Freitag, 25. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 15

Untot - Band 2 - Kapitel 15
Erschreckt zog Juan seine Hand zurück und starrte auf den Arm der Frau.
„Das ist nichts. An der letzten Tankstelle wurde ich von einem dieser Dinger gebissen, Enrique hat ihn erledigt, bevor er mich ernsthaft verletzen konnte. Ich bin übrigens Lurdes.“
Erneut streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Juan ergriff sie zögerlich und drückte sie leicht.
„Ich bin Juan. Unten sind noch Maria, Carmen und Antonio. Diese Verletzung…“
„Tut fast nicht mehr weh“  vervollständigte Lurdes Juans Satz.
„Wann ist das passiert?“
„Vor drei Tagen. Wir waren gerade auf dem Weg hierher und mussten an einer Tankstelle Rast machen. Enrique, würde es dir etwas ausmachen, die Geschichte weiter zu erzählen. Ich fühle mich etwas müde.“
Enrique stand auf, nahm Lurdes in den Arm, und führte sie wieder hinter den Vorhang. Juan hörte leises Gemurmel, bevor er wieder hinter dem Vorhang hervortrat.
„Ja, wir waren an dieser Tankstelle. Es sah alles ganz ruhig aus und unser Tank war fast leer. Ich wollte Benzin zapfen, aber die Zapfsäule gab nichts mehr her. Lurdes stieg aus, um in der Tankstelle nachzufragen. Ich wollte sie noch aufhalten, aber das Temperament meiner Frau lässt sich nicht so einfach zügeln.“
Seine Lippen verzogen sich zu einem gequälten Grinsen.
„Sie rannte also in die Tankstelle und rief nach einem Angestellten. Konnte aber niemand finden. Der Verkaufsraum war leer und aus der Werkstatt kam keine Antwort. Gerade als sie gehen wollte, hörte sie hinter der Theke ein Geräusch. Es klang wie ein Schmatzen, als würde dort jemand sein Essen in sich hineinstopfen. Nach der ganzen Scheiße hätte sie eigentlich…“
Seine Stimme brach ab und Tränen liefen aus seinen Augen. Er sah in Juans Gesicht, räusperte sich und  wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht, um sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.
„Als ging sie zur Theke, rief nochmal und wollte sich gerade an der Theke etwas nach vorne ziehen, als eines dieser Dinger mit blutverschmiertem Maul nach oben schießt, und versucht, sie in ihren Arm zu beißen. Lurdes konnte ihren Arm noch zurückziehen, aber nicht vermeiden, dass er ihre Haut mit seinen Zähnen noch leicht aufriss. Als sie hilfeschreiend aus dem Gebäude kam, bin ich rein und hab den Bastard mit einer Kugel in den Kopf umgelegt.“
Demonstrativ hob er seine Pistole, bevor er fortfuhr.
„Wir haben gedacht, dass sei nichts. Es war nur ein Kratzer. Wir… Wir sind dann weitergefahren, bis uns der Sprit ausging. Die letzten fünf Kilometer sind wir gelaufen. Die Vorräte haben wir die letzten zwei Tage aus dem Wagen geholt und gestern ward ihr da.“
„Oh Mann… Hör mal, wegen deiner Frau…“
Enrique sah Juan verzweifelt an und Juan verstand, dass Enrique wusste, was mit seiner Frau passieren würde.
„Sie wird sterben, und eine von denen werden, oder?“
„Ich glaube schon. Der Vater dieser Kinder da unten… ich musste ihn erschießen… er wurde gebissen, kam als eines dieser Wesen zurück und hat seinen eigenen Sohn aufgefressen. Diese Frau da unten hat in einer Nacht ihren Mann und ihren jüngsten Sohn verloren, die Kinder ihren Vater und ihren Bruder.“
„Und? Was soll ich machen? Sie umbringen? Sie ist meine Frau?“
„Du kannst sie nicht hier drin lassen. Sie ist eine Gefahr für dich.“
„Ich… ich… weiß… aber… sie ist meine Frau. Sie ist die Mutter unserer zwei Kinder.“
„Kinder? Sind die auch hier?“
„Ja… zwei Söhne. Julio und Pablo, 14 und 16 Jahre alt. Was… wie… wie soll ich denen erklären, dass ihre Mutter sterben wird?“
„Es wird schwieriger ihnen zu erklären, warum sie von ihrer Mutter gefressen werden. Hör mir zu Enrique, du hast eine wunderbare Frau. Ich wäre froh, irgendwann eine solche Frau zu finden, aber sie ist eine Gefahr für euch.“
Enriques Augen wurden glasig, füllten sich mit Tränen und vor Juans Augen brach er in Tränen aus. Juan sah die Furcht in seinen Augen und zugleich die Trauer.
„Du… du solltest sie vielleicht unten pflegen und fesseln. Nur für den Fall...“
Enrique sah zu Juan auf. Tränen liefen seine Wangen hinab und diesmal schämte er sich derer nicht.
„Ihr könnt bleiben. Ihr könnt nach oben kommen und ein paar Tage rasten. Und wir bringen Lurdes nach unten. Ihr werdet mir helfen, zu tun, was getan werden muss und ihr müsst mir versprechen, euch um die Jungs zu kümmern, wenn irgendwas gewaltig schief laufen sollte.“
Juan sah in Enriques Augen. Auch wenn seine Stimme leise und brüchig war, so war sein Gesichtsausdruck entschlossener und ernster als zuvor. Juan nickte, um Enrique sein Einverständnis auszudrücken und ging hinab, um Carmen und die Kinder zu informieren. Zusammen trugen sie ihre wenigen verbliebenen Vorräte nach oben und halfen Enrique dabei, seine Frau zu fixieren. Ihr Zustand verschlechterte sich in den folgenden Stunden rapide, bis sie schließlich am frühen Nachmittag das letzte Mal Enrique versicherte, wie sehr sie ihn lieben würde, bevor sich ihre Augen schlossen. Juan half Enrique sie aus dem Haus zu bringen und mit einer Axt erlösten sie Lurdes lautlos von dem Schicksal, untot auf Erden wandeln zu müssen.

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