Samstag, 12. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 2

Untot - Band 2 - Kapitel 2

Das Fenster lag nicht hoch, und es war für die beiden Männer ein leichtes, sicher auf den Boden zu gelangen. Juan stieg als erstes aus dem Fenster, hängte sich an den Sims und ließ sich auf den Boden fallen und streckte die Arme nach oben, um den verletzten Emilio zu entlasten. Als Emilio ans Fenster trat, war das anfängliche Klopfen zu einem wilden Gehämmer angewachsen. Arme, Hände, ganze Körper schien es flogen gegen die Tür und zerrissen das Holz.
Als Emilio aus dem Fenster stieg, ergriff Juan Emilios Beine und stützte ihn etwas, während er sich nach unten gleiten ließ. Am Boden angekommen, rannten die beiden Männer zum Ende des Hofs und sahen durch das Tor nach draußen. Das Dorf stand in Flammen. Juans Haus, das weit vorne am Ortseingang stand, brannte bereits lichterloh. Das Feuer sprang von Haus zu Haus über und niemand war da, der das Feuer löschen konnte. Überall starben Menschen. Überall wurden Menschen von diesen Kreaturen gejagt, zu Fall gebracht, gebissen, aufgefressen oder in Stücke gerissen.
Das erste Mal in seinem jungen Leben war Juan froh, dass er weder Frau noch Kinder hatte. Emilio dagegen war dreifacher Vater. Sein Hof lag zwei, drei Kilometer außerhalb der Stadt und Juan sah die Sorge auf Emilios Gesicht.
„Können wir uns bei euch verbarrikadieren?“ flüsterte Juan Emilio zu.
„Ja, ich glaube schon. Unser Hof liegt weit genug draußen und ich habe ein Gewehr daheim. Damit können wir uns verteidigen.“
Nicht weit entfernt ertönten Schüsse. Juan sah in die Richtung, aus der die Schüsse kamen und sah den Dorfpolizisten, der auf die Kreaturen feuerte. Eine ihm unbekannte Frau stakste weiter auf den Polizisten zu, während die Kugeln ihre Brust zerfetzten. Das schien sie allerdings nicht zu stören und unbeirrt setzte sie ihren Weg fort. Von den Geräuschen angelockt, wurde der Beamte inzwischen von mehreren Kreaturen bedrängt.
Juan erkannte Jesus aus der Bar und sah im Schein des Feuers seinen leeren Blick. Jesus war tot und doch am Leben. Juan hatte ihn sterben sehen. Die Schüsse waren verstummt. Der Polizist lief davon, gefolgt von einer wachsenden Zahl der Kreaturen. Er lief in sein Dienstgebäude und versperrte die Tür gerade noch rechtzeitig, bevor ihn die ersten Kreaturen zu fassen bekamen. Juan beobachtete, wie sie gegen die Tür schlugen, ihre Körper dagegen stießen und am Holz kratzten.
„Los jetzt, sie sind abgelenkt. Hauen wir hier lieber ab, bevor sie uns bemerken.“
Emilio lief geduckt los und Juan hinterher. Beide versuchten so gut wie möglich unsichtbar zu bleiben und unnötige Geräusche zu vermeiden. Unbemerkt blieben sie trotzdem nicht und Juan sah, dass einige der Kreaturen in ihre Richtung liefen. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit stellten sie aber für die beiden Männer keine Gefahr dar. Selbst mit seiner Verletzung konnte Emilio schneller laufen, als die hüftsteifen Dinger hinter ihnen.
Als die beiden Männer 10 Minuten gelaufen waren, gestatteten sie sich eine Pause und schauten zurück auf das Dorf. Inzwischen waren mehr Gebäude vom Feuer erfasst worden und auch das Dienstgebäude würde bald ein Opfer der Flammen werden. Juan ging zu Emilio und sah sich seine Wunde an.
„Was ist denn passiert?“
„Ach, das ist nichts. Eins von den Dingern hat mich in die Schulter gebissen und mir etwas Haut weggerissen. Tut höllisch weh, aber das wird schon wieder, ist nur eine Fleischwunde.“
„Das war verdammt knapp. Hast du ein Telefon oder ein Auto?“
„Nein, leider nicht. Hör mal, wir müssen schnellstmöglich zu meinem Hof.“
„In Ordnung. Lauf vor.“
Nach weiteren  10 Minuten hatten die beiden Emilios Hof erreicht. Emilio hämmerte an die Tür und Juan sah ihm einen Stein vom Herzen fallen, als seine Frau Maria mit müden Augen die Türe öffnete. Juan fiel Maria um den Hals, küsste sie und drängte sie in das Haus. Juan folgte. Im Licht des Hauses erkannte Maria, dass Juan verletzt war. Erschrocken sah sie ihn an und gerne hätte Emilio sie beruhigt, ihr die Wahrheit verschwiegen, aber er musste es ihr erzählen.
Während Maria die Schulter von Emilio verband, erzählten die beiden, was im Dorf vorgefallen war. Zuerst glaubte ihnen Maria kein Wort, hatte den Verdacht, dass ihr Emilio dieses Märchen nur erzählen wollte, um sie zu erschrecken und die Verletzung an der Schulter eine viel harmlosere Ursache hatte. Juan machte dann den Vorschlag, den Fernseher einzuschalten. Was in ihrem Dorf passierte, war ja auch in anderen Teilen Mexikos passiert.
Maria schaltete den Fernseher ein und zappte durch die Programme. Zwei Sender zeigten nur ein Testbild, weitere zwei Sender waren wegen technischer Probleme derzeit nicht auf Sendung und die restlichen Programme zeigten das übliche Programm. Keine Sondersendungen berichteten von lebenden Toten oder Menschen, die andere Menschen attackierten. Maria war nicht überzeugt.
„Wir haben gesehen, was wir gesehen haben. Wir müssen uns hier verbarrikadieren, bevor sie uns holen kommen.“
„Nein, ihr macht nichts dergleichen. Ihr seid betrunken und ihr werdet nur die Kinder aufwecken.“
„Mein Gott, die Kinder. Wir müssen die Türen verriegeln und die Fensterläden zuziehen. Nein, wir müssen die Fensterläden vernageln.“
„Hör mal Emilio. Ich habe nichts gesagt, dass du deinen Saufkumpan anschleppst und ich habe nichts wegen deiner Verletzung gesagt, aber du weckst unsere Kinder nicht auf!“
Ein klirrendes Fenster beendete die Unterhaltung.

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