Donnerstag, 31. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 21

Untot - Band 2 - Kapitel 21
Carlos führte die Gruppe in ein Ruhezimmer, das nur mit einem kleinen Fenster versehen war. Zusammen mit Juan verdeckten sie das Fenster so gut es ging und machten das Licht im Zimmer an. Noch funktionierte der Strom und künstliches Licht flutete den Raum. Juan sah einen Getränke- und einen Snackautomaten, den er zusammen mit Maria knackte.
Der Inhalt der Automaten stellte eine willkommene Abwechslung zu dem getrockneten Fleisch, dem alten Brot und dem Wasser der letzten Tage dar. Juan freute sich besonders über ein gut gekühltes Bier aus dem Getränkeautomaten. Nachdem Carlos sich satt gegessen und sich danach beinahe übergeben hatte, stießen die beiden Männer an und Carlos erzählte ihnen seine Geschichte.
Carlos betrieb in der Nähe eine kleine Farm und hatte sich die letzten Jahre etwas dazuverdient, indem er den Norden Mexikos mit spezieller Ware belieferte. Die Polizei in Milpillas sah darüber großzügig hinweg, genauso großzügig war Carlos mit seinen Spenden an den Bürgermeister und den Polizeikommandanten vor Ort. Es war eine friedliche Koexistenz für Jahre bis vor vier Tagen.
Vor fünf oder sechs Tagen wurden einige der örtlichen Farmer und Farmarbeiter angegriffen. Die Angreifer zeigten kannibalistische Züge, bissen sich an ihren Opfern fest und verstümmelten sie auf grausame Art und Weise. Schüssen gegenüber zeigten sie sich unempfindlich. Außer Kopftreffer, wie Carlos herausfand. Das Radioprogramm sprach von einer nationalen Bedrohung und Carlos konnte sich zusammenreimen, worin die Bedrohung bestand. Als einige der Kreaturen vor Carlos‘ Farm auftauchten, pustete er um den 20 von ihnen das Gehirn heraus und rief danach die örtliche Polizei.
Diese steckte Carlos wegen Mordverdacht in eine Zelle, wollten nichts hören von Untoten und nationaler Bedrohung. Kurz darauf wurden die Beamten zu einem Einsatz gerufen und kamen nicht mehr zurück. Seitdem steckte Carlos in der Zelle. Nach einem Tag verwandelte sich sein Zellennachbar. Er war von den Wesen angegriffen und verletzt worden, hatte einige mit seiner Machete enthauptet und wurde ebenfalls von den Polizisten wegen Mordes eingesperrt. Als Carlos in die andere Zelle geworfen wurde, war der bereits in einem schlechten Zustand und noch in der folgenden Nacht muss er gestorben sein und kam noch in derselben Nacht zurück. Seitdem gammelte und stank er bei unmenschlichen Temperaturen vor sich hin.
„Du baust also Drogen an?“
„Nein, nein… keine Drogen. Medizin.“
„Ahja. Deswegen auch der Revolver.“
„Ja. Schönes Stück, nicht wahr? Ich habe ihn von einem… ähm… Geschäftspartner aus dem Norden. Wo wollt ihr hin?“
„Wir wollen nach Guadalajara und hoffen, dass die Situation dort noch unter Kontrolle ist. Im Radio hieß es, man solle sich in Ballungszentren begeben.“
„Hab ich auch gehört. Was dagegen, wenn ich mit euch komme?“
„Ich glaube, mehr Hände würden nicht schaden. Fühlst du dich denn fit genug?“
„Gebt mir noch einen Tag. Wir könnten den morgigen Tag nutzen, um uns nach Vorräten umzuschauen. Die Snacks hier sind ja schön und gut, aber ein paar mehr Nahrungsmittel und Munition wären sicher nicht verkehrt.“
„Und woher…?“
„Munition gibt’s hier. Im Umkleideraum gibt es einen Schrank mit Waffen und Munition. Ich bin mir sicher, dass wir da noch ein wenig finden werden. Im Ort gibt es noch einen Lebensmittelladen, dort können wir dann noch die Vorräte auffüllen. Es ist ein langer Weg nach Guadalajara. Mit etwas Glück finden wir auch noch einen Wagen.“
„Hast du einen Wagen?“
„Ja, einen Lieferwagen. Der steht aber auf meiner Farm, und die liegt in einen halben Tagesmarsch in entgegengesetzter Richtung. Etwas weit, nur um dann festzustellen, dass die Karre weg, oder im Arsch ist.“
„Das stimmt.“
„Eventuell finden wir in Milpillas ein anständiges Fortbewegungsmittel. Entweder was wendiges, oder was Massives.“
„Wieso?“
„Wir wissen nicht, was uns erwartet. Eventuell müssen wir von der Straße runter oder irgendwo durchbrechen. Wir wissen nicht, welche Gebiete von der Infektion betroffen sind, und ob alle Straßen passierbar sind. Wir wissen gar nichts und müssen dementsprechend vorbereitet sein.“
Juan erwiderte nichts mehr, sah Carlos in die Augen und nickte. Wortlos tranken sie noch ihr Bier leer. Juan dachte noch über Carlos‘ Worte nach. Er hatte Recht, sie wussten nichts, überhaupt nichts. Vielleicht war Guadalajara bereits tot, von den Untoten überlaufen. Vielleicht rannten sie direkt in die Arme der Untoten. Vielleicht waren die Straßen auch unpassierbar, gesprengt vom Militär, um den Vormarsch aufzuhalten. Juan stand auf, löschte das Licht, tastete sich zurück zu seinem Feldbett und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Mittwoch, 30. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 20

Untot - Band 2 - Kapitel 20
Es war, wie Maria gesagt hatte. Türschilder wiesen Räume als Verwaltungs- und Diensträume aus. Es war eher unwahrscheinlich, dass sie hier Betten finden würden, aber ein sicherer Raum für die Nacht war mehr wert, als tausend Betten. Etwas zügiger als gewohnt, ging Juan den Flur entlang, der am Ende nach links abbog. Juan hatte ein spezielles Ziel, er wollte in die Diensträume der örtlichen Polizei. Dort gab es möglicherweise ein Funkgerät und Waffen, oder vielleicht noch irgendjemand, der am Leben war.
Als er am Ende des Flurs nach links abbog, stand er vor einer weiteren Tür, einer Glastür, die den dahinter liegenden Bereich als Dienststelle auszeichnete. Juan stemmte sich dagegen und fand die Tür unverschlossen. Im Gegensatz zur Verwaltung standen die Türen offen. Scheinbar war man überrascht aufgebrochen. Mit einem schnellen Blick vergewisserte sich Juan, dass die Räume leer waren. Es waren meist Verwaltungsräume, die zumindest bei einem schnellen Blick keinerlei brauchbares Material aufwiesen.
Am Ende des Flurs lagen die Umkleidekammer und die Zellen. Beide Türen waren geschlossen. Juan zog am Türgriff des Umkleideraums, konnte die Türe aber nicht öffnen. Trotz der Eile hatte man den Raum noch abgeschlossen. Enttäuscht ging er zur gegenüberliegenden Tür und fand diese unverschlossen vor. Die Tür schwang nach innen und Verwesungsgestank drang in Juans Nase. Zwei der Zellen waren noch belegt.
Die rechte Zelle war von einem geifernden Untoten belegt, der seinem Aussehen nach zu urteilen seit mehreren Tagen versucht hat, aus seiner Zelle auszubrechen. An mehreren Stellen an den Fingern, den Armen und dem Kopf fehlte die Haut, oder ganze Fleischstücke. Die Fingernägel waren abgebrochen und lagen zusammen mit dem abgeriebenen Fleisch und den Hautresten auf dem Boden vor der Zelle verteilt.
In der zweiten Zelle lag ein Mann auf der Pritsche, der im Gegensatz zu seinem Mitgefangenen noch höchst lebendig aussah. Als er bemerkte, dass Juan in den Raum ging, richtete er sich auf und sah Juan überrascht an. Er machte einen ausgemergelten, aber gesunden Eindruck. Juan fragte sich, wie lange er schon in der Zelle saß und vor allem warum.
„Hallo. Ich bin Carlos.“ Stellte sich der Gefangene vor.
„Hallo. Juan. Ich…“
„Hören sie, bevor wir uns mit Nettigkeiten aufhalten – könnten sie mich eventuell aus der Zelle entlassen. Es stinkt hier drin bestialisch und ich würde gern nach drei Tagen wieder Wasser zu mir nehmen, dass nicht aus einer Toilette stammt und auch Nahrung stände ich nicht abgeneigt gegenüber.“
„Hören sie… Carlos. Ich kenne sie nicht und ich weiß nicht, warum sie eingesperrt sind. Außerdem wird es gerade dunkel und…“
„Ich verstehe sie schon, ich weiß aber nicht, was ich von ihnen zu erwarten habe.“
„Jaja, schon gut. Ich sitze hier wegen einem Justizirrtum. Ich habe einem dieser Dinger den Schädel weggeblasen und als sie mir geglaubt haben, war es zu spät. Also lassen sie mich jetzt raus.“
„Ich weiß nicht, ob ich ihnen trauen kann.“
„Das hatten wir schon. Hören sie, ich habe seit drei Tagen nichts gegessen und Wasser aus der Toilette getrunken. Selbst wenn ich ein Serienkiller wäre, hätte ich momentan andere Prioritäten, als mich an ihnen zu vergehen.“
„Wer sagt mir, dass sie mir nicht meine Vorräte wegnehmen?“
„Achja, lassen sie mich so sagen: ich zeig ihnen, wo sie hier Vorräte finden.“
„Ok…“
„Schauen sie dort auf den Schreibtisch, am anderen Ende des Zimmers. Dort liegt ein Schlüsselbund.“
Juan sah zögernd auf den Schlüsselbund und zurück in Carlos‘ flehende Augen. Er hatte Recht. Welche Gefahr ging von diesem ausgemergelten Burschen noch aus? Juan ging zum Schreibtisch, nahm den Schlüssel und trat an die Zelle.
„Sie schwören mir bei ihrem Ehrenwort, dass sie mich und meine Begleiter in Frieden lassen?“
„Ihre Begleiter? Ach… natürlich, selbstverständlich. Und jetzt sperr das scheiß Ding hier auf.“
Juan steckte den Schlüssel in das Schloss, drehte ihn herum und zog die Tür auf. Carlos fiel mehr aus der Zelle, als dass er ging. Juan fing ihn auf.
„Danke. Könntest du mich bitte zu dem Schreibtisch rüberbringen? Da sind ein paar Habseligkeiten von mir, die ich ungern zurücklassen möchte.“
Juan brachte Carlos an den Schreibtisch und sah ihm zu, wie er sich auf die Platte stützend um den Schreibtisch herum auf die andere Seite begab. Dort öffnete er Schubladen, bis er gefunden hatte, wonach er gesucht hatte. Unerwartet sah Juan in den Lauf eines silbern glänzenden Revolvers. Carlos grinste und setzte die Waffe wieder ab.
„Tut mir leid, hab ich dich erschreckt?“
Juan sah ihn an und schüttelte mit dem Kopf, obwohl er für einen Moment zu Tode erschrocken war. Carlos steckte sich den Revolver in den Hosenbund und drehte sich zu einem Funkgerät, drehte daran herum, blieb aber erfolglos.
„Kennst du dich mit sowas aus?“
Juan schüttelte den Kopf.
Carlos nahm das Telefon ab, drückte wahllos ein paar Tasten, legte auf, nahm den Hörer wieder ans Ohr, bevor er ihn auf die Gabel knallte.
„Tot“ kommentierte er seine Aktion und ging wieder zu Juan.
„Wann lerne ich deine Begleiter kennen?“
„Komm erst Mal mit. Juan half Carlos aus dem Zimmer und ging mit ihm zurück zum Eingang. Dort wartete Maria mit ihren Kindern. Die Sonne war jetzt fast komplett verschwunden und lange Schatten verdunkelten den Abend.
„Wer ist das?“
„Das ist Carlos. Er war in einer der Zellen.“
„Können wir ihm trauen?“
„Ich weiß nicht, aber er hat mich nicht getötet, als er die Gelegenheit dazu hatte.“
„Und was machen wir jetzt?“
„Jetzt essen wir erst Mal richtig und danach schlafen wir so richtig aus.“ Entgegnete Carlos.

Dienstag, 29. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 19

Untot - Band 2 - Kapitel 19

Um seine Begleiter zu schonen, ging Juan alleine vor. Ein Tuch um das Gesicht sollte ihn vor dem Gestank und Krankheitserregern schützen. Was die Krankheitserreger betraf, wollte sich Juan nicht festlegen, aber den Gestank konnte er damit nicht abhalten. So vorsichtig wie möglich und bedacht darauf, auf keine der Leichen zu steigen, arbeitete sich Juan langsam voran, immer die Hauseingänge im Blick, um nicht überrascht zu werden.

In ungefähr 200 Meter Entfernung sah Juan die Kirche. Möglicherweise gab es dort Überlebende. Oder die Kirche war voller Untoter. Mit Grauen erinnerte er sich an Enriques Geschichte über die Kirche in Tepic. Ein Geräusch ließ Juan aufhorchen. Vor ihm huschte etwas über die Straße. Zu klein, für eine dieser Kreaturen. Mit den Augen folgte er der Bewegung und fand schließlich eine Ratte, die sich an den Kadavern der toten Tiere nährte.

Die Ratten hatten offensichtlich schnell gelernt, dass ihnen die toten Menschen selbst den Tod brachten und ihre Ernährung entsprechend umgestellt, dabei auch keine Probleme mit Kannibalismus. Gierig verzehrte die Ratte einen ihrer Artgenossen. Ob die Seuche auch auf Tiere übertragen wurde? Was, wenn diese Ratte infiziert war und die andere Ratte sich ebenfalls erheben würde? Dann wäre die Menschheit endgültig am Arsch, entschied Juan und ging langsam weiter.

Eine Backsteinmauer umgab das Kirchengelände, unterbrochen vom Kircheingang, der in den Mittelteil der Kirche mündete. Die Türen waren geschlossen. So leise wie möglich näherte sich Juan dem Eingang und legte sein Ohr auf die Tür, konnte aber nichts hören. Angestrengt horchte er weiter, bis er sich sicher war, dass keine Geräusche aus dem inneren der Kirche kamen.

Mit dem Gewehrkolben klopfte er einmal leicht auf das Holz der Türe. Der Schlag hallte leise im Inneren des Gebäudes und verstummte wieder. Wieder legte er sein Ohr an das von der Sonne aufgewärmte Holz der Türe. Gerade, als er dachte, dass die Kirche leer stand, konnte er sie hören. Erst war es ein leises Stöhnen und schlurfende Schritte. Dann nahm das Stöhnen zu und Juan hörte, wie etwas Schweres, Hölzernes mit einem dumpfen Knall zu Boden fiel.

Irgendjemand oder irgendetwas hämmerte von innen auf die schweren Holztüren. Instinktiv trat Juan einen Schritt zurück, und fand seinen Fuß in dem verwesten Frau unbestimmbaren Alters. Ihre halbverwesten Eingeweide hingen an seinem Schuh, als er ihn angeekelt aus ihrem Körper herauszog. Zeit sich darüber Gedanken zu machen hatte er nicht, denn immer mehr Hände und Fäuste trommelten gegen die Türe. Die Türe wirkte durchaus massiv, aber er wollte nicht herausfinden, wo die Belastungsgrenzen der Türe waren.

Vor seinem geistigen Auge malte sich Juan aus, wie die Einwohner hilfesuchend in die Kirche rannten, nur um von Ihresgleichen nur kurze Zeit später infiziert zu werden. Angewidert und ängstlich ging er zurück. Die Sonne stand schon tief am Himmel. Sie mussten schnell eine Unterkunft finden, wollten sie die Nacht nicht im Freien verbringen. Vor dem Hintergrund herumliegenden Toten und der infizierten Kirchenbesucher ein schrecklicher Gedanke.

Als er wieder bei seinen Begleitern war, berichtete er kurz, was er vorgefunden hatte und seine Vermutungen, was hier vorgefallen war.

„Was sollen wir jetzt machen?“

Marias Stimme klang müde und ausgelaugt.

„Wir müssen eine Unterkunft suchen. Wir dürfen auf keinen Fall im Freien bleiben. Lass uns um die Stadt gehen und Ausschau halten.“

Maria stimmte seinem Vorschlag zu und gemeinsam umkreisten sie die Stadt, bis sie auf ein alleinstehendes, etwas abseits errichtetes Gebäude stießen. Das Haus schien relativ neu zu sein und war für hiesige Verhältnisse relativ modern. Große Antennen ragten aus dem Dach.

„Was ist das für ein Gebäude?“

Erstaunt sah ihn Maria an.

„Bist du denn nie aus dem Kaff rausgekommen? Das hier ist die örtliche Verwaltungsstelle und Sitz der örtlichen Polizeidienststelle.“

„Und warum erzählst du mir erst jetzt davon?“ fuhr Juan sie wütend an.

„Weil ich nicht wusste, dass die Straßen mit Leichen verstopft sind und die Einwohner als Untote Kirchenbesucher dahinvegetieren.“ Keifte sie zurück.

Juan wirkte verschämt, antwortete aber nicht darauf und ging direkt auf das Gebäude zu. Die Türen und Fenster schienen unversehrt. Inzwischen stand die Sonne schon erschreckend tief und würde in wenigen Minuten ganz untergehen. Juan hoffte auf ein Wunder, als er die letzten Meter zurücklegte. Vorsichtig warf er einen Blick durch die tief liegenden Fenster, konnte aber nichts erkennen. Wie zuvor bei der Kirche, legte er langsam sein Ohr an die Tür, hörte nichts, klopfte mit dem Kolben dagegen und horchte weiter. Aus dem Gebäude kam kein Geräusch.

Er winkte Maria zu sich und bat sie die Türe zu öffnen, während er das Gewehr im Anschlag hielt. Maria drückte die Klinke nach unten und quietschend schwang die Tür nach innen, was Juan einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Mit dem Gewehr im Anschlag verharrte er noch eine halbe Minute vor der Tür, bis er sich sicher war, dass sich kein menschenfressendes Ungetüm auf ihn werfen würde. Das immer stärker schwindende Tageslicht machte ein schnelles Vorgehen erforderlich. Er hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Mit dem Gedanken im Hinterkopf betrat er das Gebäude.

Montag, 28. März 2011

Stadt of the Dead - Milpillas de Allende

Milpillas de Allende. Ein Name, der hierzulande wahrscheinlich niemand ein Begriff ist. Ich kannte die Stadt bis vor kurzem auch nicht und bin über Google-Maps auf die Stadt gestossen.

Wonach ich gesucht habe, war eine größere Ansiedlung nördlich von Guadalajara. Gefunden hab ich ein Kleinod traditioneller mexikanischer Bauweise, zumindest dann, wenn man wie ich Mexiko nur aus billigen Filmen oder Western kennt.

Für die Detailbeschreibungen hab ich nicht Google-Maps, sondern Bilder aus Milpillas benutzt. Wer wissen will, wie die Stadt ausschaut, über die in meiner Geschichte die Zombieseuche hereingebrochen ist, der schaut hier:


Wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass ich die Bilder mangels Ortskenntnisse in den falschen Kontext gestellt hab.

Untot - Band 2 - Kapitel 18

Untot - Band 2 - Kapitel 18

Es war Zeit aufzubrechen. Enrique erlaubte es sich, ihre Vorräte noch um einige von seinen Vorräten zu ergänzen. Mehrmals bat ihn Juan, sich ihrer Reise anzuschließen, was er aber kategorisch ablehnte. In dem Haus fühlte er sich sicher und er würde lieber hier einsam sterben, als den Kreaturen in die Hände zu fallen. Gott hatte ihm ein Zeichen gegeben und er würde hier auf ein neues Zeichen Gottes warten.

Juan musste sich auf die Zunge beißen, verriet ihm aber nichts. Stattdessen klopfte er ihm auf die Schulter, verabschiedete sich von seinen Söhnen und verließ das Haus. Draußen war Maria bereits damit beschäftigt, die leeren Flaschen aufzufüllen und sie in ihren Taschen zu verstauen. Juan ging ihr zur Hand, schulterte zwei Taschen und drehte sich noch einmal um, um sich von Enrique zu verabschieden, stand aber schon vor einer verschlossenen Tür.

Etwas enttäuscht drehte sich Juan wieder um und ging der Gruppe voran. Um möglichst viel Weg gutzumachen, schlug Juan den Weg zur Straße ein. Quer durch das Gelände ging zu viel Zeit verloren und auf der Straße würden sie vielleicht andere Überlebende treffen. Die Toten nutzten ohnehin keine Straßen, also wär es auch nicht riskanter, als querfeldein zu laufen.

Nach ein paar Minuten erreichten sie die Straße nach Milpillas de Allende. Wolken schützten die Reisenden vor der prallen Sonne, und machten den Fußmarsch erträglicher. Sie kamen gut voran. Sie gingen durch Wälder, und als sie das gebirgige Gelände verließen, lagen vor ihnen die abgeernteten und vertrockneten Felder der hier ansässigen Farmer.

Auf den Feldern standen Steinkreise, die das darin lagernde Korn vor Tieren schützen sollten und Juan fragte sich, ob es ihnen im Notfall auch Schutz für die Nacht bieten würde. Während des ganzen Fußmarsches trafen sie nicht einmal auf die untoten Kreaturen, aber auch nicht auf andere Menschen. Die Straßen und Felder waren wie ausgestorben, keine Geräusche, die auf menschliches Leben schließen ließen waren zu hören.

Nach einiger Zeit erkannte Juan zwei Kirchtürme, deren Braun sich deutlich von dem Weiß der anderen Gebäude abhob. Als sie näher kamen, sahen sie auch die die Kirche umgebende Mauer. Noch immer war von den Untoten nichts zu sehen und Hoffnung keimte in Juan auf. Möglicherweise hatten sich die Einwohner in der Stadt verschanzt und könnten ihnen Deckung bieten, bis Hilfe einträfe.

Um einiges euphorischer, aber immer noch vorsichtig gingen sie weiter. Ein mit Steinen gepflasterter Weg führte in die Stadt hinein. Die rechte Seite war durch Steine befestigt und sollte wohl verhindern, dass die Straße in der Regenzeit von herunter gespülter Erde verschmutzt würde. Juan musste innerlich darüber lachen, wie profan ihm das in diesem Moment erschien. Eine dreckige Straße… Juan würde alles dafür gehen, auf einer dreckigen, aber dafür sicheren Straße gehen zu können.

Als sie die Steigung überwunden hatten, sahen sie die landestypischen, niedrigen und oft in verschiedenen Farben gestrichenen Häuser. Die meisten Farben waren verwaschen und die Häuser schmutzig. Trotzdem war es für Juan der schönste Anblick seit Tagen, ach was, seines Lebens. Die Freude währte nicht lange. Nachdem sie die Steigung komplett überwunden hatten, konnte Juan einen ihm in letzter Zeit nur zu vertrauten Geruch einatmen.

Es roch nach Tod, nach Verwesung, nach den Untoten. Sie waren also auch hierher gelangt. Juan drehte sich zu seinen Mitreisenden um und wies sie an, besonders aufmerksam und leise zu sein, die Umgebung im Auge zu behalten und bei der kleinsten Auffälligkeit ihm sofort Bescheid zu geben. Er nahm das Gewehr von der Schulter und nahm es in Anschlag. So gingen sie langsam weiter auf die ersten Häuser zu.

Neben den Häusern verlief eine kleine Mauer, die ihnen die Sicht auf die Straßen der Stadt nahm. Durch eine Lücke in der Mauer schlängelte sich die Straße durch die Stadt. Durch eine unmittelbar hinter dem Tor einsetzende Kurve konnte Juan nichts erkennen, und ging vorsichtig weiter. Der Gestank wurde immer intensiver. Um etwas davon abzuhalten, zog er sich das T-Shirt ins Gesicht und über die Nase.

Das Gewehr weiter im Anschlag trat Juan durch die Lücke und wandte sich ekelerregt ab. Leichen säumten die Straße. Geronnenes Blut klebte zwischen den Steinen und bildete Pfützen in den Schlaglöchern der Straße. Zwischen den Leichen lagen tote Ratten und verendete Vögel, die sich scheinbar an den toten Körpern laben wollten. Auf den toten Tieren saßen Fleischfliegen, die ihre Eier in die toten Körper ablegten. Es stank bestialisch und stellte alles in den Schatten, was Juan bisher ertragen musste.

Viele der Türen und Fenster der gegenüber liegenden Häuser waren zerstört, von außen eingeschlagen, wie es den Anschein hatte. Braune, eingetrocknete Blutschlieren zogen sich über die Fassaden. Neben den Leichen zeugten das Blut und abgetrennte Körperteile davon, dass hier ein schreckliches Massaker stattgefunden haben musste. Alle Leichen wiesen schwere Kopfverletzungen auf, manche waren mit stumpfen Gegenständen beigebracht worden, bei anderen zeugten Einschnitte von Macheten oder Einschusslöcher von Schusswaffengebrauch. Wer auch immer hier war: kampflos ergeben haben sie sich nicht.

Sonntag, 27. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 17

Untot - Band 2 - Kapitel 17
Nichts passierte. Kein Knall, kein Schuss… Enrique nahm die Waffe vom Kopf und sah sie ungläubig an. Ein Omen. Gott wollte nicht, dass Enrique sich das Leben nimmt. Enrique wusste, dass Gott noch etwas mit ihm vorhaben würde, dass Gott wollte, dass er sich um seine Kinder kümmert. Gott hatte durch die Waffe zu ihm gesprochen, das wusste er. Er sicherte die Pistole wieder, legte sich hin und fiel in einen tiefen von schönen Träumen erfüllten Schlaf.
Als Enrique am nächsten Tag erwachte, sprach er sich mit der Gruppe aus. Er erzählte von seinem Kummer, er erzählte von der Pistole und er erzählte von seinem missglückten Selbstmordversuch. Die Anwesenden waren geschockt, aber froh, ihn noch am Leben zu sehen. Seine Söhne fielen ihm um den Hals und dankten zusammen mit ihrem Vater Gott, dass er noch am Leben war.
Juan war auch froh, dass Enrique noch am Leben war. Er wollte mit Maria und den Kindern weiterziehen und hatte keine große Lust, sich um Enriques Söhne zu kümmern. Am Boden sah er Enriques Pistole liegen. Vorsichtig hob er sie auf und sah sie sich näher an. Es war eine schöne und kleine, zugleich massiv gebaute Waffe. Auf der Seite waren der Name „Walther“ und die Seriennummer P22 eingestanzt.
Juan fummelte etwas herum, bis er den Sicherungsbolzen für das Magazin fand und zog das Magazin aus der Waffe. Es war leer. Juan gingen mehrere Gedanken durch den Kopf. Enrique war ein verdammter Vollidiot. Rennt mit einer ungeladenen Waffe herum. Plötzlich kam sich auch Juan dumm vor. Er hatte Todesangst. Vor einer ungeladenen Waffe. Im gleichen Masse, wie es ihn einerseits amüsierte, wurde er auf Enrique wütend.
Wenigstens hatte er seinen Lebensmut zurückgewonnen und Juan würde den Teufel tun, ihm diesen Lebensmut wieder zu nehmen. Stattdessen schob er unauffällig einige Patronen in das Magazin und das Magazin anschließend in die Waffe zurück. Danach sicherte er die Waffe wieder und legte sie unauffällig dahin zurück, wo Enrique sie abgelegt hatte. Vielleicht würde ihm das eines Tages das Leben retten.
Juan bemerkte, dass Maria ihn ansah. Er erwiderte ihren Blick und mit ihren Augen zeigte sie auf Enriques Waffe. Juan verstand ihren Blick und winkte ihr zu, ihn zu begleiten. Leise stieg er auf der Leiter nach unten und Maria folgte ihm.
„Was war das eben? Was hast du mit seiner Waffe gemacht?“
„Pst, sei leise, dass er uns nicht hört. Dieser Vollidiot hatte seine Waffe nicht geladen. Das Magazin war leer. Es war nicht Gottes Wille, dass er am Leben ist, sondern seine eigene Unfähigkeit.“
„Hm… und wer sagt, dass es nicht Gottes Wille war, dass die Waffe nicht geladen war?“
„Mein gesunder Menschenverstand. Hör zu Maria, wir müssen hier wieder weg. Wir bleiben noch diese Nacht und morgen früh füllen wir unsere Wasserflaschen und verschwinden hier. Wir müssen nach Milpillas de Allende und dort nach Hilfe suchen.“
„Wer sagt, dass Milpillas de Allende nicht auch schon von diesen Dingern überfallen wurde?“
„Keiner. Aber wenn wir nicht nachschauen, werden wir es nie erfahren.“
„Und dann? Kämpfen wir uns dann unseren Weg frei? Rennen wir vor den Dingern davon? Was dann Juan?“
„Ich weiß es nicht. Aber hier können wir auch nicht ewig bleiben. Sofern die Gegend von der Regierung evakuiert wird, müssen wir dahin, wo es Menschen gibt. Hier verrecken wir.“
„Was weißt du eigentlich? Warum hat mir Gott meinen Emilio genommen? Warum bist du hier und nicht er? Warum konntest du nicht an seiner statt sterben? Ich hasse dich Juan, ich hasse dich!“
Sie spie ihm die Worte fast schon ins Gesicht. Ihre Augen glänzten glasig, schienen aber trotzdem noch tödliche Speere auf Juan abzufeuern. Ihr Blick ließ Juan instinktiv einen Schritt zurücktreten. Tränen traten aus ihren Augen, liefen ihre Wangen hinab und tropften auf ihr Kleid. Sie hob die Hand und streckte Juan den Zeigefinger entgegen.
„Du hast ihn getötet. Ihn und meinen Sohn. Das werde ich dir nie verzeihen. Niemals. Ich schwöre dir, es wird der Tag kommen, an dem ich dich töten werde. Ich schwöre es, du verdammter Hurensohn!“
Dabei brach sie in Tränen aus. Ihre Füße schienen von einer Sekunde auf die andere ihren Dienst zu quittieren und Juan trat schnell einen Schritt vor um sie aufzufangen, bevor sie auf den Boden krachen konnte. Mit ihren Fäusten hämmerte sie schwach auf ihn ein, bevor sie ihren Kopf auf seine Schulter legte und ihrer Trauer freien Lauf ließ.
Juan nahm sie fest in den Arm und flüsterte ihr immer wieder zu, dass alles wieder gut werden würde. Er versprach ihr, sich um sie und die Kinder zu kümmern. Er versprach ihr, sie alle in Sicherheit zu bringen und er versprach ihr, dass sie dann mit ihm machen könne, was auch immer sie wollte. Das war er ihr, Emilio und den Kindern schuldig. Gleichzeitig war er es sich auch selber schuldig. Er würde sie alle in Sicherheit bringen und wenn er dabei draufgehen würde.

Samstag, 26. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 16

Untot - Band 2 - Kapitel 16
Nach dem Tod von Lurdes war Enrique nicht mehr derselbe. Wortlos saß er auf der Couch im Erdgeschoß, umklammerte seine letzten Momente mit seiner innig geliebten Lurdes und ließ sie nicht mehr los. Für Enrique schien die Zeit auf dieser Couch stehenzubleiben. Solange er hier saß, würde die Erinnerung an Lurdes nicht verblassen. Er könnte die letzten Minuten mit ihr ein Leben lang im Herzen tragen, wenn er hier nur lange genug sitzen würde.
Enriques Söhne wurden vom Tod ihrer Mutter ebenfalls stark mitgenommen, waren aber in der Lage, ihre Trauer stärker zu kompensieren. Nach der schrecklichen Flucht aus Tepic waren sie auf alles gefasst. Sie hatten mit ansehen müssen, wie Nachbarn aus ihren Häusern gezerrt und aufgefressen wurden. Sie sahen sie Überreste eines Mitschülers über einen Zaun hängen, während sein Unterleib auf der anderen Seite aufgefressen wurde und wurden von einem Lehrer verfolgt, der ihnen die Kehle aufreißen wollte, wie zuvor einem ihrer Mitschüler.
Julio und Pablo hatten die letzten Tage genügend Scheiße für den Rest ihres Lebens gesehen und hatten mehr Tränen vergossen, als sie es jemals für möglich gehalten hätten. Das Gemetzel in Tepic war schrecklich. Hunderte Gläubige hatten sich in der Kathedrale verschanzt, als es zu den ersten Ausbrüchen kam. Dummerweise waren wohl einige Gläubige bereits infiziert und so kam es, dass die Kirchengemeinde nicht unwesentlich zur schnelleren Ausbreitung in Tepic beigetragen hatte.
Als nach Tagen keine Lebenszeichen aus der Kathedrale kamen, ließ der Bischof die Türen gewaltsam öffnen. Sie fanden ein wahnsinniges Gemetzel vor und hunderte Leichen, die sich alsbald über die ganze Stadt ergossen. Die ohnehin bereits am Anschlag agierenden Sicherheitskräfte wurden durch die Flut aus der Kirche komplett überrascht und schon am nächsten Tag hatte sich die Infektion überproportional schnell in der ganzen Stadt ausgebreitet.
Enrique hatte durch einen Bekannten bei der Polizei den Rat erhalten, sich so schnell wie möglich aus der Stadt zu begeben, weil sie nicht mehr lange zu halten sei, die Kontrolle bereits entglitten war und bald die komplette Abriegelung drohe. Enrique befolgte den Rat, packte seine Familie ins Auto, lud so viele Vorräte wie möglich auf, und fuhr einfach los. Ihr Ziel war eine mit Freunden gemeinsam genutzte Jagdhütte.
Sie hielten nicht an, für niemanden.
Mit etwas Glück und viel Hilfe seines Bekannten, erreichte Enrique unbehelligt die Stadtgrenze und lenkte sein Fahrzeug nach Osten, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Auf ihrer Flucht spielten sich grauenhafte Szenen ab. Eine Mutter mit ihrem Säugling auf dem Arm schrie und flehte um Hilfe, doch Enrique ignorierte ihre Hilferufe. Im Rückspiegel sah er noch, wie die Mutter von einer Horde Untoter attackiert und wahrscheinlich getötet wurde.
Enrique hatte kein schlechtes Gewissen deswegen. Er war nur für die Sicherheit seiner Familie verantwortlich und für sonst niemand. Sie hätte infiziert sein können. Über seinen Freund erfuhr er, was die Presse und die Regierung der Bevölkerung – warum auch immer – verschwiegen. Schon ein Kratzer konnte dich zu einem von diesen Kreaturen machen und nur ein zerstörtes Gehirn dich wieder davon erlösen.
Die Hütte war seine Rettung. Hier würden sie ausharren, bis die Lage wieder unter Kontrolle ist. Weit weg von Tepic, weit weg von den Kreaturen und weit weg von all den Infizierten. Enrique war zufrieden. Bis sie die ersten von ihnen sahen, während sie ihre Vorräte aus dem Auto holten. Mit den Fahrrädern waren sie ihnen gegenüber zum Glück im Vorteil, trotzdem waren sie entsetzt, auch in dieser Einöde auf die Monster zu stoßen und igelten sich in Folge in ihrer Hütte ein, bis zum Eintreffen von Juan.
Als die Nacht hereinbrach, verharrte Enrique weiter auf der Couch. Seine Gedanken kreisten um Lurdes und seine Söhne. Ohne seine Söhne hätte er sein Leben wahrscheinlich schon beendet. Seine Trauer war unbeschreiblich. Neben all den Freunden und Verwandten, die mittlerweile wahrscheinlich schon tot waren, hatte er seine Frau verloren. Seinen Anker. Die Person, die ihm den nötigen Halt und die Kraft gab, das Grauen durchzustehen.
Schwer lag die Pistole in seiner Hand. Seine Finger umspielten den Abzug, entsicherten und sicherten die Waffe wieder. Enrique drückte sich den kalten Stahl mit zitternden Händen gegen den Kopf. Eine Fingerbewegung, und alles wäre vorbei. Keine Schmerzen mehr, keine Trauer. Eine alles verschlingende Schwärze würde ihn einhüllen und alle Sorgen und Nöte von ihm nehmen. Sein Zeigefinger krümmte sich leicht und drückte den Abzug durch.

Freitag, 25. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 15

Untot - Band 2 - Kapitel 15
Erschreckt zog Juan seine Hand zurück und starrte auf den Arm der Frau.
„Das ist nichts. An der letzten Tankstelle wurde ich von einem dieser Dinger gebissen, Enrique hat ihn erledigt, bevor er mich ernsthaft verletzen konnte. Ich bin übrigens Lurdes.“
Erneut streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Juan ergriff sie zögerlich und drückte sie leicht.
„Ich bin Juan. Unten sind noch Maria, Carmen und Antonio. Diese Verletzung…“
„Tut fast nicht mehr weh“  vervollständigte Lurdes Juans Satz.
„Wann ist das passiert?“
„Vor drei Tagen. Wir waren gerade auf dem Weg hierher und mussten an einer Tankstelle Rast machen. Enrique, würde es dir etwas ausmachen, die Geschichte weiter zu erzählen. Ich fühle mich etwas müde.“
Enrique stand auf, nahm Lurdes in den Arm, und führte sie wieder hinter den Vorhang. Juan hörte leises Gemurmel, bevor er wieder hinter dem Vorhang hervortrat.
„Ja, wir waren an dieser Tankstelle. Es sah alles ganz ruhig aus und unser Tank war fast leer. Ich wollte Benzin zapfen, aber die Zapfsäule gab nichts mehr her. Lurdes stieg aus, um in der Tankstelle nachzufragen. Ich wollte sie noch aufhalten, aber das Temperament meiner Frau lässt sich nicht so einfach zügeln.“
Seine Lippen verzogen sich zu einem gequälten Grinsen.
„Sie rannte also in die Tankstelle und rief nach einem Angestellten. Konnte aber niemand finden. Der Verkaufsraum war leer und aus der Werkstatt kam keine Antwort. Gerade als sie gehen wollte, hörte sie hinter der Theke ein Geräusch. Es klang wie ein Schmatzen, als würde dort jemand sein Essen in sich hineinstopfen. Nach der ganzen Scheiße hätte sie eigentlich…“
Seine Stimme brach ab und Tränen liefen aus seinen Augen. Er sah in Juans Gesicht, räusperte sich und  wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht, um sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.
„Als ging sie zur Theke, rief nochmal und wollte sich gerade an der Theke etwas nach vorne ziehen, als eines dieser Dinger mit blutverschmiertem Maul nach oben schießt, und versucht, sie in ihren Arm zu beißen. Lurdes konnte ihren Arm noch zurückziehen, aber nicht vermeiden, dass er ihre Haut mit seinen Zähnen noch leicht aufriss. Als sie hilfeschreiend aus dem Gebäude kam, bin ich rein und hab den Bastard mit einer Kugel in den Kopf umgelegt.“
Demonstrativ hob er seine Pistole, bevor er fortfuhr.
„Wir haben gedacht, dass sei nichts. Es war nur ein Kratzer. Wir… Wir sind dann weitergefahren, bis uns der Sprit ausging. Die letzten fünf Kilometer sind wir gelaufen. Die Vorräte haben wir die letzten zwei Tage aus dem Wagen geholt und gestern ward ihr da.“
„Oh Mann… Hör mal, wegen deiner Frau…“
Enrique sah Juan verzweifelt an und Juan verstand, dass Enrique wusste, was mit seiner Frau passieren würde.
„Sie wird sterben, und eine von denen werden, oder?“
„Ich glaube schon. Der Vater dieser Kinder da unten… ich musste ihn erschießen… er wurde gebissen, kam als eines dieser Wesen zurück und hat seinen eigenen Sohn aufgefressen. Diese Frau da unten hat in einer Nacht ihren Mann und ihren jüngsten Sohn verloren, die Kinder ihren Vater und ihren Bruder.“
„Und? Was soll ich machen? Sie umbringen? Sie ist meine Frau?“
„Du kannst sie nicht hier drin lassen. Sie ist eine Gefahr für dich.“
„Ich… ich… weiß… aber… sie ist meine Frau. Sie ist die Mutter unserer zwei Kinder.“
„Kinder? Sind die auch hier?“
„Ja… zwei Söhne. Julio und Pablo, 14 und 16 Jahre alt. Was… wie… wie soll ich denen erklären, dass ihre Mutter sterben wird?“
„Es wird schwieriger ihnen zu erklären, warum sie von ihrer Mutter gefressen werden. Hör mir zu Enrique, du hast eine wunderbare Frau. Ich wäre froh, irgendwann eine solche Frau zu finden, aber sie ist eine Gefahr für euch.“
Enriques Augen wurden glasig, füllten sich mit Tränen und vor Juans Augen brach er in Tränen aus. Juan sah die Furcht in seinen Augen und zugleich die Trauer.
„Du… du solltest sie vielleicht unten pflegen und fesseln. Nur für den Fall...“
Enrique sah zu Juan auf. Tränen liefen seine Wangen hinab und diesmal schämte er sich derer nicht.
„Ihr könnt bleiben. Ihr könnt nach oben kommen und ein paar Tage rasten. Und wir bringen Lurdes nach unten. Ihr werdet mir helfen, zu tun, was getan werden muss und ihr müsst mir versprechen, euch um die Jungs zu kümmern, wenn irgendwas gewaltig schief laufen sollte.“
Juan sah in Enriques Augen. Auch wenn seine Stimme leise und brüchig war, so war sein Gesichtsausdruck entschlossener und ernster als zuvor. Juan nickte, um Enrique sein Einverständnis auszudrücken und ging hinab, um Carmen und die Kinder zu informieren. Zusammen trugen sie ihre wenigen verbliebenen Vorräte nach oben und halfen Enrique dabei, seine Frau zu fixieren. Ihr Zustand verschlechterte sich in den folgenden Stunden rapide, bis sie schließlich am frühen Nachmittag das letzte Mal Enrique versicherte, wie sehr sie ihn lieben würde, bevor sich ihre Augen schlossen. Juan half Enrique sie aus dem Haus zu bringen und mit einer Axt erlösten sie Lurdes lautlos von dem Schicksal, untot auf Erden wandeln zu müssen.

Donnerstag, 24. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 14

Untot - Band 2 - Kapitel 14
„Wach auf.“
Juan hörte die Stimme nur leise und spürte eine Hand, die an ihm rüttelte. Müde blinzelte er mit den Augen. Durch die Fensterläden hindurch fallendes Sonnenlicht ließen ihn blinzeln und nur langsam fiel ihm wieder ein, wo sie sich befanden. Die Hütte, der Fremde… Juan sah nach oben und entdeckte über sich das Gesicht eines ihm unbekannten Mannes. Ein unordentlicher Bart zierte dessen narbiges Gesicht und die ungewaschenen Haare lagen ungekämmt am Kopf an.
„Was…“
Der Mann gestikulierte und bedeutete ihm, ruhig zu sein. Juan verstummte augenblicklich und sah den Mann an, der sich jetzt von ihm fort, hin zu Maria und den Kindern bewegte, um diese ebenfalls zu wecken. Juan rieb sich den Schlaf aus den Augen und betrachtete den Mann. Er war groß, ungefähr Mitte 40, muskulös, aber nicht aufgepumpt, und machte einen fitten Eindruck. Wortlos ging der Mann vom Sofa weg und bedeutete Juan, ihm zu folgen.
Juan tat ihm den Gefallen, nutzte aber die Gelegenheit, sich ihr Domizil näher anzusehen. Sie lagen in einer Art Wohnküche, neben dem Sofa gab es noch einen alten Herd, der mit Holz beheizt wurde, einen Tisch, zwei alte Holzbänke und herumstehende Kochutensilien – Töpfe, Pfannen und Teller. Vor dem Abwasch hatte man sich hier die letzten Tage wohl gedrückte, dachte sich Juan, während er weiter dem Fremden folgte.
Im anschließenden Raum sah Juan die Leiter, über die der Fremde am vorigen Tag nach oben stieg. Außer der Leiter beherbergte der Raum eine Art Rumpelkammer. In offenen Schränken waren Textilien und Schuhe aufbewahrt, auf dem Boden standen Kartons und Kisten mit unbestimmtem Inhalt. Die Leiter selbst schien fest verarbeitet, war oben und unten mit Schrauben fixiert.
Als der Fremde die ersten Sprossen erklomm, ging Juan zur Leiter, wartete noch, bis der Fremde in der Öffnung oben verschwand und kletterte ihm nach. Im oberen Geschoss wohnten der Fremde und seine unbekannte Begleiter offensichtlich. Ein Vorhang trennte den Raum und versperrte Juan die Sicht darauf, was sich dahinter befand. Der Fremde ging vorbei an Kisten, die, soweit Juan das beurteilen konnte, mit Lebensmittel befüllt waren und ein Auskommen hier oben ermöglichte. Der Mann ging weiter zu einem der oberen Fenster. Juan erkannte das Fenster, das ihnen den Weg hierher gelotst hatte und ging auf den Mann zu. Der bedeutete ihm wortlos nach unten zu sehen. Juan folgte der Richtung und fühlte, wie das Blut in seinen Adern gefror.
Mindestens zehn der Kreaturen hielten sich in unmittelbarer Nähe des Hauses auf. Juan starrte sie aufmerksam an, erkannte die Bisswunden, sah zerfetzte Haut und fehlende Gliedmaßen. Vier davon waren in ihrem früheren Leben Frauen gewesen und zwei wurden wohl im Schlaf von den Kreaturen überrascht, wenn die zur Schau getragenen Schlafanzüge diesen Schluss zuließen.
Juan sah den Fremden an und wollte gerade etwas sagen, als dieser abwiegelte und erneut darauf hinwies, ruhig zu sein. Juan verstand und schwieg. Gemeinsam mit dem Fremden starrten sie weiter auf die Kreaturen vor dem Haus. Waren sie ihnen gefolgt? Hatte Juan die Menschen in diesem Haus durch seine Anwesenheit zum Tode verurteilt? Wie würde der Fremde reagieren? Juan erschauerte bei dem Gedanken.
Die Kreaturen bewegten sich wieder, gingen weiter, schienen etwas zu folgen, dass für Juan unmöglich zu erkennen war, folgten einem Instinkt, der den Menschen fremd war. Als sie soweit entfernt waren, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen waren, trat der Fremde einen Schritt vom Fenster zurück und sah zu Juan.
„Ihr habt sie hierher geführt.“
„Nein, das haben wir nicht. Wir haben uns leise davongeschlichen und auch unterwegs immer Ausschau gehalten. Wir waren definitiv alleine.“
„Diese Dinger hören und riechen euch kilometerweit. Sie sind euch gefolgt.“
„Und wohin sind sie jetzt?“
„Sie haben möglicherweise eine neue Spur. Das ist jetzt egal. Ihr müsst hier weg.“
„Was? Wenn es so ist, wie sie sagen, müssen sie uns noch einen Tag hierbleiben lassen. Wir haben unser eigenes Essen und werden auch keinen Lärm machen.“
„Das ist mir egal. Ich werde nicht meine  Sicherheit oder die meiner Familie wegen Fremden gefährden.“
„Ihre Familie?“
„Ja. Und jetzt verschwindet.“
„Lass sie doch bleiben.“
Die Stimme kam von hinter dem Vorhang. Es war eine Frau, die Stimme klang angestrengt und müde. Möglicherweise war sie krank.
„Nein. Sie werden uns heute noch verlassen. Jetzt!“
„Enrique Gustavo Postalez! Ich sage, sie bleiben hier. Sie können von unserem Essen haben und du wirst dich wie ein guter Gastgeber benehmen.“
Der Vorhang glitt zurück und hervor kam eine Frau, die Juan ein paar Jahre jünger als Enrique einschätzte. Ihr langes Haar war wie das von Enrique ungekämmt, klebte an ihrer Stirn und hing über ihre Schultern herab. Sie trug ein einfaches helles Kleid, das von Schweiß- und sonstigen Flecken bedeckt war. Noch im Schritt versuchte sie den verknitterten Stoff etwas glatt zu ziehen, was ihr aber nicht sonderlich gut gelang.
Die Frau machte auf Juan keinen gesunden Eindruck. Sie schwitzte stark, obwohl noch etwas die Kühle der Nacht im Raum lag, und ihre Augen waren rot unterlaufen. Ihr Gesichtsausdruck war freundlich, herzlich, aber auch angestrengt. Sie hatte offensichtlich Schmerzen, die sie sich nicht anmerken lassen wollte. Sie kam weiter auf Juan zu und streckte ihm die Hand zum Gruß entgegen. Als er die Geste erwiderte und ihre Hand ergriff, fiel ihm eine Verletzung auf, aus der, ähnlich wie bei einer Blutvergiftung, schwarze Adern hervorgingen und über den Arm verliefen.

Mittwoch, 23. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 13

Untot - Band 2 - Kapitel 13
Juans Augen konzentrierten sich auf den Lauf der Waffe, nur langsam wagte er es seinen Blick abzuwenden und auf die dahinter stehende Gestalt zu werfen. Die lag fast vollständig im dunklen, die erkennbaren Umrisse ließen aber auf einen Mann schließen. Ein Mann, der offensichtlich bemüht war am Leben zu bleiben und alles dafür nötige zu unternehmen.
„Sag was!“
„Was…?“
„Sag was. Irgendwas. Los!“
„Ich… ich bin Juan.“
„Ok, das reicht. Du bist keiner von denen, oder? Du bist nicht gekommen, um uns aufzufressen?“
„Nein. Wir sind nur auf der Durchreise und suchen ein Dach für die Nacht.“
„Wer ist ‚wir‘?“
„Ich habe noch eine Frau und zwei Kinder dabei. Hören sie, es wäre angenehm, wenn sie die Waffe runternehmen könnten und wir uns normal weiterunterhalten.“
Schier endlose Sekunden vergingen, in denen die Pistole weiter vor Juans Kopf herumhing. Der Fremde sprach kein Wort, schien seine Optionen zu überdenken. Juan wurde langsam nervös und überlegte schon, ob er es schaffen würde, sein Gewehr abzufeuern und gleichzeitig der Kugel aus der Pistole auszuweichen, als der Lauf gesenkt wurde.
„Ok. Reden wir. Ich schlage vor, du bringst deine Freunde rein. Aber vorher verschließt du den Kellereingang.“
„In Ordnung. Womit?“
„Ich habe oben noch ein Schloss. Geh raus!“
Juan ging an dem Mann vorbei und roch seinen Schweiß. Das war nicht nur der Schweiß eines Tages. Der Mann musste hier schon länger ausharren und hatte offensichtlich schon längere Zeit keine Gelegenheit mehr, seiner Körperpflege nachzukommen. Damit unterschied er sich nicht stark von Juan und seinen Begleitern. Juan folgte der Handbewegung des unsichtbaren Fremden und sah den hellen Rahmen der Tür.
„Du musst den Riegel zurückziehen.“
Juan tat wie befohlen, zog den Riegel zurück und die Tür nach innen. Draußen warteten schon seine Begleiter und sahen ihn erwartungsvoll an.
„Geht schon mal rein. Drinnen wartet ein Empfangskomitee, ich glaube aber nicht, dass er uns was antut.“
„Du… du glaubst?“
„Alles ist besser, als die Nacht hier draußen zu verbringen. Bring die Kinder rein, ich muss noch was erledigen. Und lasst die leeren Wasserflaschen da.“
Während Maria, Carmen und Antonio ins Haus gingen, ging Juan erneut um das Haus, schloss die Klappe zum Keller und brachte das neue Schloss an. Das war auch nichts für die Ewigkeit, würde aber zumindest Tiere und einzelne dieser Dinger abhalten. Nachdem er sich versichert hatte, dass das Schloss fest saß, ging er zurück und füllte die leeren Wasserflaschen auf, bevor er zurück ins Haus ging. Die Sonne war mittlerweile fast komplett hinter den Hügeln verschwunden und warf nur noch einen schwachen Schein auf die Hütte.
„Reden wir!“
Die Stimme kam aus dem Dunkeln. Juans Augen brauchten wieder einige Zeit, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnten und der Stimme einem Umriss zuordnen konnten. Juan sah auch die Umrisse seiner Begleiter, die aber stumm blieben.
„Woher kommt ihr?“
„Wir kommen aus einem Dorf ein paar Kilometer nördlich von hier und sind auf dem Weg nach Guadalajara.”
“Was wollt ihr da?”
“Unser Dorf wurde von Kreaturen angegriffen. Kreaturen, die wie lebende Tote aussahen. Sie haben die Lebenden getötet und gefressen, die sich dann ebenfalls wieder erhoben, um Jagd auf die Lebenden zu machen.“
„Ja, das passiert gerade überall. Hört ihr denn kein Radio?“
„Doch schon. An dem Tag, als alles anfing, lief ein Bericht über Unruhen in Villahermosa oder irgendwo anders dort unten im Süden. Noch während der Bericht lief, wurde die Bar von diesen Dingern überrannt.“
„Wie gesagt. Das passiert momentan überall.“ Der Mann überlegte kurz, bevor er fortfuhr. „Ihr könnt die Nacht bleiben, morgen seid ihr verschwunden.“
 „Was wissen sie darüber?“
„Nichts. Wir sind vor den Dingern geflohen. Mussten die letzten Kilometer laufen, weil unser Auto kaputt ging und verstecken uns hier, bis alles vorbei ist. Wir haben genug Lebensmittel für uns, aber wir können auch nicht auch noch durchfüttern.“
„Wer ist denn noch da?“
„Niemand, der euch zu interessieren hat.“
„Woher kommt ihr?“
„Aus dem Westen, in der Nähe von Tepic. Die Stadt gehört den Toten.“
„Haben sie etwas aus Guadalajara gehört?“
„Nein, und es interessiert mich auch nicht. Wir wollen hier nur unsere Ruhe.“
„Aber…“
„Nichts aber, verdammt. Wir sind einen weiten Weg hierher gekommen, um unsere Ruhe zu haben. Wer garantiert mir, dass ihr euch nicht auch in diese Kreaturen verwandelt? Ihr bleibt heute Nacht hier unten. Macht keinen Lärm, lasst Türen und Fenster geschlossen und bleibt hier. Wenn ihr die Treppe hochkommt, erschieße ich euch. Verstanden?“
„Ja, ich glaube schon.“
Zwischenzeitlich hatte die Nacht die Hütte eingehüllt und es war noch dunkler, als zuvor. Trotzdem glaubte Juan Maria nicken zu sehen. Der Fremde drehte sich um, ging in ein anderes Zimmer und stieg an einer Leiter nach oben. Juan meinte ein Sofa zu erkennen und bewegte sich langsam darauf zu. Ein kurzer Druck auf die Oberfläche bestätigte seine Vermutung.
„Maria. Ihr könnt hier auf dem Sofa schlafen.“ Flüsterte er.
„Danke. Kommt Kinder.“
Antonio und Carmen folgten ihrer Mutter und legten sich auf das Sofa. Die Federn knirschten leicht und ein unangenehmer Geruch stieg von den Polstern auf. Als Nachtlager würde es aber gute Dienste leisten. Juan legte sich auf den Boden. Das Gewehr hielt er so nahe, dass er es im Notfall schnell erreichen konnte. Noch während er überlegte, Maria und den Kindern eine gute Nacht zu wünschen, fiel er in einen tiefen traumlosen Schlaf, der auch durch die stickige Luft im Haus nicht gestört wurde.

Dienstag, 22. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 12

Untot - Band 2 - Kapitel 12
Die kleine Gruppe marschierte Richtung Südosten, der nächsten Stadt, Milpillas de Allende, einer alten Stadt, die hauptsächlich von Farmern und Viehzüchtern bewohnt wurde, entgegen. Ihr Weg führte sie über unwegsames Gelände, das sie nur langsam durchqueren konnten. Immer wieder wurde ihr Marsch durch Erhebungen verlangsamt und durch unwegsames Gelände erweitert. Juan wollte kein Risiko eingehen und opferte ihre Mobilität zugunsten ihrer Sicherheit.
Der Marsch wurde zudem durch die Kinder verlangsamt, für die öfter als geplant Pausen eingelegt werden mussten. Das alles hatte zur Folge, dass die Gruppe gegen Abend vielleicht die Hälfte des Wegs zurückgelegt hatte und die nächste Ortschaft noch Stunden entfernt lag. Juan stolperte gerade erschöpft einen Hügel herab, als er von einer Reflektion geblendet wurde. Angestrengt sah er in die Richtung und bemerkte den Ursprung der Reflektion.
Es war eine intakte Fensterscheibe, die das Licht der untergehenden Sonne widerspiegelte. Die Fensterscheibe gehörte zu einem nicht besonders großen Holzhaus, das ihnen über die Nacht ein Dach über den Kopf bieten könnte. Langsam näherte sich die Gruppe dem Haus und beobachtete das Haus dabei aufmerksam. Die unteren Fensterläden waren zugezogen, die oberen standen offen. Nichts deutete darauf hin, dass das Haus momentan bewohnt war. Juan fragte sich, wem das Haus gehören könnte und welchem Zweck es dient. Vielleicht war es eine Jagdhütte oder das Wochenenddomizil von Stadtbewohnern, die in die Abgeschiedenheit der mexikanischen Natur eintauchen wollten.
Juan verwarf die Gedanken. Im Moment würde das für sie keinen Unterschied machen. Es ging nur darum, die Nacht hinter sicheren Wänden zu verbringen. Als sie näher kamen und das Haus umrundeten, entdeckte Juan eine Wasserpumpe, die im ersten Moment funktionstüchtig erschien. Später würden sie Zeit haben, die Wasservorräte wieder aufzufüllen, erst würde er aber das Haus auskundschaften. Alleine. Er bedeutete seinen Begleitern vor dem Haus abzuwarten und die Gegend zu beobachten, während er sich der Tür näherte.
Juan nahm den Türgriff und drückte ihn langsam nach unten. Ein leicht quietschendes Geräusch signalisierte, dass sich der Griff nach ein paar Tropfen Öl sehnte. Juan drückte den Griff weiter nach unten und spürte keinen Widerstand. Als der Griff unten war, stemmte er sich leicht gegen die Tür, die mit einem lauten Knarzen dagegen protestierte, sich aber nicht weiter bewegen ließ. Juan erhöhte sanft den Druck, musste aber feststellen, dass die Tür abgeschlossen war. Das wollte er so nicht akzeptieren, stemmte sich jetzt mit aller Kraft gegen die Tür, konnte aber der Kraft des Riegels nichts entgegensetzen.
Juan nahm das Gewehr vom Rücken, wog es in den Händen und überlegte, das Schloss einfach aufzuschießen. Nein, das würde zu viel Aufmerksamkeit erregen und diese Kreaturen anlocken, sofern sie sich in der Nähe befänden. Es musste einen anderen Weg geben. Juan klopfte leise gegen die Tür, hoffte, dass ihm jemand öffnen würde, erhielt aber keine Reaktionen. Leise rief er Maria und die Kinder zu sich, bat sie nach Schlüsseln Ausschau zu halten, die der Hausbesitzer möglicherweise außerhalb des Hauses aufbewahrte, während Juan das Haus umrundete, um einen Eingang zu finden.
Während Juan um das Haus ging, fiel ihm eine Bodenklappe auf, die von einem Vorhängeschloss gesichert war. Das Schloss sah alt und verrostet aus und würde nicht viel Druck standhalten. Juan nahm den Schürhaken, setzte ihn an und schaffte es, das Schloss mit einem krachenden Geräusch aufzustemmen. Vorsichtig zog er die Bodenklappe auf, konnte aber nicht vermeiden, dass die verrosteten Scharniere ein helles, quietschendes Geräusch von sich gaben und den Blick auf eine in das Erdreich und mit Brettern stabilisierte Treppe freigaben.
Wieder nahm Juan das Gewehr von der Schulter und ging die vom restlichen Tageslicht spärlich beleuchteten Stufen hinab. Bereits nach einigen Stufen verlor sich das Licht und nur noch Schatten um Umrisse waren zu erkennen. Neben Holz schien der Hausbesitzer dort Unrat und dem beißenden Gestank nach auch Diesel zu lagern.  Juan sah den Umriss von etwas, dass wie ein großer Tank aussah und daneben einen kleinen Motor, möglicherweise ein Stromgenerator.
Langsam gewöhnten sich Juans Augen an die Dunkelheit und immer mehr Umrisse schälten sich heraus. Juan erkannte Fahrräder, einige Planen und eine nach oben führende Treppe. Sein Herz schlug schneller, als er die Stufen nach oben erklomm und über eine offene Klappe nach oben in das Erdgeschoss gelangte. Krachend schlug die Klappe auf dem Boden auf und Juan sah nach oben. Es war noch dunkler als im Keller. Die Sonne stand auf der anderen Seite und die Fensterläden schluckten das meiste noch vorhandene Restlicht.
Juan wartete ab, bevor er mit dem Gewehr im Anschlag die letzten Stufen erklomm und sich in Zimmer umsah. Das Zimmer war mit einigen Regalen eingerichtet, in denen einige Konserven unbekannter Herkunft und Inhalts standen. Eventuell konnten sie damit ihre Vorräte auffüllen. Die Dielen knarzten unter seinen Füssen, als er vorsichtig durch das Zimmer zur Tür schlich. Er verfluchte sich dafür. Noch mehr verfluchte er sich, als er plötzlich in die Mündung einer Pistole sah, die auf seinen Kopf gerichtet war.

Montag, 21. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 11

Untot - Band 2 - Kapitel 11
Wenn sie es schaffen wollten, müssten sie die Untoten von dort unten weglocken. Doch zuerst galt es, eine Öffnung zu schaffen, durch die sie alle entkommen könnten. Juan drückte von innen mit der heilen Schulter gegen die Bretter. Immer mehr Nägel verloren ihren Halt und wurden herausgepresst. Maria nahm den Schürhaken, setzte ihn an und versuchte so Juan zu unterstützen. Nach einiger Zeit gelang es ihnen tatsächlich, die Öffnung so weit zu vergrößern, dass sie durch diese nach unten gelangen konnten.
Juan streckte seinen Oberkörper nach draußen und sah auf die Untoten. Ein unangenehmer Geruch nach Verwesung wehte ihm ins Gesicht und ließ ihn angeekelt das Gesicht verziehen. Diese verdammte untote Brut stand zwischen ihnen und der Freiheit. Als die Untoten Juans Anwesenheit bemerkten, wurden sie unruhig, streckten sich, versuchten irgendwie Juan zu erreichen und kamen doch nicht an ihn heran. Angewidert wendete er sich ab und bückte sich wieder unter das Dach.
„Maria! Wir müssen uns überlegen, wie wir nach unten und an den Dingern vorbeikommen. Seile habt ihr wahrscheinlich nicht da, oder?“
Maria schüttelte den Kopf.
„Dann müssen wir Kleidung oder Bettzeug zusammenknoten. Pack alles, was wir noch brauchen können zusammen. Morgen früh brechen wir auf. Wir müssen gehen, wenn es hell ist und uns verstecken, wenn es dunkel wird.“
„Aber wie kommen wir an den Zombies unten vorbei?“
„Lass das meine Sorge sein. Ich habe schon einen Plan.“
Zusammen begannen sie Textilien zusammenzuknoten und die verbliebenen Vorräte einzupacken. Juan ließ sich von Maria noch zeigen, wie das Gewehr zu reinigen war und setzte es anschließend wieder zusammen. Als sie alle nötigen Vorbereitungen abgeschlossen hatten, schliefen Maria und Juan gegen Mitternacht dann auch ein letztes Mal auf dem stickigen Dachboden ein.
Am nächsten Tag wurde Juan von Sonnenstrahlen geweckt, die durch die neu geschaffene Öffnung auf sein Gesicht fielen. Sofort begann er, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Er nahm das Radio, nahm es in Betrieb und suchte den erstbesten Sender. Ein Sender in ihm unbekannter Sprache sendete anscheinend ein Streitgespräch, bei dem sich die Kontrahenten gegenseitig ins Wort fielen.
Juan drehte die Lautstärke hoch, öffnete die Klappe und seilte das Radio am Kabel nach unten ab. Nur kurz später, konnte Juan das Stöhnen eines Untoten vernehmen, der sich dem Radio näherte, nur um kurz danach die Anwesenheit der Menschen auf dem Dachboden zu bemerken und seine Hände durch die Luke nach oben streckte. Mit den Händen kam der Gestank nach Verwesung und Tot, der Maria und die Kinder würgen ließ.
Juan steckte so weit es ging den Kopf nach draußen und sah, wie sich die vor dem Haus befindliche Meute darum schlug, in das Haus zu gelangen. Juans Plan schien zu funktionieren. Nach einigen Minuten waren draußen keine Untoten mehr zu sehen. Juan traute sich weiter hinaus und stand schließlich im Freien. Weit und breit nichts zu sehen. Wie am Vortag besprochen, wurden als erstes die Vorräte nach unten befördert.
Maria und die Kinder reichten Juan die Säcke, der sie vorsichtig nach unten warf. Danach befestigte er das Behelfsseil an einem stabil erscheinenden Brett, vergewisserte sich seines Halts und rief als erstes Miguel zu sich. Miguel war klein und schnell und Juan könnte ihn im Notfall schnell wieder nach oben ziehen. Zum Glück sah Miguel das ähnlich, ergriff das Behelfsseil und glitt langsam daran nach unten. Unten angekommen lief er wie vereinbart hinter die Steinmauer und wartete dort.
Juan stand weiter auf dem Dach, hatte das Gewehr schussbereit und wartete ebenfalls. Als nach einer Minute die Meute weiter unvermindert die Klappe belagerte, schickte er Maria und danach Carmen nach unten. Am Ende legte er das Gewehr um und setzte nun ebenfalls dazu an, nach unten zu gelangen. Die Stelle war gut gewählt, war sie doch von innen her nicht zu übersehen. Ihre Flucht könnte unbemerkt von diesen Dingern funktionieren.
Geduckt rannte Juan zur kleinen Mauer, nahm dabei zwei Säcke mit sprang darüber und sah dort bereits Maria, Carmen und Miguel auf ihn warten. Die schienen regelrecht erleichtert ihn zu sehen und sahen ihn hoffnungsvoll an. Sie hatten es geschafft, sie hatten es geschafft, den Untoten zu entkommen und in die Freiheit zu fliehen. Doch sie waren noch nicht in Sicherheit. Juan wusste, dass es von diesen Kreaturen noch mehr gab und Juan wusste, dass er kein Mitleid zu erwarten hatte.
„Unsere erste Etappe wird das 20 km entfernte Milpillas de Allende sein, von dort sind es noch rund 50 km bis San Cristobal de la Barranca. Wir müssen soviel wie möglich von der Strecke zurücklegen, bevor die Nacht über uns hereinbricht. Wir dürfen keine Pausen machen. Wir wissen auch nicht, was uns erwartet, wir müssen immer auf der Hut sein. Wir müssen versuchen, unterwegs Wasser zu finden. Ohne Wasser werden wir verdursten. Also los jetzt!“