Freitag, 18. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 8

Untot - Band 2 - Kapitel 8

Noch bevor Juan etwas sagen konnte, fiel sie auf die Knie und hob Emilio an der Stelle an, an der Juans Schürhaken angesetzt war, und half Juan, den Körper umzudrehen. Juan starrte Maria an.
„Was ist? Willst du nur schauen, oder mir auch helfen?“ Marias Stimme war ihre Trauer noch anzuhören, klang aber bestimmt.
Juan sah zu Maria, nahm dann den Schürhaken weg, legte ihn zur Seite und ging neben ihr auf die Knie. Zusammen schafften sie es, Emilios Körper in die Decke einzuwickeln. Gemeinsam zogen sie ihn zur Klappe. Juan sah Maria fragend an, die ihm mit einem Kopfnicken bedeutete, dass sie damit einverstanden sei. Juan verstand, ging zur Klappe, zog den Riegel heraus und ließ sie nach unten fallen.
Statt der Leiche des kleinen Miguel sah Juan aber plötzlich in die Augen eines Toten. Dessen Arme schnellten nach oben und griffen nach Juan. Juan sprang zurück und konnte den Armen des Untoten entgehen. Juan hörte den Untoten stöhnen. Nicht nur einen, mehrere. Sie versammelten sich um die Falltür. Juan sah vorsichtig hinunter und konnte sechs Untote zählen, die ihre gierigen Hände nach den Überlebenden ausstreckten.
„Wieviel?“
„Ich sehe sechs von ihnen.“
„Was sollen wir machen?“
„Wir müssen auf jeden Fall die Klappe wieder zubekommen. Ich könnte den Schürhaken nehmen, aber die stehen im Weg.“
„Dann sorgen wir dafür, dass sie nicht mehr im Weg stehen.“ Erneut klang Marias Stimme überraschend beherrscht und dominant.
Maria deutete auf den Leichnam ihres Mannes und Juan verstand. Gemeinsam schoben sie die Leiche zur Klappe. Gierige Hände griffen sogleich nach der Decke, und zogen daran. Maria und Juan halfen nach, bis die Leiche durch den Druck und den Zug nach unten fiel. Die Hände verschwanden und Juan nutzte die Gelegenheit. Er sah nach unten und fand vier der Untoten am Boden liegen, begraben von der Leiche Emilios. Zwei weitere standen daneben und waren wohl einen Moment abgelenkt.
Juan griff an die Klappe und zog daran. Während er sie nach oben zog, sah er noch zwei weitere Untote durch die Tür wanken, die gerade dabei waren, ihre fauligen Hände nach ihm auszustrecken. Juan schaffte es noch die Klappe rechtzeitig zuzuziehen, bevor die Hände ihn erreichen konnten. Von unten hämmerten die Fäuste der Untoten gegen die Klappe. Der Riegel schepperte laut in seiner Fassung, hielt aber der Belastung stand. Juan betete, dass er der Belastung noch länger standhalten würde. 
Langsam kroch er zurück an seinen Platz und nahm das Gewehr auf. Wenn er überleben wollte, müsste er sich wohl oder übel damit vertraut machen. Juan wog das Gewehr in seiner Hand und bemerkte Marias Blick auf sich.
„Kannst du mir beibringen damit umzugehen?“
Maria nickte. „Morgen. Wir müssen uns ausruhen.“ Die Entschlossenheit war aus ihren Augen gewichen. Stattdessen waren ihre Augen müde, gezeichnet von den Ereignissen der letzten Minuten. Juan kam es wie eine Ewigkeit vor, dabei waren seit der Reanimation von Emilio vielleicht gerade mal 20 Minuten vergangen. 20 Minuten, in denen Maria und die Kinder mit ansehen mussten, wie Emilio seinen jüngsten Sohn Miguel bei lebendigem Leib auffraß. 20 Minuten, in denen Juan Emilio und Miguel eine Kugel in den Kopf gejagt hat.
Maria ging zurück zu den Kindern und nahm sie in den Arm. Den Kindern liefen noch Tränen über die Wangen, Maria konnte nicht mehr weinen. Sie hatte verstanden, dass sie jetzt für ihre restlichen Kinder da sein musste. Juan bewunderte Maria. Sie war eine starke Frau und er war sich sicher, dass sie es zusammen durchstehen könnten. Sie müssten nur zusammen Guadalajara erreichen und alles würde wieder gut werden.
Juan ging den Weg im Kopf durch. Es würde schwer oder gar unmöglich werden, die Karte aus dem Haus zu holen. Da unten warteten mindestens acht Untote. Mindestens acht zu viel. Selbst mit dem Gewehr würde es schwierig werden alle auszuschalten und unbeschadet aus dem Haus zu entkommen. Juan erinnerte sich schmerzvoll daran, was mit Emilio und Miguel geschehen war und er wollte nicht so werden. Wollte nicht als lebende Leiche enden, die Jagd auf andere Menschen macht.
Es würde auch ohne Karte gehen müssen. Juan ging den Weg im Kopf durch. Sie würden sich südlich halten müssen, vorbei an San Cristobal de la Barranca und dann am Rio Santiago entlang. Wenn sie ein Boot finden würden, könnten sie auch den Fluss nutzen, um gefahrlos einige Kilometer gutzumachen. Mit etwas Glück könnten sie es so ohne Zwischenfälle in die Stadt schaffen. Möglicherweise war das Unglück an San Cristobal de la Barranca vorbeigegangen, vielleicht könnte man sich dort auch mit Vorräten eindecken.
Juan sah zu Maria und den Kindern. Sie waren einander in den Armen liegend eingeschlafen. Trotz dem Lärm, trotz der Narben, die ihre Seelen heute Nacht davongetragen haben. Juan nahm eine Patrone, und führte sie in das Gewehr ein. Danach noch eine und noch eine und noch eine. Nach der fünften Patrone blockierte das Gewehr. Juan lud das Gewehr durch, legte es neben sich auf den Boden und fiel bald darauf in einen tiefen, unruhigen Schlaf.

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