Montag, 28. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 18

Untot - Band 2 - Kapitel 18

Es war Zeit aufzubrechen. Enrique erlaubte es sich, ihre Vorräte noch um einige von seinen Vorräten zu ergänzen. Mehrmals bat ihn Juan, sich ihrer Reise anzuschließen, was er aber kategorisch ablehnte. In dem Haus fühlte er sich sicher und er würde lieber hier einsam sterben, als den Kreaturen in die Hände zu fallen. Gott hatte ihm ein Zeichen gegeben und er würde hier auf ein neues Zeichen Gottes warten.

Juan musste sich auf die Zunge beißen, verriet ihm aber nichts. Stattdessen klopfte er ihm auf die Schulter, verabschiedete sich von seinen Söhnen und verließ das Haus. Draußen war Maria bereits damit beschäftigt, die leeren Flaschen aufzufüllen und sie in ihren Taschen zu verstauen. Juan ging ihr zur Hand, schulterte zwei Taschen und drehte sich noch einmal um, um sich von Enrique zu verabschieden, stand aber schon vor einer verschlossenen Tür.

Etwas enttäuscht drehte sich Juan wieder um und ging der Gruppe voran. Um möglichst viel Weg gutzumachen, schlug Juan den Weg zur Straße ein. Quer durch das Gelände ging zu viel Zeit verloren und auf der Straße würden sie vielleicht andere Überlebende treffen. Die Toten nutzten ohnehin keine Straßen, also wär es auch nicht riskanter, als querfeldein zu laufen.

Nach ein paar Minuten erreichten sie die Straße nach Milpillas de Allende. Wolken schützten die Reisenden vor der prallen Sonne, und machten den Fußmarsch erträglicher. Sie kamen gut voran. Sie gingen durch Wälder, und als sie das gebirgige Gelände verließen, lagen vor ihnen die abgeernteten und vertrockneten Felder der hier ansässigen Farmer.

Auf den Feldern standen Steinkreise, die das darin lagernde Korn vor Tieren schützen sollten und Juan fragte sich, ob es ihnen im Notfall auch Schutz für die Nacht bieten würde. Während des ganzen Fußmarsches trafen sie nicht einmal auf die untoten Kreaturen, aber auch nicht auf andere Menschen. Die Straßen und Felder waren wie ausgestorben, keine Geräusche, die auf menschliches Leben schließen ließen waren zu hören.

Nach einiger Zeit erkannte Juan zwei Kirchtürme, deren Braun sich deutlich von dem Weiß der anderen Gebäude abhob. Als sie näher kamen, sahen sie auch die die Kirche umgebende Mauer. Noch immer war von den Untoten nichts zu sehen und Hoffnung keimte in Juan auf. Möglicherweise hatten sich die Einwohner in der Stadt verschanzt und könnten ihnen Deckung bieten, bis Hilfe einträfe.

Um einiges euphorischer, aber immer noch vorsichtig gingen sie weiter. Ein mit Steinen gepflasterter Weg führte in die Stadt hinein. Die rechte Seite war durch Steine befestigt und sollte wohl verhindern, dass die Straße in der Regenzeit von herunter gespülter Erde verschmutzt würde. Juan musste innerlich darüber lachen, wie profan ihm das in diesem Moment erschien. Eine dreckige Straße… Juan würde alles dafür gehen, auf einer dreckigen, aber dafür sicheren Straße gehen zu können.

Als sie die Steigung überwunden hatten, sahen sie die landestypischen, niedrigen und oft in verschiedenen Farben gestrichenen Häuser. Die meisten Farben waren verwaschen und die Häuser schmutzig. Trotzdem war es für Juan der schönste Anblick seit Tagen, ach was, seines Lebens. Die Freude währte nicht lange. Nachdem sie die Steigung komplett überwunden hatten, konnte Juan einen ihm in letzter Zeit nur zu vertrauten Geruch einatmen.

Es roch nach Tod, nach Verwesung, nach den Untoten. Sie waren also auch hierher gelangt. Juan drehte sich zu seinen Mitreisenden um und wies sie an, besonders aufmerksam und leise zu sein, die Umgebung im Auge zu behalten und bei der kleinsten Auffälligkeit ihm sofort Bescheid zu geben. Er nahm das Gewehr von der Schulter und nahm es in Anschlag. So gingen sie langsam weiter auf die ersten Häuser zu.

Neben den Häusern verlief eine kleine Mauer, die ihnen die Sicht auf die Straßen der Stadt nahm. Durch eine Lücke in der Mauer schlängelte sich die Straße durch die Stadt. Durch eine unmittelbar hinter dem Tor einsetzende Kurve konnte Juan nichts erkennen, und ging vorsichtig weiter. Der Gestank wurde immer intensiver. Um etwas davon abzuhalten, zog er sich das T-Shirt ins Gesicht und über die Nase.

Das Gewehr weiter im Anschlag trat Juan durch die Lücke und wandte sich ekelerregt ab. Leichen säumten die Straße. Geronnenes Blut klebte zwischen den Steinen und bildete Pfützen in den Schlaglöchern der Straße. Zwischen den Leichen lagen tote Ratten und verendete Vögel, die sich scheinbar an den toten Körpern laben wollten. Auf den toten Tieren saßen Fleischfliegen, die ihre Eier in die toten Körper ablegten. Es stank bestialisch und stellte alles in den Schatten, was Juan bisher ertragen musste.

Viele der Türen und Fenster der gegenüber liegenden Häuser waren zerstört, von außen eingeschlagen, wie es den Anschein hatte. Braune, eingetrocknete Blutschlieren zogen sich über die Fassaden. Neben den Leichen zeugten das Blut und abgetrennte Körperteile davon, dass hier ein schreckliches Massaker stattgefunden haben musste. Alle Leichen wiesen schwere Kopfverletzungen auf, manche waren mit stumpfen Gegenständen beigebracht worden, bei anderen zeugten Einschnitte von Macheten oder Einschusslöcher von Schusswaffengebrauch. Wer auch immer hier war: kampflos ergeben haben sie sich nicht.

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