Dienstag, 29. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 19

Untot - Band 2 - Kapitel 19

Um seine Begleiter zu schonen, ging Juan alleine vor. Ein Tuch um das Gesicht sollte ihn vor dem Gestank und Krankheitserregern schützen. Was die Krankheitserreger betraf, wollte sich Juan nicht festlegen, aber den Gestank konnte er damit nicht abhalten. So vorsichtig wie möglich und bedacht darauf, auf keine der Leichen zu steigen, arbeitete sich Juan langsam voran, immer die Hauseingänge im Blick, um nicht überrascht zu werden.

In ungefähr 200 Meter Entfernung sah Juan die Kirche. Möglicherweise gab es dort Überlebende. Oder die Kirche war voller Untoter. Mit Grauen erinnerte er sich an Enriques Geschichte über die Kirche in Tepic. Ein Geräusch ließ Juan aufhorchen. Vor ihm huschte etwas über die Straße. Zu klein, für eine dieser Kreaturen. Mit den Augen folgte er der Bewegung und fand schließlich eine Ratte, die sich an den Kadavern der toten Tiere nährte.

Die Ratten hatten offensichtlich schnell gelernt, dass ihnen die toten Menschen selbst den Tod brachten und ihre Ernährung entsprechend umgestellt, dabei auch keine Probleme mit Kannibalismus. Gierig verzehrte die Ratte einen ihrer Artgenossen. Ob die Seuche auch auf Tiere übertragen wurde? Was, wenn diese Ratte infiziert war und die andere Ratte sich ebenfalls erheben würde? Dann wäre die Menschheit endgültig am Arsch, entschied Juan und ging langsam weiter.

Eine Backsteinmauer umgab das Kirchengelände, unterbrochen vom Kircheingang, der in den Mittelteil der Kirche mündete. Die Türen waren geschlossen. So leise wie möglich näherte sich Juan dem Eingang und legte sein Ohr auf die Tür, konnte aber nichts hören. Angestrengt horchte er weiter, bis er sich sicher war, dass keine Geräusche aus dem inneren der Kirche kamen.

Mit dem Gewehrkolben klopfte er einmal leicht auf das Holz der Türe. Der Schlag hallte leise im Inneren des Gebäudes und verstummte wieder. Wieder legte er sein Ohr an das von der Sonne aufgewärmte Holz der Türe. Gerade, als er dachte, dass die Kirche leer stand, konnte er sie hören. Erst war es ein leises Stöhnen und schlurfende Schritte. Dann nahm das Stöhnen zu und Juan hörte, wie etwas Schweres, Hölzernes mit einem dumpfen Knall zu Boden fiel.

Irgendjemand oder irgendetwas hämmerte von innen auf die schweren Holztüren. Instinktiv trat Juan einen Schritt zurück, und fand seinen Fuß in dem verwesten Frau unbestimmbaren Alters. Ihre halbverwesten Eingeweide hingen an seinem Schuh, als er ihn angeekelt aus ihrem Körper herauszog. Zeit sich darüber Gedanken zu machen hatte er nicht, denn immer mehr Hände und Fäuste trommelten gegen die Türe. Die Türe wirkte durchaus massiv, aber er wollte nicht herausfinden, wo die Belastungsgrenzen der Türe waren.

Vor seinem geistigen Auge malte sich Juan aus, wie die Einwohner hilfesuchend in die Kirche rannten, nur um von Ihresgleichen nur kurze Zeit später infiziert zu werden. Angewidert und ängstlich ging er zurück. Die Sonne stand schon tief am Himmel. Sie mussten schnell eine Unterkunft finden, wollten sie die Nacht nicht im Freien verbringen. Vor dem Hintergrund herumliegenden Toten und der infizierten Kirchenbesucher ein schrecklicher Gedanke.

Als er wieder bei seinen Begleitern war, berichtete er kurz, was er vorgefunden hatte und seine Vermutungen, was hier vorgefallen war.

„Was sollen wir jetzt machen?“

Marias Stimme klang müde und ausgelaugt.

„Wir müssen eine Unterkunft suchen. Wir dürfen auf keinen Fall im Freien bleiben. Lass uns um die Stadt gehen und Ausschau halten.“

Maria stimmte seinem Vorschlag zu und gemeinsam umkreisten sie die Stadt, bis sie auf ein alleinstehendes, etwas abseits errichtetes Gebäude stießen. Das Haus schien relativ neu zu sein und war für hiesige Verhältnisse relativ modern. Große Antennen ragten aus dem Dach.

„Was ist das für ein Gebäude?“

Erstaunt sah ihn Maria an.

„Bist du denn nie aus dem Kaff rausgekommen? Das hier ist die örtliche Verwaltungsstelle und Sitz der örtlichen Polizeidienststelle.“

„Und warum erzählst du mir erst jetzt davon?“ fuhr Juan sie wütend an.

„Weil ich nicht wusste, dass die Straßen mit Leichen verstopft sind und die Einwohner als Untote Kirchenbesucher dahinvegetieren.“ Keifte sie zurück.

Juan wirkte verschämt, antwortete aber nicht darauf und ging direkt auf das Gebäude zu. Die Türen und Fenster schienen unversehrt. Inzwischen stand die Sonne schon erschreckend tief und würde in wenigen Minuten ganz untergehen. Juan hoffte auf ein Wunder, als er die letzten Meter zurücklegte. Vorsichtig warf er einen Blick durch die tief liegenden Fenster, konnte aber nichts erkennen. Wie zuvor bei der Kirche, legte er langsam sein Ohr an die Tür, hörte nichts, klopfte mit dem Kolben dagegen und horchte weiter. Aus dem Gebäude kam kein Geräusch.

Er winkte Maria zu sich und bat sie die Türe zu öffnen, während er das Gewehr im Anschlag hielt. Maria drückte die Klinke nach unten und quietschend schwang die Tür nach innen, was Juan einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Mit dem Gewehr im Anschlag verharrte er noch eine halbe Minute vor der Tür, bis er sich sicher war, dass sich kein menschenfressendes Ungetüm auf ihn werfen würde. Das immer stärker schwindende Tageslicht machte ein schnelles Vorgehen erforderlich. Er hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Mit dem Gedanken im Hinterkopf betrat er das Gebäude.

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