Freitag, 21. Januar 2011

Kapitel 22

Und weiter geht's. Über die dieses Kapitel abschliessende Frage kann man streiten. Solche Formulierungen erinnern mich an John Sinclair-Romane, die ich vor 20 Jahren gelesen habe. Auf der anderen Seite fand ich sie hier irgendwie passend. Gerade auch, weil ich hier einen Fortsetzungsroman aufziehe und natürlich will, dass meine Leser, also alle zehn, auch am nächsten Tag wieder reinlesen.

Aus dem Grund find ich so Teaser von Zeit zu Zeit schon passend. Wer anderer Meinung ist, darf diese gern kundtun.

Oh, achja, im vorigen Kapitel hab ich "Z" als Bezeichnung für die Zombies eingeführt. Ich hab mir gedacht, ich führ das in diesem Kapitel noch a bisserl aus. Wer den Blogeintrag Zombie oder nicht Zombie gelesen hat weiß vielleicht, wie schwer ich mich tu, das Wort "Zombie" zu verwenden. Dazu kommt noch, dass zur Polizei Abkürzungen passen. Genug rumdrum geredet.
Kapitel 22

Noch während die Eindrücke auf seine Kollegen einstürmten, hörten sie dumpfe Schläge. Durch die unmittelbare Bedrohung der Situation hatten sie die Sicherung der anderen Türen vernachlässigt. Diese wurden von Faustschlägen malträtiert und ächzten aufgrund der Belastung. Die Fäuste klangen wie ein Trommelfeuer. Die vier unverletzten Beamten schauten sich an und rückten vor. Ein Funkgerät krächzte.

„Hallo Einsatzteam, hier Zentrale. Status? Ende.“

„Hallo Zentrale, hier Einsatzteam. Ein Mann verwundet, drei Tote Zs, noch zwei Räume. Erkennbare Aktivitäten hinter den Türen. Klingt nach einer ganzen Meute. Erwarten Anweisungen. Ende.“

„Hier Zentrale. Vorgehen wie geplant. Bitte bestätigen. Ende“

Gerade als der Beamte zum Funkgerät griff, gab die Tür ein Stück nach. Das dünne Holz splitterte leicht nach außen und knirschte unter den Schlägen.

„Hier Einsatzteam, Aktivitäten nehmen zu. Es ist von einer größeren Gruppe auszugehen. Vorgehen ohne weitere Verluste nicht möglich. Bitte um Erlaubnis, uns zurückziehen und neu gruppieren zu dürfen. Ende“

„Hier Zentrale, Vorgehen nach eigenem Ermesen. Ende und aus“

Gerade, als das Funkgerät verstummte, brach die Tür auf und eine Horde von zehn oder mehr Untoten ergoss sich in den Flur der Wohnung. Die erste Salve verpuffte wirkungslos und die zweite Salve setzte einen der Angreifer außer Gefecht. Gerade, als der erste Untote die kurze Distanz von der Tür zu den Beamten überwunden hatte, zogen die sich zurück. Zwei Kollegen packten den Verwundeten unter den Armen, zogen ihn aus der Wohnung und ins Treppenhaus.

Die zwei andern Kollegen blieben noch an der Tür, gaben gezielte Feuerstöße auf die nachfolgenden Untoten und konnten so drei Angreifer ausschalten, bevor sie sich ebenfalls zurückzogen. Das Treppenhaus war eng und verwinkelt, ein Gefecht erschien hier zu gefährlich. Die Beamten zogen sich über die Treppen zurück und liefen auf die Straße.

15.11 stürmten vier Beamte, den fünften unter den Armen, aus dem Haus, auf die Straße.

„Scheiße, wir brauchen hier Unterstützung!“

Paul eilte zur Unterstützung heran, entsicherte noch im Lauf seine Maschinenpistole und ging neben den Kollegen in Stellung. Gerade, als er den Lauf seiner Maschinenpistole auf die Haustür gerichtet hatte, stolperte auch schon der erste Untote aus dem Haus. Sein Oberkörper war nackt, dünne Goldketten baumelten um seinen Hals und eine rote Jogginghose mit weißen Streifen flatterte um seine Füße. Paul hatte die Informationen noch nicht richtig verarbeitet, als seine Maschinenpistole bereits eine Salve Blei in das Gehirn des Untoten spuckte.

Der Kopf schien in einer grauen Wolke zu explodieren, bevor er nach vorne fiel und auf dem Boden liegen blieb. Dahinter drängten sich bereits zwei weitere Untote durch die Tür. Einer davon schien im Leben eine hübsche Frau gewesen zu sein und erschien auch im Tode noch eine gewisse Attraktivität auszustrahlen, sah man von den eingefallenen, stumpfen Augen und dem aschfahlen Teint einmal ab. Das Top der Frau war verschoben und ließ einen Blick auf ihren einst wohlgeformten Busen zu. „Schade drum“ dachte Paul, während eine Salve ihren Kopf explodieren ließ.

Der zweite Untote blieb Pauls Blicken verborgen, weil herbeigeeilte Kollegen diesen bereits außer Gefecht setzen konnten, noch bevor Paul ihn näher mustern konnte. An der Tür blieb es ruhig, aber durchs Haus gellte ein Schrei, zu dem sich kurz darauf ein weiterer Schrei gesellte. Die Schreie klangen hysterisch, sie schrien um Hilfe. Hilfe, die nicht kommen würde. Paul schaute zu seinen Kollegen. Keiner unternahm Anstrengungen, den Leuten zur Hilfe zu kommen, schienen zu denken, dass sie ohnehin schon verloren wären. Trotzdem hat niemand verdient, so zu sterben, dachte Paul.

Ein Schrei verstummte. Über einen Einsatzwagen wurde über Lautsprecher und über den Schrei hinweg, nochmal der Hinweis ausgesprochen, die Türen keinesfalls zu öffnen. Als der Lautsprecher verstummte, öffnete sich im zweiten Stock ein Fenster. Ein Mann erschien im Fensterrahmen. Sein Ärmel war rot, blutgetränkt. Aus der Entfernung war es unmöglich zu bestimmen, ob es sich um sein eigenes, oder fremdes Blut handelte. Plötzlich bewegte sich hinter dem Mann etwas und gierige Hände griffen nach ihm. Die Polizisten wurden Zeuge davon, wie der Mann bei lebendigem Leibe von diesen Kreaturen zerfetzt und aufgefressen wurde.

Einer der Untoten stand am Fenster und schien an einem Darm des Mannes zu kauen. Einer der Beamten übergab sich bei dem Anblick lautstark, ein weiterer eröffnete das Feuer, konnte aber keinen sauberen Treffer anbringen. Paul lief zu dem leitenden Beamten.

„Wie geht’s jetzt weiter?“

Gedankenverloren schaute der leitende Beamte zu Paul, wirkte wie aus einer Trance gerissen.

„Was?“

„Wie geht’s weiter? Wir können die doch nicht im Haus lassen.“

„Äh, nein, natürlich nicht.“

Er drehte sich zu dem Team, das die Wohnung gestürmt hatte.

„Berner, Heinzmann, Meldung!“

Die Nennung ihrer Namen schien die beiden aus einer Starre zu lösen, ließ sie überrascht aufschrecken und zu Paul und dem leitenden Beamten laufen.

„Wir haben nur einen Teil der Wohnung gesehen. Rechts ist ein Badezimmer, dort haben uns drei Zs überrascht. Kasper hat’s erwischt, der muss in ein PZ. Der Flur macht einen Rechtsknick, dahinter zwei Türen. Hinter der Tür am Ende des Flurs war eine Gruppe von zehn bis zwölf Zs. Die Tür hat unter der Belastung nachgegeben und wir mussten uns zurückziehen. Möglicherweise befindet sich im anderen Zimmer noch eine Gruppe.“

„Scheiße. Danke Berner. Lasst Kasper verarzten und ihn nach Hause zu seiner Familie bringen. Er hat sechs Stunden. Welches weitere Vorgehen schlagen sie vor?“

„Im Haus ist es zu eng. Ich schlage vor das Haus zu versiegeln und die Bewohner von der Feuerwehr über die Fenster evakuieren zu lassen.“

„Tut mir leid, scheiß Idee. Wir müssen das anders geregelt bekommen. Woher kommen eigentlich die ganzen Zs in der Wohnung?“

„Keine Ahnung, vielleicht eine Sekte oder sowas. In dem von uns erkundeten Teil der Wohnung gab es keine Anzeichen für eine größere Gruppe.“

„Verstehe.“

Der leitende Beamte nahm sein Funkgerät.

„Hallo Zentrale, hier Einsatzleitung. Wir haben zivile Verluste, tot. Umwandlung in den nächsten Minuten wahrscheinlich. Im Haus sind noch mehrere Zs, genaue Zahl unbekannt. Kampf im Haus wird für Einsatzpolizei als zu riskant erachtet. Fordere hiermit Spezialkommando an. Bitte um Bestätigung. Ende“

„Hier Zentrale, verstanden. Bis zum Eintreffen des Spezialkommandos sind so viele Zs wie möglich durch Defensivmaßnahmen auszuschalten. Bitte bestätigen. Ende“

„Hier Einsatzleitung, verstanden. Werden Defensivmaßnahmen einleiten. Ende und aus.“

Paul verstand, was das heißen sollte. „Zs“ stand im Polizeijargon für die Infizierten, abgeleitet aus „Zombie“. Der Begriff wurde offiziell nur ungern gesehen, implizierte er für den vorliegenden Fall, fiktionalen Kram aus Filmen und schlechten Romanen. Trotzdem setzte sich der Begriff schnell in der Polizei durch und gewann mit „Zs“ den Einzug ins Fachjargon. Als Defensivmaßnahmen wurden im Krieg gegen die Zs Maßnahmen gesehen, die Zs aus einer defensiven Position heraus mit minimalem Risiko auszuschalten.

Im vorliegenden Fall konnte das nur heißen, vor dem Haus Stellung zu beziehen und mittels lauter Geräusche so viel wie möglich von den Zs nach draußen zu locken und dort einzeln auszuschalten. Risiko hierbei war die öffentliche Wahrnehmung, aber genau genommen war’s eh schon zu spät. Vor der Tür liegen drei Tote, vor offenem Fenster wurde ein Mensch aufgefressen und ein Polizist liegt weinend auf der Straße. Wie viel schlimmer könnte es also noch werden?

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