Mittwoch, 19. Januar 2011

Kapitel 19

Nach Deutschland gibt's jetzt zwei Kapitel mit Blick ins Ausland. Von der Atombombe haben wir ja schon gehört. Ich hab mir gedacht, dass ein paar Hintergründe ganz interessant wären, auch wenn eigentlich klar ist, warum da was hochgegangen ist. 

Zur Zeit gab's auch ein paar aktuelle Nachrichten, die sich ins Gesamtbild einfügen lassen.

Mangelndes Detailwissen mag man mir verzeihen. Ich war bisher weder in Russland, Dänemark, Ungarn noch in Tunesien.

Kapitel 19

Die Situation im Osten Russlands geriet immer mehr außer Kontrolle. Das dünn besiedelte Gebiet machte eine Eindämmung quasi unmöglich. Zudem waren die Streitkräfte auf Zentren an der Grenze zu China und vor allem im westlichen Teil Russlands verteilt. Die Mentalität der dort lebenden Bevölkerung und ihr Misstrauen gegenüber der Regierung in Moskau erschwerte zudem ein gezieltes Vorgehen. Der Sturz in Jakutsk kam von einem Tag auf den anderen.

Als die lokalen Sicherheitsbehörden endlich Alarm schlugen, war die Stadt nicht mehr regierbar. Chaos und Anarchie hatten Einzug gehalten und über allem standen die Untoten. Viele Familien wollten sich nicht von ihren kranken Familienmitgliedern trennen, sperrten die Wiedergänger in Kellern oder Zimmern ein und wurden selbst infiziert. Einsätze der lokalen Sicherheitsbehörden gerieten aufgrund mangelnder Ausrüstung und Aufklärung zum Fiasko, so dass die Zahl derer innerhalb von Tagen rapide abnahm.

Nach nur zehn Tagen war die Stadt nicht mehr zu retten. Manche Überlebende verbarrikadierten sich in ihren Wohnungen und Häusern, viele versuchten aus der Stadt zu fliehen. Die erste Eindämmungsmaßnahme der russischen Regierung bestand darin, einen Quarantänegürtel um die Stadt zu errichten. Alle Flüchtlinge wurden in Auffanglager gebracht und erst nach und nach untersucht, was in manchen Lagern hohe Opferzahlen forderte, als dort Überlebende zu Zombies mutierten. Nach zwei Tagen traf die russische Regierung nach Rücksprache mit der amerikanischen Regierung einen folgenschweren Entschluss.

Alle um die Stadt postierten Quarantäne-Einheiten zogen sich zurück und nur Stunden später zog gegen 14.00 Uhr Ortszeit eine Rakete einen weißen Kondensstreifen durch den Himmel über Jakutsk, bevor sie in einer gewaltigen Explosion verdampfte. Mit ihr verdampften alle Untoten in Jakutsk und auch die letzten Überlebenden. Rund 260.000 Menschen kamen in Jakutsk um. Wie viele davon zum Zeitpunkt des Atomschlags noch lebten ist unbekannt.

In Flüchtlingslagern konnten rund 10.000 Menschen gerettet werden. Durch Ausbrüche mussten aber auch dort noch Opferzahlen in vierstelliger Höhe hingenommen werden. Die russische Armee ging bei den folgenden Quarantänemaßnahmen mit unvermittelter Härte vor. Sobald eine Infektion nachgewiesen werden konnte, wurde der Infizierte an Ort und Stelle durch einen Offizier mittels Kopfschuss exekutiert. Wer sich der Kontrolle entziehen wollte, wurde ebenfalls ohne Gerichtsverhandlung exekutiert.

Die Überlebenden wurden auf weitere, eilig errichtete Flüchtlingslager aufgeteilt. Erst nach zehn Tagen wurde die Quarantäne aufgelöst und die Menschen auf verschiedene Städte im ganzen Land verteilt.

Die Seuche breitete sich nun auch auf dem afrikanischen Kontinent aus. Mangelnde Integration der dortigen Regimes und Regierungen in die Weltengemeinschaft sorgte für mangelndes Wissen um die momentane Situation, in der die Welt sich befand. Viele Staaten erkannten nicht oder zu spät, dass es sich bei den Infizierten nicht mehr um Menschen, sondern lebende Tote ohne Verstand handelt. Die daraus folgende falsche Vorgehensweise ließ in den meisten Ländern innerhalb weniger Tage die Ordnung komplett zusammenbrechen.

In Tunis kam es aufgrund dessen zu Bürgerkriegsähnlichen Tumulten. Der tunesische Staatspräsident Ben Ali floh aus dem Land und bat in Frankreich um politisches Asyl, wurde nach einer Durchsuchung seiner Maschine jedoch abgelehnt - rund die Hälfte seiner Begleitung stand im Verdacht einer Infektion. Nach einem internationalen Hilferuf, gewährte ihm König Abdullah Al Saud Asyl, wohlwissend um die Infektion seiner Reisebegleitschaft. In Saudi Arabien angekommen, wurden alle Reisebegleiter in Quarantänelager interniert, die Infizierten nach ihrer Umwandlung durch Sicherheitsbeamte liquidiert.

Währenddessen kam es auch in Europa zu immer mehr Fällen. Die Einflussnahme der ungarischen Regierung auf die Medien blieb der Bevölkerung im Gegensatz zum restlichen Europa nicht verborgen, was massive Proteste nach sich zog. Dramatische Szenen spielten sich dagegen in einer Diskothek in Budapest ab, in der mehrere Personen von einem Infizierten angefallen und gebissen wurden. Durch eine daraus resultierende Massenpanik kamen weitere Menschen ums Leben. Wer und wie viele Personen infiziert wurden, ließ sich durch die Einsatzkräfte nicht mehr rekonstruieren.

Einem Aufruf der ungarischen Medien folgten rund zehn Jugendliche und junge Erwachsene, weitere fünf Fälle konnten aufgrund von Behandlungsprotokollen in Krankenhäusern identifiziert werden. In den folgenden Tagen kam es zu mehreren Ausbrüchen in Ungarns Hauptstadt. Besonders dramatisch erwies sich der Fall einer 23jährigen Frau, die als Erzieherin in einem Kindergarten arbeitete und während der Arbeit verstarb. Der Fall wurde vertuscht, 25 Kinder kamen auf grausamste Art und Weise ums Leben, mehrere Beamte der ungarischen Polizei waren nach dem Einsatz nicht mehr in der Lage, ihren Dienst fortzusetzen, zwei Beamte wurden infiziert, ein weiterer beging zwei Tage nach dem Einsatz Selbstmord.

Am nächsten Tag informierte Staatspräsident Pál Schmitt sein Volk über die vorherrschende Gefahr und verhängte zugleich restriktive Notstandsgesetze. Nach dem Vorfall im Kindergarten wusste er sein ganzes Parlament hinter sich. Diese Notstandsgesetze sagen unter anderem vor, die geltende Verfassung komplett außer Kraft zu setzen. Die Notstandsgesetze sahen auch vor, dass Entscheidungen durch den Staatspräsidenten, notfalls ohne Parlament getroffen werden konnten, wenn dieses aufgrund einer eintretenden Katastrophe nicht mehr zusammentreffen könne. Damit lag faktisch die ganze Macht im Land in der Hand des Staatspräsidenten.

Nach der Rede der Bundeskanzlerin war Deutschland wie im Schockzustand. Die Treibstoff- und Nahrungsmittelreserven des Bundes wurden aufgestockt, die Treibstoffpreise an den Tankstellen stiegen im gleichen Maße. Die Bürger wurden über die Medien zur Bildung von Nahrungsmittelreserven aufgefordert, entsprechende Empfehlungen wurden über alle Medien kommuniziert.

Zur Sicherstellung der Grundversorgung wurden Unternehmen der Energie-, Nahrungs- und Telekommunikationsindustrie sowie Krankenhäuser von der Bundesregierung aufgefordert, Kernteams zu definieren und zu formieren, die in einem Katastrophenfall den Betrieb aufrecht erhalten könnten. Der Plan sah vor, dafür nötige Bereiche und Mitarbeiter zu isolieren und von der Bundeswehr beschützen zu lassen, sowie die Errichtung von gesicherten Anlagen in definierten Rückzugspunkten.

Derweil wurde von der Bundesregierung die Evakuierung der Regierung auf Rügen vorbereitet. Zusammen mit einem Großteil der Nahrungsmittelreserven, eigener Stromversorgung, Telekommunikationsanlagen und militärischer Abschirmung. Unbemerkt von der Bevölkerung wurden Anstrengungen unternommen, die Insel zu befestigen und als Rückzugspunkt für die hochrangigen Eliten des Landes zu nutzen. Soweit möglich, sollten alle nutzbaren Flächen der Landwirtschaft zugute kommen, um eine Versorgung vor Ort auch für die Zukunft zu gewährleisten.

Die Kontrolle bei einer Einreise war in der Regel von einer mindestens dreitägigen Quarantäne begleitet. Sprengsätze an der Rügenbrücke sollen im Notfall die Brücke vom Festland isolieren. Auch die anderen deutschen Inseln wurden entsprechend ausgebaut und sollten vor allem dem Militär als Rückzugspunkt dienen.

In Dänemark gab es in der Zwischenzeit ähnliche Bemühungen, mit dem Ziel, Fünen und Seeland zu sichern und als großes Rückzugsgebiet zu deklarieren. Kurz nach Deutschland wurde die dänische Bevölkerung über die herrschende Seuche informiert und ähnliche Notstandsgesetze erlassen. Unbemerkt von der Bevölkerung wurde bereits begonnen, Militärmaterial und Nahrungsreserven auf Fünen zu transportieren, um im Notfall einen schnellen Rückzug gewährleisten zu können.

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