Mittwoch, 30. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 20

Untot - Band 2 - Kapitel 20
Es war, wie Maria gesagt hatte. Türschilder wiesen Räume als Verwaltungs- und Diensträume aus. Es war eher unwahrscheinlich, dass sie hier Betten finden würden, aber ein sicherer Raum für die Nacht war mehr wert, als tausend Betten. Etwas zügiger als gewohnt, ging Juan den Flur entlang, der am Ende nach links abbog. Juan hatte ein spezielles Ziel, er wollte in die Diensträume der örtlichen Polizei. Dort gab es möglicherweise ein Funkgerät und Waffen, oder vielleicht noch irgendjemand, der am Leben war.
Als er am Ende des Flurs nach links abbog, stand er vor einer weiteren Tür, einer Glastür, die den dahinter liegenden Bereich als Dienststelle auszeichnete. Juan stemmte sich dagegen und fand die Tür unverschlossen. Im Gegensatz zur Verwaltung standen die Türen offen. Scheinbar war man überrascht aufgebrochen. Mit einem schnellen Blick vergewisserte sich Juan, dass die Räume leer waren. Es waren meist Verwaltungsräume, die zumindest bei einem schnellen Blick keinerlei brauchbares Material aufwiesen.
Am Ende des Flurs lagen die Umkleidekammer und die Zellen. Beide Türen waren geschlossen. Juan zog am Türgriff des Umkleideraums, konnte die Türe aber nicht öffnen. Trotz der Eile hatte man den Raum noch abgeschlossen. Enttäuscht ging er zur gegenüberliegenden Tür und fand diese unverschlossen vor. Die Tür schwang nach innen und Verwesungsgestank drang in Juans Nase. Zwei der Zellen waren noch belegt.
Die rechte Zelle war von einem geifernden Untoten belegt, der seinem Aussehen nach zu urteilen seit mehreren Tagen versucht hat, aus seiner Zelle auszubrechen. An mehreren Stellen an den Fingern, den Armen und dem Kopf fehlte die Haut, oder ganze Fleischstücke. Die Fingernägel waren abgebrochen und lagen zusammen mit dem abgeriebenen Fleisch und den Hautresten auf dem Boden vor der Zelle verteilt.
In der zweiten Zelle lag ein Mann auf der Pritsche, der im Gegensatz zu seinem Mitgefangenen noch höchst lebendig aussah. Als er bemerkte, dass Juan in den Raum ging, richtete er sich auf und sah Juan überrascht an. Er machte einen ausgemergelten, aber gesunden Eindruck. Juan fragte sich, wie lange er schon in der Zelle saß und vor allem warum.
„Hallo. Ich bin Carlos.“ Stellte sich der Gefangene vor.
„Hallo. Juan. Ich…“
„Hören sie, bevor wir uns mit Nettigkeiten aufhalten – könnten sie mich eventuell aus der Zelle entlassen. Es stinkt hier drin bestialisch und ich würde gern nach drei Tagen wieder Wasser zu mir nehmen, dass nicht aus einer Toilette stammt und auch Nahrung stände ich nicht abgeneigt gegenüber.“
„Hören sie… Carlos. Ich kenne sie nicht und ich weiß nicht, warum sie eingesperrt sind. Außerdem wird es gerade dunkel und…“
„Ich verstehe sie schon, ich weiß aber nicht, was ich von ihnen zu erwarten habe.“
„Jaja, schon gut. Ich sitze hier wegen einem Justizirrtum. Ich habe einem dieser Dinger den Schädel weggeblasen und als sie mir geglaubt haben, war es zu spät. Also lassen sie mich jetzt raus.“
„Ich weiß nicht, ob ich ihnen trauen kann.“
„Das hatten wir schon. Hören sie, ich habe seit drei Tagen nichts gegessen und Wasser aus der Toilette getrunken. Selbst wenn ich ein Serienkiller wäre, hätte ich momentan andere Prioritäten, als mich an ihnen zu vergehen.“
„Wer sagt mir, dass sie mir nicht meine Vorräte wegnehmen?“
„Achja, lassen sie mich so sagen: ich zeig ihnen, wo sie hier Vorräte finden.“
„Ok…“
„Schauen sie dort auf den Schreibtisch, am anderen Ende des Zimmers. Dort liegt ein Schlüsselbund.“
Juan sah zögernd auf den Schlüsselbund und zurück in Carlos‘ flehende Augen. Er hatte Recht. Welche Gefahr ging von diesem ausgemergelten Burschen noch aus? Juan ging zum Schreibtisch, nahm den Schlüssel und trat an die Zelle.
„Sie schwören mir bei ihrem Ehrenwort, dass sie mich und meine Begleiter in Frieden lassen?“
„Ihre Begleiter? Ach… natürlich, selbstverständlich. Und jetzt sperr das scheiß Ding hier auf.“
Juan steckte den Schlüssel in das Schloss, drehte ihn herum und zog die Tür auf. Carlos fiel mehr aus der Zelle, als dass er ging. Juan fing ihn auf.
„Danke. Könntest du mich bitte zu dem Schreibtisch rüberbringen? Da sind ein paar Habseligkeiten von mir, die ich ungern zurücklassen möchte.“
Juan brachte Carlos an den Schreibtisch und sah ihm zu, wie er sich auf die Platte stützend um den Schreibtisch herum auf die andere Seite begab. Dort öffnete er Schubladen, bis er gefunden hatte, wonach er gesucht hatte. Unerwartet sah Juan in den Lauf eines silbern glänzenden Revolvers. Carlos grinste und setzte die Waffe wieder ab.
„Tut mir leid, hab ich dich erschreckt?“
Juan sah ihn an und schüttelte mit dem Kopf, obwohl er für einen Moment zu Tode erschrocken war. Carlos steckte sich den Revolver in den Hosenbund und drehte sich zu einem Funkgerät, drehte daran herum, blieb aber erfolglos.
„Kennst du dich mit sowas aus?“
Juan schüttelte den Kopf.
Carlos nahm das Telefon ab, drückte wahllos ein paar Tasten, legte auf, nahm den Hörer wieder ans Ohr, bevor er ihn auf die Gabel knallte.
„Tot“ kommentierte er seine Aktion und ging wieder zu Juan.
„Wann lerne ich deine Begleiter kennen?“
„Komm erst Mal mit. Juan half Carlos aus dem Zimmer und ging mit ihm zurück zum Eingang. Dort wartete Maria mit ihren Kindern. Die Sonne war jetzt fast komplett verschwunden und lange Schatten verdunkelten den Abend.
„Wer ist das?“
„Das ist Carlos. Er war in einer der Zellen.“
„Können wir ihm trauen?“
„Ich weiß nicht, aber er hat mich nicht getötet, als er die Gelegenheit dazu hatte.“
„Und was machen wir jetzt?“
„Jetzt essen wir erst Mal richtig und danach schlafen wir so richtig aus.“ Entgegnete Carlos.

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