Dienstag, 22. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 12

Untot - Band 2 - Kapitel 12
Die kleine Gruppe marschierte Richtung Südosten, der nächsten Stadt, Milpillas de Allende, einer alten Stadt, die hauptsächlich von Farmern und Viehzüchtern bewohnt wurde, entgegen. Ihr Weg führte sie über unwegsames Gelände, das sie nur langsam durchqueren konnten. Immer wieder wurde ihr Marsch durch Erhebungen verlangsamt und durch unwegsames Gelände erweitert. Juan wollte kein Risiko eingehen und opferte ihre Mobilität zugunsten ihrer Sicherheit.
Der Marsch wurde zudem durch die Kinder verlangsamt, für die öfter als geplant Pausen eingelegt werden mussten. Das alles hatte zur Folge, dass die Gruppe gegen Abend vielleicht die Hälfte des Wegs zurückgelegt hatte und die nächste Ortschaft noch Stunden entfernt lag. Juan stolperte gerade erschöpft einen Hügel herab, als er von einer Reflektion geblendet wurde. Angestrengt sah er in die Richtung und bemerkte den Ursprung der Reflektion.
Es war eine intakte Fensterscheibe, die das Licht der untergehenden Sonne widerspiegelte. Die Fensterscheibe gehörte zu einem nicht besonders großen Holzhaus, das ihnen über die Nacht ein Dach über den Kopf bieten könnte. Langsam näherte sich die Gruppe dem Haus und beobachtete das Haus dabei aufmerksam. Die unteren Fensterläden waren zugezogen, die oberen standen offen. Nichts deutete darauf hin, dass das Haus momentan bewohnt war. Juan fragte sich, wem das Haus gehören könnte und welchem Zweck es dient. Vielleicht war es eine Jagdhütte oder das Wochenenddomizil von Stadtbewohnern, die in die Abgeschiedenheit der mexikanischen Natur eintauchen wollten.
Juan verwarf die Gedanken. Im Moment würde das für sie keinen Unterschied machen. Es ging nur darum, die Nacht hinter sicheren Wänden zu verbringen. Als sie näher kamen und das Haus umrundeten, entdeckte Juan eine Wasserpumpe, die im ersten Moment funktionstüchtig erschien. Später würden sie Zeit haben, die Wasservorräte wieder aufzufüllen, erst würde er aber das Haus auskundschaften. Alleine. Er bedeutete seinen Begleitern vor dem Haus abzuwarten und die Gegend zu beobachten, während er sich der Tür näherte.
Juan nahm den Türgriff und drückte ihn langsam nach unten. Ein leicht quietschendes Geräusch signalisierte, dass sich der Griff nach ein paar Tropfen Öl sehnte. Juan drückte den Griff weiter nach unten und spürte keinen Widerstand. Als der Griff unten war, stemmte er sich leicht gegen die Tür, die mit einem lauten Knarzen dagegen protestierte, sich aber nicht weiter bewegen ließ. Juan erhöhte sanft den Druck, musste aber feststellen, dass die Tür abgeschlossen war. Das wollte er so nicht akzeptieren, stemmte sich jetzt mit aller Kraft gegen die Tür, konnte aber der Kraft des Riegels nichts entgegensetzen.
Juan nahm das Gewehr vom Rücken, wog es in den Händen und überlegte, das Schloss einfach aufzuschießen. Nein, das würde zu viel Aufmerksamkeit erregen und diese Kreaturen anlocken, sofern sie sich in der Nähe befänden. Es musste einen anderen Weg geben. Juan klopfte leise gegen die Tür, hoffte, dass ihm jemand öffnen würde, erhielt aber keine Reaktionen. Leise rief er Maria und die Kinder zu sich, bat sie nach Schlüsseln Ausschau zu halten, die der Hausbesitzer möglicherweise außerhalb des Hauses aufbewahrte, während Juan das Haus umrundete, um einen Eingang zu finden.
Während Juan um das Haus ging, fiel ihm eine Bodenklappe auf, die von einem Vorhängeschloss gesichert war. Das Schloss sah alt und verrostet aus und würde nicht viel Druck standhalten. Juan nahm den Schürhaken, setzte ihn an und schaffte es, das Schloss mit einem krachenden Geräusch aufzustemmen. Vorsichtig zog er die Bodenklappe auf, konnte aber nicht vermeiden, dass die verrosteten Scharniere ein helles, quietschendes Geräusch von sich gaben und den Blick auf eine in das Erdreich und mit Brettern stabilisierte Treppe freigaben.
Wieder nahm Juan das Gewehr von der Schulter und ging die vom restlichen Tageslicht spärlich beleuchteten Stufen hinab. Bereits nach einigen Stufen verlor sich das Licht und nur noch Schatten um Umrisse waren zu erkennen. Neben Holz schien der Hausbesitzer dort Unrat und dem beißenden Gestank nach auch Diesel zu lagern.  Juan sah den Umriss von etwas, dass wie ein großer Tank aussah und daneben einen kleinen Motor, möglicherweise ein Stromgenerator.
Langsam gewöhnten sich Juans Augen an die Dunkelheit und immer mehr Umrisse schälten sich heraus. Juan erkannte Fahrräder, einige Planen und eine nach oben führende Treppe. Sein Herz schlug schneller, als er die Stufen nach oben erklomm und über eine offene Klappe nach oben in das Erdgeschoss gelangte. Krachend schlug die Klappe auf dem Boden auf und Juan sah nach oben. Es war noch dunkler als im Keller. Die Sonne stand auf der anderen Seite und die Fensterläden schluckten das meiste noch vorhandene Restlicht.
Juan wartete ab, bevor er mit dem Gewehr im Anschlag die letzten Stufen erklomm und sich in Zimmer umsah. Das Zimmer war mit einigen Regalen eingerichtet, in denen einige Konserven unbekannter Herkunft und Inhalts standen. Eventuell konnten sie damit ihre Vorräte auffüllen. Die Dielen knarzten unter seinen Füssen, als er vorsichtig durch das Zimmer zur Tür schlich. Er verfluchte sich dafür. Noch mehr verfluchte er sich, als er plötzlich in die Mündung einer Pistole sah, die auf seinen Kopf gerichtet war.

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