Dienstag, 18. Januar 2011

Kapitel 18

Für die Rede der namenlosen Bundeskanzlerin habe ich Teile einer originalen Rede verwendet und abgeändert und ergänzt. Die Notfallgesetze klingen absichtlich nach totalitärem Staat. Aber sind wir doch mal ehrlich: ein Rechtsstaat hat bei einer Zombieinvasion keine Chance.

Kapitel 18

Punkt acht Uhr wird auf fast allen Sendern live in den Bundestag zur Übertragung der Rede der Bundeskanzlerin geschaltet. Zu Beginn der Übertragung ist das Rednerpult noch leer und die Kamera fängt die Bundeskanzlerin ein, die begleitet vom Bundespräsidenten das Rednerpult erklimmt, einen Stapel Papiere ablegt und diese kurz zurechtrückt, bevor sie ihre Rede beginnt:

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in den vergangen Tagen und Wochen haben sie von neuen Gefahren gehört. Der wieder erstarkende Terrorismus und die Gefahr durch eine neue Krankheit. Nun stehen wir vor einer neuen Gefahr. Einer Gefahr, die größer ist als alle Gefahren, mit denen wir jemals konfrontiert wurden.

Wurde bislang der Verlauf der „Neuen Grippe“ als heilbar abgetan, so muss ich sie heute, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, leider davon in Kenntnis setzen, dass der Krankheitsverlauf zu 100 Prozent tödlich verläuft. Schlimmer noch. Im Laufe des Krankheitsverlaufs zeigen die Patienten Symptome, die der einer Tollwut nicht unähnlich sind. Dies geht bis hin zu kannibalistischen Zügen. Erkrankte, die sich in diesem Stadium der Infektion befinden, sind zu keiner Emotion mehr im Stande, erkennen weder Freunde noch Bekannte und attackieren wahllos Menschen.

Die Krankheit wird übertragen, wenn Blut, Speichel oder Teile der Haut in den eigenen Blutkreislauf gelangen. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit liegt nach aktuellen Studien bei 100 Prozent.

Zur Bewältigung der Krise müssen wir den Zusammenhalt in unserem Land stärken, gerade zwischen denen, deren Familien immer schon hier gelebt haben, und auch denen, die sich als Zuwanderer integrieren.

Achten sie auf sich, ihre Verwandten und ihre Nachbarn, vergessen wir Streit, Missgunst und soziale Unterschiede. Nur gemeinsam können wir dieser neuen Bedrohung stand halten. Nur gemeinsam können wir die Aufgaben stemmen, die noch vor uns liegen.

Polizei und Streitkräfte sind in Alarmbereitschaft versetzt, ein Einsatz der Bundeswehr im eigenen Land wurde von Bundestag und Bundesrat genehmigt. Wir werden alle nötigen Anstrengungen unternehmen, um unser Land und unsere Bürger vor dieser Gefahr zu beschützen. Aus diesem Grund wurden Notfallgesetze beschlossen und genehmigt, die zur Durchführung dieser Anstrengungen nötig sind, und unseren Organen der Exekutive den dafür nötigen Rahmen zu erteilen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich bin mir sicher, dass Deutschland diese Krise meistern wird; dass unser Land stärker aus ihr hervorgehen wird, als es in sie hinein gegangen ist; dass sich eine solche Krise nie mehr wiederholt.

Auch Europa steht in diesen Monaten inmitten einer großen Bewährungsprobe. Wir müssen unsere Anstrengungen gemeinsam verstärken. Dabei geht es nicht allein um unser Land. Wir Europäer – wir sind zu unserem Glück vereint. Das vereinte Europa ist der Garant für unseren Frieden und Freiheit. Europa ist die Grundlage unseres Wohlstands. Deutschland braucht Europa und unser gemeinsames Know How. Für unser eigenes Wohlergehen wie auch, um weltweit diese große Aufgabe zu bewältigen.

Am Anschluss erhalten sie auf diesem Sender eine Liste der neuen Notfallgesetze. Bleiben sie bitte wenn möglich an ihrem Empfangsgerät.

Der Philosoph Karl Popper hat gesagt: ‚Die Zukunft ist weit offen. Sie hängt von uns ab, von uns allen.‘ Lassen Sie uns in diesem Sinne mit Ideen und mit dem Blick für den Nächsten die Lösung dieser Herausforderung anpacken. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für die uns bevorstehende Herausforderung Gesundheit, Kraft und Gottes Segen."

Der Bundestag applaudiert geschlossen, während unsere Bundeskanzlerin vom Rednerpodest herabsteigt und den Bundestag in Begleitung des Bundespräsidenten verlässt. Die Kamera blendet aus, es wird zurückgeschaltet ins Sendestudio. Dort sitzt ein sichtlich perplexer Morgenmoderator.

„Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, ich bin genau wie wahrscheinlich auch sie im Moment etwas perplex. Mir wurde aufgetragen, die uns zugestellten Notfallgesetze zu verlesen.

Die Notfallgesetze beinhalten eine Einschränkung der Pressefreiheit, sie erlauben der Polizei Personen ohne Haftbefehl festzusetzen, einzusperren oder gegebenenfalls zu verhören. Der tödliche Gebrauch der Schußwaffe ist explizit genehmigt. Der Einsatz der Bundeswehr im eigenen Land ist genehmigt. Anordnungen des Militärs sind Folge zu leisten. Auf Anordnung können Ausgangssperren angeordnet werden, das Recht zur Versammlungsfreiheit wird aufgelöst. Die Polizei hat das Recht, Versammlungen wenn nötig gewaltsam aufzulösen. Einreisen sind bis auf weiteres nur eingeschränkt möglich.

Sollten sie bei Verwandten oder Bekannten auffällige Symptome bemerken, z. B. starke Hustenanfälle, dunkel gefärbte Blutadern oder grundloses, aggressives Verhalten, melden sie sich bitte umgehend bei der nächsten Polizeidienststelle oder der Notrufzentrale.

Gehen sie nicht auf infizierte Menschen zu, halten sie ausreichend Abstand. Suchen sie, wenn möglich, einen geschützten Ort auf.

Die Polizei und die Bundeswehr werden in den nächsten Tag und Wochen lebensnotwendige und für die Infrastruktur nötige Betriebe wie Energieversorgung, Nahrungsmittelproduktion, Mobilität oder Kommunikation überwachen und falls nötig sicherstellen.

Zur Sicherstellung von nötigen Leistungen ist es nötig, die Mobilität einzuschränken. Treibstoffe werden primär an Polizei, Bundeswehr und Verkehrsbetriebe ausgegeben. Lassen sie ihr Auto stehen, wenn sie es nicht unbedingt benötigen. Die Sicherung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist sichergestellt.
Alle nötigen, zur Beilegung dieser Krise erforderlichen Schritte, werden mit der nötigen Härte durchgesetzt.
Bitte unterstützen sie die Ordnungsorgane bei ihren Tätigkeiten und leisten sie ihren Anordnungen Folge.“

Eine kurze Pause

„Einen Einspieler. Bitte.“

Es folgt ein Bericht über eine Schule in Leipzig, die sich durch ihre besonderen Unterrichtsmethoden hervortut.

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