Samstag, 5. März 2011

Kapitel 63

Kapitel 63

Als Paul am Treffpunkt angekommen war, war es kurz vor sieben Uhr. Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden und die Kälte regierte wieder über das Land. Paul trug schwarze Kleidung und auf dem Kopf eine Wollmütze, die er sich als Sturmmütze über das Gesicht ziehen konnte. Unter seinem Mantel trug er einen schwarzen Pullover und die Maschinenpistole, sowie die normale Dienstwaffe.

Paul hatte sich auf dem Weg versichert, dass ihm niemand folgte und sah sich auch jetzt noch misstrauisch um. Um die Ecke bog ein Mann, ebenfalls schwarz gekleidet und mit ausgebeulter Jacke. Er sah in Pauls Richtung und kam näher. Als er näher kam, konnte Paul erkennen, dass der Mann einen ordentlich gestutzten Vollbart trug und sein Gesicht wenig markante Züge aufwies. Darüber hinaus war er Paul vollkommen unbekannt.

„Eingreiftruppe 43?“

„Gemäß neuer, geltender Einsatzregel.“

„Hallo, ich bin der Manfred.“

„Hallo, ich bin der Paul.“

Vom anderen Ende der Straße näherte sich eine weitere Person. Eine Frau, vielleicht Mitte 30, auch in schwarz gekleidet und ebenfalls mit verdächtigen Ausbuchtungen. Wieder wiederholte sich die Prozedur und die Frau stellte sich als Eva vor. Danach stießen noch Mehmet und Alexander zum Team. Eva und Alexander waren von der Bundespolizei und waren zur Sicherung eingeteilt. Mehmet war SEK-Mitglied und sollte den Einsatz vor Ort koordinieren.

Nachdem sie die Bruchstücke ihres Einsatzbefehls aufeinander gelegt hatten, war das Ziel des Einsatzes klar. Mehmet begann, die Vorgehensweise des Teams zu koordinieren und begann mit einer Bestandsaufnahme. Eva und Alexander waren mit einem G36c bewaffnet, einem militärischen Sturmgewehr, ein Privileg der Bundespolizei. Die restlichen Beamten trugen die Standard-MP und die Standard-Pistole der Polizei, ausreichend für den folgenden Einsatz. Zugriffszeit war 22.00 Uhr.

„Eva, Alexander, ihr beiden haltet vor dem Haus Wache. Ihr identifiziert mögliche Gefahrenquellen und schaltet diese bei Bedarf aus. Schusswaffengebrauch nach eigenem Ermessen. Versucht so diskret wie möglich zu sein. Paul, Manfred, ihr geht mit mir rein. Wir wissen nicht, was uns da drin erwartet, aber ich erwarte, dass ihr meinem Befehl Folge leistet. Wir werden die Zeit nutzen, um die Gegend möglichst unauffällig auszukundschaften. Wir haben noch eine Stunde bis Ausgangssperre. Verhaltet euch möglichst unauffällig und lasst um Gottes willen die Waffen im Auto.“

„Welches Auto?“

„Das da drüben aus dem Fuhrpark.“

Mehmet deutete auf einen alten Kleinbus der Marke VW, der am Ende der Straße unter einer Laterne geparkt stand.

„Mit dem werden wir uns in die Nähe des Einsatzziels begeben. Um keinen Verdacht zu erregen, müssen wir die letzten 1000 Meter zu Fuß zurücklegen. Wenn’s keine Fragen mehr gibt, dann aufsitzen meine Damen und Herrn.“

Auf der Fahrt waren die Beamten im hinteren Teil des Wagens damit beschäftigt, die Lage des Ziels auf einem Stadtplan zu identifizieren und auf nutzbare Geländevorteile zu untersuchen, leider erfolglos. Das Ziel stand inmitten mehrerer Wohnhäuser. Auf dem Stadtplan waren die Gegebenheiten vor Ort nicht eindeutig auszumachen, weshalb Paul in die Runde fragte.

„Kennt die Gegend jemand?“

„Ja, ich war dort ein paar Mal. Ist eine an sich ruhige Wohngegend, mit Doppelhaushälften und Ein- bis Zweifamilienhäusern. Viele davon mit Gärten und dem üblichen Kleinbürgercharme.“

„Danke Manfred. Das Zielgebäude sagt dir jetzt aber nichts, oder?“

„Nein. Da schaut auch jedes Haus irgendwie aus, wie das andere.“

„Ok, verstehe.“

„Könnte das Objekt gesichert sein? Mehmet?“

„Könnte schon sein. Ich gehe zwar davon aus, dass das Objekt eher niedrig priorisiert ist, aber sicher wissen werden wir’s erst, wenn wir vor Ort sind. Ich würde aber nicht vollständig ausschließen, dass das Objekt durch die Bundeswehr gesichert wurde.“

„Woher wissen wir, dass wir das Objekt vor Ort antreffen?“

„Wissen… wir müssen einfach davon ausgehen. Unsere Observation hat ergeben, dass sich die Zielobjekte vor Ort befinden müssten. Mehr war mit den vorhandenen Mitteln und in der Kürze der Zeit nicht drin. Zudem fehlt uns das Überwachungsequipment. Das hat sich der MAD zusammen mit den meisten BND-Mitarbeitern unter den Nagel gerissen, als der BND faktisch aufgelöst wurde.“

Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, stoppte Mehmet den Wagen einige Straßenzüge vor der Zieladresse.

„Wir sind da. Zur Observation Waffen und Ausrüstung im Wagen lassen. Eva und Paul, ihr geht die Straße entlang und tut so, als würdet ihr euch unterhalten. Ich schlage mich da vorne ins Gebüsch und checke die Gegend von dort aus. Manfred und Alexander bleiben im Wagen. Los jetzt.“

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