Montag, 14. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 4

Untot - Band 2 - Kapitel 4


„Emilio, Maria, beeilt euch, sie kommen durch das Fenster. Habt ihr die Munition?“
Juan nahm das Gewehr, drückte den Lauf dem Wesen am Fenster an den Kopf und zog den Abzug durch. Der Kopf schien unter dem Einschlag förmlich explodieren und ließ den Körper des Untoten zusammensacken. Seine Position wurde aber sogleich von einem neuen Untoten eingenommen, der sofort dazu einsetzte, sich durch das Fenster ins Haus zu ziehen. Herausstehende Glasscherben bohrten sich dabei in seine Brust und rissen den Korpus auf.
Juan wich zurück und mit einem platschenden Geräusch landete der Zombie im Wohnzimmer, wobei sich seine Gedärme auf dem Boden verteilten. Der Zombie versuchte sich aufzurichten, rutschte aber auf den herumliegenden Gedärmen aus und fiel erneut auf den Boden. Juan beobachtete das skurrile Schauspiel noch eine Weile, bis ihn nachrückende Zombies zum Rückzug auf den Speicher zwangen. Juan ergriff die Leiter, zog sich nach oben und hinter sich die Leiter auf den Dachboden, der von einer alten verdreckten Birne schwach erleuchtet wurde.
Als Juan die Leiter hinter sich hochgezogen hatte, zog Emilio die Klappe zu und schob eine Kiste über die Öffnung. Juan atmete erleichtert auf und sah in die Gesichter von drei ängstlichen Kindern. Mit großen, ängstlichen Augen schauten sie auf Juan, bis Emilio sie beruhigte, ihnen erklärte, dass Juan ein Freund ist. Die Kinder beruhigten sich allmählich, hatten aber immer noch Angst, konnten nicht verstehen, warum sie sich auf dem Dachboden verstecken musste.
Emilio stellte Juan den Kindern vor. Der älteste Sohn war 12 und hieß Antonio, die neunjährige Tochter Carmen und das Nesthäkchen Miguel war vor kurzem fünf geworden. Juan beneidete Emilio einen kurzen Moment um seine Familie, war im nächsten Moment aber wieder erleichtert. Er würde seiner Familie so eine Tragödie nicht zumuten wollen. Konnten sie Hilfe erwarten? Was, wenn dieser Wahnsinn weltweit wäre? Wie viele Menschen waren schon tot, waren schon zu diesen Monstern mutiert?
Aus den Zimmern unter ihnen hörten die Überlebenden auf dem Dachboden den Lärm von zerbrechendem Glas, von umgestoßenen Möbeln und dazwischen immer wieder kehlige stöhnende Laute, die durch entweichende Luft entstanden. Juan wusste das nicht, für ihn klang es, als würden sich die Dinger da unten unterhalten. Juan wusste nicht, dass die Gehirne von Zombies tot waren, dass sie nur noch ihren Instinkten folgten und diese Instinkte verleiteten sie dazu, die Lebenden zu suchen, um sie zu Ihresgleichen zu machen. 
Juan nahm das Telefon und wählte als erstes die Notfallrufnummer, erhielt aber kein Freizeichen. Juan beendete den Anwählversuch und wählte die Nummer seines Onkels. Wieder konnte er keine Verbindung aufbauen. Die Leitung war tot. Maria sah Juan aus ihren großen braunen Augen erwartungsvoll an. Juan wollte ihren Blick nicht erwidern, wendete sich von ihr ab und legte das Telefon zur Seite.
„Nichts?“
„Nein. Ich wüsste aber auch nicht, wen ich anrufen könnte.“
„Gib mir mal das Telefon.“
Emilio wählte mehrere Nummern, hatte aber augenscheinlich auch keinen Erfolg. Sein Gesichtsausdruck zeigte deutlich die Enttäuschung und den Frust darüber, dass er niemand erreichen konnte.
„Gib mir das Telefon. Ich will meine Eltern anrufen.“
Emilio reichte das Telefon an seine Frau weiter, die ebenfalls keinen Erfolg hatte und das Telefon enttäuscht zur Seite lag. Juan sah Maria an und fand, dass sie für ihr Alter noch verdammt attraktiv war. Ihre langen dunklen Haare umrahmten das hübsche Gesicht und verliehen ihr etwas Geheimnisvolles. Ihre Lippen waren voll und rot und ihre Brüste stachen voll und fest aus dem Nachthemd hervor. Die drei Kinder hatten keine sichtbaren Spuren hinterlassen und Juan beneidete Emilio um diese Frau.
„Was sollen wir jetzt machen?“
Emilios Stimme riss Juan aus seinen Überlegungen.
„Hier warten.“
„Wie ‚hier warten‘? Wir können doch nicht ewig hier oben bleiben. Irgendwann werden uns die Vorräte ausgehen. Und dann?“
„Dann sind sie hoffentlich verschwunden. Habt ihr ein Dachfenster?“
„Ja, schon, aber was willst du jetzt…“
„Wo?“
Emilio stand auf, ging zwei Schritte und zeigte auf eine Vertiefung, die Juan im Dunkeln bisher verborgen blieb. Juan stand auf und ging zum Fenster.
„Kann ich mich auf eine der Kisten stellen?“
Juan deutete auf die herumstehenden mit alten Krempel gefüllten Kisten und sah fragend zu Emilio.
„Natürlich. Aber was…“
„Danke.“
Emilio schob eine Kiste unter das Fenster, schob es auf und sah nach draußen. Das Fenster war klein, zu klein um sich hindurchzudrücken, aber groß genug, dass Juan seinen Kopf nach draußen stecken konnte. Juan schaute in Richtung des Dorfs und fand seine Befürchtungen bestätigt. Ein heller Schein drang vom Dorf herüber und zeugte davon, dass das Feuer zwischenzeitlich wohl auch auf die restlichen Gebäude übergesprungen war. Juan stieg von der Kiste und sah zu Emilio.
„Das ganze Dorf brennt. Wahrscheinlich hat es auch die Telefonleitungen erwischt. Deshalb erreichen wir niemand.“
„Ja, das könnte sein. Also und jetzt?“
„Jetzt bleiben wir hier solange, bis die Dinger da unten weg sind und dann versuchen wir uns nach Süden Richtung Guadalajara durchzuschlagen. Sobald möglich, informieren wir die Polizei oder die Armee und versuchen am Leben zu bleiben. Als erstes würde es uns helfen, hier oben ganz still zu sein. Vielleicht verziehen sich die Dinger dann wieder.“
Emilio und Maria nickten und legten sich auf die Matratzen zu ihren Kindern. Juan legte sich auf den Boden und horchte noch auf die von unten kommenden Geräusche. Füße polterten unkoordiniert über den Holzboden und gaben immer wieder dann knirschende Geräusche von sich, wenn sie auf eine der zahlreichen Scherben am Boden traten. Wirklich Angst machte Juan aber das Stöhnen, das für Juan gleich dem Klang des Todes war.

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