Dienstag, 15. Februar 2011

Kapitel 46

Kapitel 46
Die auf dem Container verbliebenen Soldaten wandten sich mit Grauen ab. Niemand kam auf die Idee, die Gefallenen mit einem Schuss zu erlösen, niemand wollte länger als nötig den grauenhaften Anblick ertragen. Erst als kein Geschrei mehr zu hören war, wagten die Soldaten einen Blick nach unten. Erneut gingen Erschütterungen durch den Container. Das Rucken schwoll zu einem kontinuierlichen Zittern an und der Container wurde langsam Zentimeter um Zentimeter nach hinter verrutscht.
Wollten sie nicht abgeschnitten werden, mussten sie unbedingt auf den nächsten Container gelangen. Auf allen vieren krochen die Soldaten den Container entlang und sahen das Ende des Containers sich immer weiter vom Ende des nächsten Containers entfernen. Das Zittern stoppte schließlich, als der Container an die Bordsteinkante stieß. Die Bordsteinkante stoppte die Drehung und der Container lag wieder ruhig.
Die Soldaten waren erleichtert. Der Abstand zum folgenden Container war noch klein genug, um ihn mit einem Schritt zu überwinden und der Container selbst lag wieder ruhig. Die Gefahr schien überwunden. Langsam erhoben sich die Männer und bewegten sich vorsichtig zum Ende des Containers. Gerade als die Männer ein paar Meter zurückgelegt und die ersten das Ende erreicht hatten, ging der Container in Schieflage.
Die Masse der Untoten drückte so stark gegen den Frachtbehälter, dass der drohte, über der Bordsteinkante zu kippen. Die, die bereits am Ende waren sprangen so schnell es ging auf den nächsten Container über und die hinteren beschleunigten ihren Schritt. Zu spät. Die Schieflage nahm schneller zu, als die Männer rennen konnten und erreichte schließlich einen Winkel, der es unmöglich machte, sich auf dem glatten Stahl festzuhalten.
Als erstes fielen die nach unten, die schwere Ausrüstung bei sich hatten. Die beiden MG-Schützen waren die ersten, die ihren Halt verloren und in die Hände derer fielen, die sie bekämpfen wollten. Die, die sich noch am Rand des Containers festhalten konnten, versuchten den Blick abzuwenden, bis der Container unter der Last nachgab und zu Boden kippte. Dem Gewicht von fast fünf Tonnen konnten die darunter stehenden Zombies nichts entgegensetzen und wurden von dem Stahlkoloss erdrückt.
Die meisten Soldaten lösten ihren Griff beim Aufprall auf den Boden und landeten in den Armen der Untotenarmee. Die, die sich festhalten konnten, versuchten sich hochzuziehen, wurden aber von nach oben schnellenden Armen daran gehindert. Die Arme zogen an den Füßen und zerrten die Soldaten nach unten. Von den 16 auf dem Container verbliebenen Soldaten überlebte keiner. Unter Schreien wurden sie zerfetzt, eine explodierende Granate ersparte einem oder auch zwei der Männer die Qualen und beendete ihre Leben kurz und schmerzlos.
Nachdem der erste Container gefallen war und die Soldaten zur Zombienahrung wurden, konzentrierte sich die Horde auf den nächsten Container.  Diesmal zogen sich die Soldaten schneller zurück. Alle Container wurden geräumt und die Männer flüchteten sich in das befestigte Haus, um dort den Kampf fortzuführen. Schnell war das Haus umzingelt und tausende Zombies drückten ihre toten Hände gegen das Haus.
Die Mauern hielten dem Druck stand. Eine der Türen nicht. Unter dem Druck tausender Untoter sprang eine der verbarrikadierten Türen explosionsartig auf und entließ die dahinter wartenden Kreaturen in den Raum. Die überraschten Soldaten schrien auf und richteten ihre Sturmgewehre auf die jetzt weit offen stehende Türe. Die, die zu nahe an der Tür standen, hatten keine Chance und wurden noch bevor sie reagieren konnten, von der hereinstürmenden Masse getötet.
Die Männer feuerten verzweifelt auf die Untoten, konnten den Strom aber nicht stoppen. Die, die getötet wurden, wurden von den nachfolgenden Zombies weiter nach vorne gedrückt und machte es den Soldaten unmöglich, sie gezielt zu bekämpfen. Die, die den gierigen Händen entwischen konnten, zogen sich aus den unteren Räumen zurück und stürmten über die Treppe nach oben. Die dort wartenden Kameraden waren bereits bemüht, die Treppe mit Tischen und Stühlen zu verbarrikadieren.
Tische und Stühle landeten auf der Treppe und machten es den ersten Untoten unmöglich, die Stufen zu erklimmen. Noch konnten die Soldaten die, die sich über die Hindernisse hinweg zogen, gezielt ausschalten. Noch hielt die Barrikade und noch überlegte der befehlshabende Offizier, wie die Männer evakuiert werden könnten. Hektisch brüllte er über den Kampflärm hinweg in sein Funkgerät, um schnellstmöglich einen Hubschrauber organisieren zu können.  
Sein Brüllen verstummte, als sich die Barrikade unter dem Druck löste, die Holzplatten zerbrachen und die Untoten über die Treppe nach oben strömten. Die Soldaten kämpften um ihr Leben. Über die Treppe konnten die Untoten nur in enger Formation vorrücken, was den Soldaten die Verteidigung vereinfachte. Durch den Druck der nachfolgenden Masse fielen aber nicht alle getöteten Zombies zu Boden und wurden wie ein Schutzschild vorangetragen.
Als die Zombies das Ende der Treppe erreicht hatten, ging alles ganz schnell. Einige Soldaten versuchten aus dem Fenster auf die Container zu fliehen, andere stellten sich einem letzten, aussichtslosen Kampf. Innerhalb weniger Minuten war das Haus gefallen, die Soldaten getötet. Die, die sich auf die Container retten konnten, versuchten ihre Stellung zu verteidigen, doch auch diese Anstrengungen wurden in dem Moment zunichte gemacht, als sich der Container zu neigen begann.
Als die letzten Schreie verstummt waren, setzte sich die untote Meute wieder in Bewegung, weiter auf der Suche nach Nahrung, um ihren nie enden wollenden Hunger zu stillen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen