Donnerstag, 10. Februar 2011

Kapitel 41

Kapitel 41
Nachdem die Frontabschnitte durchbrochen waren, wurden für das Gebiet rund um Vaihingen schwere Bombardements beschlossen. Die ersten Angriffe waren auf Vaihingen direkt und auf die umgebenden Ortschaften, die Universität, sowie Waldstücke gerichtet. Der Versuch, die Universität zu evakuieren erwies sich als zwecklos, nachdem Aufklärer feststellen mussten, dass die meisten Studenten bereits zu Untoten mutiert waren. 
Bei der Aufklärung hilfreich erwiesen sich neuartige Anzüge mit eigenem Luftkreislauf, die trotzdem größtmögliche Mobilität und lautloses Vorgehen ermöglichten. Entwickelt wurden diese Anzüge, nachdem festgestellt wurde, dass die Zombies neben ihrem Gehörsinn auch ihren Geruchssinn weiter verwendeten. Den Augen konnte dabei bei weitem nicht der anfangs vermutete Stellenwert zugemessen werden, als sich in Versuchsreihen die optischen Anreize auf die Untoten als selten erfolgreich erwiesen.
Als die Bomben fielen, waren 90 % der Einwohner in den betroffenen Gebieten entweder tot oder mutiert. Die Explosionen töteten dabei die wenigsten Zombies, erst die nachfolgenden Feuer konnten die Gehirne zerstören und einen Großteil auslöschen. Leider wurden daneben auch die wenigen Überlebenden ausgelöscht, die sich nicht aus den Häusern retten konnten. Die Verluste wurden als Kollateralschaden hingenommen, um letztendlich Stuttgart zu schützen.
Währenddessen begannen in Stuttgart die Verteidigungsmaßnahmen anzulaufen. Straßensperren wurden errichtet, Wohnungen geräumt und befestigt und Stellungen ausgebaut. An allen Zufahrtsstraßen wurden mit Panzern Straßensperren errichtet und mit Fertigbauteilen Mauern errichtet, wiederum mit dahinter liegenden Stellungen gesichert. Mit mehreren Verteidigungswällen und Rückzugspunkten sollte ein überrennen und anschließende ungehemmte Ausbreitung in Stuttgart vermieden werden.
Die Stellungen wurden von vorne nach hinten ausgebaut, daneben die Evakuierung der Stadt vorangetrieben. Mit Bussen und Zügen wurden die Einwohner Straßenzug um Straßenzug evakuiert. Für die Evakuierung wurde Polizei eingesetzt, die Verteidigung wurde komplett der Bundeswehr übergeben. Teilweise kam es bei der Evakuierung zu unschönen Szenen, als Einwohner sich nicht von ihrem Hab und Gut trennen wollten und auch nicht den Versprechen der Polizisten Glauben schenken wollten, dass sie bald in ihre Wohnungen zurück dürften. Dazu war bei vielen Stuttgart 21 noch unangenehm im Gedächtnis.
Als die ersten Untoten auf die Barrikaden trafen, waren die ersten Sperren gerade beendet worden. Statt Feldbeleuchtung setzte man bei den Straßensperren auf schwere Flutlichter, die lange Schatten warfen und die anrückenden Horden noch gespenstischer erscheinen ließen. Die ersten Straßensperren bestanden aus Betonfertigbauteilen und Stacheldraht. Nichts für die Ewigkeit, aber genug, um den dahinter kämpfenden Truppen Zeit zu verschaffen, sich hinter die zweite Befestigungswelle zurückzuziehen.
Den Soldaten bot sich ein groteskes Bild: vor sich Zombiehorden, dahinter flammten Brände von den Bombenabwürfen auf, die all diejenigen verzehrten, die das Pech hatten, sich innerhalb des Vernichtungsgürtels aufzuhalten. Leuchtspurmunition zischte durch die Nacht und ließ die Reihen der Untoten fallen. Reihe um Reihe fiel und Reihe um Reihe rückte nach und trampelte über die Toten und Gefallenen, ohne sie eines Blickes zu würdigen.
Als die Reihen gefährlich nahe kamen, wurden die vorderen Stellungen geräumt und sich auf die dahinter liegende Stellung zurückgezogen. Wer bis dahin nicht evakuiert werden konnte, hatte Pech gehabt. Meistens dauerte es drei bis vier Minuten, bis die Stellungen überwunden waren und die Zombies in großer Zahl weiter vorrückten. Bereits an den zweiten Stellungen begann der Nachschub zu versiegen, die Ströme waren ausgedünnt und am Ende bestanden sie nur noch aus denen, die die vorangegangen Brände überlebt hatten.
Um neun Uhr morgens wurde Entwarnung gegeben und es begannen die Säuberungsaktionen. Mit Hunden wurde großflächig vorgerückt und Haus um Haus gesichert, die Leichen vor Ort verbrannt. Es lag ein beißender Gestank nach verbranntem Fleisch in der Luft an diesen Tagen und nicht wenige Soldaten würden Wochen oder gar Monate brauchen, um den Schock und das Grauen zu überwinden.
Eine Woche später waren die Säuberungsaktionen abgeschlossen. Es wurde davon ausgegangen, dass nur wenige Untote entkommen konnten und die Gefahr vorerst gebannt wäre. Für die Experten ergab sich ein schreckliches Bild. In den infizierten Gebieten waren 99 % der Menschen durch die Untoten umgekommen. Nur rund ein Prozent konnte sich erfolgreich verbarrikadieren oder verstecken.
In vielen Wohnungen fanden die Soldaten ganze Familien; Väter und Mütter, die nach ihrer Verwandlung ihre Kinder aufgefressen hatten und infizierte Kinder, die in Zimmer gesperrt wurden, davor aber noch ihre eigenen Eltern infiziert hatten. Bei den Säuberungen in Wohnhäusern verlor die Bundeswehr in dieser Woche rund 100 Mann, die bei Durchsuchungen infiziert wurden, oder sich selbst gerichtet hatten. Die demoralisierende Wirkung auf die Truppe war enorm und es würde Monate dauern, die Moral wieder restlos herzustellen.
Noch mehr Angst machte den Experten, was passieren würde, wenn Russland die Infektion nicht mehr aufhalten könnte. Wenn sich Millionen von untoten Russen auf Westeuropa stürzen würden und die Verteidigungsstellungen überrannt wurden. Alle bisherigen Expertisen einen großen Ausbruch betreffend mussten überarbeitet und alle bestehenden Szenarien verworfen werden. Stuttgart hatte gezeigt, dass der Seuche konventionell nicht beizukommen war.
Als Folge von Stuttgart wurde der Ausbau von Inselfestungen wieder forciert und Lebensmitteln stärker rationiert. Bergketten wurden als natürliche Barrieren und Verteidigungsgrenzen herangezogen, um große Landstriche zu befestigen. Vom Bayrischen Wald über das Fichtelgebirge und über den Thüringer Wald wurden Rückzugsgebiete definiert, die schwäbische und die fränkische Alb sollten als zweite Rückzugslinie dienen, falls eine der Fronten nicht mehr zu halten war.
Im Süden richtete man sich an den Alpen Verteidigungsbunker und –anlagen ein. Im Osten setzte man die Anstrengungen fort, die Grenzen mit Mauern zu sichern. Würden die Grenzen im Osten nicht mehr zu halten sein, sah der Verteidigungsplan vor, die Menschen dort ihrem Schicksal zu überlassen und sich mit den Truppen hinter die Rückzugslinien zurückzuziehen. Des weiteren wurde die Waffenproduktion aufgebaut und damit begonnen, Bürgerwehren aufzubauen.

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