Mittwoch, 2. März 2011

Kapitel 60

Kapitel 60
Die beiden Männer trafen sich vor der Dienststelle. Als Paul aus dem Gebäude trat, stand Bruno schon vor der Tür und genoss die Strahlen der langsam hinter dem Horizont verschwindenden Sonne. Paul trat an Bruno heran und begrüßte ihn mit einer Handbewegung.
„Hast du dein Handy auf deinem Platz gelassen?“
„Ja, aber ich hab keine Ahnung, was das soll.“
„Vertrau mir.“
„Was wird das hier?“
„Sei still, und komm  mit.“
Über eine Seitenstraße ging Bruno mit Paul in Richtung der nächsten U-Bahn-Station. Nach 20 Metern beschleunigte er seinen Schritt und bedeutete Paul, ihm zu folgen. Am Ende rannten beide und stürzten die Treppe zum Zwischengeschoss hinunter. Unten angekommen, wartete Bruno und beobachtete konzentriert die nachfolgenden Leute. Als eine U-Bahn einfuhr, rief er Paul schnell zu ihm zu folgen, stürzte nach unten und sprang mit Paul in den letzten Wagen, während sich die Türen schlossen.
„Was sollte das denn jetzt?“
„Warte noch. Ich will mit dir allein sein.“
Paul starrte Bruno an. Sein Vorgesetzter wurde ihm allmählich unheimlich. Nach dem Gespräch von vor nicht einmal einer Stunde, wurde er als Vorwand zu einem Kaffee eingeladen und spielte jetzt James Bond im Münchner U-Bahnsystem. Zwei Stationen später zog Bruno Paul aus dem Wagen, während sich die Türen schlossen. Zügig ging er voran und Paul hatte Mühe, dem schnellen Schritt zu folgen. Nach zehn Minuten und mehreren Haken gelangten sie auf offenes Gelände, auf dem eine Mauer hochgezogen wurde. Baustellenlärm drang herüber. Bruno musste etwas lauter sprechen.
„So, hier sind wir unter uns.“
„Was sollte das eben?“
„Wir sind nicht mehr sicher Paul. Sie überwachen uns. Der militärische Geheimdienst wurde zur Inlandsüberwachung herangezogen und ein Schwerpunkt ist momentan die Überwachung der Polizei. Frag mich nicht, woher ich das weiß, ich darf es dir nicht sagen. Ich weiß auch, dass du weißt, dass die gestrige Tat in Verbindung mit der Bundeswehr steht, aber ich bin mir noch unsicher, ob die das wissen.“
„Verdammt. Aber was sollte das mit den Handys und der U-Bahn und warum sind wir hier?“
„Ich glaube, dass unsere Diensträume überwacht werden. Unsere Telefone werden es mit Sicherheit. Über die Mobiltelefone lässt sich unser Standort orten und ich habe keinen Bock, überraschend Besuch zu bekommen. Ich weiß nicht, ob sie uns schon beschatten, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen.“
„Ok…“
„Hier sind wir sicher. Selbst, wenn sie uns finden, wird der Baustellenlärm die Richtmikrofone nutzlos machen. Paul… ich möchte, dass du mir zuhörst. Ich weiß nicht, wie viel du weißt, ich weiß nicht, was du dir schon zusammengereimt hast, aber wir stecken in der Scheiße. Der Regierungswechsel war in Wirklichkeit ein Putsch durch das Innen- und das Außenministerium. Beide Ministerien liegen seitdem im Clinch um Verantwortlichkeiten und die weitere Führung.“
„Das hab ich mir schon gedacht.“
„Ok, ich weiß, dass du mit Horst Mewes Kontakt hast. Horst wird schon seit längerem überwacht, weil er im Verdacht steht, aufrührerisches Gedankengut zu verbreiten. Im Zuge dessen, wurdest auch du überwacht.“
„Ja, mein Telefon ist angezapft.“
„Nicht nur deines. Als Vorgesetzter von Horst steh ich auch unter Beobachtung. Zudem wurde ich gebeten, Horst im Auge zu behalten, Kontakte weiterzugeben und darauf zu achten, welche Äußerungen er im Dienst von sich gibt.“
„Ok… und wie stehst du dazu? Auf welcher Seite stehst du?“
„Ich stehe auf der Seite der Vernunft. Unsere derzeitige Regierung ist unrechtmäßig an die Macht gekommen, aber wir brauchen momentan eine starke Regierung. Da kommt eine Riesenscheiße auf uns zu und wir haben keine Zeit, uns mit internen Machtkämpfen aufzuhalten.“
„Aber was da momentan abgeht…“
„Was da momentan abgeht ist genauso scheiße, keine Frage. Aus dem Grund wollte ich auch mit dir reden. Ich hab kein Problem damit, wenn ihr die Regierungsübernahme scheiße findet, aber wir müssen jetzt zusammenhalten. Wir müssen verhindern, dass wir jetzt ausgebootet werden. Wir müssen verhindern, dass sich das Verteidigungsministerium das Land komplett unter den Nagel reißt.“
„Und wie wollen wir das anstellen? Die haben eine Armee, und wir?“
„Wir müssen unsere Stärken ausspielen. Die Bundeswehr hat Männer, Waffen und schweres Gerät, aber unsere Leute sind auf den Straßen. Unsere Leute besetzen die Schlüsselstellen und unsere Leute können schnell zugreifen. Paul. Bist du auf unserer Seite?“

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