Dienstag, 15. März 2011

Untot – Band 2 – Kapitel 5

Untot – Band 2 – Kapitel 5

Juan erwachte nach einem unruhigen Schlaf auf dem Boden des Dachbodens. Irgendjemand hatte ihm während der Nacht eine Decke übergeworfen. Langsam streifte er die Decke ab und stand vor dem Problem, eines menschlichen Bedürfnisses. Als er sich gerade umsah, entdeckte er Emilio und Maria. Emilio lag noch auf der Matratze und sah etwas kränklich aus. Die Wunde an seiner Schulter hatte sich entzündet. Die Haut um den Biss war stark gerötet und die Wunde selbst schien zu eitern.
Maria sah Juan und deutete mit dem Kopf auf eine Ecke des Dachbodens. Juan verstand den Hinweis und kroch langsam in die andere Ecke. Eine Kiste war geleerte und der darin befindliche Krempel über den Boden verstreut worden. Als Juan den Deckel anhob, sah er, dass er nicht der erste mit Bedürfnissen war. Schnell verrichtete er, was verrichtet werden musste und kroch leise zurück zu Maria und Emilio.
„Wie geht es ihm?“ flüsterte Emilio leise Maria zu.
„Es geht schon. Du siehst ja, dass sich die Wunde leicht entzündet hat. Es könnte sein, dass die Zähne von dem Ding nicht desinfiziert waren, weißt du?“
Juan sah Maria verständnislos an, bis er verstand.
„Haha, ja, sehr lustig. Hör mal, habt ihr eine Karte hier?“
„Nein, aber unten müsste eine sein. Warum?“
„Wir müssen unsere Flucht planen.“
„Ich kenne den Weg, Emilio kennt den Weg. Wir brauchen keine Karte.“
„Solang wir auf der Straße bleiben, mag das schon sein. Aber wir haben keine Garantie, dass wir auf der Straße bleiben können. Wir wissen nicht, wo diese Dinger überall rumlaufen.“
Inzwischen hatten sich die Kinder dazugesellt. Juan hatte nicht mitbekommen, dass sie aufgestanden waren. Die Kinder hatten Hunger und Durst, wollten wissen, wie lang sie noch auf dem Speicher bleiben mussten, was ihnen keiner beantworten konnte. Maria griff in ihren Sack und holte Brot hervor. Mit einem Messer trennte sie dünne Scheiben herab und verteilte es.
„Wir müssen unser Essen einteilen. Wir wissen nicht, wie lange wir damit auskommen müssen.“
„Wie viel haben wir?“
„Ich würde sagen, dass es normalerweise für drei, vier Tage reichen würde. Wenn wir es gut einteilen, kann es uns auch fünf Tage reichen.“
„Wir sollten nicht zu wenig zu uns nehmen. Wenn wir hier verschwinden, müssen wir unter Umständen schnell vorwärtskommen.“
Maria nickte und kaute an ihrem Brot. Aus dem Haus unter dem Dachboden kamen immer noch Geräusche. Juan konnte nicht einschätzen, wie viele von denen dort warteten, oder ziellos in dem Haus umherirrten. Juan wusste auch nicht, ob Guadalajara überhaupt noch sicher war, oder auch schon von den Wesen überrannt wurde. Die Fernsehübertrag gestern war aus dem Süden, aber in ihrem Dorf waren sie auch schon.
Eine Stadt wie Guadalajara wird aber mit Sicherheit von Armee und Sicherheitskräften bewacht. Die Regierung würde nicht eineinhalb Millionen Menschen ihrem Schicksal überlassen. Juan überlegte sich verschiedene Optionen und erhob sich, kroch so leise wie möglich zum Dachfenster. Schon von innen sah er aus Richtung des Dorfs eine kleine Rauchwolke. Die Brände waren wahrscheinlich größtenteils abgeklungen.
Viel interessanter war, dass er vor dem Haus keine Wiedergänger sah. Ihre Chancen wären größer, wenn sie sich direkt über das Dach abseilen könnten. Durch das Fenster würden maximal die Kinder passen. Eventuell könnte man die Kinder auf das Dach bringen und selbst versuchen, sich durch das Haus zu schlagen, um die Kinder draußen aufzufangen.
Juan kroch wieder zurück.
„Wo ist das Radio?“
„Das liegt dort hinten, unter einem der Säcke.“
Juan suchte nach dem Radio, fand es schließlich und steckte es an die Stromversorgung. Strom gab es offensichtlich noch, denn nach Betätigung des Ein-Schalters drang leises Rauschen aus dem integrierten Lautsprecher. Juan drehte an dem Rad zur Sendersuche und ging langsam alle Frequenzen durch. Nach einiger Zeit bekam er ein schwaches Signal.
„…ständig wiederholende Nachricht zur nationalen Sicherheit. Es wurde der nationale Notstand ausgerufen. Bitte begeben sie sich in einen öffentlichen Schutzraum oder verbarrikadieren sie sich in ihrem Zuhause. Befolgen sie Anweisungen von Polizei und Militär und achten sie auf lokale Durchsagen. Vertrauen sie niemand, achten sie bei Freunden und Bekannten auf außergewöhnliche Verhaltensmuster. Achtung, Achtung, dies ist eine automatische sich ständig wiederholende…“
Juan suchte weiter, fand aber nur Variationen der ersten Nachricht. Maria sah ihn besorgt an und die Kinder wirkten verängstigt. Emilio dagegen war wieder eingeschlafen. Die Infektion schien ihn stärker zu schwächen, als Juan gedacht hätte.
„Es ist noch nicht alles verloren. Da draußen gibt es noch Menschen, wir müssen nur hinkommen.“
„Solange Emilio geschwächt ist, gehen wir hier nicht weg. Ich bleibe bei ihm und die Kinder auch. Du kannst gehen, wenn du willst.“
„Nein, wenn ihr bleibt, bleibe ich auch. Ich schulde Emilio etwas.“

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