Freitag, 11. Februar 2011

Kapitel 42

Kapitel 42
Die Lage in Russland war schon lange nicht mehr kritisch. Nein, kritisch war sie noch vor wenigen Wochen, inzwischen war die Lage komplett unüberschaubar. Nachdem die russische Führung als Vergeltung für den Anschlag auf den Moskauer Flughafen mit dem Abwurf einer Atombombe Vergeltung übte, versank das Land immer weiter im Chaos. Die Armee war in manchen Gebieten nicht mehr zu kontrollieren, lokale Befehlshaber setzten sich ab, oder begannen sich regionale Enklaven aufzubauen, die sie soweit möglich befestigten und darauf warteten, bis die Seuche an ihnen vorüberzog.
Damit einher gingen Plünderungen der nationalen Reserven und ein unüberschaubarer Grenzverlauf. Dazu kamen lokale Warlords, die versuchten sich in aufgegebenen Gegenden ein eigenes Reich zu erschaffen und sich dafür komplett von der Außenwelt abschirmten. Die dabei entstandenen Enklaven wurden in den meisten Fällen entweder von den Untoten überlaufen, oder gingen an schwindenden Wasser- und Lebensmittelreserven zu Grunde, noch bevor sie Relevanz erlangen konnten.
Für die russische Regierung war die Situation prekär. Viele Truppenteile verschwanden von einem Tag auf den anderen, Frontabschnitte waren innerhalb von Stunden verwaist und vormals sichere Gebiete den angreifenden Horden ausgesetzt. Evakuierungen im großen Stil waren meist nicht möglich und Flächenbombardement scheiterte immer häufiger daran, dass sich Piloten mit ihren Maschinen absetzten, oder den Befehl verweigerten.
In der Krise stieg ein Mann auf, der das Ruder herumreißen sollte. Oleg Macholov war ein schon vor dem Krieg bekannter Rechtspopulist, der im Laufe der Zeit immer mehr Zulauf erhielt. Große Teile des noch funktionierenden Militärs waren Anhänger seiner harten Forderungen und bekannten sich immer häufiger zu seinen Ideen. Olegs Idee war, sich auf den westlichen Teil Russlands zu konzentrieren und in einer Allianz mit dem zwar dünn besiedelten, aber gut gerüsteten Kasachstan eine stabile Ostfront zu errichten und dabei die Bewohner im Osten sich selbst zu überlassen.
Militär und Sicherheitskräfte begrüßten die Idee, daneben auch viele Einwohner im Westen Russlands. Als sich schließlich noch große Teile des Inlandsgeheimdienstes auf die Seite derer stellten, die einen Wechsel an der Regierung als Weg in die Zukunft sahen, waren die Weichen gestellt. Anfang Februar wurden vom Inlandsgeheimdienst der amtierende Präsident und der Ministerpräsident festgesetzt und durch Macholov ersetzt, der in der Folgezeit die Macht im Land in seiner Person konzentrierte.
Der Putsch verlief weitestgehend unblutig, nur vereinzelt kam es zu Feuergefechten mit der persönlichen Leibwache oder vereinzelten Teilen der Armee, die sich nicht hinter die neuen Machthaber stellen wollten. Als erste Amtshandlung verfügte Macholov die Verlegung der Verteidigungslinie weiter nach Westen, begleitet von einem Umsiedlungsprojekt für Personen, die dem Fortbestand des Landes dienen sollten.
Die neue Gefechtslinie wurde am Ob, dem Irtysh und dem Fluß Tobol eingerichtet. Surgut und die umgebenden Ölfelder wurden so gut es ging befestigt, um die dort liegenden Erdölvorkommen weiter nutzen zu können. Industrieanlagen wurden so gut es ging demontiert und in den verlassenen Gebieten Bürgerwehren aufgestellt. Letztere sollten nur dem Zweck dienen, den Vormarsch der untoten Horden aufzuhalten und Flüchtlingsströme zu vermeiden.
Kasachstan wiederum war bemüht, das ganze Land abzusichern und schon seit längerem um Grenzbefestigungen bemüht. Das weiter südlich gelegene Usbekistan vertraute auf die Sicherung durch Kasachstan und baute die Grenzen in Richtung des schwach bewaffneten Kirgistan und vor allem Afghanistan aus. Deren nördliche Bergkette erwies sich bisher als natürliche Grenze zu den dort bereits ungestört wütenden Untoten, langfristig würde das die Horden aber nicht abhalten.
Weitaus problematischer sah man Turkmenistan. Obwohl das Land reich war an Bodenschätzen, war viel Geld in den Personenkult des verstorbenen Quasi-Diktators geflossen und hatte das Land verarmen lassen. Noch flossen Öl und Erdgas über die Pipelines, doch schon länger waren keine Nachrichten mehr nach außen gelangt. Ein Umstand, den auch Kasachstan erkannte und die entsprechende Grenze verstärkte.
Iran hatte genau wie Pakistan schwer mit den aus Afghanistan ausschwärmenden Untoten zu kämpfen. In islamischen Ländern festigte sich bei Extremisten allmählich die Meinung, dass die Seuche auf die Erde geschickt wurde, um die Welt von allen Ungläubigen zu reinigen und den Willen Allahs fortzuführen. Eine fatale Einstellung, die im Iran und in Pakistan für innere Unruhen sorgte und gerade im Iran dazu führte, dass die Armee schnell Land verlor.
Der Grenzbereich zwischen Pakistan und Iran war menschenleer und nur noch von Zombies besiedelt, ebenso das nördlich gelegene Afghanistan. Um einen weiteren Vormarsch zu verhindern, wurde ein Abkommen zwischen Iran, dem Irak, dem Oman und Syrien geschlossen, bei dem irakische und syrische Truppen im Iran eingesetzt wurden, um die iranischen Truppen zu entlasten und den Vormarsch im Irak zu stoppen.

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