Montag, 31. Januar 2011

Kapitel 31

Kapitel 31
Die Gerüchteküche kocht. Seit mehreren Tagen gibt es Gerüchte darüber, dass der Regierungswechsel nicht freiwillig war, Gerüchte um einen Überwachungsstaat, neue Notstandsgesetze und eine generelle Ausgangssperre. Schon Realität ist die Zwangserhebung wehrfähiger Männer. Ich habe Glück, mit 37 habe ich die Grenze um sieben Jahre überschritten. Eine Rationierung der Lebensmittel hat weitere Einschnitte in unserem Leben hinterlassen. Die Rationierung ist großzügig, verhindert aber die Hamsterkäufe, die kurzfristig für einen Versorgungsengpass gesorgt haben.
Fleisch ist zum Luxusgut geworden, die Ressourcen werden sollen primär in den Anbau von pflanzlicher Nahrung gesteckt werden, weil die Haltung von Tieren zu viel Anbaufläche verschwendet. Die Treibstoffrationierung sorgt für leere Straßen und eingeschränkten Aktivitäten. Das Misstrauen in der Bevölkerung wächst und die Tatsache, dass viele Menschen nach den Zwangstests von einem Tag auf den anderen verschwunden waren, sorgt weiter für Unmut.
Dafür schien das Tollwutproblem der Geschichte anzugehören. Entsprechende Berichte oder Beobachtungen waren schon länger nicht mehr zu vernehmen und die neue Krisenregierung scheint alles gut im Griff zu haben. Seit Einführung der Schnelltests wurde auch nach und nach der internationale Flugverkehr eingeschränkt wieder aufgenommen. Aufgrund des Treibstoffmangels sind die Flüge für Normalsterbliche aber kaum erschwinglich.
Die letzte Nacht hat es heftig geschneit. Unsere Straße ist komplett mit Schnee bedeckt, ein Blick auf die Seite der Deutschen Bahn bringt die Erkenntnis, dass ein Gang zum Bahnhof heute keine Aussicht auf Erfolg verspricht, also setz ich mich vor den Fernseher und beobachte die Berichterstattung des Bayrischen Fernsehens. Im Rahmen einer Informationsreform wurden die „Dritten“ zu Informationssendern umfunktioniert, um schnell und durchgehend über aktuelle Ereignisse der Region berichten zu können. In einem Bericht sehe ich Mitarbeiter der Deutschen Bahn die bedauern, dass aufgrund der Schneemassen der Zugbetrieb vorübergehend eingestellt werden musste und derzeit noch unklar ist, ab wann der Verkehr wieder aufgenommen werden kann.
Ein weiterer Bericht verspricht anhaltenden Schneefall und Glätte. Wer nicht zwingend raus muss, soll daheim bleiben. Wer unbedingt raus muss, soll eine der eingeblendeten Nummern anrufen und den Grund, sowie den Wohnort melden. Einheiten des technischen Hilfswerks würden sich dann um den Transport kümmern. Ich rufe meine Chefin an und erkläre ihr meine Situation. Da momentan keine wichtigen, unaufschiebbaren Tätigkeiten anstehen, willigt sie ein, dass ich meine Emails von zu Hause aus bearbeite und den Rest auf Gleitzeit nehme.
In den Nachrichten sehe ich noch ein zerstörtes Haus in Germering, gefolgt von einem Bericht über einen Terroranschlag im erst kürzlich wiedereröffneten Moskauer Flughafen. Eine vermeintliche kaukasische Attentäterin sprengte sich selbst und wartende Fluggäste in die Luft. Dabei wurden 35 Menschen getötet, über 180 verletzt. Die Verletzten wurden in spezielle Einrichtungen verlegt, erklärt der Sprecher, der live von einem Hotel in der Nähe des Flughafens zugeschaltet ist. Seit langem wieder ein Bericht aus Russland. Seit dem Atombombenanschlag waren Nachrichten aus der ehemaligen Sowjetunion rar gesät.
Ganz im Gegensatz zu den Gerüchten, die davon sprechen, dass sich die Tollwutseuche über den ganzen Osten Russlands und über die dort liegenden, ehemaligen Sowjetstaaten ausgebreitet hätte. Fotos von bombardierten russischen Städten verbreiteten sich über Emailverteiler. Unbekannte richteten tote Briefkästen ein: montierte USB-Sticks, die versteckt, aber frei zugänglich in den Städten verteilt lagen und deren Standorte mündlich weitergegeben werden.
Darauf sind Bilder und Videos von zerstörten russischen Städten. Zerstörungen, die durch Brandbomben und konventionelle Bombardierungen erzielt wurden. Der Beleg dafür, dass die Russen ihre eigenen Städte in Schutt und Asche verwandelten. Die Namen der Städte sagten mir nichts und auch zu den Opferzahlen war nichts bekannt. Manche vermuten ja, dass es sich dabei nur um Propaganda handelt. Von wem und zu welchem Zweck weiß aber niemand. Vielleicht einfach nur, um eine Anti-Russische Stimmung zu erzeugen. Die Idioten sterben ja nichts aus.
Im Bericht wird erwähnt, dass Russland Vergeltungsmaßnahmen nicht weiter ausschließe und Medwedew mit den Worten zitiert, dass alles in seiner Macht stehende unternommen werde, um solche Gräueltaten an Zivilisten jetzt und in Zukunft zu unterbinden. Was für ein Unglück, denke ich mir und gehe in mein Arbeitszimmer, um dort über VPN eine Verbindung zu unserem Firmennetzwerk herzustellen und mein Emailkonto nach wichtigen Nachrichten zu überprüfen.
Während der Rechner hochfährt, aktiviere ich die Mikroanlage im Arbeitszimmer die drahtlos auf meine Musikbibliothek zugreift und für die nötige Hintergrundbeschallung sorgt. Im Emailpostfach finde ich nur unwichtigen Müll. Seit dem Niedergang der Wirtschaft wurden fast alle Kollegen entlassen, die nicht direkt mit der Aufrechterhaltung des Betriebs beschäftigt waren. Neue Projekt dienen dem Ausbau und Stabilisierung des Netzes, der Erhöhung der mobilen Bandbreite und die Versorgung von Notrettungsdiensten mit Endgeräten. Ninesin brüllen mir„Live for nothing, die for something“ ins Ohr, als ich mich aus dem VPN auslogge und den Rechner wieder herunterfahre.

Sonntag, 30. Januar 2011

Kapitel 30

Kapitel 30
Paul betrat das Haus durch den Flur im Erdgeschoss und sicherte den Eingangsbereich. Durch eine gelbe Glastür fiel schwaches Licht in den hinteren Teil des Flurs und Schatten wanderten an den Wänden entlang. Paul ging soweit vorwärts, wie es die Situation zuließ und zwei Kollegen folgten. Die Beamten versuchten so leise wie möglich vorzugehen, die Erinnerung an das Wohnhaus in München steckte den meisten noch in den Gliedern. Keiner hatte das Bedürfnis,  20 oder mehr Untoten gegenüber zu stehen.
Zu Pauls Linken ging eine Treppe ins Obergeschoss, davor eine Tür. Rechts gingen zwei Türen ab, am Ende des Flurs war die Glastür. Paul ordnete zwei Beamte an, die Tür zur Linken zu öffnen, er und der Rest sicherten die Treppe. Leise schwang die Tür nach innen auf und gab den Blick frei auf eine leere Toilette. Die Beamten signalisierten, dass der Raum sauber sei und schlossen die Tür leise. Paul und ein Kollege gingen weiter den Flur entlang und das Zweierteam bewegte sich von der Toilettentür zur ersten Tür auf der rechten Seite.
Noch während sich die Beamten vor der Tür positionierten, meinte Paul hinter der Glastür einen Schatten bemerkt zu haben. So leise wie möglich signalisierte er Augenkontakt und befahl seinem Kollegen, die Taschenlampe auszuschalten. Die Beamten verharrten angespannt, während das Zweierteam die erste Tür zur Rechten öffnete. Dahinter verbarg sich eine altmodische Küche, die über einen Durchgang mit dem nächsten Zimmer, dem Esszimmer, verbunden war. Im Esszimmer standen neben einem hässlichen Schrank ein alter Tisch mit passenden Stühlen. Auf dem Tisch selber stand ein Teller, der noch die Reste der letzten Mahlzeit beinhaltete, an der sich Fliegen und Maden labten.
Am Ende des Esszimmers führte eine Tür in ein weiteres Zimmer. Durch’s Schlüsselloch fiel ein schwaches Licht ins Esszimmer und zeichnete einen hellen Fleck auf den Boden. Die Beamten gingen leise zurück in den Flur und berichteten im Flüsterton. Paul nahm an, dass die Tür im Esszimmer in den gleichen Raum führen würde, wie die Glastür und entschloss sich zu einem gemeinsamen Zugriff in genau zwei Minuten. Paul rückte mit seinem Kollegen hinter die zweite Tür vor und bemerkte hinter dem Treppenabsatz eine weitere Tür, möglicherweise in den Keller. Paul fluchte innerlich.
Der Zugriff stand unmittelbar bevor und er musste sich entscheiden, entweder die Treppe oder die Kellertür decken zu lassen. Leicht zog und drückte er an der Tür und bemerkte zufrieden, dass die Tür zugezogen war und sich nicht aufgedrückt werden konnte. Er drehte sich wieder zur Glastür und behielt die Uhr im Auge. Noch zehn Sekunden. Paul griff zur Waffe und zählte die letzten Sekunden im Kopf ab. Bei Null angekommen, riss er am Türgriff, schwang die Tür nach innen auf, während sein Kollege die Waffe sichernd in den Raum hielt.
Noch während Paul die zweite Hand wieder an der Waffe hatte, hörte er das Rattern einer MP5 und kurz darauf einen Körper zu Boden fallen. Paul kam in den Raum und sah das andere Team und am Boden etwas liegen, dass einmal eine alte Frau war. Am Kopf waren zwei Einschusslöcher, mindestens eines davon hatte offensichtlich das Gehirn zerstört und das Untote Leben beendet. Am Kopfende der Leiche trat kein Blut aus, woraus Paul folgerte, dass die Umwandlung bereits vor einigen Tagen erfolgen musste. Als er die Überreste weiter musterte, fiel ihm eine Verletzung am Arm auf, eine Bisswunde, der Grund der Infektion.
Das Zimmer war mit einem alten Fernseher, einer kitschigen, grünen Couchgarnitur, schweren Gardinen und einem alten, schweren Wohnzimmerschrank ausgestattet. Am Boden lag ein alter Teppich, der vor 50 Jahren bereits außer Mode sein musste, die Wand schmückte ein Wandteppich mit einer Jagdszene, die einen Hirschen zeigte, der von einem Jäger ins Visier genommen wurde. Daneben Jagdtrophäen, ausgestopfte Kleinsäugetiere, Hirschgeweihe und ein ans Brett genagelter, präparierter Fisch bewiesen endgültig, dass die ehemaligen Hausbesitzer an übler Geschmacksverirrung litten.
Noch dem Gedanken nachhängend, ging Paul wieder zurück zur vermeintlichen Kellertreppe und rief seine Kollegen herbei. Ein Beamter meldete derweil den Fund der Leiche an die Einsatzleitung, bevor er sich Paul anschloss. An der Kellertür angekommen, wartete Paul ab. Langsam drückte er sein Ohr an die Tür und horchte. Aus dem Keller waren deutlich Geräusche zu vernehmen. Geräusche, von mehreren Menschen. Oder Untoten. Paul griff nach dem Türgriff und blickte in die Runde. Zwei Beamte deckten Paul, während der die Tür aufdrückte.
Als die Tür aufschwang, sah Paul in ein schwarzes Loch. Der Keller war stockfinster, kein Lichtstrahl fiel in den Raum. Das durch die offene Tür einfallende Licht zeichnete nur wenige Meter Konturen auf die nach unten führenden Steinstufen, bevor es sich in der Dunkelheit verlor. Die Taschenlampe eines Beamten durchschnitt die Dunkelheit und Schatten wanderten über die Kellerwand, als sich der Strahl durch den Raum bewegte. Ein Scheppern drang aus dem Kellerraum, gefolgt von einem tiefen Grollen.
Die Taschenlampe erfasste für einen kurzen Moment einen Körper, bevor dieser hinter einem Mauervorsprung verschwand. Paul empfand ein Vorgehen als zu riskant und informierte die Einsatzleitung. Zwei Beamte blieben vor der Tür, während Paul die anderen drei Beamten mit sich nahm und den Außenbereich des Hauses inspizierte. Die niedrig gelegenen Kellerfenster waren mit Rollläden von außen verriegelt. Paul bückte sich und ergriff einen der Rollläden, schob ihn nach oben und beobachtete, wie Tageslicht einen Bereich des Kellers flutete.
Schnell begriffen die anderen Beamten und begannen, rund um das Haus die Rollläden aufzuschieben. Was danach passierte, lässt sich nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Fakt ist, dass einer der im Haus verbliebenen Beamten das Feuer eröffnete. Warum er dies tat, wird man niemals erfahren. Ein Querschläger traf eine im Keller stehende Gasflasche, was eine gewaltige Explosion zur Folge hatte, die alle Untoten und Lebenden im Haus verschlang.
Germering/Ingolstadt. Nach der Explosion eines Wohnhauses in Germering bei München sind die Toten identifiziert worden. Wie das zuständige Polizeipräsidium bestätigte, ist das in den Trümmern gefundene Ehepaar durch die Explosion ums Leben gekommen. Die Obduktion der 84-jährigen Frau und des 88 Jahre alten Ehemannes habe "nichts ergeben, was nicht vereinbar gewesen war mit der Explosion und dem dazugehörigen Feuer", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Es gebe keine Anzeichen für eine andere Todesursache.
Unterdessen ist die Ursache der gewaltigen Explosion weiter unklar. Berichten einer Lokalzeitung zufolge sagte ein Feuerwehrmann: "Hier hat jemand mit Benzin nachgeholfen. Ich glaube nicht, dass das ein Unglück war." "Wir können derzeit weder ein Unglück noch einen Suizid ausschließen", sagte dagegen ein Polizeisprecher am Donnerstag. Weiteren Medienberichten zufolge soll das Ehepaar seit langem zerstritten gewesen sein. Die Polizei wollte sich dazu nicht äußern. Die Ermittlungen dauerten an, sagte ein Sprecher.

Samstag, 29. Januar 2011

Kapitel 29

Kapitel 29
Der unfreiwillige Regierungswechsel brachte weitere Einschnitte mit sich. So wurden Regelungen wie Ausgangssperren gesetzlich endgültig verankert und entsprechend umgesetzt, sowie weitere Vorhaben auf den Weg gebracht.  Rationierung von Lebensmitteln und eine allgemeine Zwangserhebung für Männer im wehrtauglichen Alter bis 35 waren Vorhaben, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Des Weiteren wurde der Rückbau von Bunkeranlagen gestoppt und begonnen, die zur Verfügung stehenden Bunker neu auszustatten.
Bei nicht allen Polizeibeamten fiel der Regierungswechsel auf fruchtbaren Boden. Viele sahen es als richtigen Schritt im Kampf gegen die Seuche an, andere wie Paul wollten sich dagegen nicht damit abfinden, dass die Regeln der Demokratie ausgehebelt wurden, um einer neuen Ordnung Platz zu machen. Viele Kollegen führten aus, dass die Sicherheit im Lande seit dem Wechsel angestiegen ist, und die Infektionsfälle nahe null gegangen sind. Dass Gesetze geschaffen wurden, mit denen der drohenden Gefahr getrotzt werden könne und dass der internationale Handel zumindest ansatzweise wieder aufgenommen werden konnte.
Die Gegenseite sah dies aber nicht als Rechtfertigung für einen Putsch und nichts anderes war der Regierungswechsel. Wobei die offizielle Bezeichnung „Regierungswechsel“ wie bittere Ironie erschien, angesichts des skrupellosen Vorgehens der beiden Ministerien. Das Volk blieb von alledem ahnungslos. Die Medien waren schon lange in der Hand des Innenministeriums und Nachrichten wurden nur noch aufgezeichnet gesendet. Livesendungen waren seit dem Zwischenfall in der ARD ohnehin eingestellt worden.
Noch war die Personaldecke der Polizei ausgedünnt, aber durch massive Aufstockungen standen bereits tausende neue Anwärter bereit, die in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden sollten. Dabei stand ganz klar im Fokus, die Überwachung von Privatpersonen zu verstärken, um Meinungen, die die öffentliche Sicherheit schädigen könnten, vorab auszufiltern und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen zu beantworten. Die Gegenmaßnahmen umfassen dabei Umerziehung, Sicherheitsverwahrung oder Frontdienst in einem der neu geschaffenen Strafbataillone. Die Strafbataillone wurden zur Unterstützung der Polizei herangezogen und dienten als Aufklärer und Ersthelfer. Paul nannte sie Kanonenfutter. Des Weiteren waren sie damit beschäftigt, Inseln, wichtige Einrichtungen und neu auch Grenzen zu befestigen und den Wachdienst dafür abzuleisten.
Die Ausbildung war in der Regel rudimentär und nicht mit der von regulären Truppenteilen zu vergleichen. Im Ernstfall sollten sie die erste Welle auffangen, bis reguläre Truppenteile mit schwerem Gerät die Stellung halten und konkrete Verteidigungsmaßnahmen  einleiten könnten. Um reguläre Truppen zu entlasten, wurde bei den Maßnahmen aus dem Grund der Fokus auf die Strafbataillone gelegt.
In Pauls Schicht war die Zahl derer, die über den Wechsel unzufrieden waren, gefühlt deutlich höher als der Durchschnitt. Ein Putsch passte einfach nicht zum rechtsstaatlichen Verständnis der Bundesrepublik Deutschland. Man fragte sich, wie weit die Verschwörung wohl reichte. Offen darüber reden wollte dagegen keiner. Meist traf man sich privat nach dem Dienst, um darüber zu diskutieren. Ja, es gab sogar Überlegungen, wie man die alte, vom Volk gewählte, Bundesregierung wieder ins Amt hieven könnte. Aber dazu war die Gruppe zu klein, der Einfluss zu gering und die Gesinnung der Vorgesetzten Beamten und Dienststellenleiter nicht klar genug.
Im Rahmen der neuen Eindämmungsstrategie wurde Paul nach Germering bei München abkommandiert. Ein älteres Ehepaar war nicht zur Zwangsuntersuchung erschienen, Angehörige konnten telefonisch nicht erreicht werden und den neuen Richtlinien entsprechend wurde eine Streife vorbeigeschickt. Vor Ort reagierte niemand auf die Kontaktversuche der Beamten. Die Dienstrichtlinien untersagten den Streifenbeamten, eigenmächtig weiter vorzugehen und stattdessen Unterstützung anzufordern.
Bei der Ankunft am Haus erschien nichts verdächtig. Die Fenster waren verschlossen, Rollläden herabgelassen und die Gartentür verschlossen -ganz so, als wären die Besitzer verreist. Neben Paul war noch ein fünfköpfiges Team mit angereist, die örtliche Polizei übernahm Sicherungsaufgaben. Paul war froh, dass das Kanonenfutter noch nicht einsatzbereit war, bzw. die Bataillone noch im Aufbau.  Paul graute es davor, dass ungenügend ausgebildetes Kanonenfutter Häuser stürmen und vorsäubern solle.
Einer von Pauls Kollegen, ein stämmiger Kerl, der bereits an mehreren Säuberungsaktionen beteiligt war, ging zur Tür und versuchte sich mittels läuten, klopfen und rufen bemerklich zu machen. Die Beamten lauschten, konnten von drinnen aber keine Geräusche hören. Zwei Beamte umrundeten das Gebäude und wiederholten die Prozedur auf der Rückseite. Auch hier erfolgte keine Reaktion, das Haus blieb stumm. Die Rückseite des Hauses war im Gegensatz zur Vorderseite nur mit einer Glastür verschlossen. Die Beamten blieben an der Rückseite und informierten die Kollegen an der Vorderseite des Gebäudes.
Paul zog einen Türöffner aus der Tasche. Das Werkzeug gehörte nicht zur Standardausstattung der deutschen Polizei, hatte die letzten Wochen aber vermehrt Einzug in die Ausstattung der Einsatzteams gefunden. Mit dem Türöffner lassen sich die meisten Schlösser innerhalb weniger Sekunden ohne große Anstrengungen und vor allem mit minimalem Lärm öffnen. Paul setzte das Werkzeug an und brach damit den Schließzylinder heraus. Die Tür gab ein Stück nach. Paul setzte seine Waffe an die Schulter und gab der Tür einen Schubs, gedeckt von seinen Kollegen. Eine Taschenlampe zeichnete einen hellen Lichtstrahl in den Flur des Hauses, eine zweite Taschenlampe leuchtete die andere Seite aus. Durch die aufgestoßene Tür wurde Staub aufgewirbelt, der im Lichtstrahl der Lampen durch die Luft tanzte und sich im Wirbel der eintretenden Luft drehte.

Freitag, 28. Januar 2011

Kapitel 28

Kapitel 28

Mit dem Fall der Mongolei hatte sich die Armee der Untoten um drei Millionen neue Rekruten erhöht. Nur wenigen Flüchtlingen gelang die Flucht aus dem weitläufigen Gebiet der Mongolei und noch weniger wurden von den Anrainerstaaten Russland und China aufgenommen. Die Sowjetunion verweigerte grundsätzlich und mit der Androhung von Waffengewalt die Einreise. Wer der Aufforderung nicht Folge leistete, wurde standrechtlich erschossen.

China war immer noch darum bemüht, die Seuche auf den Osten des Landes zu begrenzen. Anstrengungen, die durch den Fall der Mongolei nicht erleichtert wurden. Unklar war auch immer noch die Situation in Nordkorea, bis ein amerikanisches Spionageflugzeug die Bestätigung erbrachte, dass auch die nordkoreanische Volksarmee in Kämpfe mit den Untoten verwickelt war. Nichtsdestotrotz erschien ihre Präsenz an der Grenze zu Südkorea unverändert, was eine generelle Mobilmachung der Streitkräfte nahelegte.

Während in den westlichen Ländern die Seuche dank des entwickelten Schnelltests und regelmäßigen Zwangstests wieder in den Griff bekommen wurde, verbreitete sich die Seuche speziell in Entwicklungsländern der dritten Welt und Südamerika rasend schnell. Nur wenige Länder Afrikas hatten auch nur ansatzweise eine Chance und mit jedem gefallenen Land vergrößerte sich auf dem schwarzen Kontinent die Armee der Untoten. Aus dem schwarzen, wurde der tote Kontinent, aus der Wiege des Lebens, das Grab der Menschheit.

Die ägyptische Armee zog sich bis über den Sueskanal zurück und errichtete dort befestigte Stellungen. Was zu retten war, wurde mitgenommen, unterstützt durch Spezialisten der israelischen Armee, die sich ebenfalls einen Vorteil davon versprach, wenn die Armee der Untoten am Sueskanal gestoppt wird. Im Süden trieben die Zombies die Flüchtlinge vor sich her, immer weiter nach Süden. Zombies sind langsam, brauchen aber keinen Schlaf, keine Nahrung und kein Wasser, werden nicht müde und machen keine Pausen.

Wer nicht den Untoten zum Opfer fiel, starb an Wasser- und Essensmangel, oder wurde beim Versuch, eine Grenze zu überschreiten von Soldaten getötet, die wiederum den nachfolgenden Heerscharen zum Opfer fielen. Kamerun und Äthiopien waren gefallen, Uganda stand kurz davor und der Kongo verlor von Tag zu Tag mehr Land an die stur nach vorne marschierenden Untoten.

Südafrika bat die Staatengemeinschaft, Atomwaffen einzusetzen, um Landstriche zu entvölkern und so die Zombiehorden davon abzuhalten, weiter hinter Flüchtlingen herzujagen. Das Prinzip „verbrannte Erde“ sollte den südlicher gelegenen Staaten die nötige Zeit verschaffen, ihre Grenzen zu befestigen und so ihre Einwohner zu schützen. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Falsch verstandene Menschlichkeit, die vielen weiteren Millionen Menschen das Leben kostete.

Ein ähnliches Bild bot Südamerika, wo sich von Brasilien ausgehend die Seuche über den ganzen Kontinent auszubreiten drohte. Wo immer es möglich war, zogen sich die Menschen in die Bergregionen zurück, oft genug um dort aufgrund fehlender Nahrungsmittel an Hunger zu krepieren. Das alles konnte aber nicht die Welle der Untoten aufhalten, die durch das Land rollte.

Mexiko hatte bereits über viele Landstriche die Kontrolle verloren. Schlachten wurden geschlagen und nur wenige gewonnen. Immer öfter musste auch das US amerikanische Militär ausrücken, um Zombiehorden an der Grenze abzufangen und zu neutralisieren. Die USA waren aus dem Grund zwischenzeitlich dazu übergegangen, ihre südliche Grenze durch Mauern zu befestigen, um einer großen Invasion oder Flüchtlingswelle nach dem Zusammenbruch Mexikos vorzubeugen.

Gleichzeitig begannen die USA damit, unter Zustimmung der Dänemark Ausrüstung und Menschen nach Grönland zu verlagern. War das Klima auch rau, so bot es doch im Gegenzug Sicherheit vor der Seuche. Die raue Küste und die niedrigen Temperaturen boten schlechte Voraussetzungen für die Zombies. Riesige Lebensmittellager wurden angelegt und darauf geachtet, den dort Lebenden das Überleben für Jahrzehnte sicherzustellen, z. B. durch erneuerbare Energien, Gewächshäuser und Wasseraufbereitungsanlagen. Sollte der nordamerikanische Kontinent irgendwann nicht mehr zu halten sein, würden hier trotzdem tausende Menschen überleben können.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Kapitel 27

Kapitel 27

Die Hind-Helikopter waren jeweils mit einer Brand- und einer Freifallbombe ausgerüstet. Genügend Sprengkraft, um eine Brücke für diese Kreaturen zumindest unpassierbar zu machen. Der erste Helikopter flog die Brücke an, die direkt zum Flughafen führte, und ließ die 500 KG-Bomben auf die Brücke fallen. Die Explosion erzielte die gewünschte Wirkung. Neben mehrerer Zombies riss sie die Brücke in der Mitte soweit auseinander, dass sie für die Kreaturen unpassierbar war.

Die Brandbombe verwandelte viele der auf der anderen Seite befindlichen Zombies in wandelnde Fackeln. Der zweite Hind wiederholte das Spiel an einer weiter nördlich gelegenen Brücke. Mit ihren schweren MGs zogen die Helikopter noch tiefe Furchen durch die Reihen derer, die die Brücke und das darauf befindliche Flammenmeer hinter sich lassen konnten. Zwei Explosionen kündeten davon, dass die Panzer das Flammenmeer nicht unbeschadet überstanden hatten.

Als die Helikopter landeten, wurden die Piloten wie Helden empfangen. Soldaten weinten und schämten sich ihrer Tränen nicht. Die Piloten meldeten, dass ein Transporthubschrauber mit Piloten und Technikern auf dem Weg sei. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn man die Transportmaschinen nicht vom Boden bekäme. Schüsse unterbrachen die Unterhaltung, als einige verstreute Zombies den Weg zum Flughafen fanden. Keine große Herausforderung für die Panzerbesatzungen, die einen Bleiregen in Richtung der heran wackelnden Untoten schickten. 

Ein Funkspruch kündigte das Eintreffen des Transporthelikopters in zehn Minuten an. Endlich. Der Leutnant war erleichtert und schickte einen Schützenpanzer des Typs BTR-60 zur Beobachtung zurück ans Flussufer. Zumindest bis die Zivilisten weg waren, konnte er es sich nicht leisten, keinen Überblick über die aktuelle Lage zu haben. Der Schützenpanzer nahm seine Besatzung auf und fuhr los. Unterwegs begegneten sie kleinen Gruppen der Untoten. Kleine Gruppen stellen keine große Gefahr dar und wurden meist auch direkt ignoriert.

An der Brücke angekommen, präsentierte sich den Soldaten ein Bild morbider Schönheit. Das Feuer der Brandbomben wütete noch immer über die untoten Körper hinweg und tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Bild aus Rottönen und Rauch. Die Untoten schienen das Feuer nicht zu bemerken und liefen solange weiter, bis die Hitze ihr Gehirn irreparabel beschädigte und die untoten Körper zusammenbrachen. Viele entkamen auch der Flammenhölle und liefen furchtbar entstellt weiter – direkt auf den Schützenpanzer zu. Das schwere Geschütz-MG riss die wenigen der Flammenhölle entkommenen Zombies bei Treffern förmlich auseinander. Das war genug, um für den Schützenpanzer keine Gefahr mehr darzustellen. Über die hinteren Dachluken nahmen die Soldaten mit ihren Sturmgewehren noch einzelne Angreifer aus, bis das Ufer schließlich sicher war.

Der Kommandant informierte den Leutnant. Der Leutnant informierte dabei die Besatzung, dass die Flugzeuge in zwei Stunden abflugbereit sein würden, man könne pro Flug und Flugzeug bis zu 300 Personen evakuieren. Man müsse zwar ein paar Mal fliegen, aber Zeit wäre ja jetzt nicht mehr das Problem. Die Techniker wären gerade dabei, die Maschinen ordentlich durchzuchecken, aufzutanken und mit den Piloten flugbereit zu bekommen. Vom Tower aus versuche man auch gerade, die russischen Behörden an den Funk zu bekommen, um eine Landeerlaubnis für einen russischen Flughafen zu erhalten.

Der Kommandant war über die Nachricht erfreut und informierte seine Besatzung. Von vielen fiel die Anspannung der letzten Stunden ab und zum ersten Mal seit Beginn der Kampfhandlungen stellte sich bei den Soldaten ein Gefühl leiser Hoffnung ein. Ein Gefühl, dass der Kommandant in dem Moment wieder verlor, als er sein Fernglas auf das andere Flussufer richtete, und sich einen Überblick verschaffte. Die Stadt war tot. Nur vereinzelt schienen Menschen Widerstand zu leisten, nur vereinzelt war in befestigten Gebäuden Leben erkennbar.

Dramatische Szenen spielten sich auf dem Dach eines Hauses ab, als Menschen einen schnellen Tod durch einen Sprung vom Dach dem Dasein als Zombie vorzogen. Der Kommandant setzt das Fernglas ab, musste sich beherrschen, bei dem traurigen Anblick seiner Heimatstadt nicht in Tränen auszubrechen. Tief atmete er ein und bereute es im nächsten Augenblick, als er den Geruch nach verbranntem Fleisch damit tief in seine Lungen sog. Er hustete kurz und setzte das Fernglas wieder an.

Noch immer drängten sich diese verdammten Monster auf der Brücke. Von hinten kamen neue nach und stießen die vorderen ins Wasser. Die Strömung würde den Rest erledigen. Einer der Männer schrie auf. Von seiner Position aus konnte er Bewegung erkennen. Zombies! Sie kamen näher. Der Kommandant richtete sein Fernglas auf die von Osten kommenden Gestalten aus. Sie waren nass. Nass und viele. Viel zu viele.

Er brüllte seine Befehle. Waffe ausrichten, Motor starten, Feuer und Rückzug. Das schwere MG ratterte los und zerfetzte die erste Angriffswelle. Der Besatzung war egal, ob sie tot oder nur verstümmelt waren. Sie brauchten nur genügend Zeit, bis die Zivilisten evakuiert waren. Der Kommandant betätigte sein Funkgerät und informierte den Leutnant. Der befahl die Stellung so lange wie möglich zu halten.

Das MG ratterte weiter für jeden gefallenen Zombie schienen zwei neue nachzukommen. Der Strom nahm zu und der Kommandant gab den Befehl zum Rückzug. Ein Schatten huschte über den Schützenpanzer hinweg und eine Feuersalve riss Reihen der Angreifer auseinander. Die Hind-Helikopter. Der Leutnant hatte die Helikopter zur Unterstützung geschickt. Feuernd zog sich der Schützenpanzer zurück, Welle um Welle folgte ihm. Am Flughafen angekommen, sahen sie die erste Maschine abfliegen und die zweite auf die Startbahn zurollen. Gottseidank, sie hatten es geschafft.

Der Schützenpanzer nahm seine Position in der Formation ein, als die Zombiehorde auftauchte. Das Gefecht dauerte zwei Stunden. Als die Munition ausging, kämpften die Männer mit ihren Händen weiter, zerschmetterten mit Gewehrkolben Köpfe und stießen Bajonette durch die Augenhöhlen in die Gehirne der untoten Angreifer. Der Leutnant saß in einem Schützenpanzer und hielt sein Funkgerät umklammert. Die beiden Flugzeuge waren über russischem Gebiet.

Abfangjäger hatten sich zu ihnen gesellt und… nein, das andere Flugzeug war explodiert. Ein Abfangjäger hatte sich hinter die Maschine gesetzt, feuerte eine Luft-Luft-Rakete ab. Die Rakete hing an ihrem Triebwerk… Die Verbindung brach ab. Von draußen kamen keine Schussgeräusche mehr. Vereinzelt hörte er noch Männer schreien, dann nur noch Stille. Das Funkgerät glitt aus seiner Hand und mit der anderen Hand zog er den Abzug seiner Pistole durch. Der Hall im Panzer war ohrenbetäubend, als sich sein Gehirn an den Wänden des Schützenpanzers verteilte.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Kapitel 26

Kapitel 26

Die Mongolei wurde förmlich überrannt. Die kleine und eher schlecht bewaffnete mongolische Armee hatte keine Chance, der anrückenden Zombiehorden Herr zu werden, als sie zu Tausenden aus den Heizungstunneln von Ulaanbaatar strömten. Die Hälfte der kaum 10.000 Mann zählenden mongolischen Armee wurde innerhalb der ersten acht Stunden in sinnlosen, unkoordinierten Straßenschlachten dahingerafft, die andere Hälfte zog sich panisch über den Fluss Tuul zum Flughafen der Stadt zurück.

Bereits während der ersten Angriffswelle wurden Teile der oberen Befehlshierarchie ausgelöscht und ließen die verbleibenden Truppenteile führungslos zurück. Ein junger Leutnant versuchte die verbliebenen Streitkräfte zu koordinieren und ließ an den Brücken gepanzerte Fahrzeuge zur Sicherung der nachkommenden Flüchtlinge zurück und schlug sich mit dem Rest seiner Truppen zum Flughafen durch. Dort fanden sich lediglich alte Transportmaschinen, und was noch schlimmer war, keine Piloten. Der Luftwaffenstützpunkt war nicht erreichbar, die Befehlskette zusammengebrochen.

Der erste Brückenposten meldete Kontakt. Eine große Menge an Menschen strömte auf die Brücke zu, Freund oder Feind waren nicht zu unterscheiden. Der Leutnant befahl abzuwarten. Die von der mongolischen Armee verwendeten T62 waren zwar modernen Streitkräften unterlegen, im Kampf gegen die Untoten würden sie den Soldaten aber ausreichend Schutz bieten. Die Menschenmenge entpuppte sich als Flüchtlingsstrom. Hunderte Männer, Frauen und Kinder flohen vor den Horden, die bereits große Teile der Stadt kontrollierten.

Nach dem Abzug der Armee konnte nichts und niemand mehr die stetig wachsende Armee der Untoten aufhalten. Die wenigen, verbliebenen Soldaten oder Polizisten, sahen sich einer schier unüberwindbaren Armee gegenüber. Wer klug genug war, sich in sichere Gebäude zu begeben, konnte mit ansehen, wie Menschen in ihren Wohnungen zerrissen wurden, Kinder aufgefressen und Tote wieder zum Leben erwachten. Auch wenn die Gebäude vorerst sicher erschienen – meist fanden die Untoten einen Weg und selbst wenn nicht, würden irgendwann die Lebensmittelvorräte zu Ende gehen.

Die letzten, nach Moskau und Peking abgesetzten Hilferufe blieben unbeantwortet. Keiner wollte Truppen opfern, die im eigenen Land fehlen würden, um die taktisch unwichtige Mongolei zu schützen. So kam, was kommen musste. Als die Gruppe Flüchtlinge die Brücke überquert hatte, kamen sie. Ihre Zahl hatte sich innerhalb der letzten Stunden vervielfacht. Die Panzer eröffneten das Feuer. Die Geschützrohre spuckten ihre Granaten in die Mitte der anrückenden Horde und schienen in der Menge zu verpuffen.

Verstümmelungen hielten die Untoten nicht auf. Zombies, die bei den Granatenexplosionen keine Kopfschäden davontrugen, liefen unbeirrt weiter auf die Panzer zu. Das einsetzende MG-Feuer riss die erste Reihe um. Der Schütze versuchte die Salven in Kopfhöhe zu platzieren und konnte so die vorderen Reihen ausdünnen. Die nachrückenden Horden stiegen über ihre gefallenen Kameraden hinweg und schlossen die Reihen wieder, schneller als die Bleihagel die Reihen wieder zurückwerfen konnten.

Es war ein Kampf, der nicht zu gewinnen war. Wenn die Untoten die Brücke überqueren könnten, wären sie nicht mehr aufzuhalten. Der Leutnant befahl die Brücke zu zerstören, die gesamte Feuerkraft auf tragende Elemente zu richten und zu beten. Während der Kommandant mit dem schweren MG die Horden in Schach zu halten versuchte, feuerten die Bordschützen auf tragende Elemente, konnten die Brücke aber nicht zerstören.

Die Rohre der MGs glühten bereits, an eine weitere Verteidigung der Stellung war nicht mehr zu denken. Der Leutnant befahl einen sofortigen Rückzug, aber die Panzerkommandanten verweigerten den Befehl. Stattdessen postierten sich zwei der Panzer vor der Brücke und fuhren je eine Spur entlang um unter ihren Ketten so viel Untote wie möglich zu zermahlen. Weit kamen sie nicht, bis eine Wand aus Überresten ein weiteres Vorrücken unmöglich machte. Die Stahlkolosse wurden von den Zombies wie von Ameisen überrannt und waren an ihren Positionen auf der Brücke festgefahren.

Der dritte Panzerkommandant erstattete Meldung, wurde nochmals zum Rückzug aufgefordert und fuhr schlussendlich los. Wohl wissend, dass die Untoten ungehindert auf ihre Stellungen zumarschieren, ließ der Leutnant seine Männer in gesicherten Positionen Stellung beziehen und die Zugänge zum Flughafen durch gepanzerte Fahrzeuge sichern. Ein paar Hundert wären kein Problem, aber da kamen Tausende auf sie zu. Plötzlich knackste das Funkgerät. Piloten und Techniker des Luftwaffenstützpunkts konnten zwei Hind-Helikopter bewaffnen und in die Luft bekommen. Sie flogen geradewegs auf die Brücke zu.

Dienstag, 25. Januar 2011

Stimmt auch wieder

Sorry, mein Fehler. Wir sollten nur noch über Amazon, Amazon, Links und Blogs kommunizieren.

Kapitel 25

Kapitel 25
Es wurde besser. Die angeordneten Untersuchungen zeigten Wirkung und die akuten Fälle nahmen ab. Mehrere Brandherde konnten gesichert werden und die Infektionsrate ging erstmals zurück. Vereinzelt mussten die Beamten Personen mit der Androhung von Gewalt dazu bringen, sich den nötigen Tests zu unterziehen, vielfach unbegründet, letztendlich geschah aber alles zum Wohle der Gemeinschaft, auch wenn das einzelne nicht verstanden.
Um die bei den Untersuchungen angefallenen Fälle aufnehmen zu können, wurden provisorische Pflegezentren mit minimaler Sicherheitsstufe errichtet. Da eine Extraktion vor Ort oft nicht möglich war, wurden die Leichen in Kisten verstaut und in Containern verladen, um in Brennöfen entsorgt zu werden. Eine Maßnahme, die streng geheim gehalten wurde, haben massenhafte Leichenverbrennungen doch nicht nur in Deutschland einen unangenehmen Nebengeschmack.
Die Kisten waren stabil genug, die innewohnende Fracht sicher zu verwahren, nicht aber, die Geräusche zu unterdrücken. Fingernägel, die über das Holz fuhren und Klopfgeräusche zehrten an den Nerven derer, die die provisorischen Särge in die Container luden. Aus dem Grund behalfen sich viele Arbeiter mit Ohrenstöpsel oder Kopfhörer, die die Belastung geringer hielten.
Aufgrund der Entspannung wurden die Dienstzeiten gelockert und Paul konnte das erste Mal seit Wochen wieder im eigenen Bett schlafen und zwei volle Tage entspannen. Kollegen berichteten schon darüber, dass die Notfallgesetze wieder gelockert werden sollen und die Bundeswehr ihren Einsatz im Inneren demnächst beenden würde und alle Kompetenzen der Polizei zurück übergeben würden. Gleichzeitig wurde aber auch angekündigt, die Beamtenkontingente aufzustocken.
Paul war gerade dabei sich ein Steak zu braten, als sein Handy läutete.
„Bährer?“
„Hallo Paul, hier ist Horst. Komm sofort in die Dienststelle.“
„Scheiße Horst, nicht heute…“
„Ich kann am Telefon nicht darüber reden. Komm so schnell wie’s geht rüber!“
„Ist ok, bis gleich.“
„Bis gleich“
Paul legte das Handy zur Seite, briet sein Steak fertig und schlang es hinunter, bevor er seine Uniform überzog und sich in sein Auto schwang. Bei den Beamten hatte die Rationalisierung noch nicht zugeschlagen. Paul rauschte durch die fast leeren Straßen und kam bereits nach kurzer Zeit an seiner Dienststelle an. Der fast brach liegende Straßenverkehr wirkte fast gespenstisch und erweckte in Paul den Eindruck einer Geisterstadt, wären da nicht die Fußgänger, die wie Schatten über die Bürgersteige huschten.
In seiner Dienststelle wartete bereits Horst auf ihn und nahm ihn mit ins Besprechungszimmer. Dort stand bereits der Dienststellenleiter und blickte mit ernster Miene in die Reihen der Beamten. Paul setzte sich und als Horst die Tür hinter sich schloss, begann die Einsatzbesprechung.
„Erst einmal möchte ich alle Kollegen begrüßen und bedauere zugleich, dass mancher von euch seinen freien Tag opfern musste. Die momentane Situation erfordert es allerdings, dass ich die folgenden Informationen schnellstmöglich an euch weitergebe. Die deutsche Bundesregierung hat entgegen des Anratens des Innenministeriums heute beschlossen, einen Großteil der Notstandsgesetze wieder aufzuheben. Ein entsprechender Beschluss sollte noch diese Woche gefällt und rechtskräftig abgesegnet werden.
Das Innenministerium legte zusammen mit dem Verteidigungsministerium dagegen mehrmals förmlich Widerspruch ein, weil es so die Sicherheit unseres Landes nicht weiter gewährleisten könne. Der Widerspruch wurde gehört, ihm aber keine weitere Beachtung geschenkt.
Aus diesem Grund gaben Innen- und Verteidigungsministerium eben bekannt, dass die Regierung der Bundesrepublik Deutschland der Macht enthoben wurde und die Geschäfte kommissarisch vom Innen- und Verteidigungsministerium aus weiter geleitet werden. Der Bundestag wurde von Einheiten der Armee umstellt, Angehörige der Bundesregierung unter Hausarrest gestellt. Zur Vermeidung von Protesten und Aufständen wird die Bevölkerung bis auf weiteres nicht darüber informiert.
In den nächsten Tagen werden weitere Notfallgesetze in Kraft treten, die uns zur Bewältigung der vor uns liegenden Krise bevollmächtigen werden. Der Krieg ist noch nicht gewonnen, wir stehen noch am Anfang eines Konflikts, dessen Ausgang für uns alle ungewiss ist, und der sich nicht durch zögern gewinnen lässt. Wir brauchen klare Entscheidungen, die von wenigen im Wohle aller getroffen werden. Nach Beilegung der Krise wird die Übergangsregierung ihr Mandat wieder ablegen und das Geschäft an die demokratisch gewählte Bundesregierung übergeben.
Sie, meine Damen und Herren, sind das Rückgrat dieses Landes. Heute mehr denn je. Mit Ihnen, die sie einen Eid auf dieses Land geschworen haben, werden wir das Wohl dieses Landes sichern und in eine Zukunft führen. Vielen Dank. Gez.“
Der Dienststellenleiter legte das Papier zur Seite und blickte in erstaunte, erschrockene Gesichter.
„Fragen?“
Paul ergriff das Wort.
„Ja. Seh ich das richtig, dass wir eben Zeuge eines Staatsstreichs wurden und wir uns faktisch in einer Militärdiktatur befinden?“
„Nein, offiziell wurde die alte Bundesregierung nur beurlaubt, um die Leitung des Landes vorübergehend einem Krisenstab zu übergeben, der flexibel auf bevorstehende Ereignisse reagieren kann.“
„Und wie machen wir weiter?“
„Vorerst wie bisher. Weitere Fragen? Keine? Vielen Dank.“

Montag, 24. Januar 2011

Kapitel 24

Kapitel 24
Langsam stapfe ich durch den Schnee zum Bahnhof. Seit Tagen werden nur noch Hauptverkehrsstraßen geräumt, Autos fahren ohnehin fast keine mehr. Seitdem Benzin rationiert wurde, ist der Verkehr fast vollständig zusammengebrochen. Nur noch Unternehmen, die der Notstandsregelung unterliegen, werden mit Kraftstoffen versorgt. Privathaushalten wird eine Höchstmenge von fünf Litern/Woche zugestanden. Oft kaum genug, den Wagen ausreichend zu bewegen, um die Batterien aufzuladen.
Natürlich gibt’s auch hier wieder Ausnahmen, aber die sind dünn gesät. Nur wer nachweislich ohne Auto einer wichtigen, für unser Land wichtigen, Tätigkeit andernfalls nicht nachgehen kann, erhält entsprechende Kontingente. Die Wirtschaft kommt langsam zum Erliegen. Viele Angestellte und Arbeiter können nicht mehr zur Arbeit antreten, viele Unternehmen können ihre Waren nicht weiterverkaufen oder erhalten keine Rohstoffe mehr.
Einzig Lebensmittel sind frei verfügbar. Teilweise wurden Produktionsmengen erhöht, wir werden dazu angehalten, Rücklagen zu bilden und Vorräte für mindestens eine Woche aufzubauen. Falls was wäre. Ich habe Konserven und Getränke für zwei Wochen daheim – mehr als genug. Ich gehe hoch zum Bahnsteig. Auf dem Bahnsteig stehen wieder mehr Leute, als noch vor zwei Wochen. Die Treibstoffrationierung zeigt Auswirkungen.   
Als der Zug einfährt, steigen die Leute wortlos in die Wagons. Wie inzwischen üblich, verzögert sich die Abfahrt, weil eine Polizeistreife mit Hund die Abteile abgeht. Man will kein Risiko mehr eingehen. Inzwischen gibt es auch Bluttests, die eine Infektion im Frühstadium nachweisen können. Angeblich plant man Massentests, die zusammen mit der neuen Isolationspolitik den Ausbruch im Kern ersticken sollen.
Im Zug herrscht Stille. Waren früher die Züge oft mit vielen Tagesausflüglern besetzt, sind zurzeit nur noch Pendler unterwegs. Wer nicht raus muss, bleibt zu Hause. Ich kann nicht zuhause bleiben. Dank meiner Arbeit im Telekommunikationsbereich wurde meine Arbeit als wichtig eingestuft. Mein neuestes Projekt ist die Abwicklung und Aktivierung von 10000 Notfallsimkarten. Das sind Simkarten, die in den Netzen oberste Priorität haben, um in Notfällen auch in überlasteten Netzen die Kommunikation von entsprechenden Organisationen sicherzustellen, inklusive Roaming über alle verfügbaren Netze. Tolles Projekt.
Ich klappe mein Netbook auf und baue eine Netzverbindung auf. Auf Spiegel Online wird darüber berichtet, dass das Verteidigungsministerium dem Innenministerium angegliedert werden soll. Einsprüche des Außenministeriums wurden ignoriert. Die Regierung sieht das als notwendigen Schritt, um auch in Krisenzeiten im inneren mit der nötigen Flexibilität und Geschwindigkeit reagieren zu können. Gleichzeitig wurde das Amt des Verteidigungsministers gestärkt und der Bundeswehr mehr Kompetenzen und Rechte innerhalb der Bundesrepublik eingeräumt. Feldjäger werden ab sofort Polizisten gleichgestellt und sollen dem Innenministerium überstellt werden.
Der Artikel enthält leise, kritische Untertöne, doch keine offene Kritik an diesen Plänen. Überhaupt sind die Medien nicht erst seit der Rede der Bundeskanzlerin sehr leise darin geworden, öffentliche Kritik an der Politik unseres Landes zu üben. Der frühere ARD-Nachrichtensprecher, der erstmals von lebenden Toten sprach, war aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. So, wie vieles dieser Tage.
Am Hauptbahnhof werden die noch immer präsenten Polizeistreifen mittlerweile von Feldjägerstaffeln unterstützt, leicht erkennbar durch ihr rotes Barett. Das militante Auftreten wirkt martialisch und Respekt einflößend. Mit Hunden werden die vorbeigehenden Reisenden kontrolliert, schon wieder. Auch in den U-Bahnen, und auf den Wegen dahin, ist seit heute eine starke Militärpräsenz erkennbar.
An meinem Arbeitsplatz angekommen, lasse ich heute die dritte Kontrolle, inklusive Bluttest, über mich ergehen. Rund um unser Bürogebäude werden Zäune errichtet und Zugangsschleusen eingerichtet, der interne Sicherheitsdienst um bewaffnetes Personal aufgestockt. Von meinem Arbeitsplatz im 15. Stock erkenne ich, dass der Zaun rund um den Bürokomplex gezogen wird. Neben dem 36stöckigen Tower umfasst das Gelände vier Campusgebäude, die alle über eine Tiefgarage miteinander verbunden ist. Eines der Campusgebäude dient als Wohnhaus.
Neben dem Wohnhaus stehen LKWs und Leute werden aus ihren Wohnungen gebracht. Sieht nach einer Räumung aus. Ich gehe in die Kaffeeküche und hole mir einen Milchkaffee mit Zucker. Ein Kollege kommt abgehetzt in die Kaffeeküche, beklagt sich, dass er sein Auto aus der Tiefgarage bringen musste. Der Platz in den zwei Untergeschossen wird fast komplett von der Bundeswehr eingenommen. Er berichtet, dass von Bundeswehr und THW Waren und technische Anlagen angeliefert werden. Ich beschließe, mir das in der Mittagspause anzuschauen und gehe wieder meiner Arbeit nach.
Gegen Mittag gehe ich in die Tiefgarage. Noch bevor ich diese betreten kann, werde ich von zwei Soldaten am Zutritt gehindert. Nur Fachpersonal habe Zutritt, werde ich informiert. Man dürfe leider keine Auskunft darüber erteilen, was hier gemacht würde. Ich gehe wieder nach oben und zur Kantine. Die ist noch gut gefüllt und ich setze mich zu einigen Kollegen. Einer der Kollegen erzählt, dass in den Tiefgaragen Notunterkünfte eingerichtet würden und das Campusgebäude geräumt wurde, um Platz für Personen zu schaffen, die aufgrund der Notstandsregelung für den Betrieb der Netze unabkömmlich seien.
Ich esse auf, gehe zurück an meinen Arbeitsplatz und rufe meine Frau an. Die ist daheim mit unserem Sohn und dem Sohn einer Bekannten. Seit die Kindergärten geschlossen wurden, kümmert sich meine Frau vormittags abwechselnd mit um den Sohn unserer Bekannten. Daheim ist alles ruhig, in den Nachrichten wurde gerade berichtet, dass die Polizei ab nächster Woche Zwangstests durchführen will. Anhand der Daten der Einwohnermeldeämter werden systematisch alle Haushalte Deutschlands auf den Virus geprüft. Der Test kann bei Ärzten, Krankenhäusern oder auch Apotheken durchgeführt werden.
Ich bin empört ob der Eingriffe in unsere Privatsphäre aber meine Frau glaubt daran, dass so dem Virus Einhalt geboten werden kann. Hoffentlich, denke ich und widme mich wieder meiner Arbeit. In einer Rundmail an alle Mitarbeiter werden wir informiert, dass die Tiefgarage zum militärischen Sperrgebiet erklärt wurde. Zutritt würde nur über Sondergenehmigungen möglich sein und bei Nichtbeachtung würde von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Harte Worte, in harten Zeiten.

Sonntag, 23. Januar 2011

Kapitel 23

Das abschließende Kapitel. Der Abschnitt fällt etwas kürzer aus als die zwei vorigen.

Bevor ich Besuch bekomme: Natürlich liegt es mir fern, die Leute vom GSG9 als arrogant hinzustellen. Ich denk mir aber, dass die Leute nach zig Einsätzen so abgestumpft sind, dass sie sich nicht mehr mit Höflichkeiten aufhalten.

Kapitel 23

Alle zehn Minuten wurde die Durchsage wiederholt, die Wohnungen keinesfalls zu verlassen, diese wenn nötig zu verstärken und so wenig Lärm wie möglich zu machen. Gleichzeitig sorgte ein an das Lautsprechersystem eines Polizeiwagens angeschlossener MP3-Player für den nötigen Lärm auf der Straße, um die Untoten anzulocken. Neil Young beschwor die lebenden Toten, in einer freien Welt weiter zu rocken. Und wie sie rockten. Nach und nach tauchten vier weitere Zs an der Tür auf und konnten mit sauberen, gezielten Kopfschüssen aus einer sicheren Entfernung niedergestreckt werden.

18.24 traf das GSG9-Kommando mit einem Hubschrauber ein. Die Jungs wirkten, als hatten sie die letzten Tage lediglich auf Flügen von Einsatzort zu Einsatzort die Gelegenheit, etwas Schlaf abzubekommen. Der Gruppenführer trat zum nächsten Beamten.

„Wer hat hier die Einsatzleitung?“

Der Beamte wies mit seiner Hand zum Einsatzleiter, der bereits angelaufen kam.

„Hallo, ich bin Polizeioberkommissar Becker. Ich habe hier die Einsatzleitung“

Der GSG9-Beamte ignorierte die zur Begrüßung ausgestreckte Hand und kam gleich zur Sache.

„Hauptkommissar Richter, GSG9. Wie ist die Lage?“

Becker schilderte kurz die Vorkommnisse des Tages, sowie die räumlichen Besonderheiten, bevor ihn der GSG9-Beamte grußlos stehen ließ. Richter stieß zu seiner sechs Mann starken Truppe. Neben der schweren Panzerung fiel vor allem die der normalen Polizei weit überlegene Bewaffnung ins Auge. Neben der auch einhändig präzise zu bedienenden MP7, stach vor allem das Sturmgewehr HK416 optisch hervor. Paul bezweifelte, dass es in der Enge des Hauses wirklich nützlich sein würde. Die GSG9-Beamten sahen das ähnlich und wählten die MP7 als Hauptwaffe.

Während die Bereitschaftspolizisten weiter die Tür sicherten, machte sich das GSG9-Kommando bereit, das Haus zu stürmen. Die Sonne war bereits seit geraumer Zeit hinterm Horizont verschwunden. Straßenlaternen warfen lange Schatten und Scheinwerfer erhellten die Front des Hauses. In den meisten Wohnungen brannte Licht und Paul sah, dass ihr Tun von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt blieb.

Paul sah nur die Umrisse derer, die von ihrem Fenster aus die Beamten bei der Erfüllung ihrer grausamen Pflicht beobachteten, meinte aber, die von Schrecken geweiteten Augen derer zu spüren, die mit ansahen, wie die Polizei vermeintlich Unbewaffnete durch gezielte Kopfschüsse liquidierte. Dank Handykameras würde kein Youtube nötig sein, um die Arbeit der Polizei innerhalb von Minuten in der ganzen Welt zu verteilen.

Das Kommando der GSG9 war zwischenzeitlich schon bei der Arbeit. Dank der schallgedämpften MP7 drangen wenig Geräusche nach außen, aber die kurzen Lichtblitze verrieten genug. Eine der Scheiben zerbarst, als sie von einem Geschoss durchschlagen wurde, gefolgt von einer raschen Folge von Lichtblitzen. Für Paul war schwer zu erkennen, was dort vor sich ging, aber möglicherweise hatten die Beamten die zuvor noch verschlossene Tür geöffnet. Weiß Gott, wie viel von den Zs dahinter noch gelauert haben.

Die GSG9-Beamten kamen aus der Tür und Richter ging direkt zu Becker.

„Einsatz beendet, ihr könnt hier aufräumen. Zusätzlich zu euren haben wir nochmal sechs Zs erledigt. Einer irrte in der zweiten befallenen Wohnung, fünf waren in dem ungeöffneten Zimmer in der Wohnung des Infektionsherdes. Räumt den Saustall so schnell wie möglich auf, kontrolliert die anderen Wohnungen hier in der Straße und schafft notfalls die Leute hier weg.“

Becker war offensichtlich über die Belehrung nicht erfreut, erkannte aber die Leistung des Kommandos an und blieb professionell.

„Wir machen uns an die Arbeit. Danke für eure Hilfe. Ich denke, wir schaffen das hier dann alleine.“

Richter gab seinen Leuten das Zeichen zum Aufbruch, und schwang sich als letzter in den Helikopter, der mit lautem Getöse so schnell verschwand, wie er auftauchte. Dem nächsten Einsatz entgegen.

Zurück blieb die Münchner Bereitschaftspolizei, die den Abtransport der Leichen organisieren musste. Andere Kollegen würden sich darum kümmern müssen zu klären, warum in der Wohnung fast 20 dieser Kreaturen anwesend waren. Eine so große Anzahl war bisher einzigartig, nicht zuletzt wenn man die Größe der Wohnung heranzieht, die kaum größer als 70 Quadratmeter war. Paul fiel auf, dass es sich überwiegend um junge Menschen gehandelt hat. Vielleicht war da eine Party im Gange, die anders endete, als geplant.

Ein Fenster ging auf und ein Mann mittleren Alters streckte seinen Kopf aus dem Fenster. „MÖRDER!“ schrie er aus dem Fenster. „IHR SEID DOCH ALLES MÖRDER! Menschen erschießen, das könnt ihr. Verdammtes Mörderpack! Werde ich jetzt auch hingerichtet? Ihr seid doch schlimmer, als Stasi, SS und Gestapo zusammen.“ Der Mann schrie weiter aus dem Fenster, als Paul seinen Kollegen Horst sah, der bisher am anderen Ende der Straße für die Sicherung verantwortlich war. Horst ging auf Paul zu und machte eine grüßende Handbewegung. „

„Willkommen zurück im Dienst. Schönen ersten Tag gehabt?“

Ein bitteres Lächeln huschte über Pauls Gesicht.

Freitag, 21. Januar 2011

Kapitel 22

Und weiter geht's. Über die dieses Kapitel abschliessende Frage kann man streiten. Solche Formulierungen erinnern mich an John Sinclair-Romane, die ich vor 20 Jahren gelesen habe. Auf der anderen Seite fand ich sie hier irgendwie passend. Gerade auch, weil ich hier einen Fortsetzungsroman aufziehe und natürlich will, dass meine Leser, also alle zehn, auch am nächsten Tag wieder reinlesen.

Aus dem Grund find ich so Teaser von Zeit zu Zeit schon passend. Wer anderer Meinung ist, darf diese gern kundtun.

Oh, achja, im vorigen Kapitel hab ich "Z" als Bezeichnung für die Zombies eingeführt. Ich hab mir gedacht, ich führ das in diesem Kapitel noch a bisserl aus. Wer den Blogeintrag Zombie oder nicht Zombie gelesen hat weiß vielleicht, wie schwer ich mich tu, das Wort "Zombie" zu verwenden. Dazu kommt noch, dass zur Polizei Abkürzungen passen. Genug rumdrum geredet.
Kapitel 22

Noch während die Eindrücke auf seine Kollegen einstürmten, hörten sie dumpfe Schläge. Durch die unmittelbare Bedrohung der Situation hatten sie die Sicherung der anderen Türen vernachlässigt. Diese wurden von Faustschlägen malträtiert und ächzten aufgrund der Belastung. Die Fäuste klangen wie ein Trommelfeuer. Die vier unverletzten Beamten schauten sich an und rückten vor. Ein Funkgerät krächzte.

„Hallo Einsatzteam, hier Zentrale. Status? Ende.“

„Hallo Zentrale, hier Einsatzteam. Ein Mann verwundet, drei Tote Zs, noch zwei Räume. Erkennbare Aktivitäten hinter den Türen. Klingt nach einer ganzen Meute. Erwarten Anweisungen. Ende.“

„Hier Zentrale. Vorgehen wie geplant. Bitte bestätigen. Ende“

Gerade als der Beamte zum Funkgerät griff, gab die Tür ein Stück nach. Das dünne Holz splitterte leicht nach außen und knirschte unter den Schlägen.

„Hier Einsatzteam, Aktivitäten nehmen zu. Es ist von einer größeren Gruppe auszugehen. Vorgehen ohne weitere Verluste nicht möglich. Bitte um Erlaubnis, uns zurückziehen und neu gruppieren zu dürfen. Ende“

„Hier Zentrale, Vorgehen nach eigenem Ermesen. Ende und aus“

Gerade, als das Funkgerät verstummte, brach die Tür auf und eine Horde von zehn oder mehr Untoten ergoss sich in den Flur der Wohnung. Die erste Salve verpuffte wirkungslos und die zweite Salve setzte einen der Angreifer außer Gefecht. Gerade, als der erste Untote die kurze Distanz von der Tür zu den Beamten überwunden hatte, zogen die sich zurück. Zwei Kollegen packten den Verwundeten unter den Armen, zogen ihn aus der Wohnung und ins Treppenhaus.

Die zwei andern Kollegen blieben noch an der Tür, gaben gezielte Feuerstöße auf die nachfolgenden Untoten und konnten so drei Angreifer ausschalten, bevor sie sich ebenfalls zurückzogen. Das Treppenhaus war eng und verwinkelt, ein Gefecht erschien hier zu gefährlich. Die Beamten zogen sich über die Treppen zurück und liefen auf die Straße.

15.11 stürmten vier Beamte, den fünften unter den Armen, aus dem Haus, auf die Straße.

„Scheiße, wir brauchen hier Unterstützung!“

Paul eilte zur Unterstützung heran, entsicherte noch im Lauf seine Maschinenpistole und ging neben den Kollegen in Stellung. Gerade, als er den Lauf seiner Maschinenpistole auf die Haustür gerichtet hatte, stolperte auch schon der erste Untote aus dem Haus. Sein Oberkörper war nackt, dünne Goldketten baumelten um seinen Hals und eine rote Jogginghose mit weißen Streifen flatterte um seine Füße. Paul hatte die Informationen noch nicht richtig verarbeitet, als seine Maschinenpistole bereits eine Salve Blei in das Gehirn des Untoten spuckte.

Der Kopf schien in einer grauen Wolke zu explodieren, bevor er nach vorne fiel und auf dem Boden liegen blieb. Dahinter drängten sich bereits zwei weitere Untote durch die Tür. Einer davon schien im Leben eine hübsche Frau gewesen zu sein und erschien auch im Tode noch eine gewisse Attraktivität auszustrahlen, sah man von den eingefallenen, stumpfen Augen und dem aschfahlen Teint einmal ab. Das Top der Frau war verschoben und ließ einen Blick auf ihren einst wohlgeformten Busen zu. „Schade drum“ dachte Paul, während eine Salve ihren Kopf explodieren ließ.

Der zweite Untote blieb Pauls Blicken verborgen, weil herbeigeeilte Kollegen diesen bereits außer Gefecht setzen konnten, noch bevor Paul ihn näher mustern konnte. An der Tür blieb es ruhig, aber durchs Haus gellte ein Schrei, zu dem sich kurz darauf ein weiterer Schrei gesellte. Die Schreie klangen hysterisch, sie schrien um Hilfe. Hilfe, die nicht kommen würde. Paul schaute zu seinen Kollegen. Keiner unternahm Anstrengungen, den Leuten zur Hilfe zu kommen, schienen zu denken, dass sie ohnehin schon verloren wären. Trotzdem hat niemand verdient, so zu sterben, dachte Paul.

Ein Schrei verstummte. Über einen Einsatzwagen wurde über Lautsprecher und über den Schrei hinweg, nochmal der Hinweis ausgesprochen, die Türen keinesfalls zu öffnen. Als der Lautsprecher verstummte, öffnete sich im zweiten Stock ein Fenster. Ein Mann erschien im Fensterrahmen. Sein Ärmel war rot, blutgetränkt. Aus der Entfernung war es unmöglich zu bestimmen, ob es sich um sein eigenes, oder fremdes Blut handelte. Plötzlich bewegte sich hinter dem Mann etwas und gierige Hände griffen nach ihm. Die Polizisten wurden Zeuge davon, wie der Mann bei lebendigem Leibe von diesen Kreaturen zerfetzt und aufgefressen wurde.

Einer der Untoten stand am Fenster und schien an einem Darm des Mannes zu kauen. Einer der Beamten übergab sich bei dem Anblick lautstark, ein weiterer eröffnete das Feuer, konnte aber keinen sauberen Treffer anbringen. Paul lief zu dem leitenden Beamten.

„Wie geht’s jetzt weiter?“

Gedankenverloren schaute der leitende Beamte zu Paul, wirkte wie aus einer Trance gerissen.

„Was?“

„Wie geht’s weiter? Wir können die doch nicht im Haus lassen.“

„Äh, nein, natürlich nicht.“

Er drehte sich zu dem Team, das die Wohnung gestürmt hatte.

„Berner, Heinzmann, Meldung!“

Die Nennung ihrer Namen schien die beiden aus einer Starre zu lösen, ließ sie überrascht aufschrecken und zu Paul und dem leitenden Beamten laufen.

„Wir haben nur einen Teil der Wohnung gesehen. Rechts ist ein Badezimmer, dort haben uns drei Zs überrascht. Kasper hat’s erwischt, der muss in ein PZ. Der Flur macht einen Rechtsknick, dahinter zwei Türen. Hinter der Tür am Ende des Flurs war eine Gruppe von zehn bis zwölf Zs. Die Tür hat unter der Belastung nachgegeben und wir mussten uns zurückziehen. Möglicherweise befindet sich im anderen Zimmer noch eine Gruppe.“

„Scheiße. Danke Berner. Lasst Kasper verarzten und ihn nach Hause zu seiner Familie bringen. Er hat sechs Stunden. Welches weitere Vorgehen schlagen sie vor?“

„Im Haus ist es zu eng. Ich schlage vor das Haus zu versiegeln und die Bewohner von der Feuerwehr über die Fenster evakuieren zu lassen.“

„Tut mir leid, scheiß Idee. Wir müssen das anders geregelt bekommen. Woher kommen eigentlich die ganzen Zs in der Wohnung?“

„Keine Ahnung, vielleicht eine Sekte oder sowas. In dem von uns erkundeten Teil der Wohnung gab es keine Anzeichen für eine größere Gruppe.“

„Verstehe.“

Der leitende Beamte nahm sein Funkgerät.

„Hallo Zentrale, hier Einsatzleitung. Wir haben zivile Verluste, tot. Umwandlung in den nächsten Minuten wahrscheinlich. Im Haus sind noch mehrere Zs, genaue Zahl unbekannt. Kampf im Haus wird für Einsatzpolizei als zu riskant erachtet. Fordere hiermit Spezialkommando an. Bitte um Bestätigung. Ende“

„Hier Zentrale, verstanden. Bis zum Eintreffen des Spezialkommandos sind so viele Zs wie möglich durch Defensivmaßnahmen auszuschalten. Bitte bestätigen. Ende“

„Hier Einsatzleitung, verstanden. Werden Defensivmaßnahmen einleiten. Ende und aus.“

Paul verstand, was das heißen sollte. „Zs“ stand im Polizeijargon für die Infizierten, abgeleitet aus „Zombie“. Der Begriff wurde offiziell nur ungern gesehen, implizierte er für den vorliegenden Fall, fiktionalen Kram aus Filmen und schlechten Romanen. Trotzdem setzte sich der Begriff schnell in der Polizei durch und gewann mit „Zs“ den Einzug ins Fachjargon. Als Defensivmaßnahmen wurden im Krieg gegen die Zs Maßnahmen gesehen, die Zs aus einer defensiven Position heraus mit minimalem Risiko auszuschalten.

Im vorliegenden Fall konnte das nur heißen, vor dem Haus Stellung zu beziehen und mittels lauter Geräusche so viel wie möglich von den Zs nach draußen zu locken und dort einzeln auszuschalten. Risiko hierbei war die öffentliche Wahrnehmung, aber genau genommen war’s eh schon zu spät. Vor der Tür liegen drei Tote, vor offenem Fenster wurde ein Mensch aufgefressen und ein Polizist liegt weinend auf der Straße. Wie viel schlimmer könnte es also noch werden?

Kapitel 21

Zurück zu Paul. Zwischen seinem letzten Einsatz und der hier einsetzenden Handlung klafft eine Lücke von ein paar Tagen. Ich hab das jetzt mal vage mit "einige Zeit" umschrieben, weil ich keine Ahnung hab, wie lang das dauert, bis man sowas verdaut, sofern man sowas verdauen kann. Ich will nicht zu viel verraten, aber Pauls aktueller Einsatz zieht sich über drei Kapitel, beginnend mit...

Kapitel 21

Es dauerte einige Zeit, bis Paul wieder einsatzfähig war. Wie auch andere, an ähnlichen Einsätzen beteiligte Beamte, durchlitt Paul in Folge der Ereignisse Selbstzweifel, Angst und Panikattacken. Trotz der offensichtlichen Natur der Angreifer, handelte es sich äußerlich um Menschen. Um Menschen, die andere Menschen anfallen und auffressen. Menschen… Männer, Frauen und Kinder. Nein, keine Menschen. Monster. Monster, die keine Rücksicht auf Geschlecht, Alter oder Rasse nehmen. Monster, die gleichberechtigt alles und jeden attackieren.

Pauls Zug war schwach besetzt, die Ausfälle machten sich langsam bemerkbar, die Personaldecke war bis zum Anschlag gespannt. Mit Überstunden wurde so gut es geht kompensiert, Urlaube waren schon seit längerem gestrichen. Stress und Überstunden machten den im Dienst befindlichen Beamten weiter zu schaffen. Müde und gestresste Beamte machen Fehler und so kam es immer häufiger vor, dass Beamte in Einsätzen infiziert wurden.

Die Brandherdbekämpfung durch SEK und GSG9 war inzwischen längst Geschichte. Die Häufung der Fälle machte einen Einsatz der Bereitschaftspolizei auch mit direkter Konfrontation notwendig. In Ballungsgebieten war man längst dazu übergegangen, Untote, die nicht sofort im Einsatz getötet wurden, in Einrichtungen zu sammeln und die Pflegezentren der Behandlung von Patienten vorzubehalten, bei denen die Infektion noch nicht ausgebrochen war.

Zur Überbrückung wurden Sicherungsaufgaben teilweise an die Bundeswehr delegiert. Für die direkte Konfrontation wurden weiter Beamte der Polizei eingesetzt, die dafür entsprechend ausgebildet und trainiert waren. Paul befand sich seit eine Woche wieder im Dienst. Vorerst sah sein Dienstplan nur Sicherungsaufgaben vor, bei denen direkte Konfrontationen eher unwahrscheinlich erschienen.

Um 13.49 Ortszeit meldete sich ein Anwohner aus dem Münchner Norden, dass aus der Wohnung über ihm verdächtige Geräusche zu hören seien. Es klänge, als würden Einbrecher in der Wohnung randalieren, Tische umwerfen, Vasen zerschlagen und gegen Türen hämmern.

14.23 war eine Streife vor Ort. Die Beamten begaben sich zur Wohnung. Aus dieser waren die beschriebenen Geräusche zu hören. Kontaktversuche seitens der Beamten blieben unbeantwortet. Die Beamten setzten sich mit der Zentrale in Verbindung. Die Zentrale ordnete an, vor Ort auf Verstärkung zu warten und darauf zu achten, dass niemand die Wohnung betritt oder verlässt.

14.58 traf Pauls Zug ein. Paul und seine Kollegen begannen damit, die Straße abzusperren, während fünf seiner Kollegen den Weg zur Wohnung nahmen. Dort trafen sie auf die Streifenpolizisten, die ihnen einen kurzen Lagebericht gaben. In den letzten 25 Minuten waren durchgehend Geräusche zu hören, jedoch keine Laute, die auf lebende Menschen hindeuten würden, statt dessen unkoordinierte Bewegungen. Einer der Streifenpolizisten hatte zwischenzeitlich mit Nachbarn gesprochen und so erfahren, dass sich zwischen vier und sechs Personen in der Wohnung aufhalten könnten.

15.05 erteilte die Zentrale die Genehmigung, die Wohnung zu stürmen. Vor dem Haus wurden Anwohner und Nachbarn dazu aufgefordert, ihre Türen zu verschließen und keinesfalls vor die Tür zu gehen, bevor die Beamten Entwarnung geben. Dank der erlassenen Notstandsgesetze und reger Medienkontrolle leisteten alle Anwohner dem Befehl der Beamten Folge.

15.08 erfolgte der Zugriff. Fünf Beamte der Bereitschaftspolizei stürmten die Wohnung und drangen geordnet vor. Der Flur der Wohnung war vier bis fünf Meter lang und machte am Ende einen 90 Grad-Knicks nach rechts. Links und rechts waren Türen, die rechte davon war anhand eines geschmacklos kitschigen Aufklebers als WC oder Bad zu identifizieren. Zwei Beamte schritten den Flur entlang, während die Kollegen die hinten liegenden Türen sicherten.

Nach dem Knicks führte eine weitere Tür nach links und am Ende des Flurs erwartete die Beamten eine weitere Tür. Während die vorangegangen Beamten den hinteren Teil des Flurs sicherten, öffneten die nachrückenden Beamten die erste Tür auf der linken Seite. Während ein Beamter die Tür aufzog, sicherten die anderen Beamten mit vorgehaltener Maschinenpistole. Die Tür schwang nach außen auf und entpuppte sich als Zugang zu einem Wandschrank.

Die Beamten machten sich daran, die Tür zum vermeintlichen WC zu öffnen. Wieder das gleiche Vorgehen, mit dem Unterschied, dass die Tür nach innen aufging und die Tür verschlossen war. Ein Fußtritt ließ den Rahmen brechen und gab der Tür noch genügend Schwung. Als die Tür nach innen aufschwang, blockierte diese nach ca. 20 Zentimetern und gab für den links stehenden Beamten den Blick frei auf ein weiß gekacheltes Badezimmer mit seltsamen braunen Punkten und Schlieren. Noch bevor sein Gehirn realisierte, dass es sich dabei um getrocknetes Blut handelte, schwang die Tür auf und drei massiv gebaute Untote standen im Raum, bereit sich auf die Beamten zu stürzen.

Statt kontrollierten Feuerstößen ertönte das permanente Rattern einer auf Dauerfeuer geschalteten MP5. Der vorne stehende Zombie brach unter dem Kugelhagel zusammen, fiel durch den Schwung nach vorne und riss einen Beamten mit sich. Einer der noch stehenden Beamten bückte sich instinktiv, um seinem Kollegen zu helfen. Der mühte sich ab, den massiv gebauten Zombie von sich zu streifen. Währenddessen versuchte der dritte Beamte hastig sein Magazin zu wechseln und wurde noch während er ein neues Magazin in die Maschinenpistole schob, von einem der noch lebenden Zombies angefallen.

Als der helfende Beamte die Situation endlich verinnerlicht hatte, war es fast schon zu spät, weil der zweite Zombie bereits über ihm war und er keine Möglichkeit hatte, die Waffe auf seinen Kopf zu richten. Die beiden als Vorhut dienenden Beamten kamen um die Ecke, um ihren Kollegen zur Hand zu gehen. Aufgrund der Nahkampfsituation waren Schüsse zu riskant. Einer der Beamten sicherte seine MP, zog stattdessen die Pistole, drückte sie dem ersten Untoten an den Kopf und feuerte. Graue Hirnmasse und Reste von seinem Schädel spritzten an die Wand und ließen den Untoten zusammenbrechen.

Währenddessen kämpfte der andere Beamte immer noch um sein Leben, die Zähne des Untoten gruben sich in seinen Unterarm und spannten den Stoff der Jacke. Für die Beamten war es nicht ersichtlich, ob die Zähne den Stoff bereits durchdringen konnten. Noch bevor die Beamten darauf eine Antwort hatten, sprang der Polizist über den am Boden liegenden Kollegen, riss an dem Kopf des Zombies, versuchte ihn von dem Arm des Kollegen loszureißen. Statt dessen rissen nur die Haare und Teile der Kopfhaut. Darunter kam dunkles Gewebe zum Vorschein.

Den Kopf wegzureißen, würde zu lange dauern. Stattdessen rief er seinem Kollegen zu, den Arm auszustrecken und zurückzutreten. Der tat, wie ihm geheißen, streckte den Arm aus und lehnte sich nach hinten. Die Pistole drückte an die Schläfe und ließ auch hier Gewebe und Hirnmasse an die Wand spritzen. Der Biss löste sich und gab den Blick auf eine zerrissene Jacke und einen blutigen Arm frei.

Während dessen hatte sich der Beamte unter dem Untoten hervor geschält und stand wieder neben seinen Kollegen. Dem verwundeten Polizist liefen Tränen über die Wangen. Plötzlich schienen ihm die Füße den Dienst zu verweigern. Er fiel auf die Knie, verharrte dort und fing an, laut zu schluchzen. Dabei konnte er nicht den Blick von seinem Arm abwenden, starrte ihn ungläubig an, wissend, dass das sein Todesurteil war.