Dienstag, 8. März 2011

Kapitel 66

Kapitel 66
Paul und Manfred gingen hinter Mehmet in Stellung. Mehmet holte den Türöffner aus seiner Tasche, setzte ihn an das Schloss der Terrassentür und sprengte das Schloss mit einem nicht zu überhörendem Knall. Unmittelbar darauf drückte er die Tür nach innen und trat in den Raum. Das Flimmern aus dem angrenzenden Raum verschwand, der Fernseher wurde ausgeschaltet. Hinter Mehmt trat Paul in den Raum und gleich dahinter Manfred.
Das Licht im Erdgeschoss wurde gelöscht und tauchte die Zimmer in Dunkelheit. Pauls Augen hatten sich bereits an die Dunkelheit gewöhnt, was ihnen einen Vorteil verschaffen würde. Noch während die Männer geduckt aber zügig vorrückten, ertönten von draußen Schüsse. Verdammt. Scheinbar wurde ein stiller Alarm ausgelöst oder ein vereinbartes Zeichen gegeben, der die Bewacher im Lieferwagen in Aktion versetzte.
Eva und Alexander sahen die zwei Soldaten aus dem Lieferwagen springen, während sie hinter der Hecke in Deckung saßen, von der aus zuvor Paul den Lieferwagen inspizierte. Die beiden richteten ihre Gewehre auf die Soldaten, forderten sie auf, ihre Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Stattdessen warfen sie sich auf den Boden, drehten sich dabei und eröffneten sofort das Feuer. Eva und Alexander erwiderten das Feuer, waren aufgrund ihrer Position aber klar im Vorteil und konnten die beiden Soldaten außer Gefecht setzen.
Im Haus waren die Männer inzwischen im vermeintlichen Wohnzimmer angekommen und fanden ihre Vermutung bestätigt. Mehmet richtete seine Waffe in den Raum, während Manfred den Flur deckte. Paul stieß in einen neben dem Wohnzimmer liegenden Raum vor, der sich als Waschküche entpuppte. Draußen ertönten weitere Schüsse.
Aus dem Lieferwagen sprang ein dritter Soldat, der ohne zu zielen das Feuer in Richtung von Eva und Alexander eröffnete. Im Kugelhagel fiel er zu Boden und bewegte sich nicht mehr. Eva gab Alexander ein Zeichen und der sprang über den Zaun, kontrollierte den Lieferwagen und begann, die am Boden liegenden Männer zu entwaffnen. Es spielte für sie jetzt keine Rolle, ob sie tot oder am Leben waren. Sie mussten nur ausschließen, dass sie eine Gefahrenquelle darstellten.
„Berger, kommen sie raus! Wir wollen kein unnötiges Blutvergießen. Kommen sie einfach mit uns und dann ist die Sache ganz schnell wieder vorbei.“
Statt einer Antwort pfiff eine Kugel durch die Tür und schlug einige Zentimeter neben Mehmet in die Wand, aus der feiner Staub rieselte. Mehmet zog seinen Kopf hinter den Rahmen zurück, gerade rechtzeitig. Der Schütze gab weitere Schüsse ab, die Mehmets Kopf knapp verfehlten.
„Berger, verdammt, wenn sie weiter feuern, werden wir das Feuer erwidern.“
Paul sah aus dem Fenster der Wachküche und sah, dass Eva und Alexander die Situation im Griff hatten. Gemeinsam sicherten sie die Straße, auf dem Boden lagen drei Soldaten, scheinbar verwundet oder tot, bei  zwei der Soldaten konnte Paul Blutspuren erkennen. Wieder ertönte ein Schuss aus dem Wohnzimmer und schlug in die Wand ein. Mehmet zog einen Spiegel an einer Stange aus der Tasche und suchte das Wohnzimmer damit ab, konnte aber niemand entdecken. Ein weiterer Schuss ging knapp an Mehmet vorbei.
„Manfred. Geh nach oben und schau, wer oben ist.“
„Nein, ihr verdammten Hurensöhne. Lasst meine Familie da raus.“
„Berger? Ihrer Familie wird nichts passieren? Schmeißen sie ihre Waffe weg und kommen sie raus.“
„Und wer garantiert mir dann, dass ihr meine Familie in Ruhe lasst?“
„Ich garantiere ihnen das. Hören sie, wie haben keine Zeit mit ihnen zu diskutieren. Entweder sie kommen jetzt raus, oder wir holen ihre Familie.“
„Eher richte ich meine Waffe gegen mich selber.“
„Verdammt Berger, ihr Land braucht sie. Wir sind nicht ihre Feinde. Wir wollen nur dieses Land davor retten, auseinandergerissen zu werden. Da draußen warten Millionen von Infizierten. Russlands Abwehr ist geschwächt, in ein paar Monaten stehen die vor unserer Tür.“
„Ja merkt ihr denn nicht, dass IHR gerade dabei seid, das Land auseinanderzureißen?“
„Nein, das sind wir nicht.“
Mehmet hatte die Zeit genutzt und konnte Bergers Position ausmachen. Der hatte sich hinter einem schweren Stuhl aus Massivholz in Deckung gebracht. Die Pistole war in seiner Hand, lag aber auf der Lehne. Berger hatte die Waffe nicht mehr auf die Tür gerichtet. Mehmet gab Paul ein Zeichen, der lief geduckt aus der Waschküche und stürmte ins Wohnzimmer, während Mehmet weiter auf Berger einredete. Paul schaffte es mit einem Hechtsprung seine Maschinenpistole auf Berger zu richten, noch bevor dieser seine Waffe neu ausrichten konnte.
„Lassen sie die Hand oben. Wenn sie sich bewegen, werde ich schießen. Ich werde sie nicht töten, aber es wird wehtun.“
Berger sah in Lauf der Waffe. Seine Hand lag noch am Abzug der Waffe. Die Waffe wurde schwer in seinen Händen. Mit einem dumpfen Laut glitt sie aus seiner Hand auf die Sitzfläche des Stuhls.
„Ich gebe auf.“
„Gut. Dann langsam aufstehn, die Hände dahin, wo ich sie sehen kann und mach keinen Scheiß Berger.“
„Für sie immer noch Brigadegeneral Berger!“

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