Dienstag, 21. Dezember 2010

Prolog

Um dem Blog hier sowas wie einen Sinn zu geben, veröffentliche ich demnächst nach und nach eine Story, die mir schon länger im Kopf rumspukt.  Ich geh dabei relativ spontan vor und hab mir auch noch keinen rechten Storyverlauf überlegt. Momentan hab ich nur den Prolog im Kopf und schau mal, was draus wird. 

Dass die Texte noch etwas Feintuning bedürfen, ist mir schon klar. Mit dem abgehackten und teilweise naiven Schreibstil versuche ich meinen Charakter zu formen, bzw. diesem eine Identität zu verleihen. 

Also hier die erste Rohfassung des ersten Teils des Prologs. Wer mich kennt, erahnt vielleicht schon, wohin die Reise geht:

Dünne Wasserfäden laufen die Fenster des Zugs herab. Der Herbst kommt über das Land und die Farben des Sommers beginnen zu verblassen. Bunte Blätter säumen den Boden und werden vom Regenwasser fortgetragen. Trostloser hätte mein Start in den Tag kaum sein können. Die Mitreisenden machen die Fahrt nicht gerade interessanter, typische Frühpendler, die nur ihre Ruhe haben wollen. Da wirken die beiden Teenager schon fast wie Fremdkörper. Laut schnatternd meinen sie ihren Kummer um ihre besten Freunde mit ihrer Umwelt teilen zu müssen. Ich drehe meinen MP3-Player etwas lauter und lasse mir von Hatebreed die Umgebungsgeräusche herausfiltern. Zufrieden überschaue ich den restlichen Bereich des Abteils. Seit der Seuchenwarnung ist die Anzahl der Reisenden im öffentlichen Personennahverkehr stark zurückgegangen. Vereinzelt sieht man Leute mit Feinstaubmasken. Lächerlich. Nach Vogelgrippe, Schweinegrippe und tausend anderen Grippen kommt jetzt die „Neue Grippe“. Natürlich wieder aus Asien. Natürlich gibt‘s wieder Millionen Todesopfer und natürlich wird es wieder schlimmer als beim vorigen Mal.
Seit kurzem gibt es auch wieder einen Impfstoff, der natürlich auch wieder nichts bringen wird. Im Internet kursieren Verschwörungstheorien und die WHO wird wieder einmal zum personifizierten Bösen erhoben. Recht so. An der aufgeklärten Bevölkerungsschicht geht die mediale Panikmache vorüber und ich genieße die geringe Auslastung in Zügen und Bussen.
Noch mit dem Gedanken im Kopf nehme ich mein Netbook aus der Tasche und beginne mich auf den gängigen Nachrichtenportalen auf den neusten Stand zu bringen. Chaos in Asien, Die Grippe jetzt in Amerika und Verdacht auf Grippe in Europa. Die USA sperrt ihre Flughäfen für asiatische Reisende, Neuankömmlinge müssen vier Tage in Quarantäne verbringen. Vereinzelte europäische Länder ziehen nach, Deutschland zögert noch, will nicht den internationalen Anschluss verlieren. Wie immer halt.
In den jeweiligen Kommentarspalten zu den Artikeln überbieten sich die Verschwörungstheoretiker bereits mit spannenden Theorien. Besonders interessant finde ich den Hinweis, dass seit der Neuen Grippe das politische Tagesgeschäft kaum mehr beachtet wird. Einige Skandale der jüngeren Vergangenheit scheinen plötzlich dem Vergessen anheim zu fallen. Wie immer halt.
Natürlich waren auch wieder die Spinner vor Ort, die auf asiatische Videos auf diversen Videoportalen verlinken, die angebliche Tote zeigen, die aufrecht durch die Gegend laufen. Dankenswerterweise erhalten diese kaum Aufmerksamkeit und den verdienten Spott.
Als wär das noch nicht genug, wurde anscheinend auch eine neue Terrorwarnung ausgerufen. Islamisten planen wohl schon wieder die totale Zerstörung der westlichen Welt, was von unserer Staatsmacht mit massiver Polizeipräsenz auf Bahn- und Flughäfen beantwortet wird. Mit Hunden will man Sprengstoffe finden. Viel Spaß bei zig tausend Passagieren täglich. Die Nase des Hundes möchte ich nicht sein.
Im Abteil hat ein Mitreisender einen heftigen Hustenanfall. Einige Leute schauen schon genervt, ich mach meinen MP3-Player noch eine Stufe lauter und lass mir von Tom Araya „The dead are free to roam“ ins Ohr brüllen. In München angekommen packe ich meinen Rucksack und mache mich auf zur U-Bahn, vor mir den Mitreisenden mit dem Hustenanfall. Der hustet noch immer. Ich vermute einen Kettenraucher. Ein Mitbewohner in meiner ersten WG hat mich mit seinem Raucherhusten auch die eine oder andere Stunde um meinen Schlaf gebracht.
Am Ende des Bahnsteigs blockiert eine Zweierstreife den Bahnsteig. Mit Maschinenpistole, Streifenhund und passend in dunkelblau gehaltener Feinstaubmaske wirken diese meiner Meinung nach unnötig martialisch. Am Ende des Bahnsteigs angekommen, wirkt der Hund plötzlich nervös und knurrt in meine Richtung. Die Beamten werden offensichtlich auch nervös, bitten die Leute Ruhe zu bewahren und nähern sich langsam meiner Position. Langsam teilt sich die Menschenmenge vor dem Hund, der weiter mit gesträubtem Fell auf mich zukommt und kurz vorher vor dem Mann mit dem Hustenanfall stehen bleibt.
Überrascht mache ich einen Schritt zurück und beobachte, wie die Beamten den Mann bitten, ihnen zu folgen. Wild gestikulierend schlägt dieser die Bitte aus, pocht auf seine Bürgerrechte, ständig unterbrochen von heftigen Hustenanfällen. Nur kurz später erhalten die Beamten Verstärkung, die den Mann mit sich nehmen. Er tut mir leid. Wie ein Terrorist sieht er nicht aus. Außerdem scheinen ihm die Beamten weh zu tun. Er trägt einen Verband um sein Handgelenk, was die Polizisten aber nicht zu stören scheint. Ich überlege kurz etwas zu sagen, entscheide mich dann aber doch, zur U-Bahn weiterzugehen. Meine Chefin hätte wohl kein Verständnis dafür, wenn ich mein Meeting versäumen würde, weil ich in Polizeigewahrsam bin.
Jetzt bemerke ich, dass viele Ausgänge geschlossen sind. Die Menschenmassen werden über wenige Einlässe dirigiert, bei denen die entstehenden Menschentrauben von wachsamen Augen beobachtet werden. Ich fühle mich unwohl. Wäre ich ein Terrorist, würde ich eine solche Menschenansammlung nutzen. Auch hier tragen die Beamten die Feinstaubmasken. Haben die Angst vor der Grippe, oder vor einem Giftgasanschlag? Ich spüre, wie mir ständig unwohler wird und eile weiter Richtung U-Bahn.
Die Fahrt verläuft ereignislos. Ständig kreisen mir Gedanken durch den Kopf. Ich frage mich, warum der Mann abgeführt wurde. Ich frage mich, ob er wirklich ein Terrorist ist. Ich frage mich, was der Hund gerochen hat. Drogen? Sprengstoff? Vielleicht ein Sprengstoffgürtel? In meinem Zug? Mir wird leicht mulmig und verlasse die U-Bahn mit gemischten Gefühlen.
Aus meinem Büro im zwanzigsten Stock habe ich bei schönem Wetter einen prima Blick auf die Berge. Die tief hängenden Wolken heute verhindern jeden Blick. Mir offenbart sich nur ein verregneter Herbsttag.
Ende von Teil 1
Um eine ehrliche Meinung wird gebeten, wenn's geht vielleicht nicht grad unter der Gürtellinie. Ich würd lügen, würd ich behaupten, dass da jetzt gar kein Herzblut drinsteckt.

Kommentare:

  1. "Ich drehe meinen MP3-Player etwas lauter und lasse mir von Hatebreed die Umgebungsgeräusche herausfiltern. " den satz finde ich richtig gelungen. ansonsten würd ich sagen: mehr variation im satzbau.

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  2. Berechtigte Kritik, ich seh das aber ein Stück weit als Stilmittel.

    Der Hauptdarsteller ist der every day normal guy (http://www.youtube.com/watch?v=5PsnxDQvQpw), sein Leben langweilig und sein Alltag grau. Also so a bisserl wie bei mir... *hüstel*

    Genau das soll auch der Schreibstil rüberbringen. Ich geb aber zu, dass ich den Einstieg damit unfreiwillig sperrig gestaltet habe.

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