Donnerstag, 31. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 21

Untot - Band 2 - Kapitel 21
Carlos führte die Gruppe in ein Ruhezimmer, das nur mit einem kleinen Fenster versehen war. Zusammen mit Juan verdeckten sie das Fenster so gut es ging und machten das Licht im Zimmer an. Noch funktionierte der Strom und künstliches Licht flutete den Raum. Juan sah einen Getränke- und einen Snackautomaten, den er zusammen mit Maria knackte.
Der Inhalt der Automaten stellte eine willkommene Abwechslung zu dem getrockneten Fleisch, dem alten Brot und dem Wasser der letzten Tage dar. Juan freute sich besonders über ein gut gekühltes Bier aus dem Getränkeautomaten. Nachdem Carlos sich satt gegessen und sich danach beinahe übergeben hatte, stießen die beiden Männer an und Carlos erzählte ihnen seine Geschichte.
Carlos betrieb in der Nähe eine kleine Farm und hatte sich die letzten Jahre etwas dazuverdient, indem er den Norden Mexikos mit spezieller Ware belieferte. Die Polizei in Milpillas sah darüber großzügig hinweg, genauso großzügig war Carlos mit seinen Spenden an den Bürgermeister und den Polizeikommandanten vor Ort. Es war eine friedliche Koexistenz für Jahre bis vor vier Tagen.
Vor fünf oder sechs Tagen wurden einige der örtlichen Farmer und Farmarbeiter angegriffen. Die Angreifer zeigten kannibalistische Züge, bissen sich an ihren Opfern fest und verstümmelten sie auf grausame Art und Weise. Schüssen gegenüber zeigten sie sich unempfindlich. Außer Kopftreffer, wie Carlos herausfand. Das Radioprogramm sprach von einer nationalen Bedrohung und Carlos konnte sich zusammenreimen, worin die Bedrohung bestand. Als einige der Kreaturen vor Carlos‘ Farm auftauchten, pustete er um den 20 von ihnen das Gehirn heraus und rief danach die örtliche Polizei.
Diese steckte Carlos wegen Mordverdacht in eine Zelle, wollten nichts hören von Untoten und nationaler Bedrohung. Kurz darauf wurden die Beamten zu einem Einsatz gerufen und kamen nicht mehr zurück. Seitdem steckte Carlos in der Zelle. Nach einem Tag verwandelte sich sein Zellennachbar. Er war von den Wesen angegriffen und verletzt worden, hatte einige mit seiner Machete enthauptet und wurde ebenfalls von den Polizisten wegen Mordes eingesperrt. Als Carlos in die andere Zelle geworfen wurde, war der bereits in einem schlechten Zustand und noch in der folgenden Nacht muss er gestorben sein und kam noch in derselben Nacht zurück. Seitdem gammelte und stank er bei unmenschlichen Temperaturen vor sich hin.
„Du baust also Drogen an?“
„Nein, nein… keine Drogen. Medizin.“
„Ahja. Deswegen auch der Revolver.“
„Ja. Schönes Stück, nicht wahr? Ich habe ihn von einem… ähm… Geschäftspartner aus dem Norden. Wo wollt ihr hin?“
„Wir wollen nach Guadalajara und hoffen, dass die Situation dort noch unter Kontrolle ist. Im Radio hieß es, man solle sich in Ballungszentren begeben.“
„Hab ich auch gehört. Was dagegen, wenn ich mit euch komme?“
„Ich glaube, mehr Hände würden nicht schaden. Fühlst du dich denn fit genug?“
„Gebt mir noch einen Tag. Wir könnten den morgigen Tag nutzen, um uns nach Vorräten umzuschauen. Die Snacks hier sind ja schön und gut, aber ein paar mehr Nahrungsmittel und Munition wären sicher nicht verkehrt.“
„Und woher…?“
„Munition gibt’s hier. Im Umkleideraum gibt es einen Schrank mit Waffen und Munition. Ich bin mir sicher, dass wir da noch ein wenig finden werden. Im Ort gibt es noch einen Lebensmittelladen, dort können wir dann noch die Vorräte auffüllen. Es ist ein langer Weg nach Guadalajara. Mit etwas Glück finden wir auch noch einen Wagen.“
„Hast du einen Wagen?“
„Ja, einen Lieferwagen. Der steht aber auf meiner Farm, und die liegt in einen halben Tagesmarsch in entgegengesetzter Richtung. Etwas weit, nur um dann festzustellen, dass die Karre weg, oder im Arsch ist.“
„Das stimmt.“
„Eventuell finden wir in Milpillas ein anständiges Fortbewegungsmittel. Entweder was wendiges, oder was Massives.“
„Wieso?“
„Wir wissen nicht, was uns erwartet. Eventuell müssen wir von der Straße runter oder irgendwo durchbrechen. Wir wissen nicht, welche Gebiete von der Infektion betroffen sind, und ob alle Straßen passierbar sind. Wir wissen gar nichts und müssen dementsprechend vorbereitet sein.“
Juan erwiderte nichts mehr, sah Carlos in die Augen und nickte. Wortlos tranken sie noch ihr Bier leer. Juan dachte noch über Carlos‘ Worte nach. Er hatte Recht, sie wussten nichts, überhaupt nichts. Vielleicht war Guadalajara bereits tot, von den Untoten überlaufen. Vielleicht rannten sie direkt in die Arme der Untoten. Vielleicht waren die Straßen auch unpassierbar, gesprengt vom Militär, um den Vormarsch aufzuhalten. Juan stand auf, löschte das Licht, tastete sich zurück zu seinem Feldbett und fiel in einen unruhigen Schlaf.

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