Montag, 10. Januar 2011

Kapitel 9

Kapitel 9

Paul saß müde auf seinem Bett. Nach 16 Stunden auf den Beinen, wollte er eigentlich die acht Stunden nutzen, um sich auszuschlafen, doch dafür war er zu aufgeregt. Er musste erst noch die Vorkommnisse verarbeiten. Nachdem die Straße geräumt war, wurden die Särge nach unten gebracht. Es waren zwei Kindersärge darunter. Einer der Beamten bekreuzigte sich, ein anderer begann zu heulen. Darauf war man nicht vorzubereiten, auf so etwas gab es keine Vorbereitung. Am schlimmsten waren natürlich die beteiligten SEK-Beamten dran. Die wurden sofort nach dem Einsatz von einem Psychologen betreut.

Als Paul noch über den Einsatz grübelte ging die Tür auf, und einer seiner Zimmergenossen trat ein.

„Servus Paul, geht’s gut?“

„Hallo Horst, ja, passt schon, war ne lange Nacht.“

„Scheiß Einsatz, hm?“

„Ja scheiße, hör mir auf. Hast du die Kindersärge gesehn? Mir tun unsere Kollegen leid, die die Infizierten ausgeschaltet haben. Ich mein… man schießt ja nicht jeden Tag auf Kinder, auch wenn sie…“ Paul seufzte kurz und suchte nach den richtigen Worten „…auch wenn sie so Dinger sind.“

„Ich nenn sie Zombies.“

„Zombies? Komm, geh zu. Das sind keine Zombies. Das sind Kranke. Das sind tote Menschen, die…“ Wieder überlegte Paul, doch diesmal fiel ihm Horst ins Wort

„Die sich trotzdem fortbewegen und versuchen, uns zu beißen und scheiße noch eins, ich nenn sowas Zombies.“

Paul ließ sich Horts Worte durch den Kopf gehen und schwieg. Paul kannte Horst schon seit einigen Jahren. Sie hatten gemeinsam die Ausbildung durchlaufen und teilten sich seitdem ein Zimmer in der Kaserne der Bereitschaftspolizei. Paul kannte Horst als besonnen und rational denkenden Menschen. Dass ausgerechnet er jetzt mit sowas wie Zombies daherkam, überraschte Paul. Horst unterbrach Pauls Gedankengang.

„Hast du schon von Russland gehört?“

„Nein, was war denn da?“

„Nichts offizielles, aber es wird gemunkelt, dass die im Osten echte Probleme haben. Viele flüchten auch wohl nach Westen und nehmen die Infektion mit sich.“

„Meinst du die Familie in Augsburg wurde von eigenen Verwandten infiziert?“

„Kann schon sein. Das muss die Ermittlung klären. Die waren ja zu fünft, vielleicht war ihr Mörder noch mit ihnen in der Wohnung.“

„Ich hoffe es. Ansonsten bekommen wir hier wohl richtige Probleme. Die Grenzen hat man ja zum Glück dicht gemacht.“

„Ja und? Meinst du echt, die kommen nicht mehr rüber? Erde an Paul! Eine lückenlose Überwachung der Grenzen ist nicht möglich. Zumindest nicht ausschließlich mit Hilfe der regulären und der Grenzpolizei.“

Paul schwieg und ließ sich die Worte durch den Kopf gehen. Keiner war sicher. Nirgendwo. Horst setzte wieder an.

„Ich habe einen Bekannten, der sprach davon, dass die Bundesregierung plant, Rügen zu befestigen, dorthin sämtliche Notfallreserven auszulagern und die Bundesregierung behelfsmäßig dorthin zu verlagern. Dasselbe will man dann nach und nach mit anderen deutschen Inseln machen, um sichere Zonen zu schaffen.“

„Wir haben’s doch in der Hand?“

„Jetzt noch Paul. Überleg mal, was hier los ist, wenn Russland überrannt wurde. Wer soll sie dann noch aufhalten? Die Polen? Komm, mach dich nicht lächerlich.“

„Wer sollte denn Russland überrennen? Die werden das schon wieder in den Griff bekommen.“ beschwichtigte Paul.

„Ja. Und wenn nicht? Dann ist es zu spät. Glaub mir, die planen das schon. Mein Bekannter hat mir auch erzählt, dass schon diverse Notfallpläne zur Evakuierung der Bevölkerung entworfen wurden und die meisten sehen nicht gut aus.“

Wieder schwieg Paul und diesmal ließ Horst ihn mit seinen Gedanken alleine. Horst legte sich auf sein Bett, schloss die Augen und fiel gleich darauf in einen tiefen Schlaf. Sein Atmen beruhigte Paul. Langsam schlossen sich seine Augenlider und Paul fiel in einen unruhigen, von Alpträumen geplagten Schlaf.

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