spaß bei zig tausend Passagieren täglich. Die Nase des Hundes möchte ich nicht sein.
Im Abteil hat ein Mitreisender einen heftigen Hustenanfall. Einige Leute schauen schon genervt, ich mach meinen MP3-Player noch eine Stufe lauter und lass mir von Tom Araya „The dead are free to roam“ ins Ohr brüllen. In München angekommen packe ich meinen Rucksack und mache mich auf zur U-Bahn, vor mir den Mitreisenden mit dem Hustenanfall. Der hustet noch immer. Ich vermute einen Kettenraucher. Ein Mitbewohner in meiner ersten WG hat mich mit seinem Raucherhusten auch die eine oder andere Stunde um meinen Schlaf gebracht.
Am Ende des Bahnsteigs blockiert eine Zweierstreife den Bahnsteig. Mit Maschinenpistole, Streifenhund und passend in dunkelblau gehaltener Feinstaubmaske wirken diese meiner Meinung nach unnötig martialisch. Am Ende des Bahnsteigs angekommen, wirkt der Hund plötzlich nervös und knurrt in meine Richtung. Die Beamten werden offensichtlich auch nervös, bitten die Leute Ruhe zu bewahren und nähern sich langsam meiner Position. Langsam teilt sich die Menschenmenge vor dem Hund, der weiter mit gesträubtem Fell auf mich zukommt und kurz vorher vor dem Mann mit dem Hustenanfall stehen bleibt.
Überrascht mache ich einen Schritt zurück und beobachte, wie die Beamten den Mann bitten, ihnen zu folgen. Wild gestikulierend schlägt dieser die Bitte aus, pocht auf seine Bürgerrechte, ständig unterbrochen von heftigen Hustenanfällen. Nur kurz später erhalten die Beamten Verstärkung, die den Mann mit sich nehmen. Er tut mir leid. Wie ein Terrorist sieht er nicht aus. Außerdem scheinen ihm die Beamten weh zu tun. Er trägt einen Verband um sein Handgelenk, was die Polizisten aber nicht zu stören scheint. Ich überlege kurz etwas zu sagen, entscheide mich dann aber doch, zur U-Bahn weiterzugehen. Meine Chefin hätte wohl kein Verständnis dafür, wenn ich mein Meeting versäumen würde, weil ich in Polizeigewahrsam bin.
Jetzt bemerke ich, dass viele Ausgänge geschlossen sind. Die Menschenmassen werden über wenige Einlässe dirigiert, bei denen die entstehenden Menschentrauben von wachsamen Augen beobachtet werden. Ich fühle mich unwohl. Wäre ich ein Terrorist, würde ich eine solche Menschenansammlung nutzen. Auch hier tragen die Beamten die Feinstaubmasken. Haben die Angst vor der Grippe, oder vor einem Giftgasanschlag? Ich spüre, wie mir ständig unwohler wird und eile weiter Richtung U-Bahn.
Die Fahrt verläuft ereignislos. Ständig kreisen mir Gedanken durch den Kopf. Ich frage mich, warum der Mann abgeführt wurde. Ich frage mich, ob er wirklich ein Terrorist ist. Ich frage mich, was der Hund gerochen hat. Drogen? Sprengstoff? Vielleicht ein Sprengstoffgürtel? In meinem Zug? Mir wird leicht mulmig und verlasse die U-Bahn mit gemischten Gefühlen.
Aus meinem Büro im zwanzigsten Stock habe ich bei schönem Wetter einen prima Blick auf die Berge. Die tief hängenden Wolken heute verhindern jeden Blick. Mir offenbart sich nur ein verregneter Herbsttag.
Ende von Teil 1
Um eine ehrliche Meinung wird gebeten, wenn's geht vielleicht nicht grad unter der Gürtellinie. Ich würd lügen, würd ich behaupten, dass da jetzt gar kein Herzblut drinsteckt.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Maniac-Wichteln 2010

A herzlichs Merci an den K!M für die überaus großzügige Gabe. 

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I mean... hello? Toshinden! FUCKIN TOSHINDEN für PC! A Traum!

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