Montag, 7. März 2011

Kapitel 65

Kapitel 65

Das Team begab sich zurück zum Lieferwagen, in dem die drei Kollegen die Ausrüstung im Auge behielten, und skizzierten die Ergebnisse der Erkundung auf einem Plan. Außer dem Lieferwagen konnten keine Gefahrenherde, außer dem Zielobjekt natürlich, ausgemacht werden. Noch herrschte Uneinigkeit darüber, wie man vorgehen sollte. Die Uhr zeigte 20 Minuten vor 22.00 Uhr. Der Zugriff stand unmittelbar bevor.

„Ich finde, wir sollten hintenrum über die Gärten gehen und den Lieferwagen vorerst ignorieren.“ schlug Paul vor. Eva widersprach dagegen vehement.

„Nein. Ich bleibe bei meiner Meinung. Erst den Lieferwagen, dann das Zielobjekt. Wir wissen nichts über den Lieferwagen. Wir wissen nicht sicher, ob und wie viele mögliche Bewacher vor Ort sind und können es uns nicht leisten, während der Aktion überrascht zu werden. Ein Feuergefecht wäre unvermeidlich und damit auch ein Verlust des Zielobjekts. Wir dürfen es nicht darauf ankommen lassen!“

„Aber eben weil wir nichts über den Lieferwagen wissen, sollten wir ihn ignorieren. Über den Garten kommen wir unbemerkt zum Haus, und können über die Gärten genauso unbemerkt wieder verschwinden, ohne einen Schuss abzugeben. Mehmet, was meinst du?“

Mehmet war hin- und hergerissen. Er hatte das Haus und den Lieferwagen lange durch sein Fernglas beobachtet.

„Der Lieferwagen ist nicht groß. Da drin können sich maximal zwei bis drei Personen aufhalten. Mehr müsste man übereinander stapeln. Die Türen sind mit ziemlicher Sicherheit verschlossen, jeder Versuch sie zu öffnen würde bemerkt werden und die Personen darin alarmieren. Es wird nicht so einfach sein, die hochzunehmen. Auf der anderen Seite bin ich voll bei Eva. Wir können es uns nicht leisten, den Wagen komplett zu ignorieren.“

„Wenn wir noch 20 Männer hätten, wär das kein Problem.“

„Wir müssen es mit dem schaffen, was wir hier haben. Ich habe auch schon eine Idee. Wir teilen uns auf. Wir müssen schnell zuschlagen, wir müssen hart zuschlagen und wir müssen hier weg sein, bevor die Kacke am dampfen ist.“

Als Mehmet seinen Plan ausführlich erklärte, erntete er allgemeine Zustimmung und drängte zum Aufbruch. Die Teams teilten sich auf. Eva und Alexander beeilten sich in Stellung zu gehen, während Mehmet den Rest des Trupps anführte. Wie von Paul vorgeschlagen, schlug man den Weg Richtung Parallelstraße ein, um das Zielobjekt über den Garten einzunehmen. Als sie an dem Haus angekommen waren, war es zehn Minuten vor 22.00 Uhr.

Die Männer überprüften nochmals ihre Ausrüstung. Neben den Waffen wurden auch schusssichere Westen in schwarz angelegt, die dicken Jacken im Auto verstaut. Stattdessen trug man die Ausrüstung sichtbar am Körper. Das Risiko entdeckt zu werden war um die Zeit kalkulierbar, das Risiko durch die Tarnung behindert zu werden, ein Vielfaches höher. Die Männer zogen sich die Sturmhauben über das Gesicht. Es war fünf Minuten vor 22.00 Uhr.

Mehmet ging in den offenen Garten und schlich am Haus entlang. Der Garten war leer, ein von Blattwerk befreiter Baum stand darin und ein paar kahle Büsche standen am Zaun. Aus dem Haus kam kein Licht, die Rollläden waren geschlossen und das Haus still. Mehmet ging weiter bis zum Zaun und sah in den Garten des Zielobjekts. Durch die Terrassentür war ein schwaches Licht erkennbar und im oberen Stockwerk brannte in einem dem Garten zugewandten Zimmer ebenfalls Licht. Schwere Vorhänge ließen aber keine Blicke nach innen zu.

Mehmet signalisierte Paul und Manfred aufzuschließen. Die beiden liefen geduckt durch den Garten und standen versetzt am Zaun. Nachdem sie aufgeschlossen hatten, observierte Mehmet den Garten, konnte darin aber nichts Auffälliges bemerken. Das schwache, durch die Terrassentür scheinende, Licht, musste aus einem der nach vorne zugewandten Zimmer kommen. Ein leichtes Flackern deutete darauf hin, dass es sich um das Wohnzimmer handeln könnte. Mehmet sah auf die Uhr. Es war eine Minute vor 22.00 Uhr.

Auf sein Signal hin, sprangen die Männer über die Mauer und bewegten sich schnell, aber geduckt, auf das Haus zu. Mehmet bezog Stellung vor der Terrassentür, spähte nach innen, während Paul und Manfred das gleiche an den Fenstern taten. Die Zimmer waren dunkel und menschenleer. Die Ausstattung bestand aus schweren, etwas altmodischen Möbeln aus Massivholz im Stil der 80er Jahre. Es war 22.00 Uhr. Zugriff.

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