Dienstag, 11. Januar 2011

Kapitel 10

Kapitel 10
Die Pflegezentren wurden hastig nach den ersten Infektionsfällen errichtet, um infizierte Personen dort isoliert von anderen Kranken unterzubringen, mit Hilfe von Containern bevorzugt in dünn besiedelten Gebieten errichtet und von innen und außen streng bewacht. Neben dem Unterbringungstrakt bieten diese Zentren in der Regel auch noch einen Labortrakt und die Entsorgung, wo man sich mit Hilfe von Brennöfen der Leichen entledigt, offiziell als Krematorium betitelt.
Primäre Aufgabe der Pflegezentren ist die menschenwürdige Unterbringung von Infizierten, ohne Gefährdung Dritter. Die Ausstattung der Zimmer richtet sich nach diesen Bedürfnissen. Die Zimmer dienen als Einzelzimmer, sind zweckmäßig eingerichtet und den nötigen Apparaturen zur Aufzeichnung der Lebenszeichen, sowie Kameras ausgestattet, um den Krankheitsverlauf gefahrlos verfolgen zu können.
Des Weiteren verfügt jedes Zimmer über einen TV, eine Bahre mit Schlaufen zur Fixierung des Patienten, einen Tisch, zwei Stühle und Frischluftzufuhr. Die aktuellen Modelle verfügen noch über keine Fenster, es gibt aber Planungen neue Container mit bruchsicheren Scheiben auszustatten, nicht zuletzt zur Sicherheit des Pflegepersonals.  Die Türen können ausschließlich von außen geöffnet werden.
Die Zimmer sind für eine Unterbringung von maximal  drei Tagen vorgesehen. Auch bei leichteren Verletzungen stirbt der Patient nach spätestens 72 Stunden, bzw. wird reanimiert. Spätestens nach 48 Stunden verschlechtert sich der Zustand des Patienten zusehends. Um die Verletzung herum entstehen dunkle Stellen, die Blutbahnen färben sich ähnlich einer Blutvergiftung. Damit einher geht eine Verschlechterung des Gesamtzustands. Dabei wird unter anderem die Lunge angegriffen, was sich in einem Reizhusten mit blutigem Auswurf niederschlägt. Ab dem Zeitpunkt wird der Patient normalerweise ruhiggestellt und am Bett fixiert.
Besuche von Angehörigen sind prinzipiell ausgeschlossen. Die Lage des Pflegezentrums wird weder nach außen, noch an die Patienten selber kommuniziert. Die Behandlung entspricht dabei nicht den rechtstaatlichen Grundsätzen der Bundesrepublik Deutschland, welche durch die aktuelle Notstands- und Seuchenregelung aber umgangen werden kann. Solang der Zustand des Patienten als stabil angesehen werden kann, stehen ihnen Telefongespräche mit ihren Angehörigen frei. Die Gespräche werden dabei überwacht und mitgeschnitten und können jederzeit unterbrochen werden.
Stirbt ein Patient, wird er am Bett festgeschnallt und in den Labortrakt überstellt. In den meisten Fällen erfolgt nach der Reanimation die Extraktion des Gehirns, um den endgültigen Tod des Infizierten herbeizuführen. Die Angehörigen werden von Vertretern des Staates, in den meisten Fällen Polizisten, darüber informiert, dass der Patient verstorben und die Leiche aufgrund einer Kontamination mit der „Neuen Grippe“ dem Krematorium übergeben wurde. Die Asche wird den Angehörigen in einem zweckmäßigen Behältnis zugestellt und kann so von den Angehörigen zur letzten Ruhe gebettet werden.
Bei Infizierten, bei denen die Infektion bereits ausgebrochen ist, wird in der Regel sofort eine Gehirnextraktion vor Ort vorgenommen, sofern keine Testobjekte benötigt werden. Bereits extrahierte Körper werden in den Brennöfen entsorgt.  Die vorausgehende Extraktion erfolgt mittels eines Dorns, der den Thalamus und damit das Zentrum der Infektion im Gehirn, zerstört.
Mitarbeiter des ECDC berichten, dass in China der Verbrennung keine Extraktion voranging und die Körper mit allen vitalen Funktionen dem Feuer übergeben wurden. Ein Vorgehen, dass in Europa auch wenig Resonanz stieß und man sich statt dessen auf eine vorhergehende Extraktion einigte, um so einen Rest Würde für den Dahingeschiedenen zu wahren.
Jedes Pflegezentrum weist eine Kapazität für 50 – 100 Infizierte auf. Die Zahlen variieren je nach Lage und Bevölkerungsdichte, oder zu erwartender Infektionsrate. Bisher sind die Lager noch schwach belegt, über eine Ausweitung der Kapazitäten wird aber nachgedacht. Neuere Zahlen aus anderen Ländern, speziell Russland und China, legen eine Aufstockung nahe. Die Lager sind so ausgelegt, dass sie schnell durch Container oder notfalls Zelte erweitert werden können.
Eine Verbrennung erwies sich als zwingende Maßnahme, nachdem es in anderen Ländern zum Teil verheerende Auswirkungen auf die Fauna hatte. So verendeten in verschiedenen Teilen der Welt hunderte von Vögeln, die sich an den Leichen nährten. Generell ist zu beobachten, dass das Fleisch der Infizierten auf Tiere eine toxische Wirkung hat. Eine reanimierende Wirkung wie bei Menschen konnte dagegen nicht nachgewiesen werden.

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