Montag, 28. Februar 2011

Zwischenkapitel - Libyen-Special

Jaja, Nordafrika ist gefallen und trotzdem... die jüngsten Medienberichte über Gaddafi lassen sich nicht einfach ignorieren. Aus dem Grund gibt's heute das Libyen-Special und morgen geht's wieder weiter mit dem "normalen" Handlungsbogen.

Das traurige daran ist ja, dass man über den Mann lachen könnte, wär er nicht grad für den Tod von hunderten von Menschen verantwortlich. In meinem Universum gab es keine Unruhen. Nur Zombies. Danke an Lord Chaos aus dem Maniac-Forum für die Inspiration.

Libyen-Special

Die europäischen Truppen in Marokko wurden Ende Februar Zeuge einer seltsamen Fernsehübertragung aus dem von Zombies überrannten Libyen, bei der Revolutionsführer Gaddafi eine Rede an seine Nation hielt. Zu sehen war Gaddafi, auf einem Balkon stehend und zu Massen von Zombies sprechend, die wie zum Jubel die Hände nach ihm streckten. Die Position des Balkons war schwer auszumachen, könnte aber Teil eines befestigten Gebäudes gewesen sein.

Gaddafi hatte offensichtlich den Verstand verloren. In seiner Ansprache beschwor er seine Landsleute zur "Volksrevolution" und betonte, dass das libysche Volk hinter ihm stünde. Schuld an dem Gemetzel sei nur eine kleine Gruppe von kranken "Außenseitern", die Aufstände "kopieren" wollten, keifte er.

Die wenigen Überlebenden rief er dazu auf, am Morgen des Folgetages aus ihren Häusern zu kommen, um die Straßen zu übernehmen.

Er forderte die Bevölkerung auf: "Kämpft für Libyen."

"Ich werde Libyen nicht verlassen!" betonte er. Nein, lieber wolle er als "Märtyrer sterben".

Libyen werde nun "Haus für Haus gesäubert", kündigte der Revolutionsführer an. Die Zombies beschimpfte er als "Ratten" und drohte mit einer blutigen Niederschlagung der Untoten "ähnlich wie auf dem Tiananmen-Platz" in Peking im Jahr 1989. "Ich werde bis zum letzten Tropfen meines Blutes kämpfen."

Der Gipfel des surrealen wurde erreicht, als Applaus vom Band eingespielt wurde, und Gaddafi vor den Zombiehorden Siegesposen vollführte. Im Anschluss wurde die Ansprache stündlich wiederholt. Ein überraschendes Signal aus Libyen, wurde doch vermutet, dass Nordafrika komplett vernichtet wurde. Ein überraschendes Signal auch deswegen, weil es das erste Signal seit zwei Monaten war, das auf dem nordafrikanischen Kontinent ausgestrahlt wurde.

Das französische Militär ordnete daraufhin für den Folgetag Überwachungsmaßnahmen für alle größeren libyschen Siedlungen, sowie vermutete Bunkeranlagen an, um zu überprüfen, ob dem Aufruf Gaddafis Folge geleistet wurde. Tatsächlich kam es am Folgetag zu Gefechten mit den lebenden Toten. Vielerorts strömten Angehörige der Armee, aber auch unbewaffnete Zivilisten ins Freie, um den Kampf mit den Untoten aufzunehmen.

Gleichzeitig wurde eine neue Übertragung aufgefangen, in der Gaddafi mit einem Sturmgewehr posierend den mutigen Einsatz seiner Soldaten und libyschen Landsleute lobte und versprach, dass Libyen bis Ende der Woche von Zombies befreit sei, bevor wieder wilder Applaus einsetzte und Gaddafi demonstrativ das Sturmgewehr an die Schulter setzte. Nach einem Schnitt wurden Szenen von Straßenkämpfen gezeigt, in denen Militärverbände tatsächlich erfolgreich gegen die Untoten vorgingen und dabei waren, einen Straßenzug zu säubern.

Was die Kamera nicht zeigte und die Soldaten wahrscheinlich nicht wussten, konnten die französischen Generäle den Überwachungsdaten der Aufklärungsdrohnen entnehmen. Während der Straßenzug gesäubert wurde, strömten Tausende Zombies aus Häusern, Hallen und anderen Straßen, die von den Schussgeräuschen angelockt wurden, auf die Position der Soldaten zu. In anderen Gebieten sah es ähnlich aus, nur bei vereinzelten abgelegenen Bunkeranlagen waren die Soldaten soweit außer Gefahr, dass sie sich zurückziehen könnten, wenn sie es denn tun würden.

Einzelne Zivilisten wurden dagegen meist schnell von den Horden überwältigt und würden bald die Reihen der Untoten verstärken. Nach einer Stunde waren die meisten Kämpfe beendet und 90 % des libyschen Widerstands tot. Einige waren bereits wieder auferstanden und kehrten als Zombies ins Leben zurück. Auch die Übertragung wurde abgebrochen, als absehbar war, dass die Garnison verloren war. Einige wenige Zivilisten und Truppenteile konnten sich noch in Sicherheit bringen, als der Kontakt zu anderen Überlebenden abbrach und sie erkannten, dass der Kampf vergebens war.

Eine erneute Übertragung kündete von dem großen Sieg, den die glorreiche libysche Armee an diesem Tag erreicht hätte. Gaddafi pries Allah und wandte sich direkt an die europäischen Staaten. Erklärte, dass nur wegen der Festung Libyen der europäische Kontinent noch nicht von diesen Kranken überrannt wurde. Er erklärte, dass aufgrund der tapferen libyschen Bevölkerung die Europäer nachts noch ein Auge zumachen könnten und er, Gaddafi, Libyen zum Sieg führen werde.

In den Folgetagen wurden die Übertragungen häufiger. Es wurde Gaddafi gezeigt, der mit seinem Sturmgewehr auf Zombies schoss, ständig umringt von einer seiner Leibwächterinnen und in standesgemäßer Bekleidung mit seinen bekannten Phantasieuniformen. Nach vier Tagen änderte sich aber der Ton. Offen flehte Gaddafi die westlichen Regierungschefs um Unterstützung an, forderte sie auf, die Kinder Libyens nicht weiter hungern zu lassen. Er forderte die westlichen Machthaber auf, dass diejenigen, die den Sturm über Libyen gebracht hatten, den Sturm auch wieder von Libyen nehmen sollten.

Später verfluchte er die Amerikaner und sogleich diejenigen, deren Unterstützung er eben noch erbeten hatte. Er verfiel in einen Redefluss, keifte gegen die libyschen Schwächlinge, die den kranken Feiglingen nicht gewachsen waren. Er verfluchte den Islam, Allah und stoppte erst, als eine Kugel, abgefeuert aus dem Sturmgewehr einer seiner Leibwächterinnen, seinen Kopf durchschlug und Teile seines Gehirns im Raum verteilte. Niemand konnte jemals in Erfahrung bringen, wo Gaddafis letzter Aufenthaltsort lag. Mit Gaddafi verstummten auch die Signale. Libyen gilt weiter als schwarzer Fleck.

Kapitel 59

Kapitel 59

Als Paul am nächsten Tag in der Dienststelle eintraf, wurde er zu seinem Vorgesetzten zitiert.

„Hallo Bruno, du wolltest mich sehen?“

„Hallo Paul, ja, mach bitte die Tür zu und setz dich.“

Paul schloss die Tür hinter sich und nahm auf einem Stuhl gegenüber seinem Vorgesetzten Bruno Herling Platz.

„Was gibt’s?“

„Ich hab hier eine Mail von der internen Ermittlung. Du warst doch an dem Fall mit den Erdlans dran?“

„Ja, das war gestern. Ich bin mit meinem Bericht noch nicht fertig. In einer Stunde könnte ich ihn dir vorbeibringen.“

„Nein, das wirst du nicht. Du wirst den Bericht löschen.“

„Was? Wieso das denn?“

„Bei dieser Sache wurde Staub aufgewirbelt. Ich glaube, dass du möglicherweise schon mehr weißt, als ich. Die interne Ermittlung hat mir mitgeteilt, dass du in den Akten der beiden Täter rumgestöbert hast. Man hat mich gebeten, dir einen Maulkorb aufzusetzen. Mein Gott Paul, in was für eine Scheiße bist du da rein geraten?“

Paul war überrascht. Das war das erste mal, dass ihm ein Blick in eine Akte vorgeworfen wurde.

„Was weißt du über den Fall?“

„Ich weiß gar nichts. Ich weiß nur, dass ihr da gestern auf etwas gestoßen seid. Dass ihr Leute nervös gemacht habt und dass es sich dabei um Leute handelt, die normalerweise nicht so schnell nervös werden.“

„Welche Leute?“

„Das tut nichts zur Sache. Du wirst in der Sache nichts mehr unternehmen, das gestern ist nie passiert. Hast du mich verstanden?“

„Ja… ich glaube schon.“

„Hör mal Paul, es ist nichts Persönliches. Du hast deinen Job gemacht und du hast ihn gut gemacht. Es ist auch nichts ungewöhnliches, nach dem Einsatz die Akte der Täter zu untersuchen. Da macht dir auch keiner einen Vorwurf. Ich hab nur unmissverständliche Anweisungen erhalten und ich will nicht einen meiner besten Männer verlieren. Scheiße Paul, du hast Stuttgart überlebt, du hast als einer der ersten mit den Zs zu tun gehabt und du hast eine Explosion überlebt. Darüber hinaus bist du einfach nur ein verdammt guter Polizeibeamter. Also mach jetzt keinen Scheiß und lass die Sache ruhen.“

Paul war angesichts der lobenden Worte leicht beschämt, sah sich gleichzeitig aber auch in die Ecke gedrängt. Paul hatte von seinem Vorgesetzten mehr Rückendeckung erwartet.

„War’s das?“

„Ja. Du kannst gehen. Mach bitte die Tür hinter dir zu.“

Paul stand auf, verabschiedete sich und verließ den Raum. Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, nahm Bruno das Telefon und wählte eine Nummer.

„Hallo? Ja, ich bin’s. Ich habe mit ihm gesprochen und… ja… ja… ich glaube, er weiß etwas. Ich kenne Paul schon seit Jahren und ich bin mir sicher, dass er sich bereits darauf einen Reim gemacht hat. Er ist nicht blöd… Ja… aber nur, wenn ihr… Nein, da bin ich mir nicht sicher. Ja… haltet mich auf dem Laufenden.“

Nachdem das Gespräch beendet war, vergrub Bruno sein Gesicht in seinen Händen, atmete mehrmals tief durch und überlegte sich seine nächsten Schritte. Paul wusste bescheid, da war er sich sicher. Paul konnte die Querverbindungen zur Bundeswehr nicht übersehen haben. Bruno musste wissen, wie viel Paul wusste, musste wissen, auf welcher Seite er stehen würde, ob er ihm vertrauen könnte, ob er, wenn es darauf ankommt, loyal sein würde. Ob er, im richtigen Moment, die richtige Entscheidung treffen würde.

Bruno traf einen Entschluss. Er griff zum Telefon, wählte eine Nummer und wartete auf das Freizeichen.

„Bährer?“

„Hallo Paul, hier ist Bruno. Ich muss nochmal mit dir reden. Lass uns einen Kaffee trinken gehen, ich lade dich ein.“

Sonntag, 27. Februar 2011

Außerirdische Zombies aus Bayern

Gerade auf dem Zombieblog entdeckt und für interessant befunden:


ZFOS verbindet Heimatfilm, Zombies und Außerirdische und wirkt zumindest auf den ersten Blick wie eine schöne Hommage an das SciFi-Kino der 50er- und 60er-Jahre. Die Homepage präsentiert sich in eben jenem Look, verspricht Aufnahmen in Farbe und offeriert Infos in deutscher, englischer und bayrischer Sprache. Dass letzteres nicht konsequent in allen Ebenen durchgezogen wird, sei verziehen.

Mir drängt sich bei dem ganzen so a bisserl der Name "Ed Wood" auf und hoffe, dass die Macher gekonnt mit den B-Film-Motiven spielen, anstatt diese zu platt oder unfreiwillig zu präsentieren.

Anhand des Trailers lässt sich da noch nicht so viel ableiten, aber interessant wirkt es allemal:


Hier noch der offizielle Pressetext:

Masskrug vs. Untertasse,

60 Jahre nachdem amerikanische Kinos unzähligen Invasionen Ausserirdischer ausgesetzt waren, versucht ein niederbayrisches Filmteam einen erneuten Angriff auf die Lichtspielhäuser. Nur diesmal bleiben Los Angeles und Washington DC erstmal verschont.

Zombies from outer Space wird der erste Science-Fiction-Horror-Heimatfilm aller Zeiten. Der Streifen vermischt die beiden Filmgenres, deutscher Heimatfilm und amerikanischer Science-Fiction-B-Movie, zu einem explosiven Unterhaltungs-Cocktail. In dem Film versuchen Außerirdische mittels eines skurrilen Planes die Menschheit auszurotten, um neuen Lebensraum zu schaffen und das ausgerechnet im amerikanisch besetzten Bayern der 50er Jahre.

Die Idee zum Film entspringt der Landshuter Independent-Filmschmiede "Fear4You" welche sich zum Ziel gesetzt hat, den Charme der Filme dieser Zeit neu aufleben zu lassen. 2011 wird der Heimat-Shocker seine Premiere feiern. Aktuelle News und Infos unter:

Books of the Dead - Eden

Eden

In Eden ist die Zivilisation am Ende. Die Überlebenden haben sich in urbane Festungen zurückgezogen und versuchen, in einer von Zombies bevölkerten Welt zu überleben. Hohe Mauern bieten den Überlebenden Schutz. Theoretisch wenigstens, denn bereits zu Beginn des Buchs stehen gefräßige Zombies im Schlafzimmer des Hauptdarstellers und zwingen ihn, um sein Leben zu kämpfen.

Tony Monchinski, der als Autor den fiktiven Tommy Arlin vorschiebt, weiß den Leser schon zu Beginn zu packen und ihn erst wieder loszulassen, wenn die letzte Seite zwischen den Fingern durchgleitet.

Die Erzählstruktur ist dabei eher ungewohnt. So erscheinen die Kapitel anfangs zusammenhanglos und keiner bestimmten Zeitlinie angehörig. Erst nach und nach ergeben sich für den Leser zahlreiche Aha-Momente und ein stabiles Storygerüst. Die Zombieregeln orientieren sich dabei eigentlich an den klassischen Romero-Vorgaben, werden aber um einen schnelleren Zombietyp erweitert. Das ist aber auch für Puristen wie mich noch durchaus noch im Rahmen.

Gleichzeitig muss ich zugeben, dass Eden für die Entstehung meiner Geschichte essentiell war und mir den letzten Anstoß gegeben hat, eine eigene Geschichte zu erzählen.

Die Handlung hat zwar ein abgeschlossenes Ende, trotzdem lässt uns das Buch mit einem halb offenen Ende zurück. Ein Ende, das im englischsprachigen Raum mit Crusade bereits eine Fortsetzung fand. Hoffen wir, dass Heyne den Nachfolger bald auch nach Deutschland bringt. Apropos Heyne: 15 Euro fürs Taschenbuch sind ein stolzer Preis, wer gut geschriebene Zombieromane mag, sollte das Geld aber investieren.
Davon ab verdient die Story fünf von fünf zerstückelten Zombies. Tony Monchinski sitzt nach eigener Aussage derzeit übrigens schon am dritten Band, bzw. hat diesen fertig gestellt.


Hinweis: Teile dieses Texts habe ich bereits als Kundenrezension auf Amazon veröffentlicht

Kapitel 58

Kapitel 58

Für das Treffen mit Horst hatte Paul einen öffentlichen, gut frequentierten Ort auserkoren. Natürlich war ein Kino prinzipiell ein schlechter Ort, um Neuigkeiten auszutauschen, aber ein guter Ort, wenn man nicht will, dass andere mithören. Paul nahm zwei Karten für ganz vorne links, der Film war egal, also fiel die Wahl auf den, der als nächstes laufen würde. Da nur noch sporadisch neue Filme erschienen, wurden vielerorts Klassiker wieder in die Kinos gebracht, oft um digitalen Firlefanz erweitert, um Fans des Films einen Anreiz zu bieten.

Die Wahl fiel auf Dawn of the Dead, das Original von George Romero - digital remastered und mit neuen, digitalen Special Effects. In 3D. Paul konnte es kaum erwarten zu sehen, wie ein Schraubenzieher in 3D und mit tollen neuen Special Effects in das Auge eines Untoten gestoßen wird, nahm dann aber trotzdem die Karten, weil der Film als nächstes anlief und er ohnehin keine Zeit haben würde, sich auf den Film zu konzentrieren. Dazu gab es viel zu viel zu besprechen.

Als der Film startete, begann Paul Horst über die jüngsten Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Paul hörte aufmerksam zu, stellte gelegentlich Fragen, hakte bei dem einen oder anderen Fakt nochmal nach und versuchte über den Lärm des Films hinweg Paul Erläuterungen zu folgen. Als die Überlebenden das erste Mal auf Erkundungstour durch das Einkaufszentrum gingen, war Paul gerade mit seiner Erzählung durch.

„Ja, ich hab schon gehört, dass bei der Bundeswehr irgendwas nicht richtig läuft. Meine Kontakte berichten mir, dass viele mit der momentanen Führung nicht einverstanden sind, dass das Militär mehr Kompetenzen will und dafür die Kompetenzen der Polizei einschränken möchte. Es scheint auch, dass solche Aktionen mitunter von teilweise weit oben genehmigt oder zumindest toleriert werden.“

„Hast du denn schon etwas zu dieser Geschichte gehört?“

„Nein, zu der Geschichte jetzt noch gar nichts. Dass die Kommandos los schicken, war selbst mir neu.“

„Kommandos? Also für mich klangen die beiden eher wie zwei traumatisierte Häufchen Elend.“

„Ja, Kommandos ist vielleicht das falsche Wort. Aber die Waffen müssen sie ja irgendwoher haben, die werden normal jeden Abend einkassiert. Hast du was mitbekommen bezüglich der Seriennummer?“

„Ach, verdammt, das hab ich vergessen. Ist ja normalerweise Sache der Ermittler. Die beiden Täter waren aber jeweils mit einer P8 bewaffnet. Würde mich nicht wundern, wenn die Seriennummer ausgeätzt worden ist, oder die Waffen nicht registriert sind.“

„Geht mir genauso. Aber dafür braucht man jemand mit Einfluss. Deswegen sag ich auch ‚Kommando‘. Auch wenn sie nicht explizit ausgesendet werden, machen sie das, was sie machen, doch mit Billigung eines höheren Dienstgrads, der die Männer mit Waffen, Munition und der nötigen Vernetzungstechnik versorgt.“

„Das wär ja ein großes Ding. Aber das hieße ja, dass Führungspersonal der Bundeswehr den Mord an unschuldigen Zivilisten toleriert. Dass bewusst der Tod von Unschuldigen in Kauf genommen wird.“

„Das heißt vielleicht sogar, dass innerhalb der Bundeswehr die Tatsachen falsch wiedergegeben werden, dass man unschuldige Personengruppen für die Katastrophe verantwortlich macht.“

„Mein Gott, das könnte einen zweiten Holocaust auslösen.“

„Na, jetzt lass mal die Kirche im Dorf. Soviel Idioten kann doch nicht mal die Bundeswehr aufbieten.“

„Was will man denn dann damit bezwecken?“

„Keine Ahnung. Die Moral der Truppe festigen, durch ein klares Feindbild? Unruhe stiften, um die Kompetenz der Polizei zu untergraben?“

Auf der Leinwand sind die Darsteller gerade dabei, das Einkaufszentrum zu säubern und sich darin häuslich einzurichten. Ein Kopf explodiert in 3D und digital nachbearbeitet. Paul schüttelte sich und wandte sich wieder Horst zu.

„Und dann? Militärputsch?“

„Ach komm Paul, den Militärputsch haben wir schon hinter uns.“

„Wie würdest du das dann nennen?“

„Kompetenzgerangel vielleicht? Ach, was weiß ich, keine Ahnung. Fakt ist, dass es kriselt und wir mittendrin stecken. Wenn’s zur Konfrontation kommt, sitzen wir am kürzeren Hebel.“

„Du sprichst von Bürgerkrieg?“

„Ja, das käme eher hin. Aber ehrlich: mir ist es scheißegal, wer da oben die Befehle gibt. Solange es eine unrechtmäßige Regierung ist, ist es eine unrechtmäßige Regierung. Nur weil ich Polizist bin, schlägt mein Herz nicht für den Innenminister. Ich habe meinen Eid auf das Grundgesetz und die bayrische Verfassung geleistet und momentan scheißen die auf unser Grundgesetz. Achja, ich weiß nicht, ob du’s schon gehört hast, aber das Bundesverfassungsgericht ‚pausiert‘ momentan. Mit anderen Worten: wurde faktisch aufgelöst.“

Paul bedeutete Horst, seine Stimme zu senken. Von hinten kamen bereits Beschwerden von Kinobesuchern und ein, zwei Leute schauten die beiden verdutzt an. Die restliche Zeit schwiegen sie und schauten den Film zu Ende. An einigen Stellen musste Paul lachen. Wer das wahre Grauen erlebt hat, kann über Filmzombies nur noch lachen.

Samstag, 26. Februar 2011

Books of the Dead - Stolz und Vorurteil und Zombies

Stolz und Vorurteil und Zombies

Zu diesem Buch kann ich gar nicht so viel schreiben, weil ich nicht weit gelesen hab. Deswegen zitier ich mal aus dem Wikipedia-Artikel:

"Großen Erfolg in den USA und Großbritannien hat eine Parodie des Romans [Stolz und Vorurteil], die der Autor Seth Grahame-Smith 2009 unter dem Titel Pride and Prejudice and Zombies veröffentlichte. Das Mashup behält Austens Roman weitgehend bei, reichert ihn aber mit Elementen moderner Zombieromane an und macht aus den Bennett-Schwestern fünf kampfstarke Schwertkämpferinnen. Das Buch erreichte Platz drei der Bestsellerliste der New York Times und wurde auch in England positiv besprochen"

Das zeigt auch gleich, wo meiner Meinung nach das Problem liegt. Ich kann dem Schreibstil nichts abgewinnen, es langweilt mich, Diskussionen junger Frauen des 19. Jahrhunderts über heiratsfähige Männer zu folgen, auch wenn diese aufgrund der Zombieseuche selten werden. Neben heiratsfähigen Männern wird noch über Familien, deren Ruf und deren Einfluss sinniert und nebenbei immer wieder mal ein paar Leute gefressen und Zombies abgeschlachtet.

Irgendwie klingt das jetzt natürlich interessant, aber ich wurde einfach nicht warm damit.

Dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Begonnen hab ich das Buch letztes Jahr im Türkeiurlaub. Erhofft hab ich mir witzige, leicht lesbare Urlaubslektüre. Mit Zombies.

Bekommen hab ich ein Buch, das aufgrund der absurden Situation tatsächlich witzig sein könnte, nur leicht lesbar war es nicht. Neben der Story scheint nämlich auch der Schreibstil direkt aus dem 19. Jahrhundert zu stammen.

Eine Bewertung spar ich mir, weil ich möglicherweise der Genialität des Buchs nicht gerecht werde. Wer sich selber ein Urteil bilden will, der bekommt dazu die Gelegenheit.

Ich verlose hiermit mein Exemplar des Buchs.

Um zu gewinnen, hinterlasst einen Kommentar unter diesem Eintrag. Sobald zehn Einträge erreicht sind, exklusive meinen oder doppelten, verlos ich das Buch. Also in grob geschätzt zehn Jahren.

Kaufen kann man das Buch natürlich auch.

Books of the Dead - Zombie Survival Guide

Der Zombie Survival Guide

Max Brooks zum zweiten. Neben World War Z definiert der ZSG für mich das Genre, die Regeln und die Rahmenbedingungen. Man könnte auch den Eindruck gewinnen, dass Max Brooks sich mit dem ZSG selber den Rahmen für das folgende WWZ gesetzt hat, sein Regelwerk in Form eines fiktiven Ratgebers.

Max Brooks beantwortet in dem Buch wichtige Fragen. Fragen wie die, welche Waffen bevorzugt mit sich geführt werden sollten, welche Fortbewegungsmittel im Fall der Fälle am wenigsten Aufmerksamkeit auf sich ziehen und worauf man bei der Wahl seiner Unterkunft achten sollte.

Der Zombie Survival Guide beantwortet also Fragen, die sich außer Nerds wie mir bisher kein Mensch gestellt hat und schafft es dabei, unterhaltsam zu bleiben und dem Leser den einen oder anderen Grinser zu entlocken.

Abgerundet wird das Werk durch eine Sammlung von Kurzgeschichten, die angeblich dokumentierte Angriffe protokollieren und einen schönen Übergang zum Nachfolgewerk WWZ bilden.

Trotz allem offenbart sich das Buch natürlich nicht den Lesern, die von einem Buch nur unterhalten werden wollen. Dazu ist die Thematik zu speziell, zu theoretisch und zu trocken für den Durchschnittsleser.
Aus dem Grund gibt's auch nur drei von fünf herausgerissenen Augenäpfeln.

Die dokumentierten Angriffe gibt es übrigens auch in Comicform. Da es nur wenig Text zu lesen gibt, eignet sich die preiswertere englische Ausgabe auch für Leute, deren englisch nicht so gut ausgebildet ist.

Auf Youtube findet sich neben vielen, den ZSG referenzierenden Ratgebervideos, auch eine englische Text to Speech-Version:

 




Books of the Dead - World War Z

Wer gern Zombiegeschichten liest, hat neben diesem Blog eine große Auswahl an gelungenen und teils weniger gelungenen Büchern zum dieser Thematik.

Es wär auch gelogen, würd ich behaupten, dass ich mich nicht vom einen oder anderen Buch habe beeinflussen lassen. Aus dem Grund möchte ich hier nach und nach einige Werke vorstellen, die ich die letzten Monate gelesen habe.


World War Z (Deutscher Titel: Operation Zombie - Wer länger lebt, ist später tot)

Mit World War Z hat Max Brooks das Werk abgeliefert, an dem ich und alle Autoren sich messen lassen müssen. World War Z ist das ultimative Buch zum Thema Zombie und ohne Zweifel mein größter Einfluss.

In World War Z beschreibt Max Brooks, übrigens der Sohn von Mel Brooks, anhand fiktiver Interviews den Ausbruch einer globalen Zombieapokalypse. Die Interviews sind packend, die Darstellung der Gegebenheiten plastisch, sowie realistisch (natürlich im Kontext) dargestellt und die Ausbreitung chronologisch aufgearbeitet.

Legendär ist die Schlacht um Yonkers, die den Höhe- und Wendepunkt des Kriegs darstellt und viele Künstler inspiriert hat.

Daneben stellt Max Brooks in dem Buch die Regeln auf, die ich in meiner Geschichte auch befolge. Zombies sind langsam, Zombies sind tot und der Zombievirus springt nicht auf Tiere über. Zombies sind unnachgiebig, bilden keine Supermutanten und Zombies sind dumm, womit er sich etwas von seinem großen Vorbild Romero entfernt, der sich etwas in seiner Idee verlaufen hat, dass Zombies sich teilweise an ihr altes Leben erinnern können.

Dazu liest sich das Buch super spannend, super flüssig und extrem packend. Möchte man dem Buch unbedingt etwas vorwerfen und Korinthenkackerei betreiben, könnte man evtl. noch kritisieren, dass viele Sachen unausgesprochen bleiben, dass einiges angeschnitten, aber nicht zu ende gebracht wird.

Eine Verfilmung lässt leider weiter auf sich warten, zumindest in englischer Sprache gibt's das Buch aber als packendes Hörspiel mit unter anderem Mark Hamill, der sich seit seiner Rolle als Luke Skywalker in Star Wars, mittlerweile als begehrter Sprecher verdingt.

Als Referenz verdient das Buch natürlich fünf von fünf abgetrennten Zombieköpfen














Kapitel 57

Kapitel 57
Als die Kollegen und ein Notarzt eintrafen, war die Situation bereits unter Kontrolle. Anhand der mitgeführten Ausweise konnten Martina und Paul die beiden als Robert Sedelmeier und Fritz Wegner identifizieren. Fritz heulte noch immer wie ein Schlosshund, beteuerte mehrmals, dass er das nicht tun wollte, aber es halt sein musste, während Robert scheinbar in Agonie verfallen war und gar nichts mehr sprach.
Als die Ermittler eintrafen, wurden Martina und Paul verhört und gaben alles Gehörte zu Protokoll. Die Ermittler notierten sich von Zeit zu Zeit einen Teil der Aussagen, befragten anschließend die Familie und zogen sich dann mit den beiden Tätern zurück. Nachdem es für Martina und Paul auch nichts mehr zu tun gab, fuhren sie zurück zum Präsidium, um ihr Protokoll fertig zu machen. Eine lästige Pflicht, die trotz erweiterten Kompetenzen und Rechten immer noch nötig war.
„Woher wussten die, dass die Familie krank war?“
Martina sprach quasi Pauls Gedanken aus.
„Keine Ahnung. Ich  hab auch schon überlegt. Ich denke, den Arzt und die Kollegen können wir ausschließen. Die wissen ja, was es mit der Infektion und den Zs auf sich hat. Vielleicht der Apotheker?“
„Welcher Apotheker?“
„Na, der Mann wird doch mit Sicherheit Medikamente besorgt haben. Vielleicht hat der was weitergegeben?“
„Hm, ja, kann schon sein. Vielleicht folgt auch jemand den Ärzten, die bei den Leuten die Tests durchführen.“
„Nein, das glaub ich nicht. Die wechseln ja täglich.“
„Ja schon, aber die fahren immer vom Präsidium aus mit den Kollegen.“
„Also ich bin mir schon sicher, dass unseren Kollegen ein auf fast leerer Straße nachfolgendes Auto auffallen würde. Meinst du nicht?“
„Ja, gut, stimmt schon. Aber sonst gibt’s ja nicht mehr viel, oder? Die werden ja kaum auf der Straße rumlungern, um dort ihre Opfer aufzugreifen.“
„Nein, das glaube ich auch nicht. Ich glaube sogar, dass die recht organisiert vorgehen. Anders ist doch nicht zu erklären, dass in mehreren Stadtteilen oder sogar Städten fast zeitgleich die Morde stattfinden.“
„Das stimmt.“
In der Dienststelle angekommen fahren beide ihre Rechner hoch. Paul wollte noch die Personaldaten der beiden Männer überprüfen, bevor diese von den Ermittlern gesperrt würden. Beide Männer dienten momentan bei der Bundeswehr und beide waren in Stuttgart. Das erklärte wenigstens, woher die beiden ihre Waffen hatten und wo sie mit den Infizierten in Berührung gekommen sind. Paul stöberte weiter in Sedelmeiers Akte und fand dort auch den Verweis auf den Bruder.
Sein Bruder war in den Kämpfen um Stuttgart gefallen, war im inneren Verteidigungsring und fiel innerhalb der ersten Stunden. Seine Leiche konnte nur noch anhand der Erkennungsmarken identifiziert werden. Der Kopf wurde von einer Kugel zerfetzt, große Teile seiner Haut und das die Knochen bedeckende Fleisch und Sehnen fehlten, waren gefressen worden. Roberts Bruder musste einen grausamen Tod gestorben sein, bis er sich selber verwandelte und seinerseits Jagd auf die Lebenden machte.
Ein tragischer Vorfall, aber davon gab es in Stuttgart tausende. Langsam dämmerte es Paul. War das möglicherweise eine Verschwörung innerhalb der Bundeswehr? Rächten sich hier Soldaten für gefallene Kameraden? War deshalb die Gruppe so gut vernetzt und operierte man deshalb so organisiert? Paul öffnete Fritz‘ Akte und suchte nach weiteren Hinweisen. Fritz war mit Roberts Bruder in einer Kompanie und ebenfalls im inneren Ring eingesetzt. Zusammen mit Roberts Bruder waren sie für die Verteidigung des Hauptgefechtstands eingeteilt.
Fritz konnte sich retten, indem er sich in einen Schützenpanzer rettete und dort drei Tage lang ausharrte. Die ersten Minuten hörte er noch die Schreie seiner Kameraden, danach kehrte Ruhe ein, nur immer kurz unterbrochen, wenn einer der Zombies mit dem Panzer zusammenstieß. In dem Schützenpanzer war die Ausrüstung mehrerer Kameraden, aus denen er sich Nahrung und Wasser entnahm. Nach drei Tagen rückte der äußere Ring vor und befreite Fritz aus seinem Versteck.
Gerade als Paul weitere Querverbindungen überprüfen wollte, hatte er auf die Datensätze keinen Zugriff mehr. Scheinbar waren die Akten als vertraulich eingestuft und damit nur den Ermittlern zugänglich gemacht worden. Paul hatte inzwischen aber genug gelesen. Er musste unbedingt mit Horst sprechen. Zuvor informierte er noch Martina über das, was er herausgefunden hatte und über seine Schlussfolgerungen. Martina schien ungläubig, aber Paul wusste, dass sie ihm glauben würde.

Freitag, 25. Februar 2011

Kapitel 56

Kapitel 56
Es war offensichtlich, dass etwas faul war. Paul verabschiedete sich und die Türe wurde wieder zugedrückt. Wieder wurde Paul durch den Türspion beobachtet. Um kein Misstrauen zu erwecken, ging Paul ein halbes Stockwerk nach unten, bevor er über Funk seine Kollegin rief. Kurz darauf stand sie neben ihm. Ihre Jacke hatte sie im Auto gelassen und stand nur mit Sweatshirt im Flur. Zusammen gingen sie hoch vor die Tür der Erdlans und horchten.
Paul war sich sicher, dass sich niemand hinter der Tür aufhält und zog seinen Türöffner aus der Tasche. Nachdem Martina die Tür mit ihrer Dienstwaffe gesichert hatte, setzte Paul den Türöffner an. Mit einem Knallen brach das Schloss und öffnete die Tür für die zwei Beamten. Jetzt zog auch Paul seine Dienstwaffe. Der Flur war leer, mehrere Türen zweigten in Räume ab, doch nur in einem brannte Licht. Paul war sich nicht sicher, ob das Brechen des Schlosses die Männer alarmiert hatte und beschloss, vorerst so leise wie möglich vorzugehen.
Mit einem Finger vor dem Mund bedeutete er Martina, möglichst leise zu sein. Die deutete auf das Schloss und zuckte mit den Schultern, aber Paul wiegelte ab. Sollte es nur eine kleine Chance geben, die Täter auf frischer Tat zu überraschen, wollte er sie nutzen. Das Geräusch des brechenden Schlosses war zwar laut, aber jetzt nicht so laut, dass sie auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregen würde. Ein lauter Fernseher konnte das Geräusch schon übertönen, nur lief hier kein Fernseher.
Langsam drangen die beiden in die Wohnung vor. Paul gab Martina zu verstehen, die beleuchtete Tür zu sichern, während er die dunklen Räume nach möglichen Gefahren absuchte. Die Räume standen leer und verbargen auf den ersten Blick auch keine Gefahren.  Paul und Martina näherten sich der Wohnzimmertür und bemühten sich, keinen verräterischen Schatten zu werfen. Hinter der Türe war alles leise. Der Türrahmen zeigte keine verräterischen Schatten. Paul nahm den Türgriff in die Hand, drückte ihn nach unten und schwang die Tür mit einem Ruck auf.
Als die Tür offen war, blickten Martina und Paul in die Mündung einer Pistole. Eine weitere Pistole war auf den Kopf eines fünfjährigen Mädchens gerichtet. Die restliche Familie saß gefesselt und geknebelt auf dem Boden am Ende des Raums. Paul benötigte nur den Bruchteil einer Sekunde die Situation zu erfassen. Seine Waffe richtete sich auf den Mann, der die Waffe auf die Beamten richtete und Martina nahm im fast genau gleichen Moment den Geiselnehmer ins Visier.
„Polizei! Waffe runter!“
„Scheiße, nein, verschwindet. Wir müssen das hier durchziehn und ihr werdet uns nicht daran hindern!“
„Ich sagte: Waffe runter!“
„Und mein Partner hat gesagt: nein! Haut ab, oder ich blas der Kleinen vor euren Augen das Hirn raus!“
„Was soll das hier?“
Martinas Stimme überschlug sich beim Versuch, angesichts der Situation energisch zu klingen.
„Was das hier soll?“
Die Stimme des Manns nahm einen hysterischen Tonfall an.
„Ich sag euch, was das hier soll. Diese verdammten Affen verbreiten hier im Land die Infektion und keiner von euch Bullen tut etwas dagegen. Deswegen nehmen wir das jetzt in die Hand. Ich habe in Stuttgart Freunde verloren. Mein Bruder wurde bei lebendigem Leib aufgefressen und wir konnten nur die Hälfte von ihm beerdigen, den Rest hat einer dieser Affen hier gefressen. Schaut sie euch doch an, die haben doch schon die Symptome. Die werden wie die anderen und haben es hier eingeschleppt. Wir nehmen euch doch nur die Arbeit ab.“
Seine Stimme wurde immer hysterischer, Spucke lief über seine Lippen und an seinem Kinn herab. Paul wartete auf eine Gelegenheit, einen Moment der Unachtsamkeit, aber trotz seines Gefühlsausbruchs behielt er Paul im Auge.
„Hätte ihr Bruder das gewollt?“
„Was?“
„Hätte ihr Bruder gewollt, dass sie Unschuldige töten. Dass sie Kinder töten?“
„Lasst meinen Bruder da raus! Der ist tot, getötet von diesen Affen!“
„Ihr Bruder wurde nicht von dieser Familie hier getötet und diese Familie wird auch niemanden töten.“
„Nein, das wird sie sicher nicht, weil wir das verhindern werden.“
„Hören sie! Diese Familie ist nicht infiziert. Unsere Kollegen haben Tests durchgeführt und die waren negativ. Diese Familie ist NICHT infiziert!“
„Einen Scheißdreck sind die. Sie zeigen die Symptome, sie sind infiziert!“
„Ich wiederhole mich: nein, diese Familie ist nicht infiziert. Ihr Bruder war infiziert. Ihr Bruder war einer von diesen… Kreaturen!“
„Nein… ich…“
„Verdammt Robert, lass dich nicht ablenken. Die wollen dich nur verwirren!“
„Halt die Klappe Fritz.“
Roberts Augen gingen einen Moment weg von Paul und widmeten sich einen Sekundenbruchteil seinem Komplizen. Ein kurzer Moment, den Paul zu nutzen wusste. Mit einem schnellen Schritt trat er von der Mündung weg und gleichzeitig einen Schritt nach vorne. Noch im Schritt griff er mit einer Hand nach der Waffe in der Hand des Täters und riss sie nach oben. Ein Schuss löste sich aus der Waffe und schlug in die Decke ein.
Paul riss an der Waffe und benutzte die andere Hand, um Robert einen Schlag zu versetzen. Die Waffe in der Hand verstärkte den Schlag und schleuderte Robert zurück. Die Waffe verblieb in Pauls Hand. Paul richtete seine Waffe auf Robert, der das Signal verstand und am Boden liegen blieb. Blieb nur noch einer.
„Jetzt nehmen sie bitte auch noch die Waffe weg und wir kommen hier alle lebend raus.“
„Scheiße. Ihr legt mich doch um, wenn ich sie laufen lasse. Außerdem ist keinem geholfen, wenn die hier nicht draufgehen. Dann war alles umsonst. Es gibt noch soviel zu tun, wir sind doch noch lange nicht fertig.“
Er drückte die Augen zusammen und ließ die Waffe sinken. Sein Griff um das Mädchen lockerte sich und gab sie schließlich frei. Als die Waffe aus seiner Hand glitt, beeilte sich Martina den Mann mit den Handschellen zu fesseln, der dies ohne Gegenwehr zuließ. Paul verfuhr mit dem anderen Täter genauso und beobachtete beide, während Martina begann, die Familie von ihren Knebeln und Fesseln zu befreien.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Kapitel 55

Kapitel 55
Seit einigen Tagen beschäftigt die Polizei eine neue Welle der Gewalt. Scheinbar wahllos werden Menschen getötet, die Köpfe abgetrennt und nicht selten noch an Ort und Stelle zertreten oder zertrümmert. Am grausigsten war der Fund einer Familie mit drei Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren, die allesamt enthauptet wurden. Die Köpfe wurden anschließend mit stumpfen Gegenständen zertrümmert und auf offener Wiese liegengelassen.
Die Morde geschehen voneinander unabhängig, weisen zwar manchmal das gleiche Täterprofil auf, treten aber zu gleichen Zeiten an unterschiedlichen Orten auf. Die Ermittler gehen von einer Bande aus, die gezielt Jagd auf Menschen macht. Spuren der Infektion konnten nicht nachgewiesen werden, weder vor, noch nach dem Mord. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass alle Ermordeten unter einer Grippe oder grippalem Infekt gelitten hatten.
Die Morde geschahen bundesweit, waren in der Ausführung ähnlich und trafen vor allem Menschen und Familien mit südländischen oder osteuropäischen Wurzeln. Als Folge dessen wurde angeordnet, gefährdete Personengruppen unter Polizeischutz zu stellen, bzw. diese verdeckt zu überwachen, um der Täter habhaft zu werden. Paul war zusammen mit seiner Kollegin Martina Stürmer zu einer Observation eingeteilt. Sein Auftrag lautete, Familie Erdlan zu beschützen.
Khalil Erdlan, der Vater der Familie, hatte sich heute um kurz nach acht wegen Grippe beim Arzt gemeldet. Der durchgeführte Schnelltest bei ihm und seiner Familie verlief negativ, die anschließende Untersuchung ergab einen derzeit grassierenden grippalen Infekt bei allen Familienmitgliedern. Das Opferprofil stimmte zu 100 Prozent überein.
Paul saß mit seiner Kollegin in zivil in einem vor dem Haus geparkten  Wagen aus deutscher Produktion. Ein heißer Becher Kaffee wärmte die beiden von innen und hielt sie wach. Martina war drei Jahre jünger wie Paul, trug eine enge, die Figur betonende Jeanshose, ein bequemes Sweatshirt und darüber einen warmen Mantel. Obwohl es langsam wärmer wurde, konnte es nachts noch richtig zapfig werden.
Paul genoss die Zeit mit Martina. Martina hatte ein unbeschwertes Gemüt, war unkompliziert  und der Kumpeltyp zum Pferdestehlen. Daneben sah sie mit ihren blonden Haaren und der trainierten Figur auch noch gut aus. Wäre es nicht einer seiner eisernen Grundsätze mit Arbeitskolleginnen nichts anzufangen, hätte er sie eventuell schon einmal angesprochen. So verhielt er sich aber leicht distanziert und respektvoll. Martina gefiel das.
Inzwischen waren schon drei Stunden vergangen. Die Sonne hatte sich bereits vor zwei Stunden verabschiedet und es war richtig kühl im Auto geworden. Leise unterhielten sich die beiden Beamten, nicht ohne die Tür und die Wohnung aus den Augen zu lassen. Leute kamen, Leute gingen, nichts deutete auf etwas Ungewöhnliches hin. Die  Nacht war ruhig und die bald einsetzende Ausgangssperre würde die restliche Nacht noch ruhiger werden lassen.
Als zwei Männer das Haus betraten, fand Paul daran nichts Außergewöhnliches. Die Männer lachten und schienen sich gut zu kennen. Sie traten ins Treppenhaus, das Licht flammte auf und Paul sah die beiden durch die Fenster im Treppenhaus nach oben laufen. Im vierten Stock kamen sie nicht an und im dritten Stock lag die Wohnung der Erdlans. Paul lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Wohnung der Erdlans. Ein Licht ging an, wahrscheinlich im Flur. Hatte man die Männer erwartet?
Paul informierte Martina über seine Beobachtungen.
„Ja, die beiden sind mir vorhin auch schon aufgefallen. Meinst du, die wurden erwartet?“
„Keine Ahnung. Ich schau mir das mal an. Ich lass das Funkgerät auf senden.“
Paul verließ den Wagen und ging zum Haus. Ein kalter Wind fuhr über sein Gesicht und ließ ihn frösteln. Als er den Hausflur betrat, blieb die kalte Nachtluft draußen. Paul drückte den Lichtschalter, um zu vermeiden, dass das Licht plötzlich weg war, und ging nach oben. Das Haus war still, es gab keine Anzeichen einer Gewalttat. Im dritten Stock angekommen, horchte er an der Tür. Nichts. Gerade als er wieder zurück ins Auto gehen wollte, hörte er ein gedämpftes Stöhnen. Paul erstarrte.
Vorsichtig lehnte er seinen Kopf an die Tür und horchte konzentriert auf Geräusche. Jetzt hörte er zwei Stimmen, die sich leise unterhielten, daneben wieder ein gedämpftes Stöhnen wie durch Watte. Paul wollte auf Nummer sicher gehen und klopfte an der Tür. Keine Reaktion. Paul klopfte erneut, diesmal energischer und betätigte zusätzlich die Klingel. Paul hörte Schritte, die sich der Tür näherten und sah kurz darauf, dass er von innen durch den Türspion beobachtet wurde.
Paul setzte sein nettestes Lächeln auf.
„Hallo? Ist jemand daheim? Ich hätte mich gern mit ihnen unterhalten. Hallo? Ich sehe doch, dass sie daheim sind. Es ist wirklich wichtig.“
Von innen wurde die Türkette eingehängt und die Tür einen Spalt geöffnet. Ein Gesicht erschien in der Tür und Paul meinte darin einen der Männer zu erkennen, die kurz zuvor das Haus betreten hatten.
„Was gibt’s denn so wichtiges?“
„Hallo, mein Name ist Bährer. Ich hätte bitte gern Herrn Erdlan gesprochen.“
„Ja, das bin ich. Was gibt’s?“
„Hahaha, Entschuldigung, ich hätte bei dem Namen eher an jemand mit südländischem Aussehen gerechnet.“
„Jaja, schon gut, das hör ich öfter. Was gibt’s?“
„Ach, das würde ich gerne mit ihnen in ihrer Wohnung besprechen.“
„Tut mir leid, das geht nicht. Guten Abend.“
„Halt, warten sie. Es ist wirklich wichtig. Sie haben mich doch extra angerufen.“
„Hab ich das? Ach ja, stimmt, hab ich. Weswegen hab ich sie gleich wieder angerufen?“
„Na, sie wollten, dass ich mir ihre Wohnung anschaue.“
„Tut mir leid, das geht jetzt nicht mehr. Guten Abend."
"Ja, guten Abend."

Mittwoch, 23. Februar 2011

Michael Bay vs. Zombies

Was kommt dabei heraus, wenn sich ein Michael Bay der Zombiethematik annimmt? 

Ein episches, emotionales Spektakel? Endlich eine Verfilmung von World War Z, dessen Schicksal momentan ja immer noch ungewiss ist, oder eine Materialschlacht mit Robotern? 

Natürlich letzteres. 

Zombies vs. Robots nennt sich das angehende Spektakel, wie auf Cinema.de nachzulesen ist. 

Das ganze basiert wohl auf einem Comic und irgendwie hab ich das Gefühl, dass der Film scheiße werden könnte. Oder ganz großes Kino. Obwohl... nein, eher nicht.

Kapitel 54

Kapitel 54
Gelangweilt sitze ich im Meetingraum und folge den Ausführungen des Projektleiters. Mit dem Beamer werden Seiten einer Präsentation an die Wand geworfen, die vorab auch ausgedruckt an die Teammitglieder verteilt wurden. Obwohl alle von der Wand ablesen, blättert jeder brav um, wenn eine neue Seite eingeblendet wird. Gelangweilt blättere ich in der Präsentation und kritzle mit Kugelschreiber unzusammenhängende Wörter hinein, um den Eindruck zu vermitteln, dass mich das Thema interessiert.
Ich blättere ein paar Seiten nach hinten und entdecke doch noch ein Thema, dass auf unseren Prozess Auswirkungen hat. Um nicht einzuschlafen, kritzle ich weiter in der Präsentation herum und stelle mir die scharfe Blondine von Netzwerk in Unterwäsche vor. Erst in rot, dann in weiß und zum Schluss in schwarz. Ich überlege etwas hin und her und entscheide mich dafür, dass ihr rot am besten stehen würde. Nachdem ich mich auf eine Farbe festgelegt habe, feile ich noch etwas an den Details und verpasse, dass ich angesprochen werde.
Ich blicke von der Präsentation auf und schaue auf das Wandbild. Der Kollege von Business wiederholt seine Frage, ob die Prozessänderung denn keine Auswirkungen auf unseren Workflow haben würde und ich verneine. Unser Workflow beginnt erst später und bis dahin ist der Prozess wieder bereinigt. Blöder Arsch. Das geistige Bild der Kollegin ist verschwunden und ich kritzle weiter Unsinn auf die ausgedruckte Präsentation.
Als der für uns wichtige Teil folgt, lese ich von meinen Notizen die Auswirkungen ab und welche Vorkehrungen oder Anpassungen berücksichtigt werden müssen, um den Workflow an der Stelle nicht zu gefährden. Ich beantworte noch einige Fragen und lehne es ab, einen manuellen Workaround einzuführen, der nur mit massivem manuellem Aufwand zu bewerkstelligen ist und mit den vorhandenen Ressourcen momentan nicht abgedeckt werden kann. Ich erkläre, welche Auswirkungen es hätte, die Ressourcen für den Workaround zu verwenden und sehe, dass meine Erläuterungen verstanden werden. Ich kann weiterschlafen.
Nach rund 30 Minuten ist das Meeting beendet. Ich bleibe noch kurz sitzen, sortiere die Präsentation und achte darauf, dass keine meiner Notizen von außen sichtbar ist. Als ich das Büro verlasse, steht die Netzwerkkollegin in der Tür und unterhält sich noch mit dem Projektleiter über Details. Ich verlangsame meinen Schritt und gehe langsam an ihr vorbei, rieche ihr Parfüm und atme tief ein, bevor ich die sie umgebende Dunstwolke verlasse.
Ihr Parfüm ist wie ein sanfter Frühlingswind. Der Geruch umschmeichelt meine Nase und macht es mir schwer, eine Erektion zurückzuhalten. Ich überlege nochmal zurückzugehen, und unter einem Vorwand mich ins Gespräch einzuklinken, entscheide mich dann aber dagegen. Stattdessen trabe ich zum Fahrstuhl und geselle mich zu meinen Kollegen, die bereits wartend davor stehen. Kurz darauf gesellen sich auch der Projektleiter und die Netzwerkkollegin zu uns.
Als sich die Fahrstuhltür öffnet, warte ich etwas und betrete den Fahrstuhl nach meiner Kollegin, versuche mich in ihre Nähe zu stellen. Als sich die Türe schließt, stehe ich wenige Zentimeter hinter ihr und atme ihren Duft ein, rieche ihre Haare, ihr Parfüm und habe das Verlangen, sie zu umarmen, sie in die Arme zu nehmen und mit ihr dem Wahnsinn dieser Welt zu entfliehen. Der Stopp des Fahrstuhls reißt mich aus meinen Gedanken. Zum Glück.
Einige Kollegen verlassen den Fahrstuhl und der Rest verteilt sich etwas großzügiger in der Kabine. Ich sehe meine Kollegin jetzt von vorne und muss mich beherrschen, ihr nicht in den Ausschnitt zu gaffen. Ich versuche gelangweilt an ihr vorbeizuschauen, was mir nur teilweise gelingt und vermeide so gut es geht Augenkontakt aufzubauen. Wieder stoppt der Fahrstuhl und diesmal muss ich raus. Ich verabschiede mich knapp und gehe wieder auf meinen Platz.
Meine beiden Kollegen sind auf Dienstreise und haben mir das Büro alleine überlassen. Ein Umstand, den ich nur gerne ausnutze und hinter verschlossener Türe nebenbei Musik über mein Netbook laufen lasse. Ich starte den Mediaplayer und höre Johnny Cash über seinen einzigen Sonnenschein singen. Plötzlich muss ich an meine Frau denken und bekomme ein schlechtes Gewissen. Was war nur in mich gefahren?
Verschämt versuche ich die Gedanken an meine Kollegin zu verdrängen und mich meiner Arbeit zu widmen. Die vollgeschmierte Präsentation vernichte ich so gut es geht und schmeiße die Überreste in den Abfalleimer. Die Präsentation würde ohnehin elektronisch verschickt werden, der vollgekritzelte Ausdruck war ohnehin überflüssig. Ich nehme meine Punkte nochmal in elektronischer Form auf, überarbeite sie, und packe sie in eine Email an den Projektleiter.
Sofern alle Punkte berücksichtigt werden können, würden wir ohne Mehrarbeit aus dem Projekt hervorgehen und könnten uns weiterhin den wirklich wichtigen Dingen widmen. Generell habe ich bei dem Projekt aber ein schlechtes Gefühl, schließlich gibt es nicht jeden Tag die Anforderung, ermittelnden Behörden einen universellen Netzzugang einzurichten, über den die Möglichkeit besteht, bei jedem Mobilfunkkunden eine Fangschaltung einzurichten, bzw. Mitschnitte seiner Gespräche zu speichern.
Darüber hinaus ist noch ersichtlich, in welcher Funkzelle der Kunde eingebucht ist, wodurch sich sein Aufenthaltsort auf wenige Meter bestimmen lässt. Ich beschließe, mich in Zukunft mehr auf persönliche, verbale Kommunikation zu beschränken.

Dienstag, 22. Februar 2011

Kapitel 53

Kapitel 53
Paul sah noch unter die Tische und versuchte mögliche Verstecke auszumachen, bevor er das Wohnzimmer wieder verließ. An der Küche vorbei öffnete er die nächste Tür. Dahinter verbarg sich ein kleines Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Badewanne. Paul inspizierte auch dieses Zimmer nach möglichen Verstecken und wandte sich dem nächsten zu, welches sich dann auch tatsächlich als Kinderzimmer entpuppte.
Das Zimmer war klein und mit Spielsachen vollgestellt. Mittels eines Hochbetts wurde Platz gespart und mehr Spielfläche ermöglicht. Eine Ritterburg wirkte wie eben noch bespielt. Männer standen darin und davor und waren bereit, ein Gefecht auszutragen, welches wohl abrupt enden musste. Auch dieses Zimmer war leer und Paul wendete sich dem letzten Zimmer zu. In dem Zimmer mussten sie sein. Die Fenster waren geschlossen, es gab keinen Balkon und außen keine Möglichkeit, nach unten zu kommen.
Paul klopfte an die Tür. „Hallo? Frau Steffens? Ich weiß, dass sie in dem Zimmer sind. Ich komme jetzt rein.“
Paul drückte die Türklinke nach unten und schob die Tür einen Spalt auf, bedacht darauf, einen möglichen Stoß abzufangen. Als sich kein Widerstand regte, gab er der Tür einen Schubs und trat in den Raum, während die Tür an einen Schrank knallte. Im Raum sah Paul drei Personen auf dem Bett liegen. Am Rand zur Tür lag Frau Steffens, in der Mitte der Sohn und  auf der anderen Seite vermutlich Herr Steffens. Alle drei lagen mit dem Rücken zu Paul.
„Hallo? Frau Steffens? Herr Steffens? Würden sie bitte aufstehen?“
Es kam keine Antwort zurück. Vorsichtig näherte sich Paul dem Bett, packte Frau Steffens an ihrer Schulter und schüttelte sie leicht. Als keine Reaktion erfolgte, zog er leicht an ihrer Schulter und drehte sie auf den Rücken. Als er ihr Gesicht sah, trat er erschrocken einen Schritt zurück. Ihre Lippen waren blau gefärbt, vor ihrem Mund war Schaum. Paul wischte sich die Hand an der Hose ab und trat um das Bett herum.
Bereits ab der Mitte konnte er sehen, dass der Sohn und der Vater dieselben Zeichen einer Vergiftung aufwiesen. Das Gesicht des Sohns war verzerrt, Herr Steffens schien friedlich von dannen gegangen zu sein, während auf dem Gesicht der Frau noch Tränen zu sehen waren, die sie noch vor wenigen Minuten vergossen hatte. Herr Steffens hatte es vorgezogen, aus dem Leben zu scheiden und seine Familie mitzunehmen. Lieber wollte er sterben, als weiter seine Arbeitsleistung zu erbringen.
Paul wurde wütend und traurig zu gleich. Er starrte auf den Jungen und schätzte ihn auf maximal vier oder fünf Jahre. Der Junge hätte wahrscheinlich noch ein Leben vor sich gehabt. Es gab sicher schon bessere Zeiten und die Welt ging vor die Hunde, aber es würde wieder besser werden und dieses Kind würde keine Gelegenheit mehr haben, dies zu erleben. Pauls Wut auf den Vater wuchs und er verfluchte ihn dafür, dass er sich selbst gerichtet hatte, dass er keine Gelegenheit mehr haben würde, ihm die Scheiße aus dem Leib zu prügeln.
Paul konnte den Anblick nicht länger ertragen und verließ die Wohnung. Im Treppenhaus nahm er sein Funkgerät und informierte die Zentrale über seinen Fund. Bis zur Ankunft der Spurensicherung würde er noch bei der Wohnung verharren. Er ging wieder in die Wohnung und sah sich um. Sah Bilder der Familie aus besseren Zeiten, sah die Familie sich in den Armen liegen und lachen, sah eine glückliche Familie in einer Zeit, die noch frei war von Zombies, Zwangsarbeit und Überwachungsstaat.
Paul ging nochmal ins Schlafzimmer. Wollte noch einen Blick auf die Frau werfen, mit der er noch vor Minuten gesprochen hatte. Wollte noch einmal die Familie sehen, deren Schicksal er mit seinem Besuch besiegelte. Nein, eigentlich wollte er nicht, aber irgendetwas in seinem inneren zwang ihn dazu. Zwang ihn sich das anzusehen, was er angerichtet hatte, oder was er glaubte, angerichtet zu haben.
Als er das Zimmer betrat, sah er erneut die Familie tot auf dem Bett liegen und erneut wurde er von Schuldgefühlen heimgesucht. Dann fiel sein Blick auf die Hand der Frau. Die Frau hielt ein Stück Papier umklammert. Paul trat vorsichtig an die Leiche heran und zog an dem Papier. Mit einem schleifenden Geräusch glitt es der toten Frau aus den Fingern. Paul faltete das Papier auseinander. Wie es schien, wollte noch jemand eilig einige letzte Worte formulieren.
„Liebe Familie, liebe Freunde, wahrscheinlich wundert ihr euch, warum wir diesen letzten unwiederbringlichen Schritt gegangen sind, warum wir keinen anderen Ausweg sahen, als uns selbst zu richten und über das Leben unseres Kindes zu entscheiden. Dabei ist es so offensichtlich. Die Welt steht am Abgrund, Deutschland hat sich in einen totalitären Unrechtsstaat verwandelt und es gibt keine Alternativen mehr. Wir waren vorher schon tot und ihr seid es auch.“
Paul sah sich den Zettel an, faltete ihn wieder zusammen und warf ihn auf das Bett. Die Spurensicherung würde sich darum kümmern und dafür Sorge tragen, dass niemand den Zettel je wieder zu Gesicht bekommen würde. Leise ging er aus dem Schlafzimmer und zurück in das Treppenhaus. Kurz darauf brach er in Tränen aus.

Montag, 21. Februar 2011

Flashzombies of the Dead - Update

Neben Filmen, Büchern und meinem Blog (*hüstel*) gibt es Zombies auch noch in Spielen. Neben bekannten kommerziellen Produkten wie Left 4 Dead oder Resident Evil treiben sich Zombies auch in kostenlosen Flashspielen herum. Zu 90 % handelt es sich dabei um Top Down-Shooter, Brawler oder Shooter aus der Seitenperspektive, in denen Zombies reine Staffage sind. 

Auf meinen Streifzügen hab ich aber auch ein paar Schätze entdeckt, die das Szenario wesentlich innovativer nutzen.

Beginnen möchte ich mit Pestilence Z, einem Rollenspiel mit Zombies.
In PZ steuert man seinen Charakter über eine Map, trifft man auf Zombies, geht das Spiel in den Rundenmodus. Im Rundenmodus bekämpft man die Angreifer mit Fern-, Spreng- oder Nahkampfwaffen. Nach den Kämpfen durchsucht man die Map nach Ausrüstungsgegenständen. Der Spielstand lässt sich speichern. Macht Spaß.

Sonny ist ebenfalls ein RPG mit Zombieszenario. Leider ein etwas kurzes RPG, aber ebenfalls ganz unterhaltsam.

Sehr cool finde ich The Last Stand und den zweiten Teil The Last Stand 2. In beiden Spielen rekrutiert man Überlebende, durchsucht den Tag über die Map und kämpft nachts hinter den Barrikaden gegen die Zombiehorden. Durch etwas Strategie bei der Einteilung der Überlebenden bleibt das Spiel relativ abwechslungsreich.

In dem Spiel Infectonator besteht die Aufgabe des Spielers darin, die Welt mit dem Zombievirus zu überziehen. Der coole Pixellook passt zum Spiel und macht's auch optisch zum Hingucker.Der 8-Bit-Sound ist charmant und das Spiel an sich recht witzig. Zum Beginn jeder Runde gilt es möglichst viele Menschen zu infizieren, die ihrerseits den Virus weiterreichen. Polizei, Armee und Agenten machen das Leben schwer. Leider wird's nach einiger Zeit recht schwer, oft ist die initiale Infektion bereits nach wenigen Sekunden verpufft. Bis dahin vergeht aber schon einige Zeit. 

Zombiegrinder 60000 ist einer der von mir verschmähten Sidescroller, aber was für einer. Zu derbem Grindgeprügel metzelt man sich in der Geschwindigkeit des aktuellen Songs durch die Straßen einer unbekannten Stadt. Die Spielgeschwindigkeit variierte dabei analog zur Musik von schleppend bis Blastbeat. Grandioses Spiel.

Bei Rebuilder liegt die Zivilisation in Trümmern und es liegt am Spieler, die Zivilisation langsam wieder zu errichten. Dazu wird im Lager die Verteidigung organisiert und das Fort Schritt um Schritt um neue Gebiete erweitert. Die Gebiete lassen sich grob in Farm (Essen), Wohngebäude (Wohnen), Labor (Forschung), Kneipe (Zerstreuung), Polizeistation (Verteidigung) und Schulen (Ausbildung) aufteilen. Überlebende lassen sich in den Schulen auf spezialisierte Berufe trainieren. Soldaten beschützen das Lager, säubern Gebiete und beschützen Kundschafter. Handwerker bauen Grundstücke um, Wissenschaftler erforschen in Laboren verbesserte Verteidigung oder Energieversorgung. Sehr, sehr cooles Aufbaustrategiespiel, das das Szenario gelungen nutzt.

Ebenfalls sehr gelungen ist der Zombie Outbreak Simulator, in dem man anhand von Parametern eine Zombie-Infektion in Washington DC simuliert. Die Zombies lassen sich von Romero-langsam bis Dawn of the Dead-Remake-schnell einstellen, weiter lässt sich die Inkubationszeit definieren und daneben noch die Anzahl von Zombies und Zivilisten, sowie die durchschnittliche Bewaffnung und Treffsicherheit. Hat man das Gemetzel gestartet, bleibt nur noch die Rolle des Zuschauers. Aufgrund der einstellbaren Parameter ist das aber immer wieder interessant, wie sich diese auf die Verbreitung auswirken. Auch schön, dass es immer wieder etwas zu entdecken gibt, wie z. B. Zivilisten, die sich in Gebäuden verbarrikadieren, nur um von einer Horde überrannt zu werden, oder von einem Infizierten innerhalb des Gebäudes, der sich überraschend verwandelt, oder... Ach, einfach mal ausprobieren. Kost ja nix. Achja, wenn Adblock aktiv ist, funktioniert das nicht. Es hilft, in Adblock die entsprechende swf freizugeben. Dann wird die Werbung geblockt, die Flashdatei wird aber ausgeführt.

Von den gleichen Entwicklern kommt Class 3 Outbreak. Aufbauend auf den ZOS gilt es in dem Spiel, mit in Echtzeit steuerbaren Polizisten Wissenschaftler aus der Stadt zu evakuieren. Im Sandbox-Modus geht's nur darum, so lang wie möglich zu überleben. Das Spielprinzip hat unglaublich viel Potenzial. Ich hoffe, dass die Entwickler einige der sehr geilen Ideen im offiziellen Forum umsetzen können. Wer da ebenfalls Potenzial sieht, sollte den Jungs über Paypal eine kleine Unterstützung zukommen lassen. 

Update 17.03.2011: 

Noch was schönes - Lemmings treffen auf Zombies (oder umgekehrt). Führe deinen Zombietrupp heil durch die Level in Zombie Task Force. Dazu stehen diverse Fähigkeiten wie "Rakete" oder "Eisblock" zur Verfügung. Wer Lemmings kennt, weiß was ihn erwartet.

Schaut gut aus, man wird schön in das Spiel eingeführt und der Schwierigkeitsgrad wird schnell fordernd. Kann man durchaus antesten.