Sonntag, 23. Januar 2011

Kapitel 23

Das abschließende Kapitel. Der Abschnitt fällt etwas kürzer aus als die zwei vorigen.

Bevor ich Besuch bekomme: Natürlich liegt es mir fern, die Leute vom GSG9 als arrogant hinzustellen. Ich denk mir aber, dass die Leute nach zig Einsätzen so abgestumpft sind, dass sie sich nicht mehr mit Höflichkeiten aufhalten.

Kapitel 23

Alle zehn Minuten wurde die Durchsage wiederholt, die Wohnungen keinesfalls zu verlassen, diese wenn nötig zu verstärken und so wenig Lärm wie möglich zu machen. Gleichzeitig sorgte ein an das Lautsprechersystem eines Polizeiwagens angeschlossener MP3-Player für den nötigen Lärm auf der Straße, um die Untoten anzulocken. Neil Young beschwor die lebenden Toten, in einer freien Welt weiter zu rocken. Und wie sie rockten. Nach und nach tauchten vier weitere Zs an der Tür auf und konnten mit sauberen, gezielten Kopfschüssen aus einer sicheren Entfernung niedergestreckt werden.

18.24 traf das GSG9-Kommando mit einem Hubschrauber ein. Die Jungs wirkten, als hatten sie die letzten Tage lediglich auf Flügen von Einsatzort zu Einsatzort die Gelegenheit, etwas Schlaf abzubekommen. Der Gruppenführer trat zum nächsten Beamten.

„Wer hat hier die Einsatzleitung?“

Der Beamte wies mit seiner Hand zum Einsatzleiter, der bereits angelaufen kam.

„Hallo, ich bin Polizeioberkommissar Becker. Ich habe hier die Einsatzleitung“

Der GSG9-Beamte ignorierte die zur Begrüßung ausgestreckte Hand und kam gleich zur Sache.

„Hauptkommissar Richter, GSG9. Wie ist die Lage?“

Becker schilderte kurz die Vorkommnisse des Tages, sowie die räumlichen Besonderheiten, bevor ihn der GSG9-Beamte grußlos stehen ließ. Richter stieß zu seiner sechs Mann starken Truppe. Neben der schweren Panzerung fiel vor allem die der normalen Polizei weit überlegene Bewaffnung ins Auge. Neben der auch einhändig präzise zu bedienenden MP7, stach vor allem das Sturmgewehr HK416 optisch hervor. Paul bezweifelte, dass es in der Enge des Hauses wirklich nützlich sein würde. Die GSG9-Beamten sahen das ähnlich und wählten die MP7 als Hauptwaffe.

Während die Bereitschaftspolizisten weiter die Tür sicherten, machte sich das GSG9-Kommando bereit, das Haus zu stürmen. Die Sonne war bereits seit geraumer Zeit hinterm Horizont verschwunden. Straßenlaternen warfen lange Schatten und Scheinwerfer erhellten die Front des Hauses. In den meisten Wohnungen brannte Licht und Paul sah, dass ihr Tun von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt blieb.

Paul sah nur die Umrisse derer, die von ihrem Fenster aus die Beamten bei der Erfüllung ihrer grausamen Pflicht beobachteten, meinte aber, die von Schrecken geweiteten Augen derer zu spüren, die mit ansahen, wie die Polizei vermeintlich Unbewaffnete durch gezielte Kopfschüsse liquidierte. Dank Handykameras würde kein Youtube nötig sein, um die Arbeit der Polizei innerhalb von Minuten in der ganzen Welt zu verteilen.

Das Kommando der GSG9 war zwischenzeitlich schon bei der Arbeit. Dank der schallgedämpften MP7 drangen wenig Geräusche nach außen, aber die kurzen Lichtblitze verrieten genug. Eine der Scheiben zerbarst, als sie von einem Geschoss durchschlagen wurde, gefolgt von einer raschen Folge von Lichtblitzen. Für Paul war schwer zu erkennen, was dort vor sich ging, aber möglicherweise hatten die Beamten die zuvor noch verschlossene Tür geöffnet. Weiß Gott, wie viel von den Zs dahinter noch gelauert haben.

Die GSG9-Beamten kamen aus der Tür und Richter ging direkt zu Becker.

„Einsatz beendet, ihr könnt hier aufräumen. Zusätzlich zu euren haben wir nochmal sechs Zs erledigt. Einer irrte in der zweiten befallenen Wohnung, fünf waren in dem ungeöffneten Zimmer in der Wohnung des Infektionsherdes. Räumt den Saustall so schnell wie möglich auf, kontrolliert die anderen Wohnungen hier in der Straße und schafft notfalls die Leute hier weg.“

Becker war offensichtlich über die Belehrung nicht erfreut, erkannte aber die Leistung des Kommandos an und blieb professionell.

„Wir machen uns an die Arbeit. Danke für eure Hilfe. Ich denke, wir schaffen das hier dann alleine.“

Richter gab seinen Leuten das Zeichen zum Aufbruch, und schwang sich als letzter in den Helikopter, der mit lautem Getöse so schnell verschwand, wie er auftauchte. Dem nächsten Einsatz entgegen.

Zurück blieb die Münchner Bereitschaftspolizei, die den Abtransport der Leichen organisieren musste. Andere Kollegen würden sich darum kümmern müssen zu klären, warum in der Wohnung fast 20 dieser Kreaturen anwesend waren. Eine so große Anzahl war bisher einzigartig, nicht zuletzt wenn man die Größe der Wohnung heranzieht, die kaum größer als 70 Quadratmeter war. Paul fiel auf, dass es sich überwiegend um junge Menschen gehandelt hat. Vielleicht war da eine Party im Gange, die anders endete, als geplant.

Ein Fenster ging auf und ein Mann mittleren Alters streckte seinen Kopf aus dem Fenster. „MÖRDER!“ schrie er aus dem Fenster. „IHR SEID DOCH ALLES MÖRDER! Menschen erschießen, das könnt ihr. Verdammtes Mörderpack! Werde ich jetzt auch hingerichtet? Ihr seid doch schlimmer, als Stasi, SS und Gestapo zusammen.“ Der Mann schrie weiter aus dem Fenster, als Paul seinen Kollegen Horst sah, der bisher am anderen Ende der Straße für die Sicherung verantwortlich war. Horst ging auf Paul zu und machte eine grüßende Handbewegung. „

„Willkommen zurück im Dienst. Schönen ersten Tag gehabt?“

Ein bitteres Lächeln huschte über Pauls Gesicht.

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