Donnerstag, 27. Januar 2011

Kapitel 27

Kapitel 27

Die Hind-Helikopter waren jeweils mit einer Brand- und einer Freifallbombe ausgerüstet. Genügend Sprengkraft, um eine Brücke für diese Kreaturen zumindest unpassierbar zu machen. Der erste Helikopter flog die Brücke an, die direkt zum Flughafen führte, und ließ die 500 KG-Bomben auf die Brücke fallen. Die Explosion erzielte die gewünschte Wirkung. Neben mehrerer Zombies riss sie die Brücke in der Mitte soweit auseinander, dass sie für die Kreaturen unpassierbar war.

Die Brandbombe verwandelte viele der auf der anderen Seite befindlichen Zombies in wandelnde Fackeln. Der zweite Hind wiederholte das Spiel an einer weiter nördlich gelegenen Brücke. Mit ihren schweren MGs zogen die Helikopter noch tiefe Furchen durch die Reihen derer, die die Brücke und das darauf befindliche Flammenmeer hinter sich lassen konnten. Zwei Explosionen kündeten davon, dass die Panzer das Flammenmeer nicht unbeschadet überstanden hatten.

Als die Helikopter landeten, wurden die Piloten wie Helden empfangen. Soldaten weinten und schämten sich ihrer Tränen nicht. Die Piloten meldeten, dass ein Transporthubschrauber mit Piloten und Technikern auf dem Weg sei. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn man die Transportmaschinen nicht vom Boden bekäme. Schüsse unterbrachen die Unterhaltung, als einige verstreute Zombies den Weg zum Flughafen fanden. Keine große Herausforderung für die Panzerbesatzungen, die einen Bleiregen in Richtung der heran wackelnden Untoten schickten. 

Ein Funkspruch kündigte das Eintreffen des Transporthelikopters in zehn Minuten an. Endlich. Der Leutnant war erleichtert und schickte einen Schützenpanzer des Typs BTR-60 zur Beobachtung zurück ans Flussufer. Zumindest bis die Zivilisten weg waren, konnte er es sich nicht leisten, keinen Überblick über die aktuelle Lage zu haben. Der Schützenpanzer nahm seine Besatzung auf und fuhr los. Unterwegs begegneten sie kleinen Gruppen der Untoten. Kleine Gruppen stellen keine große Gefahr dar und wurden meist auch direkt ignoriert.

An der Brücke angekommen, präsentierte sich den Soldaten ein Bild morbider Schönheit. Das Feuer der Brandbomben wütete noch immer über die untoten Körper hinweg und tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Bild aus Rottönen und Rauch. Die Untoten schienen das Feuer nicht zu bemerken und liefen solange weiter, bis die Hitze ihr Gehirn irreparabel beschädigte und die untoten Körper zusammenbrachen. Viele entkamen auch der Flammenhölle und liefen furchtbar entstellt weiter – direkt auf den Schützenpanzer zu. Das schwere Geschütz-MG riss die wenigen der Flammenhölle entkommenen Zombies bei Treffern förmlich auseinander. Das war genug, um für den Schützenpanzer keine Gefahr mehr darzustellen. Über die hinteren Dachluken nahmen die Soldaten mit ihren Sturmgewehren noch einzelne Angreifer aus, bis das Ufer schließlich sicher war.

Der Kommandant informierte den Leutnant. Der Leutnant informierte dabei die Besatzung, dass die Flugzeuge in zwei Stunden abflugbereit sein würden, man könne pro Flug und Flugzeug bis zu 300 Personen evakuieren. Man müsse zwar ein paar Mal fliegen, aber Zeit wäre ja jetzt nicht mehr das Problem. Die Techniker wären gerade dabei, die Maschinen ordentlich durchzuchecken, aufzutanken und mit den Piloten flugbereit zu bekommen. Vom Tower aus versuche man auch gerade, die russischen Behörden an den Funk zu bekommen, um eine Landeerlaubnis für einen russischen Flughafen zu erhalten.

Der Kommandant war über die Nachricht erfreut und informierte seine Besatzung. Von vielen fiel die Anspannung der letzten Stunden ab und zum ersten Mal seit Beginn der Kampfhandlungen stellte sich bei den Soldaten ein Gefühl leiser Hoffnung ein. Ein Gefühl, dass der Kommandant in dem Moment wieder verlor, als er sein Fernglas auf das andere Flussufer richtete, und sich einen Überblick verschaffte. Die Stadt war tot. Nur vereinzelt schienen Menschen Widerstand zu leisten, nur vereinzelt war in befestigten Gebäuden Leben erkennbar.

Dramatische Szenen spielten sich auf dem Dach eines Hauses ab, als Menschen einen schnellen Tod durch einen Sprung vom Dach dem Dasein als Zombie vorzogen. Der Kommandant setzt das Fernglas ab, musste sich beherrschen, bei dem traurigen Anblick seiner Heimatstadt nicht in Tränen auszubrechen. Tief atmete er ein und bereute es im nächsten Augenblick, als er den Geruch nach verbranntem Fleisch damit tief in seine Lungen sog. Er hustete kurz und setzte das Fernglas wieder an.

Noch immer drängten sich diese verdammten Monster auf der Brücke. Von hinten kamen neue nach und stießen die vorderen ins Wasser. Die Strömung würde den Rest erledigen. Einer der Männer schrie auf. Von seiner Position aus konnte er Bewegung erkennen. Zombies! Sie kamen näher. Der Kommandant richtete sein Fernglas auf die von Osten kommenden Gestalten aus. Sie waren nass. Nass und viele. Viel zu viele.

Er brüllte seine Befehle. Waffe ausrichten, Motor starten, Feuer und Rückzug. Das schwere MG ratterte los und zerfetzte die erste Angriffswelle. Der Besatzung war egal, ob sie tot oder nur verstümmelt waren. Sie brauchten nur genügend Zeit, bis die Zivilisten evakuiert waren. Der Kommandant betätigte sein Funkgerät und informierte den Leutnant. Der befahl die Stellung so lange wie möglich zu halten.

Das MG ratterte weiter für jeden gefallenen Zombie schienen zwei neue nachzukommen. Der Strom nahm zu und der Kommandant gab den Befehl zum Rückzug. Ein Schatten huschte über den Schützenpanzer hinweg und eine Feuersalve riss Reihen der Angreifer auseinander. Die Hind-Helikopter. Der Leutnant hatte die Helikopter zur Unterstützung geschickt. Feuernd zog sich der Schützenpanzer zurück, Welle um Welle folgte ihm. Am Flughafen angekommen, sahen sie die erste Maschine abfliegen und die zweite auf die Startbahn zurollen. Gottseidank, sie hatten es geschafft.

Der Schützenpanzer nahm seine Position in der Formation ein, als die Zombiehorde auftauchte. Das Gefecht dauerte zwei Stunden. Als die Munition ausging, kämpften die Männer mit ihren Händen weiter, zerschmetterten mit Gewehrkolben Köpfe und stießen Bajonette durch die Augenhöhlen in die Gehirne der untoten Angreifer. Der Leutnant saß in einem Schützenpanzer und hielt sein Funkgerät umklammert. Die beiden Flugzeuge waren über russischem Gebiet.

Abfangjäger hatten sich zu ihnen gesellt und… nein, das andere Flugzeug war explodiert. Ein Abfangjäger hatte sich hinter die Maschine gesetzt, feuerte eine Luft-Luft-Rakete ab. Die Rakete hing an ihrem Triebwerk… Die Verbindung brach ab. Von draußen kamen keine Schussgeräusche mehr. Vereinzelt hörte er noch Männer schreien, dann nur noch Stille. Das Funkgerät glitt aus seiner Hand und mit der anderen Hand zog er den Abzug seiner Pistole durch. Der Hall im Panzer war ohrenbetäubend, als sich sein Gehirn an den Wänden des Schützenpanzers verteilte.

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