Freitag, 25. Februar 2011

Kapitel 56

Kapitel 56
Es war offensichtlich, dass etwas faul war. Paul verabschiedete sich und die Türe wurde wieder zugedrückt. Wieder wurde Paul durch den Türspion beobachtet. Um kein Misstrauen zu erwecken, ging Paul ein halbes Stockwerk nach unten, bevor er über Funk seine Kollegin rief. Kurz darauf stand sie neben ihm. Ihre Jacke hatte sie im Auto gelassen und stand nur mit Sweatshirt im Flur. Zusammen gingen sie hoch vor die Tür der Erdlans und horchten.
Paul war sich sicher, dass sich niemand hinter der Tür aufhält und zog seinen Türöffner aus der Tasche. Nachdem Martina die Tür mit ihrer Dienstwaffe gesichert hatte, setzte Paul den Türöffner an. Mit einem Knallen brach das Schloss und öffnete die Tür für die zwei Beamten. Jetzt zog auch Paul seine Dienstwaffe. Der Flur war leer, mehrere Türen zweigten in Räume ab, doch nur in einem brannte Licht. Paul war sich nicht sicher, ob das Brechen des Schlosses die Männer alarmiert hatte und beschloss, vorerst so leise wie möglich vorzugehen.
Mit einem Finger vor dem Mund bedeutete er Martina, möglichst leise zu sein. Die deutete auf das Schloss und zuckte mit den Schultern, aber Paul wiegelte ab. Sollte es nur eine kleine Chance geben, die Täter auf frischer Tat zu überraschen, wollte er sie nutzen. Das Geräusch des brechenden Schlosses war zwar laut, aber jetzt nicht so laut, dass sie auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregen würde. Ein lauter Fernseher konnte das Geräusch schon übertönen, nur lief hier kein Fernseher.
Langsam drangen die beiden in die Wohnung vor. Paul gab Martina zu verstehen, die beleuchtete Tür zu sichern, während er die dunklen Räume nach möglichen Gefahren absuchte. Die Räume standen leer und verbargen auf den ersten Blick auch keine Gefahren.  Paul und Martina näherten sich der Wohnzimmertür und bemühten sich, keinen verräterischen Schatten zu werfen. Hinter der Türe war alles leise. Der Türrahmen zeigte keine verräterischen Schatten. Paul nahm den Türgriff in die Hand, drückte ihn nach unten und schwang die Tür mit einem Ruck auf.
Als die Tür offen war, blickten Martina und Paul in die Mündung einer Pistole. Eine weitere Pistole war auf den Kopf eines fünfjährigen Mädchens gerichtet. Die restliche Familie saß gefesselt und geknebelt auf dem Boden am Ende des Raums. Paul benötigte nur den Bruchteil einer Sekunde die Situation zu erfassen. Seine Waffe richtete sich auf den Mann, der die Waffe auf die Beamten richtete und Martina nahm im fast genau gleichen Moment den Geiselnehmer ins Visier.
„Polizei! Waffe runter!“
„Scheiße, nein, verschwindet. Wir müssen das hier durchziehn und ihr werdet uns nicht daran hindern!“
„Ich sagte: Waffe runter!“
„Und mein Partner hat gesagt: nein! Haut ab, oder ich blas der Kleinen vor euren Augen das Hirn raus!“
„Was soll das hier?“
Martinas Stimme überschlug sich beim Versuch, angesichts der Situation energisch zu klingen.
„Was das hier soll?“
Die Stimme des Manns nahm einen hysterischen Tonfall an.
„Ich sag euch, was das hier soll. Diese verdammten Affen verbreiten hier im Land die Infektion und keiner von euch Bullen tut etwas dagegen. Deswegen nehmen wir das jetzt in die Hand. Ich habe in Stuttgart Freunde verloren. Mein Bruder wurde bei lebendigem Leib aufgefressen und wir konnten nur die Hälfte von ihm beerdigen, den Rest hat einer dieser Affen hier gefressen. Schaut sie euch doch an, die haben doch schon die Symptome. Die werden wie die anderen und haben es hier eingeschleppt. Wir nehmen euch doch nur die Arbeit ab.“
Seine Stimme wurde immer hysterischer, Spucke lief über seine Lippen und an seinem Kinn herab. Paul wartete auf eine Gelegenheit, einen Moment der Unachtsamkeit, aber trotz seines Gefühlsausbruchs behielt er Paul im Auge.
„Hätte ihr Bruder das gewollt?“
„Was?“
„Hätte ihr Bruder gewollt, dass sie Unschuldige töten. Dass sie Kinder töten?“
„Lasst meinen Bruder da raus! Der ist tot, getötet von diesen Affen!“
„Ihr Bruder wurde nicht von dieser Familie hier getötet und diese Familie wird auch niemanden töten.“
„Nein, das wird sie sicher nicht, weil wir das verhindern werden.“
„Hören sie! Diese Familie ist nicht infiziert. Unsere Kollegen haben Tests durchgeführt und die waren negativ. Diese Familie ist NICHT infiziert!“
„Einen Scheißdreck sind die. Sie zeigen die Symptome, sie sind infiziert!“
„Ich wiederhole mich: nein, diese Familie ist nicht infiziert. Ihr Bruder war infiziert. Ihr Bruder war einer von diesen… Kreaturen!“
„Nein… ich…“
„Verdammt Robert, lass dich nicht ablenken. Die wollen dich nur verwirren!“
„Halt die Klappe Fritz.“
Roberts Augen gingen einen Moment weg von Paul und widmeten sich einen Sekundenbruchteil seinem Komplizen. Ein kurzer Moment, den Paul zu nutzen wusste. Mit einem schnellen Schritt trat er von der Mündung weg und gleichzeitig einen Schritt nach vorne. Noch im Schritt griff er mit einer Hand nach der Waffe in der Hand des Täters und riss sie nach oben. Ein Schuss löste sich aus der Waffe und schlug in die Decke ein.
Paul riss an der Waffe und benutzte die andere Hand, um Robert einen Schlag zu versetzen. Die Waffe in der Hand verstärkte den Schlag und schleuderte Robert zurück. Die Waffe verblieb in Pauls Hand. Paul richtete seine Waffe auf Robert, der das Signal verstand und am Boden liegen blieb. Blieb nur noch einer.
„Jetzt nehmen sie bitte auch noch die Waffe weg und wir kommen hier alle lebend raus.“
„Scheiße. Ihr legt mich doch um, wenn ich sie laufen lasse. Außerdem ist keinem geholfen, wenn die hier nicht draufgehen. Dann war alles umsonst. Es gibt noch soviel zu tun, wir sind doch noch lange nicht fertig.“
Er drückte die Augen zusammen und ließ die Waffe sinken. Sein Griff um das Mädchen lockerte sich und gab sie schließlich frei. Als die Waffe aus seiner Hand glitt, beeilte sich Martina den Mann mit den Handschellen zu fesseln, der dies ohne Gegenwehr zuließ. Paul verfuhr mit dem anderen Täter genauso und beobachtete beide, während Martina begann, die Familie von ihren Knebeln und Fesseln zu befreien.

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