Mittwoch, 5. Januar 2011

Kapitel 4

Mal wieder weg von Paul und ein globaler Überblick. Ich mag sowas in Filmen und in entsprechenden Büchern. Ist aber nur ein kurzer Überblick und mit aktuellen Pressemeldungen 'geschmückt'.

Kapitel 4

An die Presse wurden Meldungen über eine „Neue Grippe“ lanciert. Boulevardmedien sprangen dankbar darauf an und verkündeten bereits eine Rückkehr der Schweinegrippe. Daneben tauchte auch ein neues Bekennervideo der Al Qaida auf, welches natürlich konkrete Angriffsziele im Westen nannte. Die Amerikaner haben mal wieder perfekte Arbeit geleistet.

Die Bereitschaftspolizei wurde komplett kaserniert und in Gruppen auf Bahnhöfe, öffentliche Plätze und Flughäfen verteilt. Soweit möglich, wurde der Kontakt der Beamten nach draußen unterbrochen. Über einen Telefondienst wurden Angehörige mit gleichbleibendem Standardtext informiert. Man solle sich keine Sorgen machen, die Beamten befinden sich im Einsatz und der Einsatz unterliegt der Geheimhaltung. Man könne nichts zu Aufgabe und Einsatzgebiet sagen. Danke, Ende, wiederhörn. Rückfragen wurden abgewimmelt, Anfragen an die Pressestelle wurden mit Hinweis auf konkrete Terrorverdachtsmomente und laufende Ermittlungen, über die man nicht sprechen dürfe, abgewiegelt. Es lief ganz gut.

Anstehende Großveranstaltungen wie Konzerte oder Sportveranstaltungen wurden ausgesetzt, um eine Übertragung der aggressiven Virenstämme der „Neuen Grippe“ zu verhindern. Mit den Internetprovidern wurden bereits Gespräche geführt, um Netzsperren durchzuführen, bzw. bei der Löschung von kritischen Inhalten zu helfen. Der Krisenstab leistete in den ersten Wochen hervorragende Arbeit darin, die öffentliche Meinung zu manipulieren und zusammen mit den Medien ein Bedrohungsszenario aufzubauen, das bedrohlich genug erschien, den wahren Ausmaß des Schreckens allerdings nicht einmal annähernd wiedergab.

In China war die Infektion kaum mehr aufzuhalten. Obwohl die Chinesische Volksbefreiungsarmee über 2,5 Millionen Soldaten und damit über die größte Streitkraft der Welt, verfügt, war es ihr nicht möglich, die Infektion einzudämmen. Ländliche Gebiete konnten komplett isoliert werden, aber die ersten Ausbrüche in größeren Städten und Industriezentren ließ die Kapazitäten schnell an ihre Limits stoßen. Trotz der strengen Führung litt die Armee zudem unter Desertation und Befehlsverweigerung. Nicht jedem Soldaten war zu vermitteln, auf für sie unschuldige Zivilisten zu schießen. Dazu kamen noch Fehler beim vorgehen, die zur Folge hatten, dass die Ausfälle bei aktiven Verbänden überdurchschnittlich hoch waren und Soldaten teilweise gezwungen waren, ihre verwundeten Kameraden durch einen Kopfschuss zu töten. Eine fatale Fehlentscheidung des chinesischen Militärs, wie sich noch herausstellen sollte.

Über die Situation in Nordkorea war weiter nichts bekannt, obwohl es dort ebenfalls Vorfälle geben musste. Gerüchte sprachen davon, dass die Seuche in Nordkorea ihren Ursprung hatte, was die grenznahen Fälle erklären würde. Amerikanische Spionagesatelliten und Aufklärungsdrohnen fanden dafür aber keine Hinweise, oder wollten diese Hinweise zumindest nicht mit der Welt teilen. Das nordkoreanische Fernsehen sendete weiter Berichte, in denen Kim Jong-il gezeigt wurde und Frieden für alle verkünden durfte und den Sieg der demokratischen Volksrepublik Nordkorea über den kapitalistischen Süden propagierte.

Zwischenzeitlich sorgten Schleuser dafür, dass sich die Infektion von China aus in die ehemaligen Sowjetstaaten ausbreiten konnte, wo der teils desolate Zustand der Armee in manch Splitterstaat dafür sorgte, dass sich die Infektion in diesen Gebieten schneller als im straff organisierten China ausbreiten konnte. Dazu kamen mangelndes Wissen in der Führung und unkoordinierte Einsätze überforderter Truppen, die nur unzureichend in organisierter Einsatzführung geschult waren. Versuche, die verwundeten Soldaten und Zivilpersonen zu behandeln, sorgten in den eilig eingerichteten Notfallhospitälern für riesige Verluste von medizinischem Personal und Soldaten.

Russland war dagegen verzweifelt versucht, die Grenzen nach Süden und Osten komplett abzuriegeln, was aber angesichts der Länge der Grenzlinie und bestechlicher Beamter kaum möglich war. Nach strenger Medienzensur seitens des russischen Staats drangen bald keine Berichte mehr nach Westen. Auch wurden nach und nach westliche Beobachter des Landes verwiesen. Die letzten Eindrücke der Beobachter legten nahe, dass die russische Regierung in Teilen des Landes nicht mehr Herr der Lage war.

Derweil wurde von China, unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Regierung nach Hainan verlegt und die Insel zur Festung ausgebaut. Schiffe brachten Tonnen von Lebensmitteln und militärisches Gerät nach Hainan. Taiwan indes fürchtete wegen der Truppenkonzentration einen Militärschlag und bat um die Hilfe der USA, die diese verneinten und ihre Truppen aus aller Welt in die USA abzogen.

In Chinatowns rund um den Erdball kam es ebenfalls zu den ersten Infektionen. Infizierte Chinesen reisten ins Ausland, weil sie dort eine bessere medizinische Betreuung erhofften und oft im Kreise ihrer Angehörigen gepflegt wurden. Dies geschah nicht gerade zum Vorteil der Angehörigen, die ihrerseits infiziert wurden. So erlebte man in New York, lange nach Schließung der Flughäfen für Reisende aus asiatischen Ländern, eine unangenehme Überraschung, als sich auch Chinatown Gruppen Infizierter in Manhattan ausbreiteten. Die Erfahrungen in New York sorgten dafür, dass in chinesischen Siedlungen massenhaft Hausdurchsuchungen angeordnet, oder diese gleich unter Quarantäne gestellt wurden. Maßnahmen, die vielerorts zu spät kamen.

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