Samstag, 12. Februar 2011

Kapitel 43

Kapitel 43
Mit vereinten Kräften gelang es die Untoten im Iran zu stoppen und im Hinterland Verteidigungsanlagen zu errichten, sowie die Bevölkerung zu evakuieren. Im Oman wurden Flüchtlingsboote aus dem afghanischen und pakistanischen Raum aufgenommen und die Flüchtlinge nach einer Woche Quarantänezeit in rasch errichteten Flüchtlingslagern  rund um Maskat aufgenommen.
Es war der Tag, an dem in Russland der politische Erdrutsch einsetzte. Sie kamen aus dem Wasser und sie hatten Hunger. Keiner wusste, wo sie her kamen. Später wurde spekuliert, ob sie den Booten folgten oder einfach unter Wasser umherwanderten, bis sie auf Land stießen. Bis die Behörden realisierten, was sich in der Stadt abspielte, waren bereits Tausende Infiziert und verwandelt. Die örtliche Polizei war schnell überfordert und noch schneller breitete sich der Virus im Küstengebiet aus und erreichte die Flüchtlingslager.
Die Flüchtlingslager waren innerhalb von nur wenigen Stunden komplett infiziert und der Virus trat seine Reise weiter nach Westen an. Matrah und Ruwi fielen, bevor sich die im Lande befindliche Armee reorganisieren konnte und damit begann, Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche zu treffen. Da sich nur rund 15.000 Soldaten im Land befanden, musste schnell reagiert werden, um eine Ausbreitung im Keim zu ersticken.
Der eilig getroffene Plan sah vor,  die Ausbreitung hinter Ruwi im Norden und bei Al Bustan im Süden zu stoppen, oder zumindest solange aufzuhalten, bis es gelungen war, im Hinterland befestigte Verteidigungsstellungen einzurichten, die solange standhalten konnten, bis Truppenteile aus dem Iran abgezogen werden und im Oman eingesetzt werden konnten. Dem Plan kam zugute, dass die nördliche Küstengegend mit Gebirgszügen durchzogen ist, die eine gezielte Verteidigung ermöglichten.
Als die ersten Infanteristen eintrafen, ging gerade die Sonne auf. Auf den Straßen standen Autos, gefüllt mit Flüchtlingen aus Maskat und Matrah, viele noch im Schlafanzug und ohne viel Gepäck. Hauptaufgabe der ersten Welle sollte es sein, die Flüchtlinge in vorläufige Flüchtlingscamps umzuleiten, bis eine Infektion ausgeschlossen werden konnte. Mit Lautsprechern wurden die Personen aufgefordert, ihre Autos zu verlassen und sich zu Fuß zum Checkpoint zu begeben. Der Aufforderung wurde nur widerwillig nachgekommen.
Zögerlich verließen die Zivilisten die Autos und bewegten sich auf den Checkpoint zu. An den Checkpoints hatten sich Polizisten und Soldaten mit Hunden postiert und führten die Zivilisten nach einem Erstcheck zu den bereitstehenden Lastwägen. Da es sich um einen militärischen Einsatz handelte, unterstand die Leitung dem Militär. Die anwesenden Polizisten mussten sich der Autorität der Soldaten unterordnen und kümmerten sich primär um die Personenkontrollen.
Langsam kam Unruhe in die Flüchtlinge. Es waren vereinzelt Schreie zu hören und von hinten kommende Personen rannen panisch nach vorne, die Wartenden hinter sich lassend. Es kam immer mehr Bewegung in die Flüchtlinge und der Lärm schwoll weiter an. Die Soldaten am Checkpoint wurden unruhig. Die Schreie waren noch undeutlich und die tief hängende Sonne verbarg das Treiben am Horizont hinter ihren hellen Strahlen, aber die Unruhe konnte nur eine Ursache haben. Als die Schreie näher kamen, wurden die Befürchtungen der Soldaten bestätigt. „Sie kommen“
Von einem Moment zum anderen brach die Hölle aus. Die Menschen strömten nach vorne und ignorierten die Warnungen der Soldaten und Polizisten. Auch Warnschüsse verhallten ungehört und der Befehlshabende Offizier wurde vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt. Wollte er das Blut Unschuldiger vergießen, um damit möglicherweise tausende andere zu retten? Konnte er es mit seinem Gewissen vereinbaren, das Feuer auf Unschuldige eröffnen zu lassen?
Der Offizier zögerte. Angespannt schirmte er mit einer Hand die Strahlen der Sonne ab und schaute weiter in die Richtung der anstürmenden Masse, darunter viele mit blutverschmierter Kleidung und offensichtlichen Verletzungen. Der Offizier erteilte den Feuerbefehl. Die Menschen stürmten weiter den Checkpoint, nichts geschah. Der Offizier erteilte nochmals den Feuerbefehl und schaute auf seine Männer. Als keiner den ersten Schuss abgeben wollte, zog der Offizier seine Waffe und schoss in die Menge.
Die Männer erwachten aus ihrer Lethargie und führten den Befehl ihres Offiziers aus. Hunderte Menschen starben im Kugelhagel, unmöglich zu beziffern, wer davon infiziert oder gesund war. Dann kamen sie. Am Boden lagen die Toten und die Verwundeten und hinter ihnen kamen die, die vom Tod zurückgekehrt waren, die Lebenden zu Ihresgleichen zu machen. Die Soldaten feuerten weiter, ohne die Reihen der Untoten zu lichten. Erst als der Offizier befahl, auf die Köpfe zu zielen, lichteten sich die Reihen derer, die sich einen Weg durch die parkenden Autos suchten.

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