Sonntag, 27. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 17

Untot - Band 2 - Kapitel 17
Nichts passierte. Kein Knall, kein Schuss… Enrique nahm die Waffe vom Kopf und sah sie ungläubig an. Ein Omen. Gott wollte nicht, dass Enrique sich das Leben nimmt. Enrique wusste, dass Gott noch etwas mit ihm vorhaben würde, dass Gott wollte, dass er sich um seine Kinder kümmert. Gott hatte durch die Waffe zu ihm gesprochen, das wusste er. Er sicherte die Pistole wieder, legte sich hin und fiel in einen tiefen von schönen Träumen erfüllten Schlaf.
Als Enrique am nächsten Tag erwachte, sprach er sich mit der Gruppe aus. Er erzählte von seinem Kummer, er erzählte von der Pistole und er erzählte von seinem missglückten Selbstmordversuch. Die Anwesenden waren geschockt, aber froh, ihn noch am Leben zu sehen. Seine Söhne fielen ihm um den Hals und dankten zusammen mit ihrem Vater Gott, dass er noch am Leben war.
Juan war auch froh, dass Enrique noch am Leben war. Er wollte mit Maria und den Kindern weiterziehen und hatte keine große Lust, sich um Enriques Söhne zu kümmern. Am Boden sah er Enriques Pistole liegen. Vorsichtig hob er sie auf und sah sie sich näher an. Es war eine schöne und kleine, zugleich massiv gebaute Waffe. Auf der Seite waren der Name „Walther“ und die Seriennummer P22 eingestanzt.
Juan fummelte etwas herum, bis er den Sicherungsbolzen für das Magazin fand und zog das Magazin aus der Waffe. Es war leer. Juan gingen mehrere Gedanken durch den Kopf. Enrique war ein verdammter Vollidiot. Rennt mit einer ungeladenen Waffe herum. Plötzlich kam sich auch Juan dumm vor. Er hatte Todesangst. Vor einer ungeladenen Waffe. Im gleichen Masse, wie es ihn einerseits amüsierte, wurde er auf Enrique wütend.
Wenigstens hatte er seinen Lebensmut zurückgewonnen und Juan würde den Teufel tun, ihm diesen Lebensmut wieder zu nehmen. Stattdessen schob er unauffällig einige Patronen in das Magazin und das Magazin anschließend in die Waffe zurück. Danach sicherte er die Waffe wieder und legte sie unauffällig dahin zurück, wo Enrique sie abgelegt hatte. Vielleicht würde ihm das eines Tages das Leben retten.
Juan bemerkte, dass Maria ihn ansah. Er erwiderte ihren Blick und mit ihren Augen zeigte sie auf Enriques Waffe. Juan verstand ihren Blick und winkte ihr zu, ihn zu begleiten. Leise stieg er auf der Leiter nach unten und Maria folgte ihm.
„Was war das eben? Was hast du mit seiner Waffe gemacht?“
„Pst, sei leise, dass er uns nicht hört. Dieser Vollidiot hatte seine Waffe nicht geladen. Das Magazin war leer. Es war nicht Gottes Wille, dass er am Leben ist, sondern seine eigene Unfähigkeit.“
„Hm… und wer sagt, dass es nicht Gottes Wille war, dass die Waffe nicht geladen war?“
„Mein gesunder Menschenverstand. Hör zu Maria, wir müssen hier wieder weg. Wir bleiben noch diese Nacht und morgen früh füllen wir unsere Wasserflaschen und verschwinden hier. Wir müssen nach Milpillas de Allende und dort nach Hilfe suchen.“
„Wer sagt, dass Milpillas de Allende nicht auch schon von diesen Dingern überfallen wurde?“
„Keiner. Aber wenn wir nicht nachschauen, werden wir es nie erfahren.“
„Und dann? Kämpfen wir uns dann unseren Weg frei? Rennen wir vor den Dingern davon? Was dann Juan?“
„Ich weiß es nicht. Aber hier können wir auch nicht ewig bleiben. Sofern die Gegend von der Regierung evakuiert wird, müssen wir dahin, wo es Menschen gibt. Hier verrecken wir.“
„Was weißt du eigentlich? Warum hat mir Gott meinen Emilio genommen? Warum bist du hier und nicht er? Warum konntest du nicht an seiner statt sterben? Ich hasse dich Juan, ich hasse dich!“
Sie spie ihm die Worte fast schon ins Gesicht. Ihre Augen glänzten glasig, schienen aber trotzdem noch tödliche Speere auf Juan abzufeuern. Ihr Blick ließ Juan instinktiv einen Schritt zurücktreten. Tränen traten aus ihren Augen, liefen ihre Wangen hinab und tropften auf ihr Kleid. Sie hob die Hand und streckte Juan den Zeigefinger entgegen.
„Du hast ihn getötet. Ihn und meinen Sohn. Das werde ich dir nie verzeihen. Niemals. Ich schwöre dir, es wird der Tag kommen, an dem ich dich töten werde. Ich schwöre es, du verdammter Hurensohn!“
Dabei brach sie in Tränen aus. Ihre Füße schienen von einer Sekunde auf die andere ihren Dienst zu quittieren und Juan trat schnell einen Schritt vor um sie aufzufangen, bevor sie auf den Boden krachen konnte. Mit ihren Fäusten hämmerte sie schwach auf ihn ein, bevor sie ihren Kopf auf seine Schulter legte und ihrer Trauer freien Lauf ließ.
Juan nahm sie fest in den Arm und flüsterte ihr immer wieder zu, dass alles wieder gut werden würde. Er versprach ihr, sich um sie und die Kinder zu kümmern. Er versprach ihr, sie alle in Sicherheit zu bringen und er versprach ihr, dass sie dann mit ihm machen könne, was auch immer sie wollte. Das war er ihr, Emilio und den Kindern schuldig. Gleichzeitig war er es sich auch selber schuldig. Er würde sie alle in Sicherheit bringen und wenn er dabei draufgehen würde.

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