Mittwoch, 26. Januar 2011

Kapitel 26

Kapitel 26

Die Mongolei wurde förmlich überrannt. Die kleine und eher schlecht bewaffnete mongolische Armee hatte keine Chance, der anrückenden Zombiehorden Herr zu werden, als sie zu Tausenden aus den Heizungstunneln von Ulaanbaatar strömten. Die Hälfte der kaum 10.000 Mann zählenden mongolischen Armee wurde innerhalb der ersten acht Stunden in sinnlosen, unkoordinierten Straßenschlachten dahingerafft, die andere Hälfte zog sich panisch über den Fluss Tuul zum Flughafen der Stadt zurück.

Bereits während der ersten Angriffswelle wurden Teile der oberen Befehlshierarchie ausgelöscht und ließen die verbleibenden Truppenteile führungslos zurück. Ein junger Leutnant versuchte die verbliebenen Streitkräfte zu koordinieren und ließ an den Brücken gepanzerte Fahrzeuge zur Sicherung der nachkommenden Flüchtlinge zurück und schlug sich mit dem Rest seiner Truppen zum Flughafen durch. Dort fanden sich lediglich alte Transportmaschinen, und was noch schlimmer war, keine Piloten. Der Luftwaffenstützpunkt war nicht erreichbar, die Befehlskette zusammengebrochen.

Der erste Brückenposten meldete Kontakt. Eine große Menge an Menschen strömte auf die Brücke zu, Freund oder Feind waren nicht zu unterscheiden. Der Leutnant befahl abzuwarten. Die von der mongolischen Armee verwendeten T62 waren zwar modernen Streitkräften unterlegen, im Kampf gegen die Untoten würden sie den Soldaten aber ausreichend Schutz bieten. Die Menschenmenge entpuppte sich als Flüchtlingsstrom. Hunderte Männer, Frauen und Kinder flohen vor den Horden, die bereits große Teile der Stadt kontrollierten.

Nach dem Abzug der Armee konnte nichts und niemand mehr die stetig wachsende Armee der Untoten aufhalten. Die wenigen, verbliebenen Soldaten oder Polizisten, sahen sich einer schier unüberwindbaren Armee gegenüber. Wer klug genug war, sich in sichere Gebäude zu begeben, konnte mit ansehen, wie Menschen in ihren Wohnungen zerrissen wurden, Kinder aufgefressen und Tote wieder zum Leben erwachten. Auch wenn die Gebäude vorerst sicher erschienen – meist fanden die Untoten einen Weg und selbst wenn nicht, würden irgendwann die Lebensmittelvorräte zu Ende gehen.

Die letzten, nach Moskau und Peking abgesetzten Hilferufe blieben unbeantwortet. Keiner wollte Truppen opfern, die im eigenen Land fehlen würden, um die taktisch unwichtige Mongolei zu schützen. So kam, was kommen musste. Als die Gruppe Flüchtlinge die Brücke überquert hatte, kamen sie. Ihre Zahl hatte sich innerhalb der letzten Stunden vervielfacht. Die Panzer eröffneten das Feuer. Die Geschützrohre spuckten ihre Granaten in die Mitte der anrückenden Horde und schienen in der Menge zu verpuffen.

Verstümmelungen hielten die Untoten nicht auf. Zombies, die bei den Granatenexplosionen keine Kopfschäden davontrugen, liefen unbeirrt weiter auf die Panzer zu. Das einsetzende MG-Feuer riss die erste Reihe um. Der Schütze versuchte die Salven in Kopfhöhe zu platzieren und konnte so die vorderen Reihen ausdünnen. Die nachrückenden Horden stiegen über ihre gefallenen Kameraden hinweg und schlossen die Reihen wieder, schneller als die Bleihagel die Reihen wieder zurückwerfen konnten.

Es war ein Kampf, der nicht zu gewinnen war. Wenn die Untoten die Brücke überqueren könnten, wären sie nicht mehr aufzuhalten. Der Leutnant befahl die Brücke zu zerstören, die gesamte Feuerkraft auf tragende Elemente zu richten und zu beten. Während der Kommandant mit dem schweren MG die Horden in Schach zu halten versuchte, feuerten die Bordschützen auf tragende Elemente, konnten die Brücke aber nicht zerstören.

Die Rohre der MGs glühten bereits, an eine weitere Verteidigung der Stellung war nicht mehr zu denken. Der Leutnant befahl einen sofortigen Rückzug, aber die Panzerkommandanten verweigerten den Befehl. Stattdessen postierten sich zwei der Panzer vor der Brücke und fuhren je eine Spur entlang um unter ihren Ketten so viel Untote wie möglich zu zermahlen. Weit kamen sie nicht, bis eine Wand aus Überresten ein weiteres Vorrücken unmöglich machte. Die Stahlkolosse wurden von den Zombies wie von Ameisen überrannt und waren an ihren Positionen auf der Brücke festgefahren.

Der dritte Panzerkommandant erstattete Meldung, wurde nochmals zum Rückzug aufgefordert und fuhr schlussendlich los. Wohl wissend, dass die Untoten ungehindert auf ihre Stellungen zumarschieren, ließ der Leutnant seine Männer in gesicherten Positionen Stellung beziehen und die Zugänge zum Flughafen durch gepanzerte Fahrzeuge sichern. Ein paar Hundert wären kein Problem, aber da kamen Tausende auf sie zu. Plötzlich knackste das Funkgerät. Piloten und Techniker des Luftwaffenstützpunkts konnten zwei Hind-Helikopter bewaffnen und in die Luft bekommen. Sie flogen geradewegs auf die Brücke zu.

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