Samstag, 19. März 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 9

Untot - Band 2 - Kapitel 9
Juan schlug die Augen auf und wurde durch helle Sonnenstrahlen geblendet. Langsam richtete er sich auf und sah sich um. Maria lag immer noch schlafend mit ihren Kindern auf der Matratze. Ihre Haare hingen ihr leicht ins Gesicht, welches im Schlaf einen wesentlich entspannteren Eindruck machte, Juan glaubte gar ein Lächeln zu erkennen. Leise schlich er zu ihrer Matratze und legte ihr eine Haarsträhne zurück, strich dabei mit seiner Hand über ihr Gesicht.
Ihr Gesicht fühlte sich weich an, ihre Lippen waren voll und ihr Haar voll. Juan fiel auf, wie hübsch Maria war und beneidete Emilio. Ob Emilio ihre Schönheit überhaupt noch wahrgenommen hatte? Ein Kind stöhnte auf und Juan schreckte zurück. In dem Moment schlug Maria ihre Augen auf und starrte Juan an. Juan sah ihr einen Moment in die Augen, bevor er verschämt den Blick abwendete.
„Guten Morgen.“
„Wenn das ein guter Morgen ist, dann will ich lieber keinen schlechten Morgen erleben.“
Juan räusperte sich.
„Tut mir leid. Die Sonne… Heute ist übrigens Sonntag. Normalerweise würde ich heute in der Kirche sitzen und mich anschließend mit einigen Freunden treffen. Ich befürchte, dass von denen keiner mehr lebt.“
„Die Kirche… meinst du, dass ist eine Strafe Gottes?“
„Diese Kreaturen? Ich weiß nicht. Nein, ich glaube nicht.“
„Aber… ist es vielleicht, das Leben nach dem Tod? Ist es vielleicht Gottes Wille, dass wir wie die werden? Wäre es vielleicht der Wille Gottes gewesen, dass Emilio uns zu sich holt? Hast du gegen den Willen des Herrn gehandelt, dich gegen Gott versündigt?“
„Ich… ich weiß nicht. Nein, ich glaube nicht, dass es der Wille Gottes ist, dass wir zu Kreaturen werden, um andere Menschen aufzufressen. Das kann nicht der Wille Gottes sein und wenn es der Wille eines Gottes ist, dann ist es nicht mein Gott.“
„Versündige dich nicht!“
„Nein, ich versündige mich nicht. Mein Gott liebt die Menschen und würde ihnen das nicht antun.“
Maria verstummte, sah ihn an, bevor sie ihren Kopf auf die Matratze zurückfallen ließ und anscheinend über das Gesagte nachdachte.
Juan stand auf, ging zum Radio und drehte es auf. Rauschen kam aus den Lautsprechern und Juan durchsuchte die Frequenzen. Wieder hörte er die Notfrequenz, die noch immer unverändert gesendet wurde. Juan suchte weiter und wechselte das Frequenzband auf Mittelwelle. Erneut ging Juan die Frequenzen durch und fand bald Sender, die in einer ihm unbekannten Sprache ihr Programm aussendeten, sogar Musik war darunter.
Die Musik wirkte motivierend auf Juan. Wenn noch irgendwo Musik gesendet wurde, musste es noch Länder geben, in denen die Katastrophe nicht zugeschlagen hat. Vielleicht war es auch in Mexiko nur eine lokale Katastrophe. Juan drehte weiter und fand einen mexikanischen Sender, der von weiter nördlich sendete. Es war die Rede davon, dass im Süden Aufstände ausgebrochen waren und die Armee alles daran setzen würde, die Aufstände unter Kontrolle zu bekommen.
Den Einwohnern wurde geraten, die Häuser nicht zu verlassen, nicht ins Freie zu gehen und daheim auf die Ankunft des Militärs zu warten. Über den gesamten Süden wurde darüber hinaus eine Ausgangssperre verhängt, Soldaten wären dazu angehalten, auf alles zu schießen, was sich nach der Ausgangssperre auf der Straße befindet. Die Regierung würde alles in ihren Möglichkeiten stehende unternehmen, um die Ordnung in Mexiko wieder herzustellen und würde dazu alle Mittel ergreifen, die dazu nötig sind.
Es wurde die mexikanische Nationalhymne eingespielt und Juan drehte das Radio wieder aus. Entweder wusste die Regierung einen Scheißdreck, oder alle Bewohner Mexikos wurden belogen. Aus welchem Grund? Was sollte die Regierung davon haben, den Einwohnern die schreckliche Wahrheit vorzuenthalten? Man musste den Menschen doch erzählen, wie sie sich zur Wehr setzen können, dass nur Kopfverletzungen bei diesen Dingern Wirkung zeigen.
Juan drehte sich um und sah in das Gesicht von Maria. Maria hatte sich leise an ihn herangepirscht, trug das Gewehr in der Hand und sah ihm direkt in die Augen.
„Was… ist?“
„Soll ich dir noch erklären, wie das Gewehr funktioniert?“
„Ja… ja, bitte.“
Maria drückte ihm das Gewehr in die Hand und zeigte ihm, wie man es richtig nachlud, erklärte ihm, dass maximal sechs Schüsse geladen werden können und welches Kaliber nötig ist, falls später Munition zu besorgen wäre. Sie lehrte ihn, über Kimme und Korn zu zielen und den Abzug durchzudrücken, ohne dabei den Lauf zu sehr zu verreißen. Juan hörte aufmerksam zu, auch mit dem Wissen, dass irgendwann sein Leben davon abhängen könnte.

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