Sonntag, 9. Januar 2011

Kapitel 8

Kapitel 8
Paul war zu einer Sicherungsmission eingeteilt. In einem Augsburger Wohnhaus kam es zu einem Zwischenfall, als Polizisten wegen Ruhestörung gewaltsam eine Wohnung öffneten. Die ehemaligen Bewohner, russische Auswanderer, hielten sich nicht mit Förmlichkeiten auf und fielen über die Beamten her. Ein Beamter schaffte es aus der Wohnung und konnte über sein Funkgerät Verstärkung rufen. Als wir eintrafen, fanden wir das Haus bereits abgeriegelt vor. Die Hausbewohner wurden über Lautsprecher informiert, ihre Wohnung nicht zu verlassen und Beamten Zutritt zu gewähren.

Der Polizist saß auf einer Trage und wurde von Helfern verarztet. Tränen liefen seine Wangen herab. Paul wusste warum, verdrängte es aber gleich wieder. Die Aufgabe seines Zugs bestand darin, die Straße abzusichern, sicherzustellen, dass niemand rein- und vor allem, dass niemand rauskommt. Mit je fünf Beamten und zwei Hunden wurden die Straßen abgesperrt und für Autos Umleitungen eingerichtet. Darum kümmerte sich zum Glück die Streifenpolizei.

Die Männer des SEKs bereiteten sich darauf vor, das Haus zu betreten. Einer der Beamten sprach noch mit dem verletzten Streifenpolizisten, der sich trotz seines unabwendbaren Schicksals professionell verhielt und den Beamten die nötigen Details zur Lage und Zustand der Wohnung, sowie Anzahl der Angreifer gab. Dritte Wohnung, vierter Stock, fünf Individuen. Für Paul war das die bisher größte Ansammlung Infizierter. Als sich der letzte Beamte der Gruppe anschloss, betraten sie das Haus. Paul beobachtete von seiner Position aus das Haus, konnte aber nichts erkennen. Lichter gingen an und einige Zeit schien nichts zu passieren. Plötzlich Schüsse. Paul hörte eine oder mehrere MP5 im Einzelfeuer mehrmals aufbellen und Lichtblitze eine der Wohnungen kurz erhellen.

Paul fröstelte leicht und drückte seine Maschinenpistole fester an sich. Dies war sein erster Einsatz, bei dem geschossen wurde. Die Einsatzprotokolle sahen vor, dass bei Infizierten, die nicht gewaltlos überwältigt werden können, der Einsatz von Schusswaffen autorisiert ist. Bei fünf Infizierten in einer Wohnung wird die Entscheidung nicht schwer gefallen sein.

In den herumliegenden Wohnungen gingen nach und nach Lichter an und Gesichter zeichneten sich an den Fenstern ab. Gaffer. Paul hasste Gaffer. Bald würde sich die Straße mit Leuten füllen, die die Arbeit der Polizei erschweren würden. Die Show war schon wieder vorbei, aber für Gaffer würde sie jetzt erst beginnen. Für die Kollegen standen als nächstes die Aufräum- und Ermittlungsaufgaben an. Die Leichen wurden in eigens dafür vorbereitete Einrichtungen der Europäischen Seuchenkontrolle transportiert, von der Polizei eine Pressemeldung lanciert und danach ermittelt, wer mit den Leuten in den letzten Tagen oder Wochen Kontakt hatte und gegebenenfalls weitere Infektionsherde auszumachen. Außerdem sah das Protokoll vor, alle Wohnungen innerhalb des Straßenzugs zu kontrollieren und die Leute vorübergehend zu evakuieren.

Als die ersten Leute auf die Straße kamen, wurde die Lage unübersichtlich. Über Lautsprecher wurden die Personen aufgefordert, wieder in ihre Wohnungen zurückzukehren und den Besuch von Beamten abzuwarten. Einige leisteten der Aufforderung Folge und kehrten in ihre Wohnungen zurück. Eine größere Gruppe Unbelehrbarer hielt dagegen daran fest, an Ort und Stelle zu verweilen und den Beamten bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Erneut wurden die Personen aufgefordert, diesmal mit dem Hinweis, dass man gerade einen Schlag gegen Terroristen durchgeführt habe und die Lage aktuell noch nicht als sicher gilt.

Jetzt waren es nur noch wenige unverbesserliche, die direkt von Beamten zur Rückkehr in ihre Wohnungen aufgefordert wurden. Am anderen Ende des Straßenzugs gab es eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe von Jugendlichen, die sich von den Beamten nicht aufhalten lassen wollten. Ich sah den Einsatzleiter in sein Funkgerät sprechen und nicht viel später traf ein Kleintransporter der Streifenpolizei ein, in den die Jugendlichen unter Protest eingeladen wurden. Die Hunde blieben dabei ruhig, es war also von keiner richtigen Gefahrenlage auszugehen.

Als eine Stunde später der erste Bus eintraf, begannen die Wohnungsdurchsuchungen. Zuerst wurden die Leute von uniformierten Streifenpolizisten gebeten, ihre Wohnung zu verlassen. Wohnungen, in denen keiner öffnete, wurden markiert und so nach und nach der Wohnblock geleert. Beim verlassen des Gebäudes wurde mit Hundestaffeln sichergestellt, dass sich keine Infizierten darunter befanden. Nachdem das Gebäude so geleert war, begann die Arbeit der SEK-Beamten. Wohnung für Wohnung wurde durchsucht, nicht geöffnete Türen aufgebrochen und das Haus gesichert. Danach das nächste Haus, bis der ganze Straßenzug gesichert war. Während des ganzen Einsatzes kam es zum Glück zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Am nächsten Tag wurde über den Polizeieinsatz in den Medien berichtet:

Terror in Augsburg

Großeinsatz der Augsburger Polizei gegen den Terror. Ein Polizist stirbt beim Einsatz gegen russischstämmige Terroristen in Augsburger Wohngegend, ein weiterer Polizist schwebt noch in Lebensgefahr. Keine Gefahr für die Anwohner, mutmaßliche Sprengsätze von Sondereinsatzkommando entschärft. Polizeisprecher Schäfer: „Bayern bleibt sicher!“

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