Montag, 28. Februar 2011

Kapitel 59

Kapitel 59

Als Paul am nächsten Tag in der Dienststelle eintraf, wurde er zu seinem Vorgesetzten zitiert.

„Hallo Bruno, du wolltest mich sehen?“

„Hallo Paul, ja, mach bitte die Tür zu und setz dich.“

Paul schloss die Tür hinter sich und nahm auf einem Stuhl gegenüber seinem Vorgesetzten Bruno Herling Platz.

„Was gibt’s?“

„Ich hab hier eine Mail von der internen Ermittlung. Du warst doch an dem Fall mit den Erdlans dran?“

„Ja, das war gestern. Ich bin mit meinem Bericht noch nicht fertig. In einer Stunde könnte ich ihn dir vorbeibringen.“

„Nein, das wirst du nicht. Du wirst den Bericht löschen.“

„Was? Wieso das denn?“

„Bei dieser Sache wurde Staub aufgewirbelt. Ich glaube, dass du möglicherweise schon mehr weißt, als ich. Die interne Ermittlung hat mir mitgeteilt, dass du in den Akten der beiden Täter rumgestöbert hast. Man hat mich gebeten, dir einen Maulkorb aufzusetzen. Mein Gott Paul, in was für eine Scheiße bist du da rein geraten?“

Paul war überrascht. Das war das erste mal, dass ihm ein Blick in eine Akte vorgeworfen wurde.

„Was weißt du über den Fall?“

„Ich weiß gar nichts. Ich weiß nur, dass ihr da gestern auf etwas gestoßen seid. Dass ihr Leute nervös gemacht habt und dass es sich dabei um Leute handelt, die normalerweise nicht so schnell nervös werden.“

„Welche Leute?“

„Das tut nichts zur Sache. Du wirst in der Sache nichts mehr unternehmen, das gestern ist nie passiert. Hast du mich verstanden?“

„Ja… ich glaube schon.“

„Hör mal Paul, es ist nichts Persönliches. Du hast deinen Job gemacht und du hast ihn gut gemacht. Es ist auch nichts ungewöhnliches, nach dem Einsatz die Akte der Täter zu untersuchen. Da macht dir auch keiner einen Vorwurf. Ich hab nur unmissverständliche Anweisungen erhalten und ich will nicht einen meiner besten Männer verlieren. Scheiße Paul, du hast Stuttgart überlebt, du hast als einer der ersten mit den Zs zu tun gehabt und du hast eine Explosion überlebt. Darüber hinaus bist du einfach nur ein verdammt guter Polizeibeamter. Also mach jetzt keinen Scheiß und lass die Sache ruhen.“

Paul war angesichts der lobenden Worte leicht beschämt, sah sich gleichzeitig aber auch in die Ecke gedrängt. Paul hatte von seinem Vorgesetzten mehr Rückendeckung erwartet.

„War’s das?“

„Ja. Du kannst gehen. Mach bitte die Tür hinter dir zu.“

Paul stand auf, verabschiedete sich und verließ den Raum. Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, nahm Bruno das Telefon und wählte eine Nummer.

„Hallo? Ja, ich bin’s. Ich habe mit ihm gesprochen und… ja… ja… ich glaube, er weiß etwas. Ich kenne Paul schon seit Jahren und ich bin mir sicher, dass er sich bereits darauf einen Reim gemacht hat. Er ist nicht blöd… Ja… aber nur, wenn ihr… Nein, da bin ich mir nicht sicher. Ja… haltet mich auf dem Laufenden.“

Nachdem das Gespräch beendet war, vergrub Bruno sein Gesicht in seinen Händen, atmete mehrmals tief durch und überlegte sich seine nächsten Schritte. Paul wusste bescheid, da war er sich sicher. Paul konnte die Querverbindungen zur Bundeswehr nicht übersehen haben. Bruno musste wissen, wie viel Paul wusste, musste wissen, auf welcher Seite er stehen würde, ob er ihm vertrauen könnte, ob er, wenn es darauf ankommt, loyal sein würde. Ob er, im richtigen Moment, die richtige Entscheidung treffen würde.

Bruno traf einen Entschluss. Er griff zum Telefon, wählte eine Nummer und wartete auf das Freizeichen.

„Bährer?“

„Hallo Paul, hier ist Bruno. Ich muss nochmal mit dir reden. Lass uns einen Kaffee trinken gehen, ich lade dich ein.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen