Freitag, 21. Januar 2011

Kapitel 21

Zurück zu Paul. Zwischen seinem letzten Einsatz und der hier einsetzenden Handlung klafft eine Lücke von ein paar Tagen. Ich hab das jetzt mal vage mit "einige Zeit" umschrieben, weil ich keine Ahnung hab, wie lang das dauert, bis man sowas verdaut, sofern man sowas verdauen kann. Ich will nicht zu viel verraten, aber Pauls aktueller Einsatz zieht sich über drei Kapitel, beginnend mit...

Kapitel 21

Es dauerte einige Zeit, bis Paul wieder einsatzfähig war. Wie auch andere, an ähnlichen Einsätzen beteiligte Beamte, durchlitt Paul in Folge der Ereignisse Selbstzweifel, Angst und Panikattacken. Trotz der offensichtlichen Natur der Angreifer, handelte es sich äußerlich um Menschen. Um Menschen, die andere Menschen anfallen und auffressen. Menschen… Männer, Frauen und Kinder. Nein, keine Menschen. Monster. Monster, die keine Rücksicht auf Geschlecht, Alter oder Rasse nehmen. Monster, die gleichberechtigt alles und jeden attackieren.

Pauls Zug war schwach besetzt, die Ausfälle machten sich langsam bemerkbar, die Personaldecke war bis zum Anschlag gespannt. Mit Überstunden wurde so gut es geht kompensiert, Urlaube waren schon seit längerem gestrichen. Stress und Überstunden machten den im Dienst befindlichen Beamten weiter zu schaffen. Müde und gestresste Beamte machen Fehler und so kam es immer häufiger vor, dass Beamte in Einsätzen infiziert wurden.

Die Brandherdbekämpfung durch SEK und GSG9 war inzwischen längst Geschichte. Die Häufung der Fälle machte einen Einsatz der Bereitschaftspolizei auch mit direkter Konfrontation notwendig. In Ballungsgebieten war man längst dazu übergegangen, Untote, die nicht sofort im Einsatz getötet wurden, in Einrichtungen zu sammeln und die Pflegezentren der Behandlung von Patienten vorzubehalten, bei denen die Infektion noch nicht ausgebrochen war.

Zur Überbrückung wurden Sicherungsaufgaben teilweise an die Bundeswehr delegiert. Für die direkte Konfrontation wurden weiter Beamte der Polizei eingesetzt, die dafür entsprechend ausgebildet und trainiert waren. Paul befand sich seit eine Woche wieder im Dienst. Vorerst sah sein Dienstplan nur Sicherungsaufgaben vor, bei denen direkte Konfrontationen eher unwahrscheinlich erschienen.

Um 13.49 Ortszeit meldete sich ein Anwohner aus dem Münchner Norden, dass aus der Wohnung über ihm verdächtige Geräusche zu hören seien. Es klänge, als würden Einbrecher in der Wohnung randalieren, Tische umwerfen, Vasen zerschlagen und gegen Türen hämmern.

14.23 war eine Streife vor Ort. Die Beamten begaben sich zur Wohnung. Aus dieser waren die beschriebenen Geräusche zu hören. Kontaktversuche seitens der Beamten blieben unbeantwortet. Die Beamten setzten sich mit der Zentrale in Verbindung. Die Zentrale ordnete an, vor Ort auf Verstärkung zu warten und darauf zu achten, dass niemand die Wohnung betritt oder verlässt.

14.58 traf Pauls Zug ein. Paul und seine Kollegen begannen damit, die Straße abzusperren, während fünf seiner Kollegen den Weg zur Wohnung nahmen. Dort trafen sie auf die Streifenpolizisten, die ihnen einen kurzen Lagebericht gaben. In den letzten 25 Minuten waren durchgehend Geräusche zu hören, jedoch keine Laute, die auf lebende Menschen hindeuten würden, statt dessen unkoordinierte Bewegungen. Einer der Streifenpolizisten hatte zwischenzeitlich mit Nachbarn gesprochen und so erfahren, dass sich zwischen vier und sechs Personen in der Wohnung aufhalten könnten.

15.05 erteilte die Zentrale die Genehmigung, die Wohnung zu stürmen. Vor dem Haus wurden Anwohner und Nachbarn dazu aufgefordert, ihre Türen zu verschließen und keinesfalls vor die Tür zu gehen, bevor die Beamten Entwarnung geben. Dank der erlassenen Notstandsgesetze und reger Medienkontrolle leisteten alle Anwohner dem Befehl der Beamten Folge.

15.08 erfolgte der Zugriff. Fünf Beamte der Bereitschaftspolizei stürmten die Wohnung und drangen geordnet vor. Der Flur der Wohnung war vier bis fünf Meter lang und machte am Ende einen 90 Grad-Knicks nach rechts. Links und rechts waren Türen, die rechte davon war anhand eines geschmacklos kitschigen Aufklebers als WC oder Bad zu identifizieren. Zwei Beamte schritten den Flur entlang, während die Kollegen die hinten liegenden Türen sicherten.

Nach dem Knicks führte eine weitere Tür nach links und am Ende des Flurs erwartete die Beamten eine weitere Tür. Während die vorangegangen Beamten den hinteren Teil des Flurs sicherten, öffneten die nachrückenden Beamten die erste Tür auf der linken Seite. Während ein Beamter die Tür aufzog, sicherten die anderen Beamten mit vorgehaltener Maschinenpistole. Die Tür schwang nach außen auf und entpuppte sich als Zugang zu einem Wandschrank.

Die Beamten machten sich daran, die Tür zum vermeintlichen WC zu öffnen. Wieder das gleiche Vorgehen, mit dem Unterschied, dass die Tür nach innen aufging und die Tür verschlossen war. Ein Fußtritt ließ den Rahmen brechen und gab der Tür noch genügend Schwung. Als die Tür nach innen aufschwang, blockierte diese nach ca. 20 Zentimetern und gab für den links stehenden Beamten den Blick frei auf ein weiß gekacheltes Badezimmer mit seltsamen braunen Punkten und Schlieren. Noch bevor sein Gehirn realisierte, dass es sich dabei um getrocknetes Blut handelte, schwang die Tür auf und drei massiv gebaute Untote standen im Raum, bereit sich auf die Beamten zu stürzen.

Statt kontrollierten Feuerstößen ertönte das permanente Rattern einer auf Dauerfeuer geschalteten MP5. Der vorne stehende Zombie brach unter dem Kugelhagel zusammen, fiel durch den Schwung nach vorne und riss einen Beamten mit sich. Einer der noch stehenden Beamten bückte sich instinktiv, um seinem Kollegen zu helfen. Der mühte sich ab, den massiv gebauten Zombie von sich zu streifen. Währenddessen versuchte der dritte Beamte hastig sein Magazin zu wechseln und wurde noch während er ein neues Magazin in die Maschinenpistole schob, von einem der noch lebenden Zombies angefallen.

Als der helfende Beamte die Situation endlich verinnerlicht hatte, war es fast schon zu spät, weil der zweite Zombie bereits über ihm war und er keine Möglichkeit hatte, die Waffe auf seinen Kopf zu richten. Die beiden als Vorhut dienenden Beamten kamen um die Ecke, um ihren Kollegen zur Hand zu gehen. Aufgrund der Nahkampfsituation waren Schüsse zu riskant. Einer der Beamten sicherte seine MP, zog stattdessen die Pistole, drückte sie dem ersten Untoten an den Kopf und feuerte. Graue Hirnmasse und Reste von seinem Schädel spritzten an die Wand und ließen den Untoten zusammenbrechen.

Währenddessen kämpfte der andere Beamte immer noch um sein Leben, die Zähne des Untoten gruben sich in seinen Unterarm und spannten den Stoff der Jacke. Für die Beamten war es nicht ersichtlich, ob die Zähne den Stoff bereits durchdringen konnten. Noch bevor die Beamten darauf eine Antwort hatten, sprang der Polizist über den am Boden liegenden Kollegen, riss an dem Kopf des Zombies, versuchte ihn von dem Arm des Kollegen loszureißen. Statt dessen rissen nur die Haare und Teile der Kopfhaut. Darunter kam dunkles Gewebe zum Vorschein.

Den Kopf wegzureißen, würde zu lange dauern. Stattdessen rief er seinem Kollegen zu, den Arm auszustrecken und zurückzutreten. Der tat, wie ihm geheißen, streckte den Arm aus und lehnte sich nach hinten. Die Pistole drückte an die Schläfe und ließ auch hier Gewebe und Hirnmasse an die Wand spritzen. Der Biss löste sich und gab den Blick auf eine zerrissene Jacke und einen blutigen Arm frei.

Während dessen hatte sich der Beamte unter dem Untoten hervor geschält und stand wieder neben seinen Kollegen. Dem verwundeten Polizist liefen Tränen über die Wangen. Plötzlich schienen ihm die Füße den Dienst zu verweigern. Er fiel auf die Knie, verharrte dort und fing an, laut zu schluchzen. Dabei konnte er nicht den Blick von seinem Arm abwenden, starrte ihn ungläubig an, wissend, dass das sein Todesurteil war.

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