Freitag, 14. Januar 2011

Kapitel 14

Kapitel 14
Aufgrund ihrer Aufregung ging die erste Salve in den Brustkorb und auch die zweite Salve verfehlte den Kopf. Susanne betätigte den Schalter an der MP, legte ihn auf Einzelfeuer, holte tief Luft und traf den Infizierten genau zwischen die Augen. Dessen untotes Leben wich sogleich aus seinem Körper und er kippte zur Seite weg. Als sie zum Boden sah, sah sie Paul auf der Leiche der Frau knien, in der einen Hand die Pistole unter dem Kinn der Frau ansetzend, die andere Hand schützend davor.
Paul atmete kurz durch und ein Schuss aus seiner Dienstwaffe beendete die Aktivitäten der Frau von einer Sekunde auf die anderen. Ihr Körper erschlaffte. Paul packte sich seine MP, stand auf und  trat schnell einen Schritt zurück zu Susanne ins Zwischenabteil. „Die anderen zwei müssen auch bald soweit sein, ich geh rein, gib mir Deckung.“ Gerade, als er das Abteil betreten wollte, kamen zwei Kollegen ins Zwischenabteil gestürmt.
„Wie ist die Lage?“
„Ich hab da drin drei ausgeschaltet, Susanne einen. Es liegen noch mindestens zwei Leichen und die Überreste eines Babys oder Kleinkinds drin. Einen Überlebenden konnten wir bisher nicht ausmachen. Die Reanimation der zwei Leichen ist wahrscheinlich.“
„Scheiße. Was sollen wir machen? Da draußen stehen noch Leute rum.“
„Wir haben grad vier von denen ausgeschaltet. Den Terroristen nimmt uns keiner mehr ab.“
„Sollen wir noch warten?“
„Worauf?“
„Na… dass sie aufstehen…Was weiß ich?“
„Scheiße, nein, ich geh rein, schau noch, ob noch jemand am Leben ist und verschwinde durch die andere Tür so schnell es geht wieder. Ich halt drüben die Tür zu, du hier und du Susanne kümmerst dich darum, dass draußen endlich jemand die Leute wegbringt.“
Paul trat einen schnellen Schritt ins Abteil und arbeitete sich von Sitzgruppe zu Sitzgruppe vor, ständig ein offenes Ohr für Geräusche, die nicht hier her gehörten. Vorsichtig schritt er über die Leichen am Boden hinweg, bemüht, keine der Leichen zu berühren. Am anderen Ende des Wagens lag ein Mann, den blutigen Arm in eine Jacke gehüllt und bemüht, kein Geräusch von sich zu geben. Paul sprach den Mann leise an.
„Hallo? Verstehen sie mich?“
Der Mann blickte zu Paul, unfähig sich zu bewegen. Er schloss einmal die Augen und starrte Paul flehend direkt in die Augen. Paul verstand und griff dem Mann unter die Arme um ihn hochzuheben. „Können sie laufen?“ Paul sah den Mann an, doch der schüttelte nur den Kopf. Als er den Mann auf den Füssen hatte, zog er ihn mit sich zum Ende des Abteils, ständig den Weg vor sich und die vor ihm liegenden Sitzgruppen beobachtend. Am Ende des Waggons angekommen öffnete Paul mit der freien Hand die Tür zum Zwischenabteil, sah sich um und trat hinaus.
Vorsichtig legte er den verletzten Fahrgast auf den Boden, drehte sich um, und gab seinem Kollegen am anderen Ende ein unmissverständliches Zeichen, die Türe zu sichern. Paul zog einen Kabelbinder aus der Tasche, und begann damit die Tür zu fixieren. Pauls Kollege am anderen Ende machte das gleiche. Um ganz sicher zu gehen, zog Paul noch einen zweiten Kabelbinder aus der Tasche und zog ihn fest um den Ring der Tür und des Rahmens.
Paul wendete sich wieder dem Verletzten zu und betrachtete seinen notdürftigen Verband. Der Färbung seiner Jacke nach, hatte der Mann viel Blut verloren, machte aber im Moment einen stabilen Eindruck. Nichtsdestotrotz würde er spätestens in drei Tagen tot sein. Ein Gedanke, der Paul erschauern ließ. Als er einen Blick nach draußen warf, erkannte Paul, dass sich der Bahnsteig mittlerweile geleert hat. Auch die anderen Bahnsteige wurden vorerst geleert. Noch während er die Eindrücke in sich aufnahm, bemerkte Paul eine Bewegung im Abteil. Eine der Leichen begann sich zu erheben.
Während er sich erhob, entfloh der Kehle des Zombies ein dumpfer Ton, erzeugt durch Luft, die aus den Lungen gepresst wurde, während sich der Körper aufrichtete. Paul erschauerte. Der Untote schien unschlüssig, wankte dann aber auf die gegenüberliegende Tür zu und begann mit seinen Händen auf die Scheibe einzudreschen. Die Scheibe hielt. Kurz darauf erwachte die zweite Leiche zu neuem, unseligen Leben und gesellte sich zu der anderen lebenden Leiche.
In dem Moment trafen die Kollegen vom SEK ein und lösten Paul ab. Einer der Beamten feuerte durch die Scheibe der anderen Tür und schickte so die zwei Wiederkehrer zurück in einen Schlaf ohne Wiederkehr. Der Zugriff erfolgte schnell und präzise. Noch während Paul den Zug verließ, war für die Beamten der Fall bereits abgeschlossen. Sanitäter holten den Verletzten Mann aus dem Abteil und die SEK-Beamten untersuchten den Zug, während der aus der Haupthalle auf ein Abstellgleis gefahren wurde.
Ein Sanitäter kam auf Paul zu.
„Geht es ihnen gut?“
Paul schaut den Mann an, nickt und bemerkt jetzt erst, dass seine Uniform voller Blut ist.
„Das ist nicht mein Blut. Das ist das Blut von einem dieser Dinger da.“
Der Sanitäter musterte Paul von oben bis unten.
„Wir müssen sie trotzdem untersuchen. Kommen sie bitte mit mir.“
„Scheiße, warum das denn?“
„Sie waren bis eben einer Stresssituation ausgesetzt. Möglicherweise wurden sie verletzt, ohne es zu bemerken. Zudem haben sie erweiterte Pupillen, was auf erhöhten Adrenalinausstoß hinweisen kann. Fühlt sich ihr Mund trocken an?“
Paul fuhr sich mit der Zunge durch den Mund und nickte.
„Kommen sie dann bitte mit mir?“
Paul fühlte, wie sich das Adrenalin langsam aus seinem Körper zurückzog. Seine Hand begann zu zittern und er sah den Sanitäter an und nickte ihm zu.
„Gut, dann kommen sie bitte. Sie sehen nicht gut aus. Können sie alleine gehen, oder brauchen sie Unterstützung?“
Paul schüttelte den Kopf.
„Ok, dann folgen sie mir bitte.“
Der Sanitäter ging vor und Paul folgte ihm auf wackligen Füßen.

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