Samstag, 2. April 2011

Untot - Band 2 - Kapitel 23


Untot - Band 2 - Kapitel 23
Es war leer vor dem Gebäude. Der Krach war nicht nach draußen gelangt, oder zu leise. Juan hatte mit Carlos vereinbart, ihm zu folgen und ihm den Rücken zu decken. Die Waffen sollten nur im Notfall abgefeuert werden, wenn möglich wollte man sich mit Hammer und Brecheisen behelfen. Auf Carlos Einkaufsliste stand ganz oben eine Machete.
Sie näherten sich einem anderen Ortseingang als zuvor Juan und fanden auch hier ein Schlachtfeld vor. Tote Menschen und verendete Tiere lagen andächtig nebeneinander und verströmten gemeinsam den Duft des Todes, der sich über die Stadt legte, wie ein Leichentuch. In der Ortsmitte fanden sie einen von einem Zaun umgebenen Pavillon, der offensichtlich als letzter Rückzugsort genutzt wurde.
Vor dem Zaun, über dem Zaun und dahinter lagen hunderte der Kreaturen. Im Pavillon lagen Gewehre und Patronenhülsen. Der Pavillon selbst war rot von dem Blut der Verteidiger. Zumindest nahm Juan das an. Carlos lief direkt auf den Pavillon zu.
„Was willst du denn dort?“
„Nach Waffen und Munition suchen. Dort haben sie alles zusammengetragen. Wenn wir hier was finden werden, dann hier.“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stieg Carlos über den Zaun und bahnte sich seinen Weg durch die Leichenberge. Hier, inmitten der Leichen, war der Gestank bestialisch. Also Juan Carlos folgte, meinte er förmlich zu spüren, wie sich der Geruch an der Kleidung festzusetzen begann. Schritt für Schritt arbeiteten sie sich vorwärts, stets darauf bedacht, nicht auf die Leichen zu treten und immer aufmerksam, ob noch Leben in den verrottenden Körpern steckte.
Scheinbar hatten die Verteidiger gute Arbeit geleistet. Als sie den Pavillon erreicht hatten, fanden sie mehr und mehr Leichen, denen der Schädel eingeschlagen wurde. Scheinbar gingen die Verteidiger am Ende zum Nahkampf über. Abgetrennte Arme lagen neben blutverschmierten Gewehren, und einem Mobiltelefon. Juan beugte sich hinunter und hob das Gerät auf. Blutspritzer zogen sich über das Display, ansonsten schien das Gerät intakt.
Währenddessen suchte Carlos nach Waffen und Munition, konnte aber nichts Brauchbares finden. Die wenigen Waffen waren zuletzt als Nahkampfwaffen verwendet worden und entweder komplett mit Blut überzogen, oder durch die Gewalteinwirkung zerstört. Oder beides. Entweder war den Verteidigern die Munition ausgegangen, oder ein paar wenige Überlebende hatten die restliche Munition mit sich genommen.
So langsam, wie sie hinein gegangen waren, gingen sie auch wieder hinaus. Nachdem sie die Leichen hinter sich gelassen hatte, machte sich Juan daran, das Mobiltelefon zu säubern. Dabei drückte er einige Tasten und das Display fing an zu leuchten. Der Akku war noch halb voll und das Gerät hatte Netz. Juan wählte die Notrufnummer, bekam aber nur eine Bandansage, die sich mit der Radioansage vor einigen Tagen deckte. In den Häusern bleiben, keinen Menschen trauen, Aufständische.
Carlos beobachtete Juans Bemühungen, ging zu ihm und nahm ihm das Telefon aus der Hand. Wortlos wählte er eine Nummer und wartete ab.
„Hallo? Papa? Wie geht es dir? Wie geht es Mama?“
Juan sah zu Carlos und beneidete ihn um den Augenblick. Er hatte eine Familie und seine Familie war noch am Leben. Nach zehn Minuten beendete Carlos das Gespräch und gab das Telefon an Juan zurück.
„Bitteschön. Meinen Eltern geht es gut, gottseidank. Sie wohnen weiter nördlich und haben mir erzählt, dass die Regierung nördlich einen Abwehrgürtel errichtet hat. Hör mal Juan, wir sollten auch nach Norden. Dort scheint die Situation unter Kontrolle. Im Fernsehen oder im Radio wird nur davon abgeraten, in den Süden zu reisen. Was Konkretes wird nicht berichtet.“
Juan hörte Carlos zu und überlegte, bevor er zu einer Antwort ansetzte.
„Ich kann dich schon verstehen und geh ruhig, aber ich gehe mit Maria und den Kindern nach Guadalajara. Guadalajara ist eine große Stadt und die Regierung ist sicher schon damit beschäftigt, die Stadt abzusichern. Dort sind wir mindestens so sicher wie im Norden.“
„Pass auf, ich begleite euch nach Guadalajara und schlage mich anschließend alleine in den Norden durch.“
„Ok… Danke.“
„Kein Problem. Ohne euch würd ich immer noch in der Zelle sitzen.“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ging Carlos los und Juan folgte ihm. Es war gespenstisch ruhig. Im Gegensatz zum Vortag sah Juan keine lebenden Ratten mehr. Die Stadt lag tot und stinkend vor ihnen. Langsam näherten sie sich einem kleinen Laden. Die Türe war verschlossen und die Markise eingefahren. Mit dem Gewehrkolben schlug Carlos die Scheibe der Eingangstür ein, wartete, beobachte den Laden und öffnete von innen die Tür.
Der Laden war nicht besonders groß, aber zum Glück noch gut befüllt. Scheinbar hatten die Einwohner die Stadt sehr überstürzt verlassen, bzw. die Gebäude aufgegeben. Juan und Carlos nahmen sich je einen Rucksack und stopften alles an Lebensmitteln und Ausrüstungsgegenständen hinein, was sie tragen konnten. Vor allem frisches, noch unverdorbenes Obst, kam den beiden Männern gelegen. Mit vollen Rucksäcken und guter Laune verließen sie den kleinen Laden. Draußen vor dem Laden hörten sie es dann. Schüsse. Sie kamen aus der Richtung, in der Maria und die Kinder auf ihre Rückkehr warteten.

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