Mittwoch, 16. Februar 2011

Kapitel 47

Kapitel 47
Mehr und mehr Stellungen fielen. Al Bustan konnte gehalten werden, aber nur solange, bis die Soldaten überraschend von Streunern aus Westen attackiert wurden. Die Soldaten bemerkten ihren Fehler erst, als es zu spät war. Der Sultan konnte noch mit seinem Flugzeug aus dem Land fliehen, bevor der Flughafen überrannt wurde. Tausende Flüchtlinge, die auf eine Möglichkeit warteten, auf dem Luftweg evakuiert zu werden, hatten keine Chance.
Riesige Autokonvois schlängelten sich über die Straßen, auf der Flucht vor dem scheinbar unvermeidlichen. Wo immer sich die Autokolonnen stauten, holten irgendwann die Untoten auf. Die Autos boten dabei wenig Schutz. Männer, Frauen und Kinder wurden aus den Autos gezerrt und an Ort und Stelle zerrissen, nur um später selber in die Legion der Untoten einzutreten und Jagd auf die Lebenden zu machen.
Die Situation im Oman erschien hoffnungslos. Bereits nach zwei Tagen waren große Teile der Nordküste menschenleer, die Capital Area fest in der Hand der Untoten. Nur vereinzelt gelang es Menschen, sich an für die Untoten unerreichbaren Orten wie Dächern oder Schiffe zu retten, nur um dort zu einem langsamen Sterben durch Hunger oder Krankheit ausgesetzt zu sein. Viele hofften auf Hilfe, hofften darauf, dass die Streitkräfte die Situation wieder in den Griff bekommen würde und darauf, dass Allah sie beschützen wird.
Allein, es blieb bei der Hoffnung.
Die wenigen verbliebenen Streitkräfte versuchten so gut es ging die Flucht der Zivilbevölkerung zu decken. Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten sich dazu bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen und sie ab dem Übertritt auf das Land VAE zu beschützen. Weiterhin wurde auch dem omanischen Militär der Zutritt gewährt, mit der Auflage, eine ihnen zugewiesene Sicherheitszone nicht zu überschreiten. Diese Sicherheitszone sollte zugleich dazu dienen, das Land vor dem Zugriff der Zombies zu schützen.
Erklärtes Ziel der VAE war es, aus den Fehlern des Omans zu lernen. Eilig wurde eine Überwachung der Küstengebiete eingerichtet und geplant, befestigte Straßensperren einzurichten, die kleinen Forts ähneln und zu Befestigungslinien ausgebaut werden sollten. Vielversprechende Maßnahmen, die aber leider zu spät kamen. Als Al Ain drei Tage nach der Evakuierung der Flüchtlinge aus dem Oman von zehntausenden Untoten angegriffen wurde, traf dies die Streitkräfte der VAE unvorbereitet.
Der die Grenze bildende Stacheldrahtzaun stellte für die Horden kein Hindernis dar und war schnell überwunden. Von den rund 370.000 Einwohnern konnten sich nur 20.000 retten, mehrere tausend versuchten sich zu Fuß in die Wüste zu retten. Die, die den Zombies entkommen konnten, fielen der Wüste zum Opfer. Die anderen mussten feststellen, dass ein Zombie keine Pause braucht, kein Wasser und keine Nahrung und stoisch an seinem Ziel festhält.
Wieder einmal musste ein Land lernen, dass die Untoten unberechenbar waren und wieder ein Land musste erkennen, dass Pläne nur so gut sind, wie ihre Durchführung. Nach dem Fall Al Ains wurden großflächig Barrikaden erbaut und Frühwarnsysteme eingerichtet.  Mit Hilfe der sehr modern eingerichteten Armee gelang es in der Folge schnell, die Bewegungen der Untoten nachzuvollziehen und Ansammlungen effektiv mit Hubschraubern und Bomben zu zerschlagen.
Mit Hilfe von Minenfeldern ließ sich großflächig der Vormarsch wenn nicht stoppen, so doch wenigstens verlangsamen. Die von Sand und Dünen geprägte Landschaft bot darüber hinaus den Zombies keinen Schutz und lieferte sie der großflächigen Bombardierung aus. Durch die Verlangsamung gelang es Präsident Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan durch die Mobilisierung aller verfügbaren und tauglichen Einwohner einen wirksamen Verteidigungsgürtel um die Städte zu installieren.
Jemen hatte nicht so viel Glück. Der dortige Oberbefehlshaber reagierte überstürzt auf die Ereignisse im Oman und verlegte einen Großteil der regulären Truppen an die dortige Grenze, die Tatsache ignorierend, dass die meisten Untoten den Flüchtlingen in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate folgten. Auch im Jemen kamen sie aus dem Wasser. Zu tausenden folgten sie unter Wasser den wenigen Flüchtlingen, die sich in Boote retten und übersetzen konnten.
Dass dabei die meisten Boote von der jemenitischen Marine angegriffen und zerstört wurden, konnte die Wanderung nicht stoppen und als  die Untoten aus dem Wasser traten, trafen sie nur vereinzelt auf Widerstand. Innerhalb von Tagen war mehr als die Hälfte Jemens infiziert und war kaum mehr aufzuhalten. In Sa’da konnten sich tausende Menschen hinter den Befestigungswall retten. Die Tore wurden verbarrikadiert und boten so den Menschen Schutz vor den auf Sa’da zurückenden Zombiehorden.
Im Schutze der Stadtmauern gelang es einem Regiment in tagelangen Feuergefechten fast 20.000 Zombies zu töten und damit fast alle, die den Flüchtlingen gefolgt waren. In Folge dessen wurde begonnen, die Zufahrtsstraßen zu blockieren und alle noch in der Gegend befindlichen Streuner zu beseitigen. So gesichert wurden Regierung, Flüchtlinge und Teile des Militärs verlegt, und Sa’da als provisorische Hauptstadt des Landes bestätigt.
Auch die Region um Hadramaut wurde auf Höhe des Orts Mankhar befestigt, mit dem Vorhaben, den fruchtbaren Boden forthin für die Produktion von Nahrungsmitteln zu nutzen, um die Verpflegung der Überlebenden im Land sicherzustellen. Die zerklüftete Landschaft spielte den Verteidigern dabei in die Arme, aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Untoten musste sich die Armee trotzdem immer weiter zurückziehen, bis ganz Jemen bis auf abgelegene Gebiete und Bergfestungen komplett überrannt war.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen