Freitag, 24. Dezember 2010

Kapitel 1 - Update

Wie schon angekündigt, geht's a bisserl anders weiter. Irgendwie fällt mir auch grad auf, dass ich noch keinen Titel für meine Geschichte hab. Irgendwas mit "Dead" oder "Living Dead" wär nicht schlecht, um im Genrekanon zu bleiben.

Vorausstellen möchte ich noch, dass ich von Polizeiarbeit oder Begrifflichkeiten keinen Plan hab. Also zumindest nichts, was über Filmwissen hinausgeht. Ansonsten hab ich mich über Wikipedia und die Polizeiseiten zumindest ansatzweise versucht, Fakten zu sammeln. So gibt's z. B. im Münchner Südosten tatsächlich eine Kaserne der Bereitschaftspolizei. Wer mehr weiß, darf mich gern korrigieren, oder ergänzen. Ansonsten viel Spass mit dem ersten Kapitel.


Der Einsatzbefehl kam überraschend. Paul Bährer hatte gerade Urlaub, als er von einem Kollegen über die Notfallalarmliste zum Dienst gerufen wurde. Sein Befehl lautete, sich schnellstens an seinem Standort zu melden und sich dort zur Verfügung zu halten.
 
Mehr Informationen wurden nicht weitergegeben und mehr waren auch nicht nötig. Nachdem Paul seinen Anruf erledigt hatte, zog er seine Dienstuniform über und begab sich zu seinem Standort im Münchner Südosten.

Dort angekommen wurden die Einsatzhundertschaften versammelt und durch den Leiter der Führungsgruppe instruiert: „Dies ist keine Übung. Deutschlandweit wurden alle verfügbaren Bereitschaftspolizisten in den Dienst zurückbeordert. Die Welt steht momentan vor einer großen Herausforderung und wir müssen unseren Teil dazu leisten, dieser Herausforderung Stand zu halten. Alle hier gegebenen Informationen unterliegen der strengsten Geheimhaltung.“

Irgendwo wird ein Diaprojektor eingeschaltet und eine Karte Asiens erscheint auf der hinter dem Sprecher hängenden Leinwand. Er nimmt einen Schluck Wasser und dreht sich zur Karte um.

„Vor vier Monaten wurde der Ausbruch einer neuen Grippe in Asien gemeldet. Bisherigen Untersuchungen zufolge, führt eine Infektion in 100 Prozent aller Fälle zum Tod des Patienten.“ Die Aussage lässt ein Murmeln durch die Menge gehen. Der Sprecher dreht sich wieder den Hundertschaften zu und wartet einen Moment, bevor er fortfährt.

„Um keine Panik zu schüren, wurden der Presse diese Information bis dato nicht zugespielt,. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit will der Bundestag noch heute den inneren Notstand erklären, um uns für die Eindämmung der Seuche den nötigen rechtlichen Rückhalt zu erteilen. Aus diesem Grunde werden auch Anstrengungen unternommen, die Kommunikation der Bürger soweit einzuschränken, wie es für diese Aktion sinnvoll erscheint.“

Erneut wurde der Redner von den versammelten Hundertschaften unterbrochen. Statt Gemurmel waren jetzt Zwischenrufe zu vernehmen und auch Paul war sich nicht sicher, wie die Polizei zur Eindämmung einer Seuche beitragen könne.
Seuchen werden nicht polizeilich kontrolliert. Es ist kein Vergehen, krank zu sein. Der Redner fuhr trotz der Unruhe im Zuschauerraum weiter fort:

„Dies alles ist nötig, weil wir es hier nicht mit einer normalen Seuche zu tun haben. Wie bereits erwähnt, ist diese Seuche zu 100 Prozent tödlich und führt unausweichlich zum Tod des Patienten. Konventionelle Behandlungsmethoden sind zwecklos, die Infektion lässt sich weder hinauszögern, noch in irgendeiner Form behandeln. Eine Übertragung geschieht durch Körperflüssigkeiten. Eine Übertragung durch die Luft konnte bisher nicht bestätigt werden.“

Paul war verwundert. Verwundert darüber, dass in der Presse noch nichts darüber berichtet wurde. Verwundert darüber, dass eine Seuche, die nur über Körperflüssigkeiten übertragen werden kann, eine solche Gefahr darstellen kann, dass der Einsatz von Notstandsgesetzen erwogen wird.

„Bevor ich fortfahre, möchte ich ihnen ein Video zeigen, dass von Beamten der ECDC in einem Krankenhaus in China aufgenommen wurde. Bitte Film ab.“

Auf der Leinwand verschwand das Bild Asiens und machte einem mit Handkamera gedrehtem Film Platz, dass einen bandagierten Patienten auf einem Krankenhausbett zeigt. Der Patient zeigt schwache Lebenszeichen, was durch ein Herzfrequenzmessgerät optisch und akustisch nochmal unterstützt wird. Der Patient ist mit Gurten an das Bett fixiert und plötzlich setzt das Messgerät aus. Die Ausschläge weichen einer durchgehenden Linie, der zuvor passend zum Ausschlag einsetzende Piepston verkommt jetzt zu einem Pfeifton, bis eine ins Bild greifende Hand den Ton an dem Gerät ausmacht. Eine dramatische Szene. Einige der Anwesenden Beamten schauen sichtlich irritiert, andere wirken leicht angeekelt und niemand weiß, was man ihnen damit zu sagen versucht. Aus dem Off des Films ertönt eine Stimme.

„Wie lange noch?“

„Zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Angesicht der Verletzungen würde ich davon ausgehen, dass unser Proband nicht sehr lange brauchen wird.“

„Was ist passiert?“

„Seine eigene Familie. Er wollte…“

Die Stimme setzt kurz aus, bevor er weitersprach.

„Er wollte seinen Sohn pflegen. Er wollte, ihn nicht den Soldaten überlassen und verheimlichte seine Infektion. Er brachte ihn nach Hause und legte ihn ins Bett. Danach ging er zur Arbeit, liess seine Familie mit dem Sohn allein. Als… Als es passierte, hat der Sohn die eigene Mutter und die Großeltern infiziert. Der Mann war auf dem Feld und wurde bei seiner Rückkehr von seiner Familie bereits empfangen. Aber anders, als er sich das vorgestellt hatte.“

Wieder setzte die Stimme aus und blieb diesmal stumm. Dafür setzte eine andere Stimme ein:

„Dann haben ihn die Soldaten gefunden?“

Die Kamera wackelte leicht. Der Gefragte hatte wahrscheinlich mit einer Kopfbewegung geantwortet, denn man hörte keine Stimme mehr. Auch nicht, als der Mann plötzlich die Augen aufschlug und sein Körper begann, sich unter den Gurten anzuspannen. Ein kehliger Laut entkam seinem Rachen und liess das Blut der versammelten Mannschaft zu Eis gefrieren.

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