Freitag, 1. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 22

Untot - Band 2 - Kapitel 22
Am nächsten Morgen kitzelten Sonnenstrahlen Juans Augen. Langsam erhob er sich und fand Carlos‘ Bett leer vor. Die Decke war vom Fenster gerutscht und die Sonne tat ihr bestes, den Raum durch das kleine Fenster zu erhellen. Juan stand auf, schlüpfte in seine Schuhe und ging hinaus in den Flur. Auf dem Flur sah er Carlos, wie er gerade dabei war, eine der Türen aufzubrechen.
Zwei Tags zuvor verschlossene Türen standen schon offen, vor den Türen standen unter anderem ein Fernseher und ein Radio. Carlos machte sich gerade an der letzten Tür des Flurs zu schaffen, die Tür in den Umkleideraum der Polizei. Juan schloss hinter sich die Tür und machte sich auf den Weg zu Carlos. Der hatte anscheinend Erfolg mit der Tür und verschwand in dem Raum, noch bevor Juan ihn erreicht hatte.
Er ging weiter und betrat ebenfalls den Umkleideraum. Es roch nach Schweiß und stinkenden Socken. Juan fühlte sich an die Umkleidekabinen in der Schule erinnert und schauderte bei dem Gedanken, was wohl mit den Kindern in seinem Dorf passiert war. Carlos kämpfte gerade mit einem Vorhängeschloss an einem Schrank, möglicherweise der Waffenschrank des Polizeireviers.
„Kann ich dir helfen?“
Carlos schreckte auf und drehte sich um. Als er Juan erkannte, beruhigte er sich sogleich wieder.
„Gerne. Kannst du mal schauen, ob du etwas findest, dass wir als Hammer verwenden können?“
Carlos deutete auf das Vorhängeschloss.
„Warum schießen wir das Schloss nicht auf?“
„Bist du wahnsinnig? Wir sind hier nicht in einem Film. Ich habe keine Lust darauf, mir einen Querschläger einzufangen, oder das, was in dem Schrank drin ist zu demolieren. Und glaub mir: du auch nicht.“
Juan sah, dass Carlos eine Art Brecheisen neben sich liegen hatte. Am Ende des Eisens klebten Blut und Haare. Carlos bemerkte Juans fragenden Blick.
„Das Brecheisen hab ich im Raum des Hausmeisters gefunden. Dort müsste auch ein Hammer sein.“
Juan sah weiter auf das Blut und die Haare.
„Ach, du schaust wegen dem Blut? Das ist von meinem untoten Freund. Ich war ihm noch einen Gefallen schuldig. Er ruht jetzt in Frieden.“
Juan nickte und ging zurück auf den Flur. Der Raum neben dem Fernseher wurde als Hausmeisterraum ausgewiesen und erwies sich als kleine Fundgrube. Neben Putzzeug fand Juan auch einen Werkzeugkasten und eine Schublade mit größerem Werkzeug, darunter einen Hammer. Falls sie einen Wagen fänden, könnten sie das Werkzeug gut gebrauchen. Auch der Hammer könnte sich später noch als nützlich erweisen.
Juan ging zurück zum Umkleideraum, in dem Carlos noch immer damit beschäftigt war, mit dem Brecheisen das Schloss aufzustemmen. Als er Juan bemerkte, ging er leicht zur Seite, um Juan Platz zu machen. Der stellte sich daneben, und ließ den Hammer mehrmals auf das massive Schloss herab sausen. Nach dem fünften Schlag fiel es mit einem scheppernden Geräusch zu Boden und Carlos zog die Schranktüren auf.
Auf den ersten Blick war es eine Enttäuschung. Der Schrank war so gut wie leer, ein paar leere Munitionskartons standen herum und die Halterungen waren leer. Ein zweites, kleineres Schloss erregte aber die Aufmerksamkeit der beiden Männer. Dreimal fiel der Hammer auf das Schloss, bevor auch dieses auf den Boden fiel. Diesmal zog Juan die Türe auf und diesmal hatten sie mehr Glück. Hinter der Tür verbarg sich eine halbautomatische AR-15, darunter liegend fünf volle Magazine zu je 30 Kugeln. Juan zog die Waffe triumphierend aus dem Schrank.
„Hauptgewinn!“
„Weißt du denn, wie man damit umgeht?“
„Ich? Nein, ich habe keine Ahnung von Waffen.“
„Warum ist es dann ein Hauptgewinn? Eine Waffe, mit der man nicht umgehen kann, ist bestenfalls ein Trostpreis. Gib mal her.“
Juan grübelte über Carlos‘ Worte und reichte das Gewehr weiter. Carlos nahm die Waffe entgegen, zog den Verschluss zurück, warf einen prüfenden Blick hinein und schob ihn wieder nach vorne. Danach wog er das Gewehr in der Hand, nahm ein Magazin aus dem Schrank, setzte es ein, zog mit dem Verschluss eine Patrone in die Kammer, versicherte sich, dass das Gewehr gesichert ist und setzte es an die Schulter. Über Kimme und Korn visierte er einen imaginären Feind an, bevor er das Gewehr wieder absetzte, es noch einmal einem prüfenden Blick unterwarf und von Juan abgewandt noch „Ja, das ist tatsächlich ein Hauptgewinn“ vor sich hin murmelte.
„Du weißt offensichtlich, wie man mit sowas umgeht.“
„Ja. Ich war beim Militär, Grundwehrdienst, und hatte schon mal sowas in der Hand. Eine gute, zuverlässige Waffe.“
Carlos nahm die restlichen Magazine aus dem Schrank und verstaute sie in einem auf dem Boden liegenden Rucksack, der laut einem aufgenähten Namensschild zuvor im Besitz eines Capitan Labastida war. Juan ging davon aus, dass er ihn wohl nicht mehr brauchen würde.  Danach gingen sie dazu über, die Spinde der Beamten aufzubrechen. Juan fand eine Pistole mit sechs Schuss, sowie die Dienst- und Privatkleidung der hier bediensteten Beamten.
Mit ihren Fundstücken gingen sie zurück in den Aufenthaltsraum. Maria war bereits wach und erwartete ihre Rückkehr. Antonio und Carmen erwachten, als die beiden Männer Maria von ihren Funden erzählten. Carlos wies die Gruppe kurz in den Waffen ein und wies Carlos an, Maria seine Pistole zu geben, um sich im Notfall verteidigen zu können. Zusammen nahmen sie ein Frühstück zu sich, bevor Carlos und Juan in den Ort gingen, um Vorräte und ein Fortbewegungsmittel zu organisieren.

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