Dienstag, 1. März 2011

Interviews of the Dead - Tony Monchinski - Update

Neben den Büchern von Max Brooks gehört Tony Monchinskis Eden für mich momentan zu den besten Büchern im Zombie-Genre. Da der Autor im Buch dankenswerterweise seine Email-Adresse abgedruckt hat, war es ein leichtes mit Tony Kontakt aufzunehmen, der sich bereitwillig meinen Fragen gestellt hat, und präsentiere hiermit gleichzeitig mein erstes "Interview of the Dead".

Um Übersetzungsfehler abzumildern steht unten der Originaltext. Verbesserungsvorschlägen stehe ich offen gegenüber.


Tony im Kreise seiner Familie
 Hallo Tony, zuerst einmal würde mich interessieren, warum Du im Buch den fiktionalen Charakter Tommy Arlin benutzt.

Ich habe Eden geschrieben, weil ich bereits erfolgreich meine Lehrbücher veröffentlichen konnte und auch Artikel für Bodybuilder und Powerlifting-Magazine veröffentlich habe. Aber ich wollte schon immer ein Schriftsteller werden. Also dacht ich mir: „Welche Art von Buch lässt sich momentan verkaufen?“ Vampire waren sehr erfolgreich (und sind es immer noch), aber im Zombiegenre gab es noch nicht so viel, also dachte ich mir, dass die Chancen für ein Buch mit Zombiethematik gut stehen könnten.

In der Einleitung, sowie im Vorwort habe ich dann noch eine Meta-Erzählung eingefügt, die sich um einen Typen namens Tommy Arlin dreht, der nicht real existiert. Tommy ist der Charakter einer anderen, nicht-Horror-Geschichte, die ich geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht habe. Ich denke, dass sich der Teil anders liest, als die eigentliche Eden-Geschichte, und ich wollte anderen Schreibern zeigen, dass ich nicht nur ein „Horror“-Autor bin. Ich wollte nicht auf ein Genre festgenagelt werden, so sehr ich das Horror-Genre auch liebe.

Warum hast Du dich dafür entschieden, die Story in verschiedenen Zeitebenen und auf den ersten Blick unzusammenhängend zu erzählen?

Es war die beste Möglichkeit, um die Geschichte, die ich erzählen wollte, zu erzählen. Die Geschichte um Harris letzte Tage auf Erden ist vielleicht gerade mal zehn Seiten lang. Ich wollte keine langen Rückblenden. Die Geschichte durcheinander zu erzählen, hat mir erlaubt, die Charaktere so in Szene zu setzen, wie ich es wollte. Daneben wollte ich noch ein Gefühl der Verwirrung und von Chaos vermitteln, welche ein apokalyptisches Ereignis mit sich bringen würde.

Gibt es darin eine Logik, oder ist die Anordnung zufällig? Hast Du die Story erst im Nachhinein durcheinandergeworfen, oder hast Du sie so geschrieben, wie sie jetzt vorliegt?

Ich hab die Geschichte so geschrieben, wie sie abgedruckt ist. Ich habe aber im Laufe der Zeit immer wieder Sachen ergänzt. Zum Beispiel habe ich die Buddy-Hintergrundgeschichte (der Kindermörder im Gefängnis) noch eingebaut, weil ich eine Idee für das Sequel hatte, und ich den Grundstein dafür schon in Eden legen wollte.

Wie schreibst Du Deine Geschichten? Baust Du dir von Anfang an ein Storygerüst, dass Du langsam mit Leben und Inhalt füllst, oder entsteht die Geschichte während des Schreibens?

Ich versuche so viel wie möglich vorzuarbeiten. Ich mache mir Notizen, erstelle detaillierte Skizzen, fülle Charaktere und Szenen mit Leben, bevor ich zu schreiben beginne. Das heißt, wenn ich mit dem Schreiben beginne, steht die Geschichte bereits und schreibt sich wie von alleine. Auch hier ist die Buddy-Hintergrundgeschichte wieder ein gutes Beispiel. Ich hatte das nicht von Anfang an im Sinn, aber es hat Sinn ergeben, als ich Eden geschrieben habe.

Im englischsprachigen Raum wurde bereits eine Fortsetzung, namens Crusade veröffentlicht. Kannst Du uns kurz was zur Story erzählen und wie können wir unterstützen, dass das Buch auch in deutscher Sprache erscheint?

Crusade erzähle ich auch in verschiedenen Zeitebenen, aber nicht annähernd so viel wie in Eden. Die Geschichte folgt Bear, Mickey, Gwen, Julie und Buddy direkt nachdem sie Eden verlassen haben und im Staat New York eine Gesellschaft namens Clavius City (benannt nach der Raumstation in Kubricks 2001) finden. Es stellt auch neue Charaktere vor, die sich durch Pennsylvania schlagen und schließlich mit den fünf Charakteren aus Eden in Clavius City aufeinandertreffen.

Wenn ihr Eden gemocht habt, würdet ihr mir einen riesigen Gefallen erweisen, wenn ihr Heyne wissen lasst, dass ihr euch die Fortsetzungen in deutscher Sprache wünscht.

Update 03.03.2011: Von Heyne/Randomhouse habe ich folgende Emailadresse erhalten: kundenservice@randomhouse.de

Weiter wollte man sich zu dem Sachverhalt derzeit nicht äußern.

Kannst Du uns schon was zu einer zweiten Fortsetzung sagen? Gibt es dafür evtl. auch schon einen Erscheinungstermin?

Am 30. Juni 2011 erscheint Eden: Resurrection, das 20 Jahre nach Crusade ansetzt. Die übergreifende Frage in Resurrection ist: Wer wird überleben? Die Zombies, oder die Menschen? Wer wird die Kontrolle über die Erde erlangen? In der Geschichte dreht sich alles um die Suche, bei der ein junger Mann uns seine Freunde sich auf eine Reise begeben, um Antworten auf die Fragen zu finden, wer er ist und wie er dort hinkommt, wo er sich selbst finden kann.

Es ist jetzt eher ungewöhnlich, dass ein Schriftsteller eine Email-Adresse in seinen Büchern hinterlegt. Welche Absicht hast Du damit verfolgt? Wie war das Feedback und glaubst du, dass es für einen Schriftsteller wichtig ist, mit seinen Lesern in Kontakt zu treten?

Ich mag es von meinen Lesern Feedback zu erhalten (Anm. von mir: Ich auch!). Was wären die Schreiber ohne die Leser? Ich habe in meinem Leben drei Autoren angeschrieben. Den MIT Sprachwissenschaftler und politischen Aktivisten Noam Chomsky, den Krimi-Autoren Andrew Vachss und den Tierschützer/Psychoanalytiker Jeffrey Masson – und jeder hat sich Zeit genommen, mir zu antworten. Ich schätze das, und werde das niemals vergessen. Natürlich habe ich keine Zeit, mir komplette Bücher durchzulesen und eine Kritik darüber zu verfassen (ich bin kein Vollzeit-Schriftsteller, ich bin ein High School-Lehrer), aber es ist toll, von meinen Lesern Feedback zu erhalten und Ideen von eigenen Geschichten zu erhalten.

Das Feedback war großartig. Ich war überrascht von der großen Anzahl der deutschen Leser, dir mir geschrieben haben. Wenn mir Leser schreiben, empfinde ich Demut und Bestätigung zugleich. (An der Stelle hat Tony noch einen Ansprechpartner vom Verlag angegeben. Ich habe beim Verlag angefragt, ob ich die Mailadresse hier veröffentlichen darf und zum anderen nach einem offiziellen Statement gebeten, ob es Pläne gibt, Crusade in Deutschland zu veröffentlichen. Im Falle einer Antwort werde ich die Informationen nachreichen.)

Was sind Deine Haupteinflüsse was das Schreiben an sich und die Zombielogik angeht?

In erster Linie George Romero, vor allem seine ersten drei Zombiefilme (Dawn-Night-Day). Ich bin auch ein großer Fan von Robert Kirkmans Comic „The Walking Dead“ (Ich habe alle seine Veröffentlichungen gelesen). Eden ist im Herzen eigentlich eine actionreiche Abenteuergeschichte und ich schulde den Autoren, mit denen ich aufgewachsen bin, Dankbarkeit; Leute wie Don Pendleton (Mack Bolan: The Executioner), Jerry Ahern (The Survivalist; Track), Gar Wilson (Phoenix Force), Dick Stivers (Able Team); Gregory St. Germaine (Resistance) und eine Menge anderer, die ich vergessen habe. Allgemein würde ich aber sagen, dass Kurt Vonnegut den größten Einfluss auf mich als Schriftsteller hat, weswegen ich Eden seinem fiktionalen Charakter Kilgore Trout  gewidmet habe.

Könntest Du dir vorstellen, Deine Geschichte in die Kinos zu bringen und würdest Du dabei Änderungen zustimmen, um die Story geradlinig zu erzählen, oder würdest Du Änderungen ablehnen, um Deine Vision, wie die Geschichte erzählt werden soll, beizubehalten?

Falls mir jemand eine große Menge Geld bieten würde, wäre das eine schwierige Entscheidung. Aber ich mache das nicht für Geld und erwarte auch nicht, mit dem Schreiben reich zu werden. Ich veröffentliche seit 20 Jahren und bin immer noch nicht reich. Trotzdem denke ich, falls jemand Eden verfilmen und sich dabei größtenteils an den Storyablauf halten würde, käme ein guter Film dabei raus. Allerdings wäre der nicht jugendfrei.

Gibt es Zukunftspläne, über die Du sprechen kannst? 

Eine Firma ist an mich herangetreten, die eine ungekürzte deutschsprachige Hörbuchfassung von Eden veröffentlichen möchte. Ich habe zugestimmt und bin darüber sehr erfreut, habe aber noch nichts unterschrieben. Daneben soll es noch eine Eden-Wiederveröffentlichung in den USA bei einem großen Verlag geben, aber ich habe noch keinen Vertrag vorliegen und werde „believe it when I see it“ wie wir sagen.

Was sind denn Deine Lieblings-Zombie-Filme und Bücher – von Deinen natürlich abgesehen?

Ohne Rangordnung: Dawn of the Dead (Original und Remake), World War Z (das Buch; ich hoffe, dass der Film gut wird!), Shock Waves und Dead Snow (Nazi Zombies sind großartig!); das Castle Wolfenstein-Videospiel (und wieder: Nazi Zombies!); die Resident Evil Videospiele; die Zombiekomödie Fido, die frühen Stephen King-Geschichten… da gibt es eine Menge. Was Mainstream betrifft, lese ich alles, was ich in die Hände bekomme von Vonnegut, George Pelecanos, Andrew Vachss, Russell Banks, Sherman Alexie, Don Delilo, und Larry Brown. Tolkien und Terry Brooks habe ich geliebt, als ich noch jünger war. Besonders empfehlen möchte ich auch noch die toll geschriebene Geschichte „I Am Legend“ von Richard Matheson mit Vampiren, keinen Zombies.

Vielen Dank für deine aufschlussreichen Antworten.

English Version:

First of all, why did you use the fictional character Tommy Arlin?

I wrote Eden because I had had success getting my educational books published and publishing in the bodybuilding/powerlifting magazine industry. But I have always wanted to be a novelist. So I said “What kind of book might sell at this time”? Vampires were very popular (still are) but zombies were not as much, so I thought maybe a zombie themed book stood a chance of doing well. I wrote Eden, and I introduced a meta story in the introduction and preface about a guy named Tommy Arlin who does not exist. Tommy is a character from other non-horror fiction I have written that I have not published yet. I think the Arlin parts read different than the actual body of Eden, and I wanted to show writers that I am not just a “horror” author. I didn’t want to get typecast, as much as I love the horror genre.

Why did you set your story disarranged and in different timelines?

It was the best way to tell the story I wanted to tell. Harris’ last day on earth is probably only ten pages long. I didn’t want lengthy flashback sequences. Telling the story out of order allowed me to reveal what I wanted to about certain characters when I wanted to. I also wanted to convey some sense of the disarray and chaos that an apocalyptic event would bring with it.

Is there a logic, or did you just mix up the story after random reasons? Did you write the whole story and mixed it up afterwards, or did you write your story as it is printed?

I wrote it as it was printed. However, I obviously added things as I went along. For instance, the Buddy back-story (the child murderer in prison) I added because I had an idea in mind for the sequel and I wanted to plant that idea in Eden.

How do you create your stories? Is there an overall storyline, you fill with content, or do you create the story "on the fly"?

I try and plan as much ahead as possible. I take notes, create detailed outlines, flesh out characters and entire scenes before I write. That said, I find that once I start writing things present themselves and help write themselves. Again, the Buddy back story is an example. I hadn’t intended that from the beginning, but it made sense to me as I was writing Eden.

You already published a sequel to Eden, called Crusade. At the moment it's only available in English. Can you give us an idea, what the story is about and can we help you, to get the book published in German language?

Crusade is also disjointed in time, but not nearly as much as Eden was. It follows Bear-Mickey-Gwen-Julie-and Buddy immediately after they have left Eden and are heading into upstate New York, where they find a society called Clavius City (named after the space station in Kurbrick’s 2001). It also introduces a new cast of characters who are working their way through Pennsylvania and eventually meet up with the five from Eden in Clavius city. People who like Eden would be doing me a big favor by emailing Heyne and letting them know you want to see the sequels in German! I hope I am not committing a social mistake by putting this here, but the very nice lady I dealt with at Random House (which owns Heyne) is XXX  and her email is XXX.

Can you tell us about a second sequel? Do you have a release date for the English book?
June 30th Eden: Resurrection comes out. It is set twenty years after Crusade. The overarching question in Resurrection is this: who will survive? The zombies or the humans? Who will return to control the earth? It is a “quest” novel where a young man and his friends embark on a journey to find answers to questions of who he is and how he got where he finds himself.

It's unusual, that a writer publishes a real email-adress in his books. What was your intention? How was the feedback and do you think it's important for a writer, to get in touch with his readers?

I like to hear from people who read my books. Without the readers, what are writers? I have written to three authors in my life—the MIT linguist and political activist Noam Chomsy, the crime fiction writer Andrew Vachss, and the animal rights activist/psychoanalyst Jeffrey Masson—and each took the time to respond to me. I appreciated that and never forgot it. Obviously I don’t have time to read people’s books and critique them (I am not a full time writer; I am a high school teacher), but I like to hear from readers and hear their own ideas for their own stories. The feedback has been great! I have been surprised by the number of readers in Germany that I have heard from. When readers email me it is humbling and validating at the same time!

What are your main influences in story writing and for zombie-logic?

George Romero first and foremost, especially his first three zombie films (Night-Dawn-Day). I am a big fan of Robert Kirkman’s comic The Walking Dead (I read all of his stuff). Eden is really an action-adventure story at heart, and I owe a debt of gratitude to the authors I grew up reading as a boy for that; people like Don Pendleton (Mack Bolan: The Executioner), Jerry Ahern (The Survivalist; Track), Gar Wilson (Phoenix Force), Dick Stivers (Able Team); Gregory St. Germaine (Resistance), and a bunch of others I forget. Overall, however, I would say Kurt Vonnegut is the biggest influence on me as a writer, and that is why Eden is dedicated to his character Kilgore Trout.

Could you imagine to bring your story to the movies and would you change the arrangement to get the story straight, or would you refuse changes and the movie, to keep your vision, your story should be told?

If someone was offering me a large sum of money it would be a very difficult decision. However, I am not in this for the money and I do not expect to “get rich” from writing. I have been getting published for 20 years and I have not gotten rich from it. That said, I think if someone directed Eden and pretty much stuck to the story the way it is they would have a good movie. It would need to be R-rated.

Are there any future plans, you can talk about?
I have been approached by a company that wants to release an unabridged, German-language audio book of Eden. I have agreed and am very excited about that but I have not signed anything yet. There is talk about an Eden reissue in the United States with a major publisher but I have not seen a contract yet and will “believe it when I see it” as we say.

What are your favourite zombie-movies and books, apart from yours, of course good movie on their hands.
In no particular order…Dawn of the Dead (the original and the remake); World War Z (the book; I hope the movie is good!); Shock Waves and Dead Snow (Nazi zombies are great!); the Castle Wolfenstein video-game remake (again, Nazi zombies!); the Resident Evil video games; the zombie comedy, Fido; early Stephen King novels; there is a lot! As far as mainstream fiction, I read everything I can by Vonnegut, George Pelecanos, Andrew Vachss, Russell Banks, Sherman Alexie, Don Delilo, and Larry Brown. I really enjoyed Tolkien and Terry Brooks when I was young. I’d also highly recommend the novella I Am Legend by Richard Matheson. Vampires, not zombies, and done so well!

Thank you very much for your answers.

Aus dem Interview darf unter Angabe der Quelle zitiert werden.

This interview may be quoted with reference to its source.

Update 03.03.2011: Tony hat mir ein Bild zur Verfügung gestellt, dass ihn in Gesellschaft seiner Familie zeigt. Ich veröffentliche das Bild mit freundlicher Genehmigung seitens Tony. Jede weitere Verwendung obliegt der Freigabe seitens Tony.

English version:

Update 03.03.2011 Tony sent me a picture, which shows him in company of his family. I publish this picture with the kind permission of Tony. Any other use must be approved by Tony.

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