Samstag, 26. Februar 2011

Kapitel 57

Kapitel 57
Als die Kollegen und ein Notarzt eintrafen, war die Situation bereits unter Kontrolle. Anhand der mitgeführten Ausweise konnten Martina und Paul die beiden als Robert Sedelmeier und Fritz Wegner identifizieren. Fritz heulte noch immer wie ein Schlosshund, beteuerte mehrmals, dass er das nicht tun wollte, aber es halt sein musste, während Robert scheinbar in Agonie verfallen war und gar nichts mehr sprach.
Als die Ermittler eintrafen, wurden Martina und Paul verhört und gaben alles Gehörte zu Protokoll. Die Ermittler notierten sich von Zeit zu Zeit einen Teil der Aussagen, befragten anschließend die Familie und zogen sich dann mit den beiden Tätern zurück. Nachdem es für Martina und Paul auch nichts mehr zu tun gab, fuhren sie zurück zum Präsidium, um ihr Protokoll fertig zu machen. Eine lästige Pflicht, die trotz erweiterten Kompetenzen und Rechten immer noch nötig war.
„Woher wussten die, dass die Familie krank war?“
Martina sprach quasi Pauls Gedanken aus.
„Keine Ahnung. Ich  hab auch schon überlegt. Ich denke, den Arzt und die Kollegen können wir ausschließen. Die wissen ja, was es mit der Infektion und den Zs auf sich hat. Vielleicht der Apotheker?“
„Welcher Apotheker?“
„Na, der Mann wird doch mit Sicherheit Medikamente besorgt haben. Vielleicht hat der was weitergegeben?“
„Hm, ja, kann schon sein. Vielleicht folgt auch jemand den Ärzten, die bei den Leuten die Tests durchführen.“
„Nein, das glaub ich nicht. Die wechseln ja täglich.“
„Ja schon, aber die fahren immer vom Präsidium aus mit den Kollegen.“
„Also ich bin mir schon sicher, dass unseren Kollegen ein auf fast leerer Straße nachfolgendes Auto auffallen würde. Meinst du nicht?“
„Ja, gut, stimmt schon. Aber sonst gibt’s ja nicht mehr viel, oder? Die werden ja kaum auf der Straße rumlungern, um dort ihre Opfer aufzugreifen.“
„Nein, das glaube ich auch nicht. Ich glaube sogar, dass die recht organisiert vorgehen. Anders ist doch nicht zu erklären, dass in mehreren Stadtteilen oder sogar Städten fast zeitgleich die Morde stattfinden.“
„Das stimmt.“
In der Dienststelle angekommen fahren beide ihre Rechner hoch. Paul wollte noch die Personaldaten der beiden Männer überprüfen, bevor diese von den Ermittlern gesperrt würden. Beide Männer dienten momentan bei der Bundeswehr und beide waren in Stuttgart. Das erklärte wenigstens, woher die beiden ihre Waffen hatten und wo sie mit den Infizierten in Berührung gekommen sind. Paul stöberte weiter in Sedelmeiers Akte und fand dort auch den Verweis auf den Bruder.
Sein Bruder war in den Kämpfen um Stuttgart gefallen, war im inneren Verteidigungsring und fiel innerhalb der ersten Stunden. Seine Leiche konnte nur noch anhand der Erkennungsmarken identifiziert werden. Der Kopf wurde von einer Kugel zerfetzt, große Teile seiner Haut und das die Knochen bedeckende Fleisch und Sehnen fehlten, waren gefressen worden. Roberts Bruder musste einen grausamen Tod gestorben sein, bis er sich selber verwandelte und seinerseits Jagd auf die Lebenden machte.
Ein tragischer Vorfall, aber davon gab es in Stuttgart tausende. Langsam dämmerte es Paul. War das möglicherweise eine Verschwörung innerhalb der Bundeswehr? Rächten sich hier Soldaten für gefallene Kameraden? War deshalb die Gruppe so gut vernetzt und operierte man deshalb so organisiert? Paul öffnete Fritz‘ Akte und suchte nach weiteren Hinweisen. Fritz war mit Roberts Bruder in einer Kompanie und ebenfalls im inneren Ring eingesetzt. Zusammen mit Roberts Bruder waren sie für die Verteidigung des Hauptgefechtstands eingeteilt.
Fritz konnte sich retten, indem er sich in einen Schützenpanzer rettete und dort drei Tage lang ausharrte. Die ersten Minuten hörte er noch die Schreie seiner Kameraden, danach kehrte Ruhe ein, nur immer kurz unterbrochen, wenn einer der Zombies mit dem Panzer zusammenstieß. In dem Schützenpanzer war die Ausrüstung mehrerer Kameraden, aus denen er sich Nahrung und Wasser entnahm. Nach drei Tagen rückte der äußere Ring vor und befreite Fritz aus seinem Versteck.
Gerade als Paul weitere Querverbindungen überprüfen wollte, hatte er auf die Datensätze keinen Zugriff mehr. Scheinbar waren die Akten als vertraulich eingestuft und damit nur den Ermittlern zugänglich gemacht worden. Paul hatte inzwischen aber genug gelesen. Er musste unbedingt mit Horst sprechen. Zuvor informierte er noch Martina über das, was er herausgefunden hatte und über seine Schlussfolgerungen. Martina schien ungläubig, aber Paul wusste, dass sie ihm glauben würde.

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