Donnerstag, 17. März 2011

Untot – Band 2 – Kapitel 7

Untot – Band 2 – Kapitel 7

Juan hatte keine Ahnung von Gewehren und sah hilfesuchend zu Maria. Die saß noch immer heulend und schluchzend da, und würde ihm keine große Hilfe sein. Wahrscheinlich war nur die Munition alle. Juan begann nach der Schachtel mit den Patronen zu suchen und fand sie schließlich unter einem Sack mit Lebensmitteln. Hastig griff er hinein, nahm eine Handvoll heraus und sah sich das Gewehr das erste Mal, seit er es von Emilio in die Hand gedrückt bekam, näher an.
Er entdeckte eine Öffnung, die ungefähr der Größe einer Patrone entsprach. Er drückte die Patrone in die Öffnung und hörte sie einrasten. Gerade wollte er eine zweite Patrone einführen, als er hinter sich ein Stöhnen vernahm. Die beiden Kinder schrien laut auf, als ihr kleiner Bruder ins Leben zurück kam. Juan wirbelte herum und sah, wie sich der kleine Körper aufrichtete. Die Augen waren taub und schienen durch Juan hindurchzusehen, der Mund hingegen war zu einer schrecklichen Grimasse verzogen, die Zähne entblößt und der Mund offen und bereit zuzubeißen.
Juan hob das Gewehr hoch und drückte ab. Wieder nichts. Der kleine Miguel kam näher. Juan verfluchte sich dafür, nichts mit Waffen zu tun haben zu wollen. Ein letzter Versuch. Juan lud durch, legte an und berührte damit schon fast die Stirn des Jungen. Er drückte ab und noch bevor er den Knall realisierte, sah er schon den Hinterkopf des Kinds explodieren. Seine Geschwister schrien erneut laut auf, Marias Stimme explodierte förmlich, als sie sich den Schmerz von der Seele schrie und als ob das noch nicht genug wäre, waren die Untoten im Haus jetzt wieder unruhig geworden.
Juan sah den kleinen Körper wie in Zeitlupe zusammenbrechen, sah jetzt wieder den kleinen unschuldigen Jungen, und nicht das Monster, zu dem er geworden war. In einer Nacht hatte er dieser Familie den Vater und den kleinen Bruder genommen. Natürlich war es unumgänglich, aber Juan fühlte sich trotzdem gerade unglaublich beschissen. Juan stand auf und sah in die Gesichter der Kinder, sah in Marias Gesicht und konnte den Hass aus ihren Augen funkeln sehen.
Juan räusperte sich, setzte an etwas zu sagen, verstummte aber gleich wieder. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Mit einer Entschuldigung war es nicht getan, das sah er in Marias Augen. Maria würde keine Entschuldigung akzeptieren und die Kinder wussten ohnehin nicht, was da eben geschah. So oder so hätte Juan die Arschkarte gezogen. Also stand Juan wortlos auf, hob Miguels Decke auf und wickelte Miguel in die Decke ein. In dem Moment sprang Maria auf und ging auf Juan los.
„Lass die Finger von meinem Baby. Du scheiß Monster hast mein Baby getötet“
Die Tränen liefen ihre Wange herab und ihre Stimme klang schrill, während sie auf Juan zustürzte. Juan schaffte es noch, seine Hände schützend vor sich zu halten, als Maria begann, ihn mit Schlägen zu malträtieren. Ihre Schläge prasselten auf Juan nieder. Juan setzte sich nicht zur Wehr, ließ es geschehen. Sollte sie sich doch abreagieren. Sollte sie ihren Ärger an ihm abreagieren.
Mit jedem Schlag wurde Maria schwächer. Am Ende strichen ihre Hände über Juan hinweg, bis sie die Schläge einstellte. Sie schrie jetzt ihren Zorn hinaus und noch immer flossen Tränen aus ihren Augen. Sie kniete neben Juan und sah in den Boden. Juan streckte seine Arme aus und drückte sie an sich. Erst wehrte sie sich, dann ließ sie es geschehen.
Ihr Kopf lag auf Juans Schulter, ihre Brüste drückten gegen seinen Oberkörper und ihre Tränen fielen auf Juans Rücken. Juan drückte sie fest an sich und fing auch an zu heulen.
„Maria. Du musst jetzt stark sein. Du musst dich um deine anderen Kinder kümmern.“ Presste Juan mit stockender Stimme hervor.
„Dann müssen wir die Leichen hier weg schaffen, bevor sich Ungeziefer ausbreitet. Maria? Hast du mich verstanden?“
Er drückte sie etwas weg und sah ihr in die Augen. Ihre Augen hoben und senkten sich zur Bestätigung. Maria drückte sich ab und kroch zu ihren zwei Kindern auf die Matratze, drückte sie an sich und zusammen vergossen sie bittere Tränen über ihre Verluste. Juan setzte seine grausame Arbeit fort und wickelte Miguel weiter ein. An der Stelle, an der Kopf und Hals von Miguel lagen, färbte sich Decke langsam rot. Juan vermied, mit dem infizierten Blut in Berührung zu kommen.
Nachdem er Miguel eingewickelt hatte, zog er ihn über den Boden in die Nähe der Bodenklappe. Maria sah kurz zu ihm auf, bevor sie ihre Augen schloss und stumm nickte. Juan ließ die Falltür nach unten auffallen und schob den kleinen Körper in das Zimmer darunter. Mit einem platschenden Geräusch kam er auf den darunter liegenden Brettern zum liegen. Juan zog die Klappe schnell wieder zu und wandte sich dem Körper von Emilio zu. Er sah kurz zu Maria, die immer noch im Kreise ihrer Kinder ihrer Trauer freien Lauf ließ.
Juan ging an den Platz, an dem Emilio zuletzt gelegen hatte und hob seine schlampig abgestreifte Decke auf. Wie es wohl für Emilio war, fragte sich Juan. Was er wohl gefühlt hatte, oder ob er überhaupt etwas gefühlt hatte. Juan legte die Decke über Emilios toten Körper, schlug eine Seite ein, und versuchte Emilio zu drehen. Ohne Erfolg. Juan überlegte, wollte den toten Körper nicht auf dem Dachboden haben, nicht bei den Temperaturen, die tagsüber herrschten.
Juan sah sich auf dem Dachboden um, hielt Ausschau nach einem Gegenstand, den er als Hebel verwenden konnte und wurde schließlich fündig. Er fand einen alten Schürhaken, der zwar leicht verbogen war, hierbei aber sicher gute Dienste leisten würde. Juan setzte den Schürhaken unter Emilio an und stemmte sich dagegen. Emilios Körper wurde an der Stelle, an der der Schürhaken angesetzt war leicht angehoben. Der Rest hing vorne unten hinten über. Plötzlich bemerkte Juan eine Bewegung, sah sich um und erblickte Maria, die mit entschlossenem Blick hinter ihm stand.

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