Freitag, 23. Dezember 2011

Books of the Dead: Stadt der Toten von Brian Keene

Erinnert sich noch jemand an meine Kritik zu Auferstehung? Wenn nicht, auch nicht weiter schlimm, ist ja schon ein paar Monate her.

Wer sich vornimmt Stadt der Toten zu lesen, sollte aber zumindest das Buch nachholen, ist es doch der direkte Nachfolger zu Auferstehung.

Hat mich Auferstehung noch mit einem extrem unbefriedigendem Ende zurückgelassen (jaja, Dämmerung hatte auch ein eher suboptimales Ende, aber das von Auferstehung war schon fast unverschämt), setzt die Geschichte hier direkt am Ende an, und führt die Reise der Gefährten weiter. Dieses Mal führt sie ihre Reise direkt ins Herz der Infektion, nach New York.

Ein exzentrischer Milliardär hat dort ein Bollwerk erschaffen, das allen Überlebenden Schutz bieten soll. Ein Hochhaus, ausgestattet mit modernster Sicherheitstechnik, trotzt seit Ausbruch der Dämoneninvasion dem Ansturm der Dämonen und bietet rund 300 Menschen eine Heimat. Doch mit der Ankunft von Ob, dem Führer der Dämonen, organisiert sich die untote Armee neu und plötzlich wird das Bollwerk zur Mausefalle.

Hab ich an Auferstehung noch kritisiert, dass die Bedrohung zu selten greifbar wird, gibt Keene bei Stadt der Toten so richtig Gas. Die permanente Bedrohung ist nun jederzeit spürbar, der Paniklevel durchgehend hoch und das koordinierte Vorgehen der Dämonenhorden sorgt fast schon zu häufig dafür, dass man als Leser jederzeit den Untergang der menschlichen Rasse vor Augen hat.

Natürlich sind die Untoten auch hier wieder keine richtigen Zombies und ja, auch dieses Mal fühlt es sich "falsch" an. Auf der anderen Seite lässt Keene dem Leser dieses Mal kaum Zeit um Luft zu holen, peitscht sie von einer Katastrophe zur nächsten und auch dieses Mal ist das Ende eine Unverschämtheit, die die ganze Geschichte ad absurdum führt.

Aus dem Grund drei von fünf Dämonenzombies

Books of the Dead: Infektion von Ben Tripp

Juhu, neues Zombiefutter. Infektion nennt sich das Werk von Ben Tripp und konfrontiert uns erneut mit der Zombieapokalypse.

In diesem Fall bricht das Grauen über eine amerikanische Kleinstadt herein, als aufgrund einer geheimnisvollen Infektion mal eben 95 % aller Menschen dahingerafft werden. Damit nicht genug, erheben sich kurz darauf die meisten von den Toten. Anfangs noch passiv, beginnen sie schon bald Jagd auf die Lebenden zu machen und ihnen das Fleisch von den Knochen zu reißen. 

Gut, der Anfang erinnert noch dezent an David Moodys Herbst-Reihe, danach orientiert sich Tripp aber wesentlich stärker an den klassischen Zombies und der langläufigen Infektionsmethode über Bisse.

Die Hauptrolle übernimmt der weibliche Sheriff des Kaffs, die erst eine Gruppe Überlebender in Sicherheit bringt, bevor sie sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen jüngeren Schwester macht. Ab dem Zeitpunkt lässt die Geschichte aber auch leider ein Stück weit nach. Ist die anfängliche Infektion und die Flucht noch packend inszeniert, gestaltet sich die Suche nach der Schwester leider etwas zäh, wird von unglaublichen Zufällen, unlogischen Entscheidungen und fast schon zu viel Glück überschattet. Dazu kommt eine private Militärtruppe, die führungslos über das zerstörte Land herfällt.

Immer wieder scheint es, als wollte Tripp sein Werk nicht zu einem Ende führen, packt immer weiter noch oben was drauf, ohne dass die Geschichte davon wirklich profitiert. Auf der anderen Seite bekommt man dafür aber ordentlich Lesestoff geboten. Gerade im Zombiegenre, in dem die meisten Bücher ja dann doch eher Häppchen sind - und da nehm ich mich selber gar nicht aus - eine positive Eigenschaft. Auch wenn die Geschichte teilweise zu viele Elemente enthält, bleibt sie doch jederzeit flüssig zu lesen und doch spannend genug, um den Leser bei der Stange zu halten. Am Ende wirds leider scheiße. Das letzte Kapitel hätte Tripp sich sparen können.

Trotzdem locker vier von fünf ausgeweideten Menschen

I wish you a merry christmas

...and a happy new year! Feliz Navidad! Frohe Weihnachten!

Zugegeben war ich die letzten Monate etwas faul, hab mich wieder stärker aufs konsumieren beschränkt, meine Batterien aufgeladen. Drei Geschichten am Stück, noch dazu in der eh schon knappen Freizeit, haben mich geschichtenmässig etwas ausgebrannt. Zudem war die Zeit nach meinem Urlaub auf Arbeit relativ stressig und die Motivation eine neue Geschichte zu beginnen etwas niedrig. 

Trotzdem hab ich eine kleine Weihnachtsüberraschung. 

Zum einen die finale Version der Kurzgeschichte, die ich hier vor ein paar Monaten schon mal vorgestellt hab. Die Juroren fanden es nicht mal nötig, mir eine Absage zu schreiben. Gut, war ja im Prinzip auch eine extreme Themaverfehlung, aber wenigstens ein "Sorry, nicht ganz das, was wir suchen." hätts schon sein dürfen. 

Zum anderen hab ich die Arbeiten an Band 4 aufgenommen. Mein Ärger, dass ich Teile meiner Geschichte in einem Metro-Ableger wieder erkannt habe, sind verklungen. Also Ärger auf mich selber. Dafür kann der andere ja nix. 

Das schwierigste ist ja immer der Einstieg und den hab ich jetzt hinter mich gebracht. Über die Feiertage werd ich naturgemäß nicht so produktiv sein, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass ich da nächstes Jahr wieder an den Start gehen kann.

Auch hab ich noch ein neues Interview mit den "Zombies from Outerspace"-Machern auf Halde. Da wollt ich noch etwas zeitlichen Abstand zum Launchevent reinbringen und andererseits den Abstand bis zur ersten öffentlichen Vorführung verringern. Andernfalls verpufft das ja so a bisserl, find ich. Einerseits sollen Berichte/Interviews ja den Hype schüren, andererseits aber auch den Launch begleitend das Produkt, also in dem Fall den Film, ins Gespräch bringen. Schwierig, weil zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht bestätigt war, wann und wo der Film das erste Mal öffentlich präsentiert wird. Aber ich laber wieder und laber... 

Hier als kleine Entschädigung für die Durststrecke der letzten Monate die finale Version (4999 Zeichen) von...

Ausbruch

Sonntag, 6. November 2011

Film-Tripple: Pandorum, Machete und Terminator: Salvation

Wenn die Frau und der Sohn aus dem Haus sind, dann tanzt die Surroundanlage.

Beginnen wir mit Terminator: Salvation. Was musste Mc G Prügel für diese Verfilmung einstecken. Das sei kein richtiger Terminator, er würde die Zeitlinie missachten und überhaupt wurde das vorher so tolle Drehbuch abgeändert, weil Christian Bale so ein Egomane sei. Letzteres gibt er auch freimütig in den Kommentaren zu, aber davon abgesehen bleibt noch ein furioses Actionspektakel übrig.


Natürlich hat es nicht das Look and Feel der Zukunftssequenzen aus T1 und T2 und natürlich könnte man scheiße finden, dass Mc G nicht immer den Anschluss zur vorangegangen Trilogie findet.

ABER! Aber das ist scheißegal. Einfach, weil der Film rockt. Es rummst, es kracht und es gibt Terminatoren. Der Film kommt kaum zur Ruhe, ohne den Zuschauer dabei zu überanspruchen. Als Negativbeispiel möchte ich hier kurz Charlies Engel, eine frühere Arbeit von Mc G, in den Raum werfen. Nein, auch Salvation lässt den Zuschauer kaum zur Ruhe kommen und wirft ihn zusammen mit den Hauptdarstellern von einem Gefecht in das nächste. Aber es funktioniert. Die Surroundanlage findet keine Pause, weiß aber auch die Effekte sauber zu trennen und brummt nicht unkontrolliert vor sich hin.

Das Bild der Blu-ray ist knackscharf, zumindest für meine ungeübten Augen, und die Sprecher sind nahe an den Originalsprechern. So weit ich das nach ca. 30 Minuten im Maximum Movie Mode und der Originalsynchro, beurteilen kann. Spätestens wenn das Originalthema die Gläser in der Vitrine klirren lässt, setzt die Gänsehaut ein.



Neben Terminator 3 ein weiterer unterschätzter Ableger der Serie. Achja. Ich fand Teil eins besser als den zweiten. War und ist Teil 2 der quasi perfekte Actionfilm, ist Teil 1 ein kleiner, dreckiger Bastard, aber ein kleiner, dreckiger Bastard mit einer verdammt dichten Atmosphäre. Letzteres fehlt meines Erachtens Teil 2 etwas.

Pandorum hatte ich auch schon länger auf meiner “Muss ich sehen”-Liste und vor einiger Zeit für kleines Geld bei einer Aktion auf Blu-ray erstanden.

Dabei handelt es sich um ein richtiges Kleinod. Deutsch/Englischer Horror im Weltall ist angesagt. Ein Genre, das ohnehin stark unterbesetzt ist. Da hat es Pandorum gleich doppelt einfach. Aber selbst unter anderen Voraussetzungen würde der Film eine gute Figur machen. Der Film spielt geschickt damit, dass seine Charaktere nur langsam ihre Erinnerung wiederfinden und sie erst nach und nach um ihre eigene Identität wissen, oder um Funktionenn innerhalb des Raumschiffs.

Nach und nach wird die klaustrophobische Atmosphäre durch eine Atmosphäre der Panik ersetzt. Statt offener Konfrontation steht Flucht im Vordergrund. Survival Horror statt Schlachtplatte, quasi. Über allem steht der drohende Exodus und die ständige Ungewissheit, ob nicht die titelgebende Raumkrankheit Pandorum den Charakteren etwas vorgaukelt.




Persönlich war ich von dieser deutsch/britischen Koproduktion mehr als überrascht, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Tricks und Special Effects eine sehr gute Figur gemacht haben.

Machete schreibt keine SMS und vor allem macht Machete keine Gefangene. Stattdessen lässt Machete das erwähnte Buschmesser sprechen und spaltet damit alle möglichen Körperteile.

Danny Trejo liefert dabei eine manchmal plumpe Vorstellung und kennt gerade mal zwei Mimiken, ist dabei aber dem ebenfalls beteiligten Steven Seagal noch weit überlegen. Beide agieren teils etwas plump, was nicht zuletzt daran liegen könnte, dass sie beide nicht mehr zum jüngsten Eisen zählen. Dafür liefert De Niro eine solide Vorstellung, wenn auch leicht zum Overacting neigend.

Macht aber alles nix, weil der Film auf seine Art trotzdem funktioniert.

Die Handlung dient ohnehin nur als Aufhänger für furioses Gemetzel, Oneliner und aufwändige Stuntszenen. Dabei ist alles extrem überdreht, womit sich der Kreis zu De Niros Overacting wieder schließt. Wer Niveau, Story oder ausgefeilte Charaktere braucht, sollte sich einen Kräutertee aufbrühen und irgendwas anderes schauen. Alle anderen machen sich ein Bier auf, rufen ein paar Freunde zusammen, und genießen Blut, Blut und Titten. Huargh!

Dienstag, 1. November 2011

Zombies from outer Space – Die Premiere

Geladene Gäste konnten gestern, pünktlich zu Halloween, im Cineplex Vilsbiburg bei der Premierenfeier einen ersten Eindruck von Zombies from outer Space erhaschen. Eine Gelegenheit, die ich mir natürlich nicht entgehen ließ, sehnte ich doch diesen Zeitpunkt seit dem Interview mit Martin Hager schon sehnlichst herbei.

Bereits die Anfahrt gestaltete sich gespenstisch. Hexen, Teufel und andere Gruselgestalten bevölkerten die Straßen und dichte Nebelwolken zogen über das Land. Schon bald bereute ich meine Entscheidung, den kürzesten Weg querfeldein genommen zu haben. Meine Überlegung, dass ich bei dichtem Nebel ohnehin nicht viel Zeit auf Autobahn und Bundesstraßen gutmachen würde, entpuppte sich schon bald als fataler Fehler.

Neben Ortschaften säumten auch enge, kurvenreiche und mit viel zu wenig Leitpfosten ausgestattete Waldstraßen meinen Weg. Sichtweiten unter 50 Meter forderten meine volle Aufmerksamkeit. Bezeichnend, dass der Heimweg trotz Umweg in bedeutend kürzerer Zeit zu bewältigen war.

Hauptdarstellerin Judith Gorgass mit Günther Brenner
Bei meiner Ankunft hatte sich bereits eine große Menschentraube vor dem Premierenkino versammelt, um mit einem Glas Sekt auf den Film anzustoßen. Als Fahrer verzichte ich dankend, greife stattdessen zu Cola und suche mir einen Platz. Dort harre ich der Dinge, die noch kommen würden.  

Nachdem sich der Saal gefüllt hatte, nutzten die Macher des Films, Martin Hager, Martin Faltermeier und Sebastian Schmidt, die Gelegenheit, und richteten Dankesworte an die versammelten Schauspieler, Helfer, Statisten und Personen im Hintergrund. Warme Worte, und auch immer wieder mit Applaus der Anwesenden bedacht.

Über den Film schreibe ich an anderer Stelle (und nach Klärung eines möglichen Review-Embargos) und springe daher gleich weiter zur Aftershowparty. Bei dieser erhielt ich dann die Gelegenheit, mich mit diversen Beteiligten auszutauschen und einige Bilder zu schießen, die sich hier auf dieser Seite wieder finden.

Martin F.

Buffet mit Selbstbedienung

Filmplakate, Requisiten und Masken aus dem Film verliehen dem Raum etwas Atmosphäre. Leberkäse, Fingerfood und Knabbereien sorgten für das leibliche Wohl. Das wirklich interessante für mich war aber, Schauspieler und Statisten aus dem Film ohne Maske und in „natürlicher Umgebung“ zu erleben. Besonders Manuela Bauer, im Film die "gschnappige" Theresa, erwies sich im wahren Leben als wesentlich umgänglicher.

Was allen gemein war, war die Erleichterung darüber, dass der Film endlich abgeschlossen ist und die Anstrengungen gerade der letzten Wochen endlich zu einem Ergebnis geführt haben. Auch, dass auf der großen Leinwand noch einige Filmfehler aufgefallen sind, wusste die Stimmung nicht zu trüben. Das Gefühl, einen unfertigen Film abgeliefert zu haben, verfolgt einen gewissen George Lucas schließlich schon seit über 30 Jahren.

Gruppenbild

Als nächstes folgen Vorführungen auf Festivals, bei denen der Film (mit Untertiteln) einem größeren Publikum präsentiert werden soll.

Weil ich die Schnittmenge aus Bayern und Zombies einfach gut finde, werde ich das Thema weiter verfolgen, unter anderem mit einem weiteren Interview.

Gruppenbild zum zweiten

(Von links unten nach rechts oben: Martin Hager, Sebastian Schmidt, Martin Faltermeier, Judith Gorgass, Manuela Bauer, Florian Kiml, Günther Brenner, David Scharschmidt, Klaus Tissler (tbc), Kristin Anaid (tbc) und Guido Böhm (tbc))

Die Partylocation von 'oben'


Dienstag, 25. Oktober 2011

Books of the Dead Doppelpack - Jean-Christophe Grangé

Während und nach meinem Urlaub hab ich mich zwei Werken von Jean-Christophe Grangé  gewidmet.

Beginnen möchte ich mit „Der Flug der Störche“.

Der Hauptdarsteller, Louis Antioche, erhält von einem Schweizer Ornithologen den Auftrag, den Störchen auf ihrer Reise nach Süden hinterher zu reisen und dabei zu erkunden, warum ein Großteil von ihnen nicht mehr den Weg nach Hause gefunden hat. Die Reise führt ihn über Osteuropa, Israel bis nach Zentralafrika. Auf seinem Weg findet er nicht nur Störche. Auch Leichen pflastern seinen Weg.

Also erst mal das Positive. Der Roman liest sich super. Schon nach den ersten Seiten zieht die Spannung ungemein an und lässt den Leser kaum noch los. Viele Irrungen und Wirrungen halten dabei die Spannung über die gesamte Distanz aufrecht. Durchhänger erlaubt sich das Buch kaum und spart auch nicht mit expliziten Szenen, die aber meist mit genügend Distanz erzählt werden.

Was mir nicht so gefallen hat war die Wandlung des Hauptcharakters. Vom antriebslosen Langzeitstudenten zum furchtlosen Abenteurer in wenigen Tagen. Das geht mir zu schnell. Zudem lebt das Buch von seinen Zufällen und Zusammenhängen, die sich durch die ganze Story ziehen und irgendwann kein Aha-Erlebnis mehr auslösen. Stattdessen büßt das Buch hier meiner Meinung nach etwas an Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit ein. Auch stört so a bisserl, dass man dem Buch schon anmerkt, dass es zu einer Zeit entstanden ist, als Mobiltelefone noch nicht wirklich verbreitet waren.

Trotzdem reicht’s locker für vier von fünf gerupften Störchen.

Das Herz der Hölle“ ist das zweite Buch aus der Feder von Grangé. Also das zweite, das ich gelesen habe.

In dieser Geschichte begleitet der Leser den Pariser Polizisten Mathieu Durey auf seiner Suche nach der Wahrheit. Sein Kollege und bester Freund Luc liegt im Koma. Dem voraus ging ein offensichtlicher Selbstmordversuch. Dabei ist Luc, wie Mathieu, praktizierender Katholik, Familienvater und allgemein nicht der Mensch, der sein Leben einfach wegwerfen würde. Schon bald findet Mathieu eine Spur und enthüllt nach und nach das Geheimnis um Lucs angebliche Verzweiflungstat.

War „Flug der Störche“ eine Appetit anregende Vorspeise, ist „Das Herz der Hölle“ das wohlschmeckende Hauptgericht. An dem Buch stimmt einfach alles. Spannungskurve, Charakterisierung, Lesereinbindung, Sprache und Lesefluss bilden eine seltene Eintracht. Zu keiner Zeit zweifle ich die Motive des Hauptcharakters an, zu keiner Zeit wird dem Leser eine Information vorenthalten und nicht selten kommt man als Leser früher zu den Schlussfolgerungen, die der Hauptcharakter erst viel später trifft.
Nie komme ich auf den Gedanken, das Buch freiwillig zur Seite zu legen und trotz des religiösen Ansatzes verliert das Buch nie seine weltliche Bodenhaftung.

Ich wage sogar zu behaupten, dass „Das Herz der Hölle“ der beste Roman ist, den ich seit langem gelesen habe.

Möchte man zwingend nach einem Haar in der Suppe suchen, könnte man anführen, dass einige Elemente der Geschichte nicht zu Ende geführt werden, oder plötzlich und eher beifällig an Wichtigkeit verlieren. Oder dass der Hauptcharakter oft recht lange dafür benötigt, das Offensichtliche zu erkennen.

Trotzdem fünf von fünf verwesten Leichen 



Samstag, 1. Oktober 2011

Vorübergehend geschlossen

Morgen geht's für eine Woche nach Spanien, diesmal ohne Laptop. Sofern sich vor Ort kein Rechner findet, gibt's die nächsten Tage keine Updates.

Freitag, 30. September 2011

Books of the Dead - Die Kammer der toten Kinder von Franck Thilliez


Nach einer Empfehlung von David Gray.

Es ist schon eine Achterbahn der Gefühle, über die man von Franck Thilliez geschickt wird.

Doch von Anfang an. Nach Cody McFadyen noch ein Thriller. Noch ein Serienmörder. Noch eine Polizistin.

Ein geheimnisvoller Kindesentführer und Mörder schockt die französische Provinz. Eine Polizistin und Mutter sieht in der dünn besetzten Vorweihnachtszeit ihre Chance den alltäglichen Verwaltungstrott zu durchstoßen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei stößt sie auf ein schreckliches Geheimnis und begibt sich selber in tödliche Gefahr.

Haha, der letzte Satz ist aus der Buchbeschreibungshölle entliehen, aber recht viel mehr gibt es zur Handlung nicht zu erzählen, wenn ich nicht spoilern will.
Im Gegensatz zu Cody McFadyen umgeht Franck Thilliez aber geschickt Logiklöcher und vermeidet den Einsatz von Stereotypen. Die Polizistin und Mutter hat selber ein dunkles Geheimnis, das sie fortwährend verfolgt und gibt sich nicht durchgehend Selbstzweifeln, oder anderen unwichtigen Gedankengängen hin. Die Polizeiarbeit wirkt realistisch, die hinzugezogenen Beamten sind gut, aber keine Elite-Truppe mit fast übernatürlichen Fähigkeiten. Passt.

Die Kammer der toten Kinder ist sehr stringent erzählt und steuert unvermeidbar auf den Storyclimax zu. Soweit, so kurzweilig.

Leider hat Thilliez es sich zur Aufgabe gemacht, den Leser ständig auf falsche Spuren zu hetzen. Das macht er mal mehr, mal weniger gut. In den schlechten Momenten ist die Auflösung nur einige (Ab-) Sätze entfernt. Anstatt die Hinweise geschickt im Text unterzubringen und aufgrund einer vordergründigen Faktenlage den Leser auf eine falsche Spur zu bringen, wird hier mit dem Holzhammer gearbeitet. Das macht dann den Lesegenuss etwas holprig, vor allem, wenn man das Muster durchschaut hat.

In den guten Momenten streut er dagegen tatsächlich falsche Hinweise, denen Ermittler und Leser gleichermassen auf den Leim gehen und deren Auflösung tatsächlich überraschend ist.

Auch nicht so gefallen hat mir das Ende. Alles steuert auf den Höhepunkt zu. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Dann... vorbei. Nur um den eigentlichen Höhepunkt im nachhinein durch Charaktere rekapitulieren zu lassen. Das nimmt meiner Meinung nach schon einiges an Dramatik raus. Das wär so, als hätt ich Band 3 damit enden lassen, dass...

ACHTUNG SPOILER ZU BAND 3

Mittwoch, 28. September 2011

Neue Kindle-Modelle vorgestellt

Neben einem 7"-Tablet (Kindle Fire) hat Amazon heute mehrere Kindle-Modelle für alle Marktsegmente vorgestellt. Neben dem Einsteigermodell ohne Tastatur und ohne 3G für 79 $, wurden auch zwei Touchgeräte (eimal ohne, einmal mit 3G) für 99, bzw. 149 $ präsentiert. 

Bei Engadet gab's einen Liveticker, bei dem unter anderem auch neue Cloud- und Sync-Dienste Erwähnung finden. 

Aus der Warte des eBook-Autors interessieren mich die Kindle-Modelle natürlich wesentlich mehr. 

Auf Amazon.com können diese bereits vorbestellt werden.  Sofern der Umrechnungskurs bei der Markteinführung in Deutschland bei eins zu eins liegt, finde ich das Angebot fair, bzw. das Fire geradezu spektakulär. Grad die 79 Euro-Variante ist aber eine nette Low End-Variante, die ich auch mal am Pool liegen lassen würde und damit einen Kritikpunkt der bisherigen Modelle beseitigt.

Zeitgleich mit der Ankündigung wurden übrigens die Preise für die alten Modelle reduziert. Für 119 Euro (vorher 139), bzw. 159 Euro (vorher 189) für die 3G-Variante ist man dabei (auf der Startseite werden noch die alten Preise angezeigt).


Nachtrag: Das ging schnell. Auch auf Amazon.de wird bereits der neue Low End-Kindle vorgestellt. Der Preis beläuft sich in Deutschland auf... *trommelwirbel*

Dienstag, 27. September 2011

Sucker Punch

Zack Snyder ist so ein kleiner Tausendsassa. So richtig kam seine Karriere ausgerechnet mit dem Remake des Romero-Klassikers Dawn of the Dead in Fahrt, mit dem er - zusammen mit 28 Days Later (jaja, Infizierte, keine Zombies) - die rennenden Zombies etablierte. Gut, ich mag die langsamen lieber, aber trotzdem eine Genrereferenz.
Danach erntete er viel Beifall, aber auch Kritik, für seine Interpretation von 300. Mag man von dem Film halten was man will, aber die Bildsprache ist der Wahnsinn und einer der seltenen Fälle, in denen eine Comicverfilmung auch tatsächlich wie ein Comic wirkt.

Zurecht wurde Snyder die Regiearbeit von Watchmen übertragen und er schuf auch hier nicht weniger, als ein kleines Meisterwerk. Vor allem die Eröffnungssequenz gehört zusammen mit der aus 28 Weeks Later zu den größten Momenten der Filmgeschichte. Meiner bescheidenen Meinung nach.

Mit Legende der Wächter liefert Snyder dann einen unterschätzten Animationsfilm ab, der zwar etwas rar an Höhepunkten ist, davon ab aber eine schöne Geschichte, schöne Bilder und tolle Animationen liefert.

Und jetzt Sucker Punch.

Der Film wurde in der Presse förmlich zerrissen. Ich hab wesentlich mehr schlechte, als wohlwollende Kritiken vernommen und auch letztere lasen sich dann doch eher zurückhaltend und unfähig, den Film in ein Korsett zu schnüren. Und bei Gott (oder wem auch immer): das ist wirklich nicht so ohne weiteres möglich.

Bereits die Eröffnungssequenz ist für mich die beste seit Watchmen. Leck mich fett. Snyder gelingt es tatsächlich erneut, zu Beginn mit audiovisuellen Mitteln einen Einstieg zu erzeugen, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Die ersten Dialoge wirken dagegen fast wie ein Fremdkörper und überhaupt gibt es Momente, in denen ich mir den Film komplett ohne Dialoge gewünscht hätte. Zu perfekt sind Musik und Bild aufeinander abgestimmt und lassen Teile des Films wie ein überlanges Musikvideo wirken. Es ist unübersehbar, dass Snyder früher Musikvideos gedreht hat. Die Musikauswahl reicht dabei von gigantisch bis absolut passend.

Die Bildsprache ist darüber hinaus der Hammer. Aus jeder Szene triefen Eindrücke, nein, schlagen auf den Seher ein. Bei mancher Szene fühle ich mich regelrecht durchgeprügelt, nur um am Ende hilflos zurück zu bleiben. Rund die Hälfte des Films würde im Standbild als Wallpaper durchgehen und unterstreicht damit den Comic-Touch, den der Snyder einfach so toll drauf hat. 300 und Watchmen haben ihn in der Vergangenheit offensichtlich stark geprägt.

Der Film selbst... ist nebensächlich. Die Handlung läuft auf drei Ebenen, aber für mich persönlich jetzt nicht so ungewöhnlich oder deutungsschwanger, wie hier immer getan wird. Oder ich hab's nicht verstanden. Kann ja auch sein.

Die Charaktere sind mir ebenso egal, wie die Handlung und doch zieht mich der Film zwei Stunden lang in seinen Bann. Die Traumsequenzen sind der animierte Wahnsinn und das in zweierlei Hinsicht. Natürlich die Renderhölle, aber so überdreht, dass das eigentlich nur Pedanten aufstösst. Dabei scheißt der Regisseur auf Logik und historische Authenzität; lässt zum Beispiel Mechs in den Gräben des ersten Weltkriegs gegen dampfbetriebene deutsche Zombiesoldaten antreten. Immer mitten drin: die sexy Hauptdarstellerinnen in knappen Outfits.


Gesehen hab ich den Directors Cut und frag mich, wo die zusätzlichen 17 Minuten herkommen. Ich fand keine Minute des Films überflüssig und könnte mir damit evtl. das eine oder andere Verständnisproblem erklären.

Fazit: Ein audiovisuelles Meisterwerk! Ohne Wenn und Aber. Entsprechendes Equipment vorausgesetzt.

Trotzdem kein Film für Jedermann. Dazu ist er zu speziell, zu abgedreht, zu laut zu bunt und abseits des Audivisuellen zu wenig. Wer sich selber ein Bild machen will, kann sich den Film mit dem Code hier kostenlos und legal runterladen (Code ist nur einmal verwendbar, gilt nur in D/AT, nur Windows-Rechner, keine portablen Geräte):

(Ein kurzes "Danke" nach Gebrauch in den Kommentaren wäre nett. Dann nehm ich den Gutschein wieder raus.)

Montag, 26. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 98

Kapitel 98

„Was hatten Sie mit Bruno zu tun?“, wollte Paul aufgeregt wissen.

„Wie ich schon sagte, wir waren gute Bekannte. Umso mehr bedauere ich dessen Verlust. Mehr brauchen Sie nicht wissen. Kommen wir zur letzten Frage. Sie sind gefesselt, weil etwas in Ihrem Blut ist und wir nicht wissen, ob Sie für uns zur Gefahr werden können. Wir haben Aufnahmen von Rügen gesehen und was noch viel schlimmer war: wir haben gesehen, was dort angerichtet wurde. Noch sind unsere Spezialisten damit beschäftigt, Überwachungsvideos und Daten vor Ort auszuwerten, so dass wir noch nicht genau wissen, womit wir es da eigentlich zu tun hatten. Wir wissen aber, dass Sie uns bei der Lösung des Problems behilflich sein können.“, antwortete der Zivilist diesmal mit ernster Stimme.

„Zuerst möchte ich wissen, was mit Martina... also Martina Stürmer ist.“

„Oh, der geht es gut. Ich kann Sie beruhigen. Auch Lehmann, Förster und Leyrer haben einen feigen Angriff auf das LKA überlebt. Es wird Sie sicher freuen, dass sich Ihre Freundin dabei besonders hervorgetan hat.“

„Meine … Freundin?“, plapperte Paul nach.

„Hahaha, Sie glauben doch nicht, dass uns ihr kleines Tête-à-tête mit Ihrer Kollegin entgangen ist. Ich bitte Sie.“, gab der Fremde wieder mit süffisantem Ton zurück.

„Toller Haufen seid ihr. Aber Brunos Tod habt ihr nicht verhindert.“, ätzte der Beamte zurück.

„Nun ja, da ist uns in der Tat ein schlimmer Fehler unterlaufen. Aber Fehler passieren. Hören Sie, bevor wir uns hier in Kleinigkeiten verlaufen: wir müssen wissen, was auf Rügen passiert ist. Wir benötigen jede Kleinigkeit. Möglicherweise sehen Sie dann Ihre Kollegen sehr schnell wieder. Andernfalls bleiben Sie ein paar Tage länger. Wir sind nicht Ihr Feind und Sie sind nicht unser Feind.“

„Woher weiß ich, dass ich Ihnen trauen kann?“, antwortete Paul und verzog die Stirn.

„Das wissen Sie nicht und ich kann Sie wahrscheinlich auch nicht überzeugen. Aber vielleicht kann sie es. Bringen Sie sie rein.“

Wieder öffnete sich die Sicherheitstür und sie stand in der Tür. Martina. Tränen liefen an ihren Wangen herab und als sie ihrerseits Paul sah, konnte nichts und niemand sie zurückhalten. Sie stürmte an dem Zivilisten vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen und fiel Paul um den Hals. Er erwiderte ihre Zuneigung und eigentlich hätte er gerne alles um sich herum vergessen.

„Ich möchte Sie gerne bitten, Ihr Wiedersehensritual etwas nach hinten zu verschieben. Ich benötige von Ihnen noch einige Details.“, eröffnete der Fremde ihnen leicht barsch.

„Es ist in Ordnung Paul, es ist in Ordnung.“ Noch immer liefen Tränen an ihren Wangen herab. Tränen der Freude, der Zuneigung und der Liebe.

Martinas Tränen überzeugten den Polizisten schließlich und er erzählte dem Zivilisten, was sich an dem Ort zugetragen hatte. Bald schon würden sie Pauls Erzählungen mit den Aufzeichnungen der Überwachungskameras ergänzen und hätten so ein vollständiges Bild von den Vorkommnissen des 08. Juni.

„Was ist mit den Erben?“, fragte Paul nachdem er mit seinen Ausführungen fertig war.

„Läuft natürlich alles unter strengster Geheimhaltung. Da Sie uns aber vermutlich noch lange erhalten bleiben, kann ich Ihnen schon mal einen groben Abriss von der jetzigen Situation geben: Wir gehen davon aus, dass die deutsche Organisation zerschlagen ist und höchstens noch kleinere Splittergruppen existieren, die uns nicht weiter gefährlich werden können. Mit etwas Glück finden wir auf deren Rechnern Hinweise, die uns helfen können die involvierten Personen vollständig zu identifizieren. Wir werden uns dann ihrer in gebührender Form annehmen.

Ich persönlich befürchte allerdings, dass sich in anderen Ländern noch größere Stützpunkte befinden. Durch die Zerstörung der Boote wissen wir leider auch nicht, wohin sich Braun absetzen wollte, vermuten aber England. Sie haben sicher schon davon gehört, dass London gefallen ist?“

Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort.

„Ja, natürlich haben Sie das. Herling war in der Beziehung ja recht geschwätzig. Vielleicht hat es ihnen aber auch Mewes erzählt, der von der Organisation ständig Informationen erhielt. Wir wissen, dass er auch sehr großzügig mit den Berichten umgegangen ist. Nun, wie auch immer. Der Fall Londons war von der Sekte initiiert. Die Schutzgitter vor der Themse wurden gesprengt und anschließend Lockstoffe eingesetzt, um eine große Masse an Untoten in die Stadt zu lenken. Außerdem wurden gezielt Menschen infiziert. Wir glauben, London war ein Testballon für andere noch immer befestigte Städte. Möglicherweise auch die Generalprobe für Rügen.

Wir befürchten, dass sie bereits seit Anbeginn des Krieges ihre Hände im Spiel hatten. Nur so ist das massive Auftreten und der kontrollierte Vormarsch zu erklären, mit dem wir es zu tun hatten. Das kann nicht allein der Trieb nach dem Fleisch der fliehenden Lebenden gewesen sein. Aber dazu können wir uns in nächster Zeit ja noch häufiger austauschen, nicht wahr?“

„Was meinen sie damit?“, wollte Paul wissen.

„Nun, Herr Polizeihauptmeister, es ist ihr Blut. Wir wissen nicht, was da in Ihrem Blut ist und wir wissen nicht, ob Sie sich irgendwann gegen uns wenden werden, oder sich sogar noch verwandeln. Wir wissen aber, dass alles, was von den Erben Jesus übrig ist, Jagd auf Sie machen wird. Aus dem Grund werden Sie für einige Zeit von der Bildfläche verschwinden, bis wir dieser, nun, Probleme, Herr sind. Sie verstehen das sicher. Es ist zu Ihrer eigenen Sicherheit und der Ihrer Freundin. Für später werden wir uns für Sie eine neue Aufgabe überlegen müssen. Eine Rückkehr in den aktiven Dienst halten wir zum derzeitigen Zeitpunkt für ausgeschlossen.“

„Wie geht es jetzt weiter?“, hakte Paul nach.

„Mit der Technologie der Sekte werden wir schon bald in der Lage sein, weite Teile des Landes zurück zu erobern. Wir werden alle Erkenntnisse, die wir aus dem Hauptquartier der Sekte gewinnen, mit andern Ländern teilen und dann beginnt die Rückeroberung der Welt. Die britische Regierung hat bereits großes Interesse signalisiert, die französische Regierung existiert de Facto nicht mehr. Aber Vertreter einer Übergangsregierung, die nach eigener Aussage noch Kontrolle über einige verstreute Einheiten der französischen Armee innehat, will auch den Kampf mit uns gemeinsam aufnehmen. Ähnliche positive Signale kommen aus Italien, der Schweiz und einigen weiteren Staaten. Die USA, Russland und China werden auch noch von uns kontaktiert, sofern wir dort Repräsentanten ausfindig machen können. Sie sehen, es gibt ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Die Dunkelheit ist überwunden, ab heute beginnt eine neue Zeitrechnung. Die Menschheit holt sich zurück, was ihr zusteht.“

Ende

Sonntag, 25. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 97

Kapitel 97

Um ihn herum hörte Paul Stimmen. Viele Stimmen. Irgendjemand redete scheinbar mit ihm. Jemand erkundigte sich nach seinem Namen. Paul öffnete den Mund, brachte aber keine Antwort heraus. Schmerz durchzuckte seinen geschundenen Körper und wieder Schwärze. Sie umhüllte ihn, umschmeichelte ihn und gab ihm Wärme. Ein Blitz. Licht. Zu viel Licht. Brennt in den Augen. Wieder Dunkelheit. Gedämpfte Stimmen. Schwärze.

Er wusste nicht wo er sich befand und wie viel Zeit vergangen ist, seit er bewusstlos geworden war. Seine Hände und Füße waren auf einem Bett festgeschnallt und sein Oberkörper mit einem Riemen fixiert. Eine Infusionsnadel steckte in Pauls Arm und gab Tröpfchenweise eine klare Flüssigkeit in seinen Blutkreislauf. Das monotone Piepen eines Herzfrequenzmessers glitt wie auf Schwingen durch die Stille und bohrte sich in seinen Kopf.

Nur schwerlich vermochte er seinen Blick von der Infusionsflasche zu lösen und in seinem Zimmer auf Wanderschaft zu schicken. Ein kleines Zimmer. Nur ein Bett, viele technische Apparate und eine große Glasscheibe. Gern hätte sich Paul aufgerichtet, wurde aber von den Riemen zurückgehalten. So weit es ging, streckte er seinen Kopf nach oben und versuchte so mehr Eindrücke von seiner Umgebung aufzunehmen.

Als ihm das nicht gelang, zerrte er stärker an seinen Fesseln, bis sie sich in sein Fleisch eingruben. Das Knistern eines Lautsprechers ließ ihn schließlich verharren:

„Oh, willkommen zurück Herr Polizeihauptmeister. Wir freuen uns, dass Sie wieder unter den Lebenden weilen.“

Bei der Betonung seines Ranges zuckte Paul zusammen. Unschöne Erinnerungen an Braun wurden wach und die Angst, von dessen Verbündeten aufgegriffen worden zu sein. Er konnte sich an nichts Genaues mehr erinnern. Von der Nachhut war offenbar nur noch er übrig. Jederzeit hätte ihn jemand Fremdes von der Insel fortbringen können. Ein Gefühl der Ohnmacht überkam ihn, als die Stimme weitersprach.

„Es tut uns leid, dass wir Ihnen einige Unannehmlichkeiten bereiten mussten, aber ich fürchte, wir haben einige Fragen an Sie. Würden es Ihnen etwas ausmachen, das Gespräch unter vier Augen fortzusetzen?“

Paul schüttelte langsam den Kopf um die Frage zu verneinen.

„Sehr schön. Ich bin gleich bei Ihnen. Gehen Sie nicht weg. Oh, wie dumm von mir.“

Ein Witzbold. Ein gottverdammter Witzbold. Das war es, was Paul in diesem Moment gebraucht hatte. Die Sicherheitstür glitt auf und ein in einem Anzug gekleideter Mann trat in den Raum. Von Statur und Aussehen eher unauffällig, strahlte der Mann doch etwas aus, das ihn aus der Masse herausstechen ließ. Die Augen. Irgendetwas war mit den Augen. Scheinbar ruhelos wanderten sie umher und doch fixierten sie dabei immer wieder Paul.

„Schön, dass wir uns endlich persönlich kennen lernen. Mein Name tut nicht viel zur Sache. Nennen Sie mich einfach Meier, wenn Sie unbedingt darauf bestehen, mich mit einem Namen anzureden.“, spulte der Zivilist mit einem süffisanten Unterton ab.

„Angenehm, Bährer.“, krächzte Paul zurück und räusperte sich, um den Klos aus seinem Hals zu vertreiben.

„Oh, Sie müssen sich nicht vorstellen. Wir wissen alles über Sie. Wasser?“

„Ja, bitte.“, antwortete Paul immer noch krächzend, woraufhin sich Tür ein weiteres Mal öffnete und eine attraktive junge Dame mit einem Glas Wasser den Raum betrat. Die Frau war mit einer Schwesternkluft bekleidet und trug ihr blondes Haar streng nach hinten gekämmt und dort zu einem Dutt zusammengebunden. Sie überreichte das Glas dem Zivilisten, versenkte darin einen Strohhalm und schwebte förmlich wieder aus dem Zimmer.

„Ein wahrer Engel, nicht wahr? Beruhigt Sie der Gedanke, dass sich Anja die letzten Stunden um Sie gekümmert hat?“, sprach er ruhig weiter auf Paul ein, während er ihm das Glas so hinhielt, dass er am Strohhalm ziehen konnte. Es fühlte sich gut an, als das kühle Nass die Kehle hinunter lief.

„Langsam, Herr Polizeihauptmeister. Wir wollen doch nicht, dass Sie sich verschlucken.“

Nachdem er das Glas zu drei Viertel geleert hatte, ließ Paul davon ab und räusperte sich erneut, bevor er heiser das Wort ergriff:

„Drei Fragen. Wo bin ich hier, wer sind Sie und warum bin ich gefesselt?“

„Oh, das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal.“ Der Fremde kicherte. „Aber Sie haben natürlich ein Recht darauf zu erfahren, was mit Ihnen passiert. Frage eins darf ich Ihnen leider nicht beantworten, Frage zwei ist vertraulich und Frage drei, nun, Sie erraten es vielleicht schon, unterliegt der Geheimhaltung.“ Wieder kicherte er, als er Pauls wütenden Gesichtsausdruck sah und bemühte sich schnell fortzufahren. „Nein, ich nehme Sie doch nur auf den Arm. Sie sind in einem unterirdischen Bunker, dessen Standort ich Ihnen wirklich nicht verraten darf. Was meine Person angeht, müssen Sie sich weiterhin damit begnügen, dass ich für Sie keinen Namen habe. Ich war aber, nun, sagen wir ein guter Bekannter von Herling und Brunner.“

Bei den Namen zuckte der Polizist merklich zusammen. Eine Reaktion, die Meier nicht entging und ihm erneut ein Grinsen ins Gesicht zauberte.

Samstag, 24. September 2011

Wissenstattglauben sucht den Mega-Oneliner

Achtung! Spoiler! Wer Kapitel 96 noch nicht gelesen hat, holt dies bitte vorher nach! 

Untot - Band 3 - Kapitel 96

Kapitel 96

Keine Sekunde zu früh. Etwas zerrte mit aller Gewalt an dem LKW in dem Paul Schutz gesucht hatte. Er spürte den Boden der Ladefläche unter seinen Füßen wackeln. So schnell der Polizist konnte, hechtete er von der Ladefläche hinaus ins Freie. Am Boden rollte er sich ab und richtete sich rasch wieder auf. Die gefundene Waffe lag fest in seiner Hand und zielte jetzt direkt auf den mutierten Fleischberg. Gerade knirschte der LKW unter der Last des Angriffs und krachte unter einem lauten Knall auf die Seite.

„BRAUN!“, brüllte Paul hasserfüllt über den Lärm hinweg und erntete sofort die erwünschte Aufmerksamkeit. Mittlerweile war fast jede Menschlichkeit aus den Zügen von Braun gewichen. Es fiel Paul auf, als sich der Mutant ihm zuwandte. Das Gesicht hatte sich massiv verändert. Zusammen mit einer grau-grünen Färbung hatten sich Teile der Haut gelöst und hingen nunmehr wie nasse Lappen nach unten. Das Fleisch darunter hatte einen braun-grünen Ton angenommen und Lippen, Ohren und Nase waren ganz abgefallen. Oder sie waren dem vorherigen Beschuss zum Opfer gefallen.

Als Braun sich dem Beamten zuwandte, wurde dem Mutanten offensichtlich die Waffe in Pauls Händen gewahr. Sein Blick, aus seinen noch immer menschlich erscheinenden Augen, fokussierte die Waffe. Der Körper des Mutanten versteifte sich, und es sah tatsächlich so aus, als wäre er gerade dabei seine Optionen zu überdenken, aber Paul kam ihm zuvor.

„Braune Scheiße!“, flüsterte Paul, während er den Abzug durchdrückte.

Mit einem harten Schlag grub sich der Granatenwerfer in Pauls Schulter und spuckte die Granate mit einem ploppenden Geräusch Richtung Braun. Der sah das Projektil, wie es den Lauf der M32 verließ und eine dünne Rauchspur hinter sich herziehend auf ihn zuflog. Mit aller Kraft wuchtete er seinen massiven Körper herum, um dem Geschoss so zu entgehen, konnte allerdings einen Treffer nicht vollständig vermeiden.

Der rechte Arm zerriss unter der Explosion der Granate. Fleisch, Knochen und Muskelsehnen flogen umher und zurück blieben nur wenige Zentimeter unterhalb der Schulter, die wie eine Anomalie hervorragten. Das Monster heulte auf. Erstmals verspürte er Schmerzen. Doch schon im nächsten Moment setzte der Regenerationsprozess ein. Eine Art Tentakel schossen aus dem Stumpf hervor, und begannen einen neuen Arm zu formen. Wie zuvor war der Mutant in diesem Moment bewegungsunfähig und damit außerstande der nächsten heranfliegenden Granate auszuweichen.

Der Kopf explodierte. Etliche Teile des Oberkörpers wurden in Mitleidenschaft gezogen. Für Braun verdunkelte sich die Welt, aber er spürte, dass er immer noch nicht tot war. Er spürte, dass irgendetwas in seinem Körper ihn am Leben erhalten wollte und er war davon überzeugt, dass es der Wille des Herrn war. Noch würde er ihn nicht ziehen lassen. Er war sein Racheengel und erst nachdem er seine Mission erfüllt hatte, würde er in sein Himmelreich auffahren dürfen.

Für Paul hingegen sah es anders aus. Kopf- und regungslos stand das Ding da, während aus dem Hals Tentakel aufstiegen, offenbar um den Kopf neu zu bilden. Fluchend feuerte Paul zwei weitere Granaten ab, die den Brustkorb und den Bauch des Mutanten zerfetzten. Die Bauchdecke explodierte zusammen mit einem Teil der Innereien. Der Rest davon fiel mit einem platschenden Geräusch zu Boden. Durch die zunehmende Zerstörung des Körpers verlangsamte sich der Regenerationsprozess zusehends. Waren zuvor noch innerhalb von Sekunden neue Formen geschaffen worden, konnte er jetzt bei dem neu zerstörten Gewebe keine Regeneration erkennen.

Stattdessen sah er in dem offenen Brustkorb etwas schlagen. Ein Herz, schwarz wie die Nacht, pumpte weiterhin Blut durch die mutierten Adern. Blut, oder etwas anderes, was dieses Monstrum am Leben hielt. Genau wie der Rest des Körpers war auch das Herz verändert. Es war übermäßig groß und schmatzte leise bei jedem Pumpvorgang. Zudem war es zusätzlich durch einen Knochengürtel geschützt, der durch den vorigen Beschuss bereits beschädigt war.

Wie hypnotisiert betrachtete Paul das schlagende Herz und erst, als er bemerkte, dass sich die Knochen um das Herz wieder zu schließen begannen, erwachte er endlich aus seiner Starre. Der Granatenwerfer fühlte sich plötzlich federleicht an, als er ihn erneut hochhob. Auch der Rückstoß schien seiner lädierten Schulter nichts mehr anhaben zu können, als die vierte, die fünfte und die sechste Granate in schneller Folge den Lauf verließen.

Als die letzte Granate abgefeuert wurde, hatte die Erste bereits ihr Ziel erreicht. In einer Explosion verdampfte das schwarze Herz und die zweite Explosion zerstörte alles, was sonst davon übrig geblieben war. Die dritte Explosion schließlich zerstörte alles, was von dem Oberkörper bis zu diesem Moment noch da war. Noch immer stand das Ding. Es wollte einfach nicht fallen. Paul war der Verzweiflung nah. Was konnte er noch gegen ihn einsetzen. Er sank erschöpft auf die Knie. Genau in dem Moment fiel das, was von dem Mutanten übrig geblieben war. Es kippte einfach um und blieb dann liegen.

War das jetzt das Ende? Die Welt begann sich um den Polizisten zu drehen. Die Anstrengungen der letzten Stunden forderten nun ihren Tribut. Mehr als einmal hatte er seine Energiereserven bis zum letzten Tropfen angezapft und nun forderte dies seinen Tribut. Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen. Wie sein Kopf auf der Erde aufschlug, spürte er schon gar nicht mehr.

Freitag, 23. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 95

Kapitel 95

Panisch hantierte der Feldwebel an seinem Sturmgewehr herum. Die Einweisung in die neuen Waffen war kurz gewesen und die jahrelang einstudierten Bewegungsabläufe hinfällig. Schließlich rastete das Magazin doch ein, aber bevor er die erste Kugel in die Kammer befördern konnte, rissen riesige Pranken das Gewehr aus seinen Händen und schleuderten es schwungvoll davon. Ungläubig verfolgte Urban die Flugbahn des Gewehrs, bis diese von dem massigen Körper des Ungetüms verdeckt wurde.

Anstatt zu fliehen, zog der Soldat ein Messer aus seinem Gürtel und stürzte sich in einen ungleichen Kampf. Braun machte sich nicht die Mühe dem Stoß auszuweichen. Stattdessen empfing er ihn mit offenen Armen, nur um diese gleich wieder zu schließen, als Urban zugestoßen hatte. Das Messer verschwand in dem mutierten Körper und die Hände schnellten wie zum Applaus zusammen. Doch anstatt zu klatschen, zerquetschte der Mutant den Kopf des Feldwebels wie eine reife Tomate zwischen seinen übergroßen Händen.

Teile von Urbans Gehirn spritzen auf Paul herab, der noch immer atemlos und ungläubig da saß. Regungslos und mit großen Augen starrte er zu dem Monster hinauf, der gerade seine Arme öffnete und die Leiche des Soldaten damit wieder freigab. Der zerquetschte Schädel rutschte an seiner Handfläche entlang und nur langsam beförderte ihn sein Eigengewicht auf den Boden. Bei dem Anblick musste Paul sich unweigerlich übergeben. Wiederholt stülpte sich sein Magen nach außen und Galle tropfte aus seinen Mundwinkeln, als er fertig war.

„Bäääääääärrrraaaaaaa“

Statt sich gleich auf ihn zu stürzen, stand der Mutant ruhig über Paul und beobachtete ihn. Ohne Braun aus den Augen zu lassen, drückte sich Paul langsam mit seinen Füßen von ihm weg. Stets darauf bedacht, keine ungewollte Reaktion bei dem Monster zu verursachen, arbeitete er sich nach hinten und bemühte Augenkontakt zu halten. Ein Motor heulte auf.

Einer der Soldaten hatte sich hinter das Steuer eines Fuchs begeben, den Motor gestartet und hielt frontal auf Braun zu. Wieder machte dieser sich keine Mühe auszuweichen. Im Gegensatz zu Paul, der den Zusammenprall nicht erleben wollte. Unter der Aufbringung aller Kraftreserven presste er sich hoch, und rannte davon. Sekunden später war der Transportpanzer heran geprescht und hielt direkt auf den Mutanten zu.

Wenige Meter bevor er von dem Fahrzeug erfasst wurde, stieß Braun sich vom Boden ab, und landete auf dem Dach des Fahrzeugs. Die Dachpanzerung hielt genau zwei Schlägen stand, bevor sich seine Faust in die Fahrkabine vorgearbeitet hatte und er dem Fahrer mit einem Handgriff das Genick brach. Ohne Fahrer bahnte sich der Truppentransporter führerlos seinen Weg über das Schlachtfeld. Mit seinem vorhandenen Restschwung prallte der Wagen in einen LKW, den er noch einige Meter vor sich herschob. Dann erstarb sein Motor.

Fast schon übertrieben lässig schwang sich Braun von dem Panzer herab und suchte nach Paul. Niemand hinderte ihn mehr daran. Der Widerstand war gebrochen. Die, die nicht tot oder verletzt waren, hatten zu Fuß das Weite gesucht und würden sicher bald mit schwerer Unterstützung zurückkehren. Paul musste sich eben nur lange genug vor dem Monster versteckt halten.

Dazu hatte sich der Beamte auf der Ladefläche eines LKWs versteckt, als der Mutant abgelenkt war. Unter der Plane hindurch beobachtete er, wie das Ding draußen nach Überlebenden, oder ihm, suchte. Als Braun sich dem LKW näherte, zog er sich langsam zurück, stark darauf bedacht, dabei keine unnötigen Geräusche zu verursachen. Mit angehaltenem Atem sah er sich im LKW um. Sauber aufgereiht standen hier Munitionskisten, Kisten mit Granaten und Waffen.

Ordentlich aneinandergereiht standen hier fast ein Dutzend G36. Gefüllte Magazine lagen gleich daneben und nur schwerlich konnte Paul dem Reflex widerstehen, ein Gewehr zu beladen und auf den Mutanten zu feuern. Sein nächster Blick fiel auf eine Kiste mit englischer Beschriftung, die den Inhalt als M32 Grenade Launcher auswies. Ein, neben seinem Versteck, stehender Transport-LKW krachte auf die Seite und Paul konnte hören, wie sich das Monster daran zu schaffen machte.

Angesichts des Lärms riskierte er selber einige Geräusche zu machen und begann an der Kiste zu hantieren. Das Schloss war nicht abgesperrt und leicht quietschend sprang der Deckel auf. Darunter erstrahlte ein wahres Ungetüm einer Infanteriewaffe. Sechs Kammern mit Platz für je eine 40 mm-Granate. In der Kiste waren verschiedene Granaten gelagert. Neben Rauchgranaten fand er auch Explosivgranaten, sauber nebeneinander aufgereiht und in einer Halterung in der Kiste eingebettet.

Schnell untersuchte Paul die Waffe nach Ladefunktion und Feuermechanik. Die Zeit wurde knapp und eine ausführliche Unterweisung würde wohl entfallen müssen. Dennoch war das seine einzige Chance. An der Unterseite des Granatenwerfers fand er eine Sicherung, mit der sich die Magazintrommel entsperren und aufklappen ließ. Auf Verdacht führte er die Granaten in die Kammern und rastete die Waffe wieder ein. Er fand etwas, das wie ein Sicherungshebel wirkte und legte sie um.