Sonntag, 13. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 3

Untot - Band 2 - Kapitel 3

Das Geräusch kam aus dem Flur. Emilio sprang auf und rief seiner Frau zu, das Gewehr zu holen. Juan folgte Emilio in den Flur. Dort hatte eine der Kreaturen, Juan erkannte darin die gutaussende Tochter des Bürgermeisters, mit ihren Händen die Fensterscheibe zerschlagen und versuchte sich selbst durch das schmale Fenster zu drücken. Juan packte geistesgegenwärtig einen herumstehenden Besen und drückte das, was einmal eine wunderschöne Frau gewesen war, damit zurück.
Juan konnte nicht sehen, ob dahinter noch mehr von den Dingern waren und hoffte darauf, dass sie ihren Weg hierher nur zufällig gefunden hatte. Maria kam mit dem Gewehr zurück und traf die Männer im Flur.
„Oh mein Gott, bei Maria und Josef. Das ist Magdalena, Joses Tochter. Sie… was macht sie…“
„Verstehst du jetzt? Sie ist eine von denen. Sie haben sie getötet und jetzt ist sie wieder da, um uns zu töten. Siehst du die Wunde am Hals. Dort müssen sie sie gebissen haben. Gib mir das Gewehr.“
Emilio nahm das Gewehr, konnte es aber aufgrund seiner Verletzung nicht anlegen, was ihm in dem Moment schmerzhaft bewusst wurde, als er gerade dazu ansetzte.
„Juan. Nimm du bitte das Gewehr, ich kann nicht schießen.“
„Ich vielleicht? Ich hab noch nie mit einem Gewehr geschossen.“
„Ist doch egal. Halt das Rohr in ihre Richtung und drück ab.“
Juan nahm den Besen runter und tauschte ihnen gegen das Gewehr ein. Er ging so nah wie möglich an Magdalena heran, setzte das Gewehr an und schoss ihr in den Kopf. Der Körper der jungen Frau erschlaffte und brach über dem Fensterstock zusammen.
„Ist sie jetzt tot? Mein Gott. Ihr habt Magdalena getötet. Mein Gott… ihr… wir werden alle ins Gefängnis und in die Hölle wandern. Seid ihr wahnsinnig? Ich dachte, wir bedrohen sie, aber… oh Gott…“
Maria standen die Tränen in den Augen und ihre Stimme wurde zunehmend hysterischer. Juan öffnete die Tür und sah nach draußen.
„Mach das Licht im Flur aus. Und schließt die verdammten Fensterläden!“
Emilio drückte den Lichtschalter und zog seine Frau ins Wohnzimmer zurück. Während er sich darum kümmerte, dass die Fensterläden geschlossen waren, warf Juan einen vorsichtigen Blick nach draußen. Von der Straße kommend, sah er vier oder fünf Gestalten auf das Haus zuwanken. Sie waren ihnen gefolgt. Eventuell waren weiter hinten noch mehr, aber Juan sah momentan keinen Bedarf, das herauszufinden. Er ging ins Wohnzimmer und schloss die Tür zum Flur.
„Verdammte Scheiße, da kommen noch mehr. Ich hab jetzt nur vier oder fünf gesehen, aber der Schuss könnte noch mehr angelockt haben.“
„Wir könnten nach oben in den Speicher gehen. Die Leiter kann man einziehen, dort kommen sie nicht raus, solang sie nicht fliegen lernen.“
„Habt ihr Vorräte im Haus? Wir müssen alles zusammensuchen, was da ist und nach oben bringen. Und bring die Kinder rauf! Was ist mit deiner Frau?“
„Maria? MARIA! Verdammt, hast du nicht gehört? Such alles was an Vorräten im Haus ist und bring es auf den Speicher. Maria?“
Die Frau schluchzte und sah ihn mit nassen Augen an. Tränen liefen ihr an den Wangen herab und ihre Nase tropfte. Emilio schüttelte sie, rief ihren Namen und plötzlich war sie wieder da. Plötzlich begriff sie, dass sie jetzt etwas tun musste, wollte sie ihre Familie und sich selber vor einer Gefahr beschützen. Sie wischte sich mit ihrer Hand über die Nase und rieb sich die Augen, bevor sie aufsprang und begann, die Kinder zu wecken.
Fäuste hämmerten gegen die Tür und ein weiteres Fenster splitterte. Sie brauchten Zeit. Juan nahm den Tisch im Wohnzimmer und schob ihn gegen die Tür. Emilio raffte alles an Lebensmitteln zusammen, was er in die Hände bekam und warf es in einen Sack. Maria nahm die Kinder und brachte sie hoch in den Speicher. Eine der Kreaturen war jetzt im Flur, hatte sich wahrscheinlich durch ein Fenster gekämpft. Juan hörte, wie sie auf dem Boden aufschlug.
Bald darauf spürte Juan einen Druck auf der Tür. Emilio und Maria waren gerade dabei, soviel Sachen wie möglich auf den Speicher zu bringen. Matratzen, Decken… Die Nächte konnten verdammt kalt werden und sie hatten wahrscheinlich keine Lust, abgeschieden auf dem Speicher zu erkranken. Noch war der Druck nicht stark genug, um die Türe zu beschädigen. Noch stand da nur eine der Kreaturen, noch hatten sie Zeit.
Schläge gegen eine der Fensterläden verkündeten, dass nun die Türe nicht mehr die einzige Schwachstelle war. Die alten, klapprigen Fensterläden würden lange vorher ihren Dienst versagen und den Weg für die Botschafter des Todes freigeben. Botschafter des Todes… Juan gefiel diese Bezeichnung.
„Habt ihr auf dem Speicher Strom?“
„Ja, warum?“
„Dann nehmt noch den Fernseher und ein Radio mit. Vielleicht bringen sie nochmal was. Ach, und habt ihr ein Telefon?“
„Natürlich, ach verdammt…“
„Ja, verdammt. Reicht das Kabel auf den Speicher?“
„Es ist schnurlos. Die Batterien müssten aufgeladen sein.“
Ein Fensterladen fiel scheppernd zu Boden und gab den Blick auf eine entstellte Fratze frei. Wer immer das war, war schon länger tot. Die Haut hing ihm in Fetzen am Kopf und ein Auge fehlte. Sein Körper wies mehrere Einschüsse auf, was ihn nicht zu behindern schien. Er trat weiter an die Scheibe heran und prallte am Glas ab. Er hob seine Hände, hämmerte dagegen und Juan sah das Glas unter den Fäusten des Wiedergängers zersplittern.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen